— 13 —
um annehmen zu können, daß der eingestandene Erwerbeines halben Thalers so gut, als etwas mebr, anzusehen scy.
War die Antwort bejahend, so bedurfte der Armekeiner wöchentlichen Beihülfe. Fiel sie hingegen verneinendaus, so gab man ihm Arbeit, deren um 30 Proccnt denWerth übersteigende Bezahlung ihm leicht noch einen hal-ben Thalcr die Woche verschassen konnte, wenn er auchnicht sonderlich fleißig war. Ungleich häufigere Falle aberwaren eine fast völlige Unfähigkeit des Alters, oder Schwä-che, oder Mangel an Geschicklichkeit. Zum Besten dieserletztem Armenclasse ward eine Schule angelegt, und sielernten in einem Vierteljahre leicht das Spinnen. Wäh-rend dieser Zeit erhielt der Arme zuerst wöchentlich einenhalben Thalcr, und jede Woche hernach etwa vier Schil-linge weniger, bis er in der zwölften Woche gar nichtsweiter als seinen Arbeitslohn erhielt, und mit einem Spinn-radc und einem ihm geschenkten Pfund Flachs, entlassenwurde.
Der Belauf der Arbeit, welche unfähige Arme wö-chentlich zu liefern im Stande waren, wurde leicht undgenau durch einen wöchentlichen Versuch in der Spinn-schule festgesetzt. Das Resultat wurde wöchentlich den da-zu bestimmten Mitgliedern des Armcnwcscns vorgelegt,und die Summe, welche der Arme verdienen konnte, wurdein seinem kleinen Buche bemerkt. Der Armenpfleger be-kam den Auftrag, ihm wöchentlich so viel zu geben, alssein Verdienst unter einem halben Thaler in jeder Wochebetrug, im Fall sichs aus seinem Buche ergab, daß er,seiner Fähigkeit nach, nur so oder so viel hatte verdienenkönnen.
Von Stund an wurden nunmehr die Anforderungenseltener; und man hatte eine untrügliche Richtschnur, wirk-liches Bcdürfniß zu unterscheiden. Denn so oft ein ge-sunder Armer (für die Kranken ward gesorgt) nicht so vielverdient hatte, als er konnte, so war er entweder unfleißiggewesen, oder er hatte einen einträglichem Verdienst gehabt;