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Der Adel Schwedens (und Finlands) : eine demographische Studie
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war das Urteil verurteilend, selten freisprechend, aber so gut wieniemals unparteiisch. Noch vor fünfzig Jahren wurde in dieser Frageein Kampf ausgefochten, der, wie er der gründlichste über diesenGegenstand geführte, so auch der letzte war. Es war die littera-rische Fehde Fryxells mit Geijer und dessen Freunden überdie Beurteilung der Aristokratie in Schwedens Geschichte. Überallin diesen Schriften merkt man, daß ihre Verfasser unter dem Ein-flüsse der damals noch ungelösten Repräsentationsveränderungstanden. Jetzt gibt es solche Fragen betreffs der Rolle des Adelsin der Geschichte Schwedens nicht mehr, die die Gemüter inWallung bringen. Seine Rolle ist ausgespielt. Nun ist es leichter,ein Urteil sine ira et studio abzugeben.

Sieht man zu, in welcher Weise die Abrechnung mit demAdel in Schweden von verschiedenen Seiten erfolgt ist, so findetman stets, daß auf sein Debetkonto sein Verhältnis in sozialer,auf das Credit sein Verhältnis in politischer Beziehung ge-schrieben ist, wobei indessen jede Seite in der Regel nur das vonihr hervorgehobene Konto hat sehen und gutheißen wollen. Aufdem sozialen Gebiete oder im Verhältnis zu den übrigen Klassender Gesellschaft liegen in Schweden, wie überall, die Sündendes Adels. Er hat die übrigen Mitbürger unterdrückt, inSchweden jedoch weit weniger, als in irgend einem anderenLande, selbst England nicht ausgenommen, dessen früher kräftigerBauernstand vollständig der Lüsternheit des landbesitzenden Adelserlegen ist. Möglich, daß die genannten, für Schweden eigen-tümlichen Verhältnisse mehr durch die Widerstandsfähigkeit andererGesellschaftskräfte gegen Übergriffe, als durch die mangelndeLust dazu seitens des Adels veranlaßt worden sind. Allein esist doch der Adel selbst, der, überwiegend freiwillig, wenn dieMeinung reif dafür war, auf die Reichtümer und Privilegien, diedie aufwärtsgehende aristokratische Bewegung der Gesellschaftihn früher hat einheimsen lassen, verzichtet hat. Ohne deneigenen, wiewohl teilweise durch die Eifersucht des niederenAdels auf die großen Geschlechter errungenen Beistand des erstenStandes hätte Karl XI. niemals die grosse Reduktion durchführenkönnen. Und auch die ganze folgende Abschreibung der Privi-legien des Adels bis 1865, wo er die letzte ihm gebliebene, dienackte Existenz als Stand, aufgab, ist mehr mit als gegen denWillen und die Zustimmung des Adels geschehen. Dieser letztere

Fahlbeck, Der schwedische Adel. 2