Druckschrift 
1 (1888)
Entstehung
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Dorothea Mendelssohn.

Eoman gehalten, ist der Florentin in seiner bescheidenen Un-selbständigkeit ein hundertmal besserer Eoman, als die Lucindemit ihrer anmasslichen Originalität."

Während Dorothea so in litterarischer Tliätigkeit leidlicheBefriedigung fand, wurde ihr diese in ihrem häuslichen Lebensowohl durch Friedrich Schlegel's Launenhaftigkeit, als durchdas immer unfreundlicher werdende Verliältniss zwischen ihrund Caroline, Wilhelm's Gattin, nicht in gleichem Masse zuTheil, Zerwürfnisse, bei denen der Löwenantheil der Schuldauf Letztere fällt. Der üble Einfluss dieser Frau wurde aberbald dadurch aufgehoben, dass sie sich von ihrem Gattentrennte, um den Philosophen Schelling zu heiratlien, der zuvorihre Tochter erster Ehe, Auguste Böhmer, gewählt hatte, sichaber, als diese starb, der Mutter zuwandte, und — abermalsein Zeichen jener Zeit — keineswegs mit seinem FreundeWilhelm Schlegel deswegen zerfiel, sondern sie ungehindertheimführte.

Friedrich Schlegel, dessen Arbeiten in Jena wenigerglücken wollten, als die seiner Freundin, riss sich endlich (imJahre 1802) aus den hemmenden Kreisen los und reiste mitDorothea und deren Sohn Philipp Veit nach Paris, wo Doro-thea zum christlichen Glauben übertrat, und die Liebenden denBund der Ehe schlössen. Hier widmete sich Schlegel mit Er-folg seinen indischen Studien, gab (1803) eine Zeitschrift„Europa" heraus, eröffnete ein Kollegium und sammelte einenKreis um sich, von dem es in „Schmidts Necrologen" lieisst:„Friedrich von Schlegel lud seine deutschen Bekannten undFreunde Sonntag Abends zum Thee; öfters las er dann ausShakespeare, oder ein Stück von Tieck vor, wo sich beimZerbino u. a. 0. Gelegenheit fand, die Masken zu nennen undergötzliche Kommentare zu machen. Er las ausserordentlichschön; dieses Lob lehnte er ab, und äusserte, nur Tieck leseganz herrlich, zumal den Shakespeare; dies ist wahr, dochwenn man richten sollte, müsste man eingestehn, Tieck ist derErste in der Kunst, Schlegel in der Natürlichkeit desVortrages. Es ging sehr angenehm in diesem Kreise zu.Dorotheas vorsorglicher, liebender Sinn wusste überhaupt die