Druckschrift 
1 (1888)
Entstehung
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108
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Abraham Mendelssohn Bartholdy.

Weimar, den 10. November.

„— — Montag war ich bei der Frau v. Henkel und auchbei Sr. Königl. Hoheit dem Erbgrossherzog, dem meine g-moll-Sonate sehr wohl gefiel. Mittwoch Abend war Oberon vonWranitzky, eine recht hübsche Oper. Donnerstag früh kamendie Grossherzogin und die Grossfürstin und der Erbgrossherzogzu uns, denen ich vorspielen musste. Und nun spielte ichvon 11 Uhr mit Unterbrechung von 2 Stunden bis 10 Uhrdes Abends, und die Phantasie von Hummel machte denBeschluss. Als ich letzt bei ihm war, spielte ich ihm dieSonate aus g-moll vor, die ihm sehr wohl gefiel, wie auchdas Stück für Begasse, und für Dich, liebe Fanny. Ich spielehier viel mehr als zu Hause, unter 4 Stunden selten, zu-weilen 6, ja wohl gar 8 Stunden. Alle Nachmittage machtGötlie das Streicher'sche Instrument mit den Worten auf: „Ichhabe dich heute noch garnicht gehört, mache mir ein wenigLärm vor" und dann pflegt er sich neben mich zu setzen, undwenn ich fertig bin (ich pliantasire gewöhnlich), so bitte ichmir einen Kuss aus, oder nehme mir einen. Von seiner Güteund Freundlichkeit macht Ihr Euch gar keinen Begriif, ebenso-wenig als von dem Reichthum, den der Polarstern der Poetenan Mineralien, Büsten, Kupferstichen, kleinen Statuen, grossenHandzeichnungen u. s. w. u. s. w. hat. Dass seine Figur im-posant ist, kann ich nicht finden, er ist eben nicht viel grösserals Vater. Doch seine Haltung, seine Sprache, sein Name, diesind imposant. Einen ungeheuren Klang der Stimme hat er,und schreien kann er, wie 10,000 Streiter. Sein Haar ist nochnicht weiss, sein Gang ist fest, seine Rede sanft. Dienstagwollte Professor Zelter mit uns nach Jena, und von da ausgleich nach Leipzig. (Bei Schoppenhauer's sind wir oft, Freitaghörte ich Molke und Strohmeier daselbst, hier auf dem Theaterist eine 14jährige Sängerin, Fanny, die letzt im Oberon d freifasste, stark und rein, und f hat.) Sonnabend Abend warAdele Schoppenhauer (die Tochter) bei uns, und wider Gewohn-heit Göthe auch den ganzen Abend. Die Rede kam auf unsereAbreise und Adele beschloss, dass wir Alle hingehen und unsProfessor Zelter zu Füssen werfen sollten und um ein Paar