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[Folge 1] (1878)
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sololies gleichfalls stehend. Ein kaiserl. Kammerherr wäre dem Kurfürsten zur Bedienung gehen, allein es liess sich solcherdurch seine eigene 2 Kammerherrn vom Dienst bedienen. Der kaiserliche Ohristküchemneister, Obristsilberkämmerer und einKammerherr schnitten vor und setzten die Speisen, und als das Confect anfieng abgehoben zu werden, stund der Kurfürst aufund stellte sich neben den Kaiser, welcher als das Confect aufgehoben erst aufstund. Der Kurfürst legte die Serviette zumAbtrocknen auf den Tisch vor den Kaiser. Im Herausgehen aus dem Speisesaal gieng der Kurfürst wieder kurz vor demKaiser, welcher beständig mit ihm redete, und die Kaiserin wurde von dem Feldmarschall Bathiani hinter dem Kaisergeführet. Der Kurfürst blieb noch wohl eine halbe Stunde in den kaiserl. Audienzzimmern und wurde wie bei der solennenVisite begleitet. Der Kurfürst von Trier sollte selbigen Tag auch beim Kaiser speisen, welcher sich aber wegen Unpässlichkeitexcusiren lassen. Heut Abends 5 Uhr haben Ihro kaiserl. Maj. Iliro kurfürstl. Gnd. die Visite geben, und empfieng selbige derKurfürst am Wagen und begleitete sie auch wieder dahin. Sie setzten sich aber nicht eher, als wie der Wagen fortgieng.Morgen wird die Kurvereinigung auf dem Körner solenn vollzogen werden, übermorgen, als den Mittewocli, werden foeede kaiserl.Maj, bei Ihro kurf. Gnd. zu Mittag speisen, den Donnerstag wird der Kurfürst beeden kaiserl. Maj. die Abschiedsvisite geben,weil selbige noch den Sambstag als den IG. von hier abzureisen gedenken. Den 17. oder 18. gehen Ihro kurf. Gnd. auch miteiner kleinen Suite von hier und noch nach Aschaffenburg ab, und werden daselbst einige Wochen verbleiben. Kaiserl.Maj. nehmen ihren Rückweg nicht, wie man vermeinet, über Aschaffenburg, sondern über Nürnberg und Ulm, all wogrosse Praeparatoria zu ihrer Empfangung gemacht werden.

Acht Bataillons und 14 Escadrons unter Commando des General Grün sind von der Armee bei Heidelberg beordert,durch Sachsen in das Magdeburgische zu marscliiren und haben heut aufbrechen sollen. Von Seiten Kurmainz ist dieOrdre nach Erfurt zu ihrer Verpflegung schon ergangen. Anstatt diesen Corps, lieisst es, werden die bayer. Trouppen wiederbei der österreichischen Armöe einrücken, und wie es scheint, wird solche Armee binnen Kurtzem übern Rhein gehen und dieWinterquartiere jenseit nehmen. Se. kurf. Gnd. haben solche in Dero jenseit liegenden Aemtern erlaubt. Die fränkische,schwäbische und oberrheinische Kreistrouppen sollen hingegen diesseit des Rheins zu stehen kommen und sind marschfertig.Kurmainz giebt wegen der Grafschaft Königstein 2 Compagnien darzu, man weiss aber noch nicht, wann solche marscliiren.Frankfurt, den 11. 8 br 1745. Friedrich Graf von Eberstein.

Nr.«. J33

Sire. Vorgestern Mittag haben Ihro kurf. Gnd. bei Sr. kurf. Durclil. zu Cöln, welche morgen von hier abgehen werden,gespeiset. Gestern Mittag haben beede kaiserl. Maj. Maj. bei Sr. kurf. Gnd. gespeiset und den Abend bei dem Kurfürsten vonCöln. Wir Kammerherren trugen die Speisen und das übrige Ceremoniel wurde gehalten, wie vorhin schon allerunterthänigstgemeldet. Gestern Vormittag fuhren Ihro kurf. Gnd. mit einigen Domherrn und Gesandten zu Ihro Maj. der Kaiserin, welchedie Kurvereinigung in die Hände des Kurfürsten beschworen haben. Heut Abend um 5 Uhr gaben Ihro kurf. Gnd. die Ab-schiedsvisite beeden kaiserl. Maj., welche morgen von hier abgehen. Unser Hof gehet morgen und übermorgen nacher Mainz,Se. kurf. Gnd. aber übermorgen mit einer kleineu Suite nacher Steinheim, allwo sie bis die Prinzessin Charlotte, welcheden Montag von hier nach Aschaffenburg gehet, passirt ist, verbleiben alsdann etliche Wochen und vielleicht gar bis Weih-nachten zu Aschaffenburg residiren werden. Heut ist der Namenstag der Kaiserin solennissime celebriret und eine Gross-promotion publiciret worden, wobei unsere Wahlgesandten, der Domherr und Rogierungs-Praesident Baron von Kesselstadt, derGrossmeister Graf von Stadion und Obermarschall Baron von Erthal auch zu wirklichen kaiserl. Gelieimten-Räthen, derGraf von Holienloh-B arten stein aber als Kammerrichter zur Wetzlar declariret worden. Frankfurt, den 15. 8br 1745.Nr. 40. Friedrich Graf von Eberstein.

134.

Sire. Der General Trips käme den 24. von Heidelberg hier an und gienge den 25. des Abends wiederum dahin ab,und glaubt man, dass sein hiesiger Aufenthalt die Regulirung der Winterquartiere betroffen habe. Der vor einigen Jahren eineZeitlang hier gestandene hannoversche Gesandte Baron von Schwiegelt träfe den 26. hier ein und nach einer langen Con-ferenz mit unserm Herrn Regiments-Praesidenten Baron von ICeLeistadt und Herrn Canzler Bentzel verlautete, dass es dieRegulirung der Winterquartiere derer hannoverschen Trouppen betroffen und dass solche ins Rheingau kommen sollen, und solchesIhro kurfürstl. Gnd. um so mehr gerne sähen, weiln ihr Land und Mainz dadurch bedeckt. Wo die Oesterreicher in dieWinterquartiere kommen, ist noch nicht ausgemacht, zweifelsohne werden sie sich aber nicht weit vom Rhein machen und starkePostirungen halten. Die holländische Trouppen sollen den 3. oder 4. 9 br von der Armöe bei Heidelberg ab und nach ihremLand gehen, hingegen sagt man vor gewiss, dass den G. 9 br der fränkische Kreis aufbrechen und an Rhein marscliiren wird,die Holländer wieder zu ersetzen. Der oberrheinische ganze Kreis wird hier in Mainz in Garnison kommen, sonsten aber keinefremde Trouppen. Ihro Durclil. der Herr Landgraf von Darmstadt geben anstatt des einen schuldigen Bataillons zwei dazu,und der Herr Landgraf Wilhelm von Hessen hat sich auch resolviret, sein Contingent wegen der Grafschaft Hanau zugeben,wenn solche Trouppen aber ankommen, weiss man nicht. Die Herrn Franzosen, so aus denen Niederlanden 40000 Mann starkim Anmarsch sein sollen, wollen die Winterquartiere im Kurtrierischen nehmen. Ihro kurfürstl. Gnd. setzen sich zwar auf alleWeise dagegen, werden aber wohl Nichts ausrichten. Mainz, den 30. 8 br 1745. F. Graf von Eberstein.

Nr 48.

135.

Sire. Die Winterquartiere derer Oesterreicher und Hannoveraner sind bis dato noch nicht reguliret und können sie nichteinig damit werden. Es hat vor gewiss geheissen, dass der oberrheinische Kreis hier in Mainz in Garnison kommen solle, alleines ist solches auch geändert und kommt kein Mann herein, au coiitraire die hierin gelegene Darmstädter Compagnie hat Ordreempfangen, den 15. von hier abzumarschiren und zu Costheim zu dem Bataillon, welches selbigen Tag von Giessen da eintreffenwird, zu stossen, und die Compagnie, so Ihro kurfürstl. Gnd. wegen der Grafschaft Königstein geben, hat vorgestern auch dieerste Marchordre empfangen. Wann sie aber abmarschirt, weiss man noch nicht. Dem jetzigen Concept nach sollen die Kreis-trouppen, die Postirungen am Rhein hatten, der oberrheinische kommt von hier bis Ober-Lahnstein, die Darmstädter 2 Bataillonsvon Giessheim bis Gernsheim, Ober-Gernsheim fängt der fränkische Kreis an und stösset an selbigen der schwäbische bis Basel.Denen pfälzischen Landen ist von denen Oesterreichern 300000 fl. Contribution angesetzt und ist morgen der Termin um.Kurpfalz hat wegen angedrohter Plünderung Oppenheim mit 400 Mann und so noch advenant Kreuznach, Alzey und andere

Städte besetzet und Ordre geben, keine bewehrte Mannschaft hinein zu lassen, weswegen die Oesterreicher jedem pfälzischen

" Oppenheim,

zu Gensingen eine Stunde von Kreuznach, zu Bettersheim oder Johannesthal eine halbe Stunde von Alzey, und so fort. Und

Commando eins von Husaren und Croaten entgegengesetzet; und liegen solche zu Nierstein eine halbe Stunde von

müssen obgemeldte Städte, worinne die Pfälzischen liegen, die Husaren und Croaten verpflegen und ihnen geben, was sie ver-langen, sonsten sie mit der Plünderung dräuen. Sie haben auch denen pflälzischen recognoseiren reitenden Commando bedeutet,sie sollen in ihren Oertern bleiben und dergl. nicht mehr probiren, widrigenfalls sie selbige feindlich angreiffen würden. Manist also curios, den Ausgang von dieser Sach zu sehen, zumalen da die pfälzischen Beamte nach Frankfurt kommen müssenund daselbst denen österreichischen Generals die Revenuen ihrer Aemter specificiren sollen und noch deswegen droben sind.Zu Kaub und Bacharach als 2 Hauptzölle von Kurpfalz am Rheine liegen österreichische Husaren, welche denen pflälzischenBeamten das Zollgeld zwar zahlen und einnehmen lassen, hernach aber solches zu sich nehmen. Ein hiesiger Domherr, sozugleich zu Trier praebendirt und vorgestern hier ankommen, erzählte, dass er mit seinen Augen gesehen, dass einige öster-reichische Husaren in der Stadt Trier drei Franzosen rencontriret, selbige sogleich niederhauen wollen. Da sie aber sehr umihr Leben gebeten, hätten sie solche blesirter gefangen genommen und aus der Stadt heraus geführt, über solches VerfahrenIhro kurfürstl. Gnd. zu Trier höchstens beschweret und satisfaction begehret. Briefe von Aschaffenburg melden, dass Ihrokurfürstl. Gnd. den 18. ohnfelilbar wiederum hier anlangen würden. Mainz, den 13. 9 br 1745.

Nr. 50. Friedrich Graf von Eberstein.

136.

Sire. Vorgestern gegen Abend erhielten die hier bei Mosbach stehende österreichische Trouppen olinvermuthet die Ordre,aufzubrechen und liinaufwärts nach ihren Regimentern zu marchiren, wogegen gestern morgen gleich der Anfang gemachtworden, nicht allein ihre auf beiden Seiten gehabte Tete du pont, sondern auch die auf der Ingelheimer Aue aufgeworfene

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