Druckschrift 
Ihre Selbstbiographien nebst einer kurzen Geschichte d. Hauses Zinzendorf
Entstehung
Seite
159
Einzelbild herunterladen
 

SELBSTBIOGRAPHIE DES GRAFEN VON ZINZENDORF.

Im Februar befiel den Grafen eine Windkolik, im Märzwar er zum Schreiben zu träge, viel gallige Feuchtigkeit gingbei der Kolik von ihm. Zu Ende des März 1780 verliessenunsere Reisenden Montpellier zum letztenmale und reisten überAvignon nach Lyon. Die Härte im Bauche wollte nicht ver-gehen. Nunmehr verdoppelten sich des Grafen Leiden. DieWindkolik, die Krämpfe in den Eingeweiden plagten ihn sehr.Er war so schwach, dass er nichts vornehmen, ja nicht gehenkonnte. Acht Tage im Monate Mai schien er für Alles un-empfindlich; sein Gesicht war schwach und das Bewusstseinschien oft zu mangeln. Er war gegen alle Umstände ausserihm völlig gleichgiltig.

Dazumal wollte man ihn nach Spaa zum Gebrauche derdortigen Bäder schicken. Es scheint, der Verdruss über seinelangwierige Krankheit hatte den Grafen bewogen, zu LyonVersuche mit Milch, mit Bier, mit kalten Bädern zu wagen,die sein Leben vielleicht wirklich verkürzt haben. Die Narcoticahatten den Kopf so geschwächt, dass er zu Lyon einst wievom Schlage gerührt in das Zimmer fiel, und seit dieser Zeitsoll er sich nicht wieder erholt haben. Im Juni war der Bauchnoch hart und die Beine geschwollen, die Augen aber weitheller. Die Aerzte von Lyon argwöhnten mit Unrecht eineVerhärtung der Leber, was die von Montpellier nie geglaubt.

Zu Ende Juni verliess der Graf endlich Lyon und reistesehr langsam über Genf und Bern nach Langenau, den be-rühmten Bauerndoctor Michael Schuppach zu consultiren; dortkamen Graf und Gräfin am 10. Juli an. Der Bauch war wiederumnatürlich, die Beine geschwollen; heftiger Husten und Krämpfeund daher schlaflose Nächte. Er war nicht mehr im Stande,weder zu lesen noch zu schreiben. Schuppach kündigte gleichdie Annäherung der Brustwassersucht an. Er missbilligte sehrden Gebrauch des Laudanum, argwohnte aber anfänglich auchein Leberleiden. Er versicherte, wenn man starke Mittel anwendenkönne, so würde es nicht unmöglich sein, dem Patienten zu helfen,allein er sei zu schwach, dieselben zu vertragen. Am 25. Julimachte die Gräfin von Langenau aus die traurigste Beschrei-bung von seinem Zustande. Der Patient konnte weder Urin nochStuhlgang halten, so sehr hatten alle Muskeln nachgelassen.