Zehn Jahre später kommt nun unter andern vornehmen Bürgern zuErfurt ein Werner von Witzleben mit seinem Sohne Conrad (25)vor, dem der Landgraf Friedrich von Thüringen am 19. November 1346363 Mark löthigen Silbers schuldete und dafür auf ein Jahr sein Geleit (d. h.Zoll) zu Leipzig mit allen Gefällen, Nutzen und Beeilten überliess. Wernermuss also ein reicher und angesehener Mann gewesen sein, und ist esnicht unwahrscheinlich, dass er das Schultheissenamt in Gotha aufgegebenhatte, um sicli in dem bedeutenderen Erfurt niederzulassen..
Nicht lange nachher nahm er an der Judenhetze in Erfurt thätigenAntheil.*) Als nämlich in den Jahren 1347—49 in Thüringen vieleMenschen starben, kamen die Juden in den Verdacht, die Brunnen ver-giftet zu haben, und die übliche Hetze begann. In Erfurt waren mehrereJunker, welche nicht nur danach trachteten, die Juden, welche in derStadt unter Mainzischem und des Käthes Schutz sassen, zu erschlagen,sondern auch hofften, bei der daraus entstehenden Verwirrung das Stadt-regiment an sich zu ziehen. Mit ihnen hielten es etliche Bathsherren,die Löber und Zichener,**) die Fleischhauer, Kürschner, Weber imd Weiss-gerber, denen sie vorgeredet hatten, dass das Erschlagen der Juden aufdes Baths Geheiss geschehe. Als der Lärm nun losging, schickte derRath seine Diener den Juden zu Hülfe. Allein der Auflauf war allz u gross,so dass weder der Rath, noch die Vierherren gehört wurden, und obgleichman einige Junker gefangen nahm und in den Thurm setzte, wurden dochan 100 Juden erschlagen; die übrigen aber, die keine Rettung sahen, ver-brannten sich „als verzweifelte Buben" mit ihren Häusern und aller ihrerHabe. 6000 sollen so umgekommen sein. Von den Rädelsführern musstenGtintzel von Rockstedt, Helwig von Goldschmidt, Schaller und Andere ihrLeben lassen; Cunz von Witzleben, Sander von Schmira und 40 Anderewurden flüchtig oder vertrieben.
Im Besitze des Stadtraths Hermann zu Erfurt befinden sich einigeBruchstücke (abgedr. in der Zeitschrift d. Vereins für thttr. Gesch. IV.p. 150 ffg.) aus dem Verhör des hingerichteten Schüller. Danach hattenmit ihm das Judenschlagen begonnen Ditzel Hottermann, Herrn Sieg-hardts Sohn, Hermann Hasse, Gtintzel von Rockstedt, Apel von Hallesrad,
*) Ausführlich beschrieben in der Högel'schen Chronik (Manuskript auf der Raths-bibliothek zu Erfurt).
**) Die Löber fabricirten wollenes Zeug, die Zichener eine Art Inlett.