Trotz dieser wiederholten Gunstbezeugung finden wir Karloon Liechtenstein nnn bald in dein ausbrechenden Streit zwischendein Kaiser und seinem Bruder Matthias auf Seiten deö Letz-tere». Im Herbste deS Jahres ll>07 traf ihn völlig die Ungnadedeö Kaisers, nach der gewöhnlichen Annahme dcßhalb, weil der-selbe lvcrmnthtich durch seinen alten Gegner Berka) von dembedeutenden Antheile erfahren, den Karl an dem ihm verhaßtenWiener Frieden genommen hatte. Ucbrigcns scheint seine Stel-lung in Prag schon vorher höchst unbehaglich gewesen zu seinund er kein Hehl daraus gemacht zu haben. Er hatte mit daraufgerechnet, durch seine persönliche Anwesenheit zur Bezahlung dergroßen Summen zu gelangen, welche er zu Staatszwccken ge-liehen hatte, allein er sah sich darin getäuscht. Ebensowenig ver-mochte er auf den Gang der Ereignisse irgend Einfluß zugewinnen und die Dinge in Bewegung zu setzen. Es war ihmunmöglich, zum Kaiser zu gelangen, und er war zu stolz, deßhalbum die Gunst der Kammerdiener zu werben. Da unter denUmständen im geheimen Ruthe, dessen Präsidium er führte,nichts zu thun war und die Beschlüsse fruchtlos verliefen, sokümmerte er sich auch wenig darum. Den Vorwürfen, die ihmdcßhalb gemacht wurden, entgegnete er mit der Frage, was erda thun solle; es sei kein Geld vorhanden und keine Mittel das-selbe herbeizuschaffen. Diese Worte wurden dem Kaiser hinter-bracht, und ein Streit, der sich in Folge dessen zwischen ihnenerhob, führte den Bruch und die Trennung herbei. So wirderzählt >). Karl legte sein Amt als Obersthofmeister nieder undnahm zugleich seine wirkliche Entlassung als Landeshauptmannvon Mähren. In dieser letzteren Stellung erhielt er seinen altenGegner Ladislaus von Berka zum Nachfolger, der schon an derHerbeiführung der kaiserlichen Ungnade betheiligt gewesen zusein scheint. Sein Nachfolger im Obersthofmeisteramt und imPräsidium des geheimen Rathcs wurde der Cardinal von
st Gindely, a. n. O. I. 170.