Druckschrift 
2 (1877)
Entstehung
Seite
298
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da die Zahlung nicht erfolgte, wurde der kriegerische Bischof vonMünster, Christoph Bernhard, mit der Execntion beauftragt.Derselbe verfehlte auch nicht, sofort mit Truppen in Ostfries-land einzurücken und sich dort zu befestigen. Allein die hollän-dischen Gcneralstaaten, welche diese Dinge an ihrer Gränze sahen,schössen die Summe von 135.000 Thalern zur vorläufigen Zah-lung an das Haus Liechtenstein vor, und da dieses den Bischofnoch nicht zum Rückzüge veranlasste, so sendeten sie den PrinzenWilhelm Friedrich von Nassau, um ihn aus Ostfriesland zu ver-treiben. Dies geschah im Jahre 1663. Darnach, 1665, verstandsich Enno Ludwigs Nachfolger, sein Bruder Georg Christian, zueinem Vergleich und zur Zahlung, doch vermochte er nicht dieganze Summe abzutragen und verschrieb dafür die HerrschaftenEsens und Wittmund an das Haus Liechtenstein. So bliebenalso den Fürsten Liechtenstein anerkannte Rechte, welche im Jahre1687 wegen eines Vergleiches über Jägerndors und den Schwie-buser Kreis an Kurbrandenburg übertragen wurden>). Diese Ueber-tragung wurde aber von ostsriesischer Seite nicht anerkannt, sodaß die ganze Sache unausgetragen blieb ^). Den Fürsten Liech-tenstein blieb von dieser Heirath Gundackers mit Agnes vonOstfriesland nur der Titel Graf von Rietberg, zu dessen Füh-rung nach den Hausverträgen des Grafen Enno von Ostfries-land mit den Erbinnen alle Nachkommen der letzteren berechtigt-sein sollten.

Nicht glücklicher war Fürst Gundacker, was die Erbschaftbetrifft, mit seiner zweiten Gemahlin, welche ebenfalls eine Erb-tochter war. Elisabeth Lucrezia war, wie schon oben angegeben,die Tochter des Herzogs Adam Wenzel von Schlesien-Tcschen,welcher im Jahre 1618 nur mit Hinterlassung zweier Kinder,eben der Elisabeth Lucrezia und eines jüngeren Bruders FriedrichWilhelm, gestorben war. Dieser letztere, geboren 1601, schied

') Lucae, Schlesiens Denkw. II. 1608.

2) Schweder, ll. a. O. 645; Jmhof, Hot. 8. Korn. lZerm. Iinp.4>rooerurll. 352.