I 60 SELBSTBIOGRAPHIE DES GRAFEN VON ZINZENDORF.
Am 9. August verliessen Graf und Gräfin von ZinzendorfLangenau; am 12. waren sie zu Baden in der Schweiz, am16. langten sie in Ulm an. Der Patient ward darüber sehr be-kümmert, in so schlechtem Gesundheitsstande in Wien anzu-kommen. Am 20. gingen sie zu Schiffe auf der Donau vonUlm weg.
Am 29. August in aller Frühe langten sie in Wien an.Die äussere Gestalt war mitleidenswürdig, der Kopf auf dieBrust gesenkt, nur die Augen noch lebhaft. Der Graf zog sichnoch täglich an; er unterliess die von Schuppach sehr an-befohlenen Ptisanen. Der Urin ging nicht mehr so häufig weg;nunmehr, am 11. September, nahm die Geschwulst der Beine,des Unterleibes, des Gesichtes, der Hände zusehends zu. Zwarschien sich am 4. September und in den folgenden Tagen einigeBesserung zu äussern.
Am 7. September fuhr des Grafen Bruder Graf Karl mitihm spazieren und beredete ihn, sein am 9. August 1776 auf-gesetztes Testament zum Besten seiner Tochter abzuändern.Am 10. schien die Krankheit sehr zuzunehmen, die schlaflosenNächte, der Verlust der Zähne, die Unannehmlichkeit, wederlesen noch schreiben zu können, machten den Patienten zu Allemunlustig und gleichgültig, selbst seine Tochter, die er vier Jahrenicht gesehen, schien ihn wenig zu interessiren, doch die Gegen-wart seines Bruders machte ihm Vergnügen.
Am 14. war der Appetit schon fast gänzlich weg, am i5.äusserte er sich, die langen schlaflosen Nächte erweckten beiihm traurige Gedanken, am 16. ward er öffentlich administrirt,wozu ihn zu bereden sein Bruder gar keine Mühe fand. Erschien den Tod nicht zu fürchten, wohl aber noch Kummerüber den während seines Ministeriums erlittenen Verdruss zuhaben. Am 17. ward ihm sein bei den Landrechten niedergelegtesTestament gebracht. Er liess sich aus der Histoire des Croisadesund Intrigues du Cabinet vorlesen. Den 18. liess er sein Codicillzu seinem letzten Willen in seiner Gegenwart aufsetzen, konnteaber auf keine Weise eine Zeile schreiben.
Am 20. besuchte die Kaiserin-Königin Maria Theresiaihren todtkranken Diener. Er zog sich völlig an, welches ihmder geschwollenen Kniee und Unterleibes wegen viel Plage machte,