St. Gotthard.
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süssen Lauten der lieblichen Sprache begriissen, rührte michunendlich. Wäre ich an diesem Tage ein junger Burschevon 16 Jahren gewesen, hei Gott! ich hätte zu kämpfen ge-habt, um keinen dummen Streich zu begehen. Und wenn michauf der einen Seite die heftigste Selmsucht nach Italien trieb,so hatte ich auf der andern den grüssten Wunsch, über Furkaund Grimsel nach dem Haslithal zu gehen, eine Reise, die wirleicht hätten machen können, wenn wir uns vorher daraufeingerichtet hätten. Den ganzen Tag hatte ich die Möglich-keit berechnet, noch Abends, wenn auch allein mit Dominique*),auf den Gotthard zu steigen, es sind nur noch 3 Stunden vonUrserntlial, aber es war nicht möglich, ich musste mich be-scheiden. — Abends, allein auf meinem Zimmer, A r erlebte icheine Stunde, die ich nie vergessen werde. — Gestern frühwurde mir der Abschied sehr schwer. Es wollte mir garnichtin den Sinn, das liebliche schöne Thal zu verlassen, wiedernördlich zu reisen, wieder in die schreckliche Wildniss zu gehenund das betäubende Geräusch des Stromes zu ertragen. In derj Morgenbeleuchtung war das Thal unendlich reizend, die kleine
Kapelle Mariahilf war schön beleuchtet, die Matten glänztenim Thau, die Gletscher waren mit grünlichem Licht überstrahlt,der Gotthard erhob sein Haupt in die reine Luft, nichts glichder Ruhe dieser Morgenfeier, ich kann Dir nicht sagen, wiebewegt ich war: und nun all dieser holden Anmuth den Rückenwendend, wieder durch die Schauerliühle, in die wilden Schluchten.Allein auch diese verloren in der Morgenklarheit von ihren Schreck-nissen, uns wenigstens imponirten sie lange nicht so, wie amAbend vorher.
Ich ging einen grossen Tlieil des Weges ganz allein, mirstill überdenkend, was ich gesehen und was mir das innersteGemütli so sehr bewegt. — Von fernher vernahm ich die Morgen-glocken aus dem Dorfe Göschenen, ihr Klang war gar feierlichimd schön und der Gletscher hinter dem Dorf vom hellstenf Sonnenlicht beschienen. Ich muss einige wunderschöne Mädchen
erwähnen, mit welchen wir uns in Wasen unterhielten. — Wir
*) Der Führer.
Die Familie Mendelssohn. I.
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