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Über die Hamburgische Armenanstalt von 1788 - 1794
Entstehung
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Wohl eingerichtete Zufluchtshäuser, für verführte Per-sonen weiblichen Geschlechts, wie deren mehrere in Eng-land sind, würden gewiß ein Palliativ gegen ein großesmoralisches Ucbel seyn, dessen Keime in unfern Sitten sotief eingewurzelt sind, daß eine gründliche Kur und Ver-tilgung desselben blos ein Werk der Zeil und der Triumpheiner glücklichern Generation seyn wird.

Wenn dereinst die Geschichte der Armen völlig ins Lichtgesetzt ist, so wird man sehen, welch ein großer Thcil der Nothund des Elendes der Niedern Stande aus örtlichen Jrrthümcrnund Vorurtheilcn, aus Unwissenheit und Mangel an Be-lehrung entspringt. Es wäre wahrlich der Aufmerksamkeitund Bcherzigung eines wahren Philosophen nicht unwürdig,diese Vorurtheile ans Licht zu ziehen, und, in allgemein ver-ständlicher Sprache, dergleichen Belehrungen, in der Formeines Allmanachs, entweder umsonst, oder doch so wohlfeilzu geben, daß sie in Jedermanns Händen seyn könnten.

Und wer weiß nicht, daß die mchrstcnGesangnisse,gerade die Derter, welche die Verbrecher zur Arbeitsamkeitund Tugend zurückführen sollten, die Schule neuer Ver-brechen sind? Wer fühlt nicht das Unglück solcher Leute,deren einziges Verbrechen die Armuth ist, wenn er sie ineinerlei Verwahrung mit den Bösewichtern, und in solcheWerkhäuser gebracht und zusammengehaust sieht?

Der nicht zu berechnende Schaden, welcher durch dieseUmstände angerichtet wird, kann uns einen Begriff von demGuten geben, das sich noch schaffen ließe, und sollte billiguns in dem ernstlichen Vorsatze bestarken, alles zu thun,was nur irgend unsere Lage in einer so großen und wich-tigen Angelegenheit zu thun. erlaubt. Wenn irgend einegroße Unternehmung gelingt, so ist sie eine moralische Ent-deckung, deren Verheimlichung ein Verbrechen seyn würde;und wenn irgend Jemand auf dem Wege und in der Ab-sicht, Gutes zu thun, mit dem Andern zusammen trifft^so sollte er da wenigstens versichert seyn können, einemBruder die Hand zu drücken.