Das XV. Jahrhundert war dem Emporblühen der Städte besonders,günstig. Augsburg, Ulm und Nürnberg wetteiferten an Kunst-und Gewerbfleiß und brachten es durch den Verkauf und weitausgedehn-ten Handel mit ihren Producten zu einem ungewöhnlichen Grad vonReichthum, Macht und Ansehen. Ulm erweiterte sein Gebiet durch groß-artige Güterankäufc: 1377—1335 durch die Grafschaft Werdenbergmit den Städten Langenau und Alpeck, 1390 durch einen großen Theilder Grasschaft Helfen st ein mit der Stadt Weißlingen, 1453 durch dieStadt Leipheim von den Grafen v. Würtemberg und außerdem durcheine große Anzahl Rittergüter, so daß die Stadt zu Ende des XV. Jahr-hunderts ein Gebiet von 17 ^Meilen mit fast 40,000 Einwohnern hatte.Augsburg war noch größer und zählte über 50,000 Einw.
Im Jahr 1488 sin demselben, in welchem nach Crusius die Rentzzu den angesehensten Familien Ulms gehörten), veranlaßte Kaiser Fried-rich III. und nach ihm 1495 Kaiser Maximilian I. die schwäbischenFürsten, Herreu und Städte, einen gemeinsamen Bund, St. Gcorgcn-Schild genannt, ein Schutz- und Trutz-Bündniß zur Aufrechthaltung deSLandfriedens zu gründen. Das Heer dieses Bundes vertrieb 1520 deirHerzog Ulrich von Württemberg aus seinem Lande, als er durchdie Einnahme von Reutlingen den Frieden gestört hatte. Sein Landwurde dem Erzherzog Ferdinand von Oestreich übergeben.
Als Luther 1517 noch unter der Negierung des Kaisers Maximi-lian I. sp 1519) als Reformator der Kirche auftrat, fanden seine Lehrenbegeisterten Anhang in Ulm und Augsburg, besonders unter derBürgerschaft. Die Augsburger gaben ihm sicheres Geleit, als er sich1513 nach der Verantwortung vor dem päpstlichen Cardinal-LegatenCajetan heimlich aus der Stadt entfernen mußte. Ebendaselbst wurde1539 von einer Versammlung protestantischer NeichSstände das neueGlaubens-Bekenntniß (die Augsburg er Confession) festgesetzt. InUlm hatte sich Bürgermeister Bernhard Besserer der Reformationgünstig gezeigt und sein Nachfolger Mathäus Kraft veranstaltete3. Nov. 1530 eine Gemeinde-Versammlung, in welcher mit 1570 Stim-men gegen 244 die Beschlüsse des Reichstags von Speyer verworfen undhiemit der Anschluß an die Reformation beschlossen wurde. Als hierauf1531 zu Schmalkalden ein Bund deutscher Fürsten zur Vertheidigungdes evangelischen Glaubens zu Stande kam, schlössen sich demselben 1542Ulm, Augsburg u. a. oberdeutsche Reichsstädte an. Herzog Ulrichvon Württemberg gewann unterdessen mit Hilfe des LandgrafenPhilipp von Hessen sein Land 1534 wieder, führte die Reformationein und trat dem Schmalkalder Bund bei.
Kaiser Carl V. suchte vergeblich auf dem Reichstag zu Regensburg1546 die Protestanten zur Unterwerfung zu bewegen. Nunmehr beschloßer die Anwendung von Gewalt. Das evangelische Bundesheer sammeltesich im Juli bei Ulm und Gllnzburg, rückte bis Jngolstadt vor, wichaber nach langer Zögerung vor dem kaiserlichen Heer wieder auf Ulurzurück, leistete aber auch hier keinen Widerstand, sondern der KurfürstJohann Friedrich von Sachsen führte dasselbe in sein Land zurück,in welches der dem Kaiser ergebene Herzog Moritz von Sachsen ein-