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Ihre Selbstbiographien nebst einer kurzen Geschichte d. Hauses Zinzendorf
Entstehung
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169
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SELBSTBIOGRAPHIE DES GRAFEN KARL VON ZINZENDORF. I 6Q

Unterm 23. Januar 1758 erhielt der Graf, ein kurfürst-lich sächsisches Kanzlei-Indult, wodurch ihm gestattet wurde,den Lehens-Empfang von dem auf ihn und seine Geschwistergefallenen Erb- und Allodialgut seines verstorbenen Vaters, Hofbei Oschatz, bis in sein 21. Jahr, d. i. bis 1760 zu verschieben.Den am 16. October 175g dem Grafen Heinrich XXIII. Reussvon seiner angenehmen Gemalin Ernestine Henriette Sofie Gräfinvon Schönburg-Wechselburg gebornen Heinrich XLIX. hob erzu Köstritz aus der Taufe. Seine Studien gingen hauptsächlichauf den Juristen los; ein Schreiben des sächsischen Premier-Ministers Grafen von Brühl an den Grafen von Callenberg, denVormund des Grafen, vom 14. November 175g des Inhaltes,dass Graf Karl von Zinzendorf zum Hof- und Justizienrath beider königlich und kurfürstlichen Landesregierung zu Dresden er-nannt sei, schien dem Letzteren einen bestimmten Wirkungskreisfür sein künftiges Leben zu eröffnen. Processe und Rechtshändelwaren aber sein Lieblingsstudium gar nicht; schon zu Jenalas er die besten damals bekannten Werke über die öffentlicheStaatsverwaltung. Im Jahre 1760 sendete er an die Landes-regierung zu Dresden seine Verzichts-Erklärung auf die ganzverschuldete väterliche Erbschaft. Immer stritten zusammenFrömmigkeit und Ehrgeiz. Die erstere vermochte ihn, dann undwann zu Weimar die mährischen Brüder zu besuchen. Vom 3o. Maibis 2. Juni 1760 reiste er zu Pferde nach Gnadenthal im Fürsten-thum Gotha und wieder zurück. Den i5. Juni sah er zu Erfurtdie Frohnleichnams-Procession der Jesuiten am zweiten Sonn-tag Trinitatis. Zu Ende des September besuchte er Gnadenthalnoch einmal in Gesellschaft einer zu Jena befindlichen Familie vonmährischen Brüdern. Den 3. December reiste der Graf nachEisenach zu seinen älteren Brüdern, den Grafen Max und Fried-rich, welche daselbst bei den unter Commando des Prinzen Xavervon Sachsen befindlichen französischen Truppen standen, undkam am i5. zurück.

Am 17. December 1760 erhielt der Graf ein Schreibenvon seinem ältesten Halbbruder in Wien, Grafen Ludwig vonZinzendorf, der ihm vorschlug, auf sechs Wochen nach Wienzu kommen, und ihm zugleich das Reisegeld schickte. Ange-nehmer war ihm dieser Antrag, als bis Ostern 1761 zu Jena