28. Juni 1597, in Abwesenheit des GnardianS Karl von Liech-tenstein plötzlich in dein Minoritenkloster erschien und es ab-sperren ließ; erst nach einer Vermittlung zwischen ihm und demGuardian durch den Bischof Stanislaus ließ er es am 4. Augustwieder öffnen. Die Ursache dieses Schrittes ist völlig unbekannt;ob Karl die von Wenzel Schembera ausgestellten Schenkungs-urkunden gesucht und gefunden, oder ob ein anderes Motiv ihnzu diesem Vorgänge bewogen habe, davon ist nichts bekannt. Eswurden aber später — wenigstens ist nichts darüber berichtet —von anderer Seite keinerlei Ansprüche auf die Hinterlassenschaftder Boscovitze aus Butschovitz mehr erhoben; sie blieb unbestrittenim Besitz der Liechtensteinischen Brüder ').
Diese bedeutende Erwerbung setzte Karl von Liechtensteinumsomehr in den Stand den Geldverlegenheiten des Staates injedem Augenblick zu Hülfe zu kommen. Die bereits in diesemBuche mehrfach benützten Auszüge aus dem Archiv des Finanz-ministeriums weisen nach, daß es von Jahr zu Jahr geschieht.Am 13. Februar 1595 lieferte er Getreide inö Feldlager. Am5. December 1596 verschrieb er sich für den Kaiser als Bürgenund Zahler eines Darlehens von 1000 st., welches BohnölawBorzita geliehen hatte, und im April des folgenden Jahres hatteer wieder eine bedeutende Quantität Hafer für das Proviant-wesen zu liefern. Im Jahre 1598 gewährte er selbst mit seineuBrüdern Max und Gundacker zusammen dem Kaiser Rudolfein Darlehen von 100.000 Thalern. Die Aufbringung dieserbedeutenden Summe (es kommt öfter vor, daß sie, die augen-blicklichen Bedürfnisse der Regierung zu befriedigen, eigene Güterverpfändeten) scheint ihnen selbst einige Schwierigkeit gemachtzu haben, denn am 23. Mai erthcilte der Reichspsennigmeisteran Zacharias Geitzkofler den Auftrag, er solle zur Bezahlungder Deutsche,, und Wallonen in Gran bis in 60.000 Thalcr
') Chlumctzky, zu der Brünner Chronik bei d'Elvert a. a. O.S.40 ff., desgl. Wolny, kirchl. Topographie von Mähren I. L. 107;Ruprecht, Geschichte der Ordensklöster in Mähren 144.