Glauben schenkend, die feste Burg den Kurfürstlichen. Dem gegebenenWorte zuwider liess jedoch der kurfürstliche Sekretär Anton Destel sämmt-liche Behältnisse und Kasten auf dem Wendelstein öffnen und eignete sichdaraus alles Werthvolle an.
Bei dieser Plünderung büssten nicht allein Heinrich von Witzleben,sondern auch die von Werthern auf Beichlingen, welche in den unruhigenZeiten ihre Kostbarkeiten bei ihrem Vormunde und Verwandten auf demfesten Wendelsteine geborgen glaubten, ihr Silberzeug" im Werthe vonmehr als 1500 Fl. ein. Hierzu kam noch der Schaden, welchen Heinrichdurch Wegnahme seiner Pferde und Rüstungen und in Folge der fünf-monatlichen Einquartirung kurfürstlicher Reiter und Knechte zu tragen hatte.
Wir wollen den sonst so umsichtigen und Heinrich treu ergebenenJason nicht verdammen, dass er dem kurfürstlichen Briefe Glauben schenkteund die Thore des Wendelsteins den feindlichen Völkern öffnete, da wirnicht beurtheilen können, ob Jason Aussicht hatte, die Feste durch tapfereGegenwehr seinem Herrn erhalten zu können, was freilich das Ehrenhaftereund Wünschenswerthere gewesen wäre. Hatte übrigens das treulose Ver-fahren Pestelis die kurfürstliche Sanction erhalten, so liess die Nemesisnicht lange auf sich warten, denn bereits am 24. April 1547 wurde JohannFriedrich bei Mühlberg geschlagen und musste dem Kaiser Carl V. in dieGefangenschaft folgen.
In Betreff des Werthernschen Silbers hatte zwar Pestel und ausser-
Gattin Elisabeth, überlebte seinen Junker Heinrich von Witzleben, wurde der Vormunddessen einzigen Sohnes Wolf Dietrich und starb am 31. Mai 1562 ohne Kinder. Vonihm sagt Beiz, der Leichenredner Heinrichs von Witzleben: „Anno 1562, den 31. Mai,um 12 Uhr im Mittage, ist der Edle und Ehrenveste Jason von Witzleben zu Eoss-leben, Vormunde des jungen von Witzleben, Kirchen, Schulen und armen Leuten einsehr nutzer, auch bei Graffen und Herren wohl gehaltener Mann, in beständigem Glau-ben und Anruft'unge, in Christo scligliclien entschlafen. Hat bis an den letzten Athemden tewren Spruch, Rom. 14, 8: Leben wir, so leben wir dem Herrn, sterben wir, sosterben wir dem Herrn, darum wir leben oder wir sterben, so sind wir des Herrn— imMunde geführt. Weichs ich, der ich sein Ende besessen und neben dem erbarn undfürnehmen Hans Fürkauff, Richter zu Buttendorf, die Augen zugedrückt, wie von unsbeiden dem seligen und tlieuren Mann Heinrichen von Witzleben auch geschehen, mitWahrheit für Gott und der Welt bezeugen." —
Nach mancherlei Auseinandersetzungen mit Jason's Wittwe, die mit 1000 Fl. be-leibzüchtet war, lind den Töchtern resp. Schwiegersöhnen der Schwester Jason's fielder grosse Hof wieder an den Besitzer des Wendelsteins und diente Heinrichs Enkel,dem unglücklichen Philipp Heinrich von Witzleben, zum Asyl. Jetzt ist in ihm dieDorfpfarre.