Druckschrift 
2 (1877)
Entstehung
Seite
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Dietrichstein, der sich nicht minder schon früher alS sijn Gegnergezeigt hat.

Karl von Liechtenstein blieb nach dem Bruche mit demKaiser, selbst wenn er gewollt hatte, nichts anderes übrig, alssich an den Erzherzog Matthias anzuschließen, der damals imBegriff stand, seinen eigenen Streit und den Streit seinesHanscS mit dem Kaiser zur Entscheidung zu führen. Ein freund-schaftlicheres Verhältnis; zwischen beiden mag sich wohl schonwährend der Friedensverhandlungen, wo sie lange in naher Be-rührung standen, gebildet haben. Wie weit und ob Karl überhauptschon an jenen Besprechungen zu Wien thcilgenommen hatte,welche den Schutz des Hanscs und der österreichischen Ländergegen die gleich unfähige und gefährliche Politik des Kaisersbetrafen, darüber fehlen die Nachweise. Möglicherweise bedeutetesein Wiedereintritt in das Obersthofmeisternmt noch einen Ver-such, den Kaiser in bessere und verständigere Bahnen zu lenken.In jedem Falle war dieser Versuch, wenn er gemacht war,gänzlich fehlgeschlagen, und die Ucberzengnng davon nahm ihmalles Bedenken rücksichtslos mit dem Kaiser zu breche».

Wenn Karl sich nun nach Wien begab und für denErzherzog sofort einer seiner thätigstcn und wirksamsten Freundewurde, so that er nur dasselbe, was mehr oder weniger vonSeiten jedes Anderen geschah, der es mit Oesterreich und Mährengut und aufrichtig meinte. Selbst Karl von Zierotin, das klugeund besonnene Haupt der Protestanten, verband sich mit Karlvon Liechtenstein, dem Führer des katholischen Adels, für die-selbe Sache.

Die Verhältnisse lagen so, daß der Erzherzog Matthiaszur Selbsthülfe greifen mußte, sollten nicht sein Hans und dieLänder mit ihm zu Grunde gehen. Der Kaiser haßte seinenBruder, begünstigte an seiner Stelle die Erzherzoge Ferdinandund Leopold und strebte darnach, jenem die Nachfolge im Reich wiein den Erblanden zu entziehen. Der Zustand mit abgeschlossenemund doch nicht anerkanntem Frieden war für die Lande unerträglich;