zwar blessirtcn Knechtspferdes dos Major v. Gfug, das bei der Bagage war. Und da der Feind, der von Weimar herkam, siehhinter uns mit der Bagage amüsirt haben mag, bekamen wir Zeit, uns glücklich zu entfernen. Jedoch in der Verwirrung warder Musketier, dem ich, der Lieut. v. E. II., die eine der bei Kerspeleben gefundenen Fahnen zu tragen gegeben, von uns ab-gekommen. und unser Häuflein, das um die 3 Fahnen, die wir beide Gebrüder unter Anführung des Major v. Gfug führten,geblieben, bestand aus 7 Mann. Und so hielten wir den 15. October um Mittagszeit nach 11 Uhr unseren Einzug zum Kraempfer-Thor in Erfurt, wo der Major v. Gfug rosolvirte, unsere 3 Fahnen auf den Petersberg in die Hände des Commandanten desForts' daselbst, des Major v. Prueschenck, zu überliefern, welches auch gegen 1 Uhr durch uns geschehen ist. Mich, den Lieut.v. E. I. , beorderte der Major v. Gfug, dem G.-L. v. Larisch, der eine starke halbe Stunde von Erfurt mit einem Corps stand,die Rett- und Ablieferung der Fahnen zu melden, welche befolgte Meldung zumal bei meinem müden Pferde 1 Stunde Zeitwegnahm. Ich, der Lieut. v. E. II., begleitete den Major v. Gfug zum Feldmarschall v. Müllendorf, welcher auf demsogenannten Anger in der Nähe des Römischen Kaisers sich befand, zu welchem der Major v. Gfug hineingelassen ward unddie Rettung der Fahnen meldete. Nachdem wir darauf nebst dem Major v. Gfug uns zu unserm im sogenannten Spitteiguteschwer blessirt liegenden Commandern 1 , den Hrn. Major v. Ehra, begeben hatten, so verfügten wir uns darauf gegen Ende desNachmittags auf den Petersberg, wo das 3. Bataillon unseres Regiments stand, und befanden uns auf dem Ravelin am Anselms-thor, als zwischen 9 und 10 Uhr an dem unglücklichen 15. October 1806, wie wir kurz darauf erfuhren, die Capitulation ab-geschlossen ward. Um die Mitternachtszeit gingen wir vom Petersberge in die Stadt; allein gegen Morgen fanden wir die Thorealle mit starken feindlichen Wachen besetzt und alle möglichen Auswege versperrt. Gegen 9 Uhr Morgens den 16. 8 br rücktedie Garnison, um das Gewehr zu strecken, aus, französische Commissairs zeichneten die Namen sämmtl. Offlciers auf und auchuns ward ein Revers abgefordert, bis zum Frieden oder Auswechselung nicht gegen Frankreich und seine Aliirten zu dienen.Nun blieb uns Nichts übrig, als uns einen Pass geben zu lassen, um zu den Unsrigen immittelst uns nach Dresden zu begeben,wo wir bis Ende Mai d. J., da Seine Königl. Majestät die Gnade gehabt, uns wieder anzustellen und in Thätigkeit zu setzen,zum grüssten Theile verblieben sind."
Nr. 159. Schreiben Wilhelms von Eberstein an seinen Sohn Gustav, u. A. Schilderung der Zeitnoth enthaltend.
Welche Unruhe, Angst und Notli wir seit dem April hier erleben und stets haben, wirst I)u und Dein Bruder Moritz,wenn Ihr unsere precaire Lage in Dresden bedenkt, Euch selbst schildern können. Der König und alle Kassen hatten unsverlassen, im April waren der Dienerschaft 2 Monat Tractam. ausgezahlt, und ob das wieder geschieht, hängt von den Ereig-nissen ab. Der bekannte Schill hatte so nach den Kassen in Wittenberg eine christliche Absicht gehabt; allein Gott seiDank, das ward vereitelt. Von unseren Befürchtungen zu schreiben, wäre überflüssig. Dann wann Gott uns nicht schützt,wer kann, wer will uns schützen, und welche Aussichten hat jeder ehrliche Mann, wann er an seine und der Seinigen Existenzdenkt. Gleichwohl ist nicht zu läugnen, dass Gott über Sachsen noch seine Hand gehalten. Der arme König ist in Leipzig.An unsern Grenzen sind stete Veranlassungen zur Furcht. Die Zeitungen werden Euch die Einnahme von Wien und wasvorherging und resp. folgte, bekannt gemacht haben etc. Auch im preuss. Staate ist Unordnung, Neuheitsgeist und Inconsequenz,wie allenthalben etc. Sehr viele Sachen bedürfen in jedem Fache der Staats-Oeconomie und Verwaltung Verbesserung. Ist aberjetzt in stürmischen Zeiten die. Periode, solche mit Umstürzung alles Alten vorzunehmen? Gott vergebe das denen Rathgeberndes armen Königs, die ihm jetzt Alles umzuwälzen riethen etc. Diese Ruhmsucht der Staatsmänner etc. wird und muss dieStaatsmaschine ganz herunter bringen etc. Eine 40jälirige Erfahrung und das Studium der Geschichte hat es schon so oftgewiesen etc. Es ist weiser und schwerer, nachzuhelfen, als umzuwerfen etc. Man denkt, wenn es anders wird, so wird esbesser — und das ist nicht war. — Carl ist den 29. Mai bei Linz gewesen. Von George weiss ich seit dem 9. Mai Nichts.Von Ernst und Franz Nichts seit bald 4 Jahren. Die Mutier und Emilie und Lottchen grüssen herzlich etc. Wenn beiEuch so viele den Abschied nehmen (wie Moritz geschrieben, von dem eben ein Brief, in wahrer Fieberhitze verfasst, einläuft),desto besser für Euch, wenn Ihr aushaltet und temporisirt. Gott wird helfen. Dann wann auch Alles zusammenstürzte,welches Gott, der Alles lenkt, verhüten wolle, so bleibt doch das ostpreussischc Militair etc. Der solide, vernünftige Mann vomStande duldet mit Resignation die üblen Zeiten, er verschluckt seinen Kummer, thut seine Schuldigkeit gewissenhaft und harretaus etc. Notli ist allenthalben etc. Wartet ruhig noch 24 Monate ab, und es muss ein Sturm oder eine Ruhe kommen etc.Wilhelm sandte ich etc. 8 Friedr. d'or etc. Der Feldmarschall G. Kalkreuth hatte mir im Januar geantwortet und ver-sprochen, ihn zur Anstellung zu empfehlen etc. Sollte Grf. Kalkreuth ihm nicht eine Empfehlung nach Russland gebenkönnen, dort angestellt zu werden. Dann ohne einen Fuss, im 30. Jahre auch den halben Sold zu verlassen, ist doch bedenklich.Und in einigen "Wochen wird sich es erstl. zeigen, ob sein Project, das er hatte, nur denkbar ist — mehr darüber zu sagen,ist der Feder verboten. — Ist einst Preussen im Falle, Truppen zu brauchen, welches doch sich ereignen kann, —so werdendie Ausharrenden doch nicht zurückbleiben etc. Moritz hat mir ein tolles Heirathsproject communicirt, abermals mit d. Frl.v. G. Jetzt ist Zeit, zu heirathen, das ist für ihn eine Sache. Indessen glaube ich nicht, dass diese Ehe im Himmel ge-schlossen ist, sonst müsste sie sich von selbst machen. Ich will nun schliessen. Alles grüsst Euch, was Euch gekannt hat,und nimmt Theil an Eurem Ergehen etc. Die Fr. v. Selmnitz ist wieder hier. In Thüringen ist die Notli gross und dieAussicht zu einer schlechten Ernte — wenn Gott nicht hilft. — Unser arme König — Und so ist Jeder, der duldet undleidet etc. Lebt wohl, Mutter und Geschwister segnen Euch, die ich alle der Obhut des Höchsten, der meinen Kummer ändernwolle, entlasse. Eberstein g. v. B.
Dresden, den 6. Junius 1809.
Mein Grossvater, der Hof- und Justitienratli Wilhelm Freiherr von Eberslein, und meine gleichfalls zu Dresden ver-storbene Grossmutter sind auf hiesigem alten Neustädter - Gottesacker beerdigt worden. Die Aufschrift des Grabsteines lautet :„Denkmal des Königl. Sachs. Hof- und Justitienrathes Hrn Wilhelm Freyherrn v. Eberstein genannt von Eüring, geboren am11. Februar 1753 zu Tilsit in Ostpreussen, gestorben als Vater von 9 Kindern zu Dresden d. 14. May 1811, Und dessen Ehegattin*)Fr. Johanne Eleonore geb. von Teutscher, geboren zu Leipzig den 10. August 1749, gestorben den 25. Januar 1823."
Diese Inschrift verdanke ich der Frau Generalin von Carlowitz geb. von Ingenhäff zu Dresden.
*) Der Kurator der beiden Töchter Emilie und Charlotte, der Reg.-Secret. Jähnichen, zeigt am 25. Januar 1823den Tod Ihrem Sohne Gustav mit den Worten an : „Heute des Morgens gegen 6 Uhr ist die vortreffliche Frau, deren Herzens-güte ich persönlich zu kennen so glücklich war, in den Armen Ihrer Schwestern verschieden. Ew. Hoch- und Wohlgeborensoll ich diesen Unfall und dass die Beerdigung der Verstorbenen auf den 29. Januar d. J. Mittwoch früh 8 Uhr bestimmtworden, vermelden."
Mein Vater, der oben oft genannte Gustav Adolf Frlir. von Eberstein , geehrt durch Königliche Anerkennung und König-lichen Dank für sein „gutes Benehmen in und nach der Schlacht bei Auerstedt," wurde später auch geschmückt mit dem EisernenKreuze für seine Tapferkeit bei Dennewitz. Seine Tochter Juliane Gustavine Charlotte verlieirathete sich am 23. Januar 1843mit Heinrich Niemeyer, damal. ev. Prediger auf dem Frauenberge zu Nordhausen (nachmal. Pfarrer zu Gehofen), dessen VaterChristian Niemeyer, Prediger zu Dedeleben, die Hochzeitsgäste mit nachstehendem, dem ,,lieben Brautpaare" gewidmeten„Hochzeitlied" erfreute:
(M e 1.: Bekränzt mit Laub u. s. w.)
Der Frauen-Berg, der Frauen-Berg soll leben! Sonst seufzte dort in düstern, öden Zellen Der Probst sass auch allein in grauen Mauern,
Das ist ein schönes Wort! Der Nonnen bleicher Chor. Wo nun die Freude blüht.
Die Frauen hoch! die Glück ins Leben weben Sie durften keinen Freund sich zugesellen, Verschwunden ist das Seufzen und das Trauern,
Hier und an allem Ort! Verschlossen war das Thor. Da man Frau Pröbstin sieht.
Yivat Frau Pröbstin, diese holde Dame! Und vivant Alle, die hier oben wohnen,
Des Probsts Glückseligkeit! Die Frauenberger all!
Und vivat Eber stein, der edle Name Gott möge ihnen treue Liebe lohnen!
In alt' und neuer Zeit! Hoch, hoch mit Freudenschall!