Druckschrift 
2 (1877)
Entstehung
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daß dcr Bestand in keiner Weise sich geändert habe. Auch dieWasserleitung, welche durch Währing über den Grund desStiftes Michclbcnern führte und worüber besondere Verträgemit dem Stifte epistirtcn, scheint in gleicher Weise wie späterschon vorhanden gewesen zu sein.

Man wird also nicht irre gehen, wenn man annimmt,daß eS diese zu dem AncrSpcrgischen Garten gehörende Wiesewar, welche Fürst Hans Adam für seine erste Bauanlagc anö-erkor. Er gedachte daraus eine» Stadtthcil oder ciue Vorstadtzu machen, wodurch sich die Grundrente außerordentlich erhöhenmußte. Er theiltc sie darum ein, legte Straßen an und bauteselbst die ersten Wohnhäuser, nebst einem Brauhause (1694),das sich noch heute an seiner Stelle befindet. Nachfolge zu er-wecken, gab er jedem, der bauen wollte, einen Bauplatz um sehrbilligen Preis und verlieh dem Hause auf zehn Jahre die Frei-heit von allen Steuern und Abgaben. So entstand in kurzerZeit die von ihm nach seinem Familiennamen benannte VorstadtLichtenthal. Die Anlage hatte eine Länge und Breite von370 Klaftern und wurde von sechs regelmäßig angelegten Straßendurchschnitten. Ein fürstlicher Prätor oder Amtsverwalter leitetedie Angelegenheiten des Ortes >). Im Jahre 1701 zählte der-selbe schon achtzig Häuser.

Der Gründung Lichtenthals folgte die Anlage des davorliegenden Gartens sammt dem Bau des großen Palastes indemselben. Wie schon berichtet, hatte der Fürst Hans Adam hierschon einen, wie es scheint, wohlbestandenen Garten mit Hausund Grotten, Teich und Wasserleitung und vielen Bäumen durchden Kauf überkommen. Wie aber damals in Folge des neuenfranzösischen Gartcnstiles, den Lcnotre für seinen königlichenHerrn Ludwig XIV. zu Versailles und bei anderen Schlösserneingeführt hatte, alle großen Herren ihre Gartenanlagen gemäßdem neuen Stile umzuschafscu suchten, so begnügte sich auch

>) Fuhrmann, Wien I. 296.