Wilhelm Hensel.
Es muss liier ein Ereigniss erwähnt werden, das, so fernliegend es auch dem Anschein nach ist, doch auf die Lebens-schicksale der ältesten Tochter Fanny vom endscheidendstenEinfluss werden sollte. Im Januar 1821 waren der GrossfürstThronfolger Nikolaus von Bussland und seine Gemahlin in Berlin,hei welcher Gelegenheit grosse Hoffestlichkeiten stattfanden.Am 27. gab es lebende Bilder und pantomimische Darstellun-gen, zu denen als Gegenstand das damals neue und die Rundedurch Europa machende Gedicht von Moore, Lalla Rookh, ge-wählt war. Die dabei entwickelte Pracht, die Fülle der Edel-steine und Perlen, die kostbaren Stoffe und Waffen, die Ver-einigung der schönsten und vornehmsten Personen machten dasFest zu einem seltenen, genussreichen. Als die Vorstellung,vorbei war, rief die Darstellerin der Lalla Rookh — die Gross-fürstin seihst — seufzend aus: „Ist es nun wirklich vorüber?Und sollen andere, sollen spätere Zeiten keine Erinnerung andiesen glücklichen Abend haben?" Der König hörte es, undwie man sonst nach Gemälden lebende Bilder stellt, so besclilosser, die lebenden Bilder durch den jungen Künstler, der sie ge-stellt, in einem Prachtwerk malen zu lassen; alle MitwirkendenBassen zu ihren Portraits. Wilhelm Hensel stellte das vollen-dete Werk, ehe es an seinen Bestimmungsort Petersburg fürdie Grossfürstin abging, einige Tage in seinem Atelier aus undlernte dort Fanny Mendelssohn Bartholdy, seine spätere Gattin