Druckschrift 
1 (1888)
Entstehung
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Moses Mendelssohn.

Wenn wir einen Blick in die Jugendgeschichte grosserMänner thun, so wird es uns in der Kegel nicht schwer, diegünstigen Momente, denen sie ihr Gedeihen verdankten, heraus-zufinden. Bald kennen wir ihre Eltern selbst als bedeutendeNaturen, bald sind es einzelne Lehrer, die den Funken, derin der Kindesseele schlief, anfachten; fast immer aber wurzelnsie wenigstens in dem fruchtbaren Boden einer gebildeten undmit reichen Bildungsmitteln ausgestatteten Gesellschaft. Nichtso Moses Mendelssohn; schwer erklärbar aus den Vorbedin-gungen, in denen er aufgewachsen, erfüllte er eine gewaltigeAufgabe unter den denkbar ungünstigsten Umständen.

In der Mitte des vorigen Jahrhunderts befanden sich dieJuden in Deutschland in der gedrücktesten Lage: durften.sieauch nicht mehr in majorern dei gloriam gemartert und ge-plündert werden, so wurden sie dagegen „von Staats- undRechtswegen" allen nur erdenklichen Beschränkungen unter-worfen; fast jeder Lebensberuf war ihnen abgeschnitten; invielen Städten durften Juden garnicht, in andern nur in gewisserAnzahl wolmen; die Judenviertel sind noch heut nicht überallüberwundene Standpunkte! — Hier war ihnen das Wolmen inEckhäusern verboten, dort wurde ihnen nur eine bestimmteAnzahl Heirathen erlaubt, überall aber belastete man sie ausserden allgemeinen Staatssteuern noch mit den verschiedenartigstenAbgaben, theilweise ausgesucht beleidigender Art. So z. B.

Die Familie Mendelssohn. I. 1