I 58 SELBSTBIOGRAPHIE DES GRAFEN VON ZTNZENDORF.
auszubessern. Fünfzig Bäder gebrauchte der Graf, bis er am28. September von dort abreiste. Den Bischof von St. Polde Leon lobten der Graf und seine Gemalin sehr.
Den ganzen October brachten sie zu Bordeaux zu, wogerade die Messe war. Sie wohnten einer Session des See-Consulates bei, wo jährlich an 20.000 Rechtshändel geschlichtetwerden. Dieser Hafen hatte schon dazumal, seit Anfang desKrieges, 117 Fahrzeuge, die man durch die Bank auf 5oo.oooDukaten tournois schätzte, verloren (so sagte man). Der Mar-schall de Mouchy, Gouverneur der Provinz, erwies ihnenviele Höflichkeiten. Der Intendant du Pre de St. Maur gefieldem Grafen nicht. Am 3o. October verliessen sie Bordeaux.Unterwegs nahmen sie den Wasserbehälter von St. Fareol unddas Gymnasium von Soreze, welches der Bischof von ToulouseBenedictinern übergeben, in Augenschein. Hier wurden 35o jungeLeute von 10 Jahren und darüber erzogen.
Am 12. November langten unsere Reisenden wieder zuMontpellier an. Die Krämpfe schienen ein wenig vermindert,sonst merkte der Graf keine Wirkung der Bäder.
Am 11. December meldet er, der Winter sei dieses Jahrsehr rauh, selbst zu Montpellier. Von Wien aus ward ihmgemeldet, bei seiner Rückkunft werde man ihn wieder anstellen.Er lobte seine Frau Gemalin ungemein, rieth aber seinemBruder Karl ab, zu heiraten.
750 Bouteillen Wein von Languedoc kosteten zu Mont-pellier sechs Gulden. Der Graf spendete in seinen Briefen denOperationen des Finanz-Directors Neker viel Lob. Ein starkerSchnupfen beschwerte den Grafen sehr.
Des Grafen letztes eigenhändiges Schreiben an seinen ofterwähnten Bruder Grafen Karl war vom ig. Januar 1780. Seiteinem Monate war er dazumal ganz wohl mit seinem Zustandezufrieden und schrieb diese Besserung dem Gebrauche derBäder zu. Nur der Husten beschwerte ihn und das Uebel schienin den Hals und Gaumen getreten zu sein. Er verlor alle seineZähne. Einen sonderbaren Zweifel äusserte dieser aufgeklärteMann in Betreff der Normalschulen in den k. k. Erblanden.„Est il bien fait sagt er, „que les classes inferieurs soyentinstruites ?"