Druckschrift 
3 (1871) A: Die Familie Carl Kähler. B. Die Familie August Kähler bis 1819
Entstehung
Seite
409
Einzelbild herunterladen
 

1819,

409

Hausrath zu sondern, was mitgenommen werden sollte einpackenzu lassen, wobei sie selbst in gewohnter Weise unermüdet mitHand anlegte, das Uebrige während mehrerer Tage unter demBeistand ihres ältesten Sohnes an den Meistbietenden zu ver-kaufen. Schon zeigte die Wohnung einen öden Anblick und enthieltnur noch, was auf der Reise nöthig und in Koffern und Bett-säcken mit fortzubringen war, neben einigen von Freunden gelie-henen Sachen, als der Vater in der gedrängt vollen Kirche am4, Juli des Nachmittags seine Abschiedspredigt hielt. Zum Textehatte er Philipp. 4,1, gewählt:Also, meine lieben und gewünschten Brüder meine Freude und meine Krone, bestehet also in demHerrn, ihr Lieben." An dieser Predigt können wir nicht fluchtigvorübereilen, denn in ihr überschaut er einen der schwersten undwichtigsten Abschnitte seines Lebens bis dahin vor Gott und vorder Gemeinde, die ihm befohlen und die Zeuge seines Wandelsgewesen, mit tiefer Demuth mit inniger Liebe und mit freudigemBekenntnisse seines Glaubens, welcher in dem Leben und in demTode Christi die Verkündigung und die Bürgschaft der Erlösungvon dem Elende der Sünde und des Todes festhält.H Er giebtden Grund seines Scheidens an:Vor zehn Jahren kam ich zuEuch mit dem lebendigsten Eifer so unter Euch zu leben, daßGottes Reich dadurch gefördert werde, und mit dem Wunsch undVorsatze bis an den Tod in dieser Verbindung zu beharren. Ichwill es nicht läugnen, daß mancherlei Ursachen diesen Wunschund Vorsatz geändert haben; ich will es nicht läugnen, daß ichvon vielfacher Sorge gedrückt und von peinlichen Hindernissenumgeben als Vater als Mann und als Lehrer einen für meineZufriedenheit passenderen Wirkungskreis bei Menschen gesucht undvon Gott erbeten habe. Gott hatte es anders als ich beschlossen!Er gab mir nicht, was ich wünschte, er gab mehr, als ich jewünschen je hoffen je von ihm bitten konnte; und ich traue seinerGnade, nicht um mich noch schmerzlicher zu demüthigen hat ermich weit über meine Wünsche erhoben, vielmehr wird er Kraftgeben' zu dem neuen schweren Berufe, den er mir gezeigt hat.Ja mit gleich lebendigem Eifer doch mit ungleich höherer Sicherheit1) Abschiedspredigt. S. 29.