Reussufer zunächst beim Flecken Altorf gelegen, war ein Laza-ritenhaus und wurde von den Chronisten mit den Grafen vonSeedorf verwechselt, die im jetzigen Berner-Amtsbezirk Arberg sess-haft und Stifter des dortigen Klosters Frienisberg waren. DasKloster machte den Eintreiber, wenn die Seedorfer und die mitihnen verschwägerten Thiersteiner Grafen von den UnterthanenAbgaben verlangten, so oft jene nach Rom, Compostella oder Je-rusalem wallfahrten, einen Römerzug thun, oder ihre Töchterehelich aussteuern wollten. Sie veräusserten ihre Güter zuletztan das Stift und dieses musste sie auf die Klagen der Unterthaneni. J. 1381 käuflich an Bern abtreten. Zeerleder, Urkunden für dieGeschichte der Stadt Bern, 110. 500 und 556. Diese von denSeedorfer Grafen und ihrem Stifte gemeinsam gegen die Berner-bauern verübte Bedrückung übertrug man auf das UrnerklosterSeedorf, stellte dieses unter einen nicht minder gewaltthätigenGrafen und nannte ihn, als ob er zugleich der Seevogt über denUrnersee gewesen wäre, Gryßler. Denn Griessler heissen heutenoch in der bairisch-österreichischen Amtssprache alle zum Bauder Flussdämme, Reckwege, Schleussen und Triftstellen bestimmtenArbeiter, das Triftamt ist das Griessamt mit dem Griessmeister.Der Amtsname ist längst zum Geschlechtsnamen geworden undkommt als solcher in Tirol und in der Schweiz urkundlich nichtselten vor.*) So mag also in noch früherer Zeit der Mann ge-heissen haben, welcher die Furt gehütet und dafür das Strand- undGeleitsgeld erhoben hat. Darum einigen sich denn die beidenNamen Gessler und Griesler darin, dass der eine das Wegrechtüber die Gasse, der andere dasjenige über das Gries ausübt. Und
13. julij 1314. Eine handschriftliche Chronik des Klosters Engelberg v. J. 1639(abschriftlich in der Zurlauben'sehen Sammlung, fol. 51, pag. 34) sagt gleichfalls:Sedorf in Uri, eins graven Sitz, da der grisler gewont. Ein Wappenbuch desluzerner Adels, von 1307 bis 1674 reichend, copiert in Zurlaubens Stemmatogra-phie Bd. 10, sagt fol. 286: Der graff von Sedorff. Difer foll Wilhelm Dellen 5110fchieffen getrungen haben den 13. Julii 1314, ofterrichifcher Regentgherr in Ury.
*) 1387 und 1389: Hans der Griessei aus Pusak (bei Brixen). Mairhofer,Urkundenbuch des Tirol. Stiftes Neustift, no 635 und 645. Das Pfrundenbuchder Stadt und Landschaft Zürich (MS. Bibl. Nov. 11 q, auf der aarg. Kt.-Bblth.)verzeichnet pag. 675 und 671 unter den Pfarrern zu Hanau und Glatt einen Jak.Grief5ler, Basileensis. Ein gleiches, nun ausgestorbenes Geschlecht der Zuger-gemeinde Hiinenberg steht genannt bei Stadlin, Gesch. des Kt. Zug 1, S. 12.Griesler hiessen auch die Bewohner eines Viertels des appenzeller Fleckens Herisau.Eugster, Die Gemeinde Herisau (1870) 259.