schlag und man schrieben den Professor von Windheim. Pro-fessor Tympe 'aus Jena gab dem Professor Timaeus zu BarbyNathricht von dem Zustande der Universität Jena in Thüringenim December 1756. Damals starb der Vater, und der achtzehn-jährige Graf Karl kam nebst seinem älteren Bruder GrafenGottlob am 3i. December 1756 bei der kurfürstlich sächsischenLandesregierung zu Dresden um Bestätigung ein, seiner MutterBruder, den kurfürstlichen General-Postmeister Grafen AugustHeinrich Gottlob von Gallenberg, zu seinem Kurator nehmen zudürfen. Der Lehrer seiner jüngsten Schwester Constantia, AugustWilhelm Philipp Konrad, übergab dem Grafen zu dessen acht-zehntem Geburtstage am 5. Januar 1757 einen Glückwunsch indeutschen Versen von merkwürdigem Inhalt.
Der Graf verliess das mütterliche Haus und reiste am14. Juni 1757 von Gauernitz zwischen Dresden und Meissen ab,versehen mit einer schriftlichen Ermahnung der Mutter zur Gottes-furcht, vom i3. Juni desselben Jahres datirt. Nach einem kurzenAufenhalt zu Leipzig bei der Mad. Mauvillon, zu Zeitz bei demKanzler von Burgsdorf, zu Köstritz bei der verwitweten GräfinReuss XXIV., einer gebornen Freiin von Promnitz, langte der Grafam 23. Juni zu Jena an. Der Pfarrer Müller von Constapel, derihn bis dahin begleitet, verliess ihn nunmehr, und er blieb sichselbst, seiner Menschenfurcht und Melancholie überlassen. Erfolgte getreulich der Regel: „Mach' dich nicht gemein, sei gernallein", und bewahrte sich dadurch unter vieler Langweile vorVerführung, Sittenverderben und Schuldenmachen. Den to.October1757 ward der Graf in die Jenaer deutsche, und im Jahre 1758zum Mitglied der Jenaer lateinischen Gesellschaft aufgenommen.
Den ig. October 1757 borgte er 3o Thlr. von dem GrafenReuss XXIII. zu Köstritz, die einzigen Schulden, die er in seinemLeben gemacht. Ein wenig phantastischer Hang zu den mährischenBrüdern, durch den Grafen Reuss XXIII. und den Herrn vonPoser unterstützt, flösste dem schüchternen Jüngling den Muthein, ohne die Missbilligung der alten Gräfin Reuss zu achten,am 4. Januar 1758 von Köstritz nach Ebersdorf zu seines VatersStiefbruder, dem Bischof der mährischen Brüder, Grafen Niko-laus Ludwig von Zinzendorf, zu reisen, welcher Schritt vonder Mutter sehr übel aufgenommen ward.
1 68 SELBSTBIOGRAPHIE DES GRAFEN KARL VON ZINZENDORF.