gerade von Wolfenbüttel aus in Braunschweig zum Besuch war.Das Haus, in welchem er gestorben, liegt am Aegidienmarkte,sein Grab vor dem Thore auf dem Kirchhofe der Magnigemeinde.Ihm in der Stadt, in welcher er während seiner letzten Lebens-jahre so oft und gern verweilte, ein würdiges Denkmal zu er-richten, hatte sich seit längerer Zeit ein Verein begründet, der,als die nöthigen Mittel herbeigeschafft waren, dem ProfessorRitschel in Dresden die Ausführung der Bildsäule des Dichtersübertrug. Die von diesen: Künstler modellirte, von Howald inBraunschweig gegossene und ciselirte Statue hat in neuester Zeitihren Platz an der oben bezeichneten Stelle gefunden und hatin der Plastik unserer Zeit nicht nur wegen der genialen Be-handlung im Allgemeinen, sondern auch wegen der Beibehaltungder damaligen Modetracht Aufsehen erregt. Sie ist auf einemeinfachen Würfel von Granit aufgestellt und unstreitig eine dergelungensten plastischen Arbeiten, welche die deutsche Kunst indiesem Jahrhunderte geschaffen hat. Der linke Arm, dessenHand eine Schriftrolle hält, lehnt sich auf einen Sänlenschaft,die Hand des gekrümmten rechten Armes ruhet auf der mäch-tigen Brust. Der schöne geistreiche Kopf, nach der rechten Seitegewandt, ist unmerklich zurückgeworfen. Der ganze Körper ruhetauf dem linken Arme und dem rechten zurücktretenden Beine,während das linke Bein in anmuthiger Weise vorgeschoben ist.Die Kleidung, von den: größten malerischen Effekt, ist die ver-rufene Zopftracht des vorigen Jahrhunderts: langschößige gestickteWeste, Jabot und Manschetten, lauger frackartiger Nock mitAermelaufschlägeu, kurze Hosen mit Kuiegürteln, Schuh mitSchnallen. Das Ganze muß erst durch eine ueuzuschaffendeUmgebung einen würdigen Hintergrund erhalten.
Dicht am Augustthore liegt der Windmühleuberg, von woaus mau eine freundliche Aussicht auf die Stadt und die fernenHügel und Berge genießt, und zwischen diesem uud dem Stein-thore der Monumentplatz, in dessen Mitte sich das Denk-mal erhebt, welches von den Braunschweigern den beiden in:Kampfe gegen den fränkischen Cäsar gefallenen Herzogen errichtetworden ist. Es besteht ans einem 72 Fuß hohen Eisenobelisk,der, in der herzoglichen Eisengießerei zu Zorge gegossen, auf einemSockel steht, dessen vier Ecken mit ruhenden gleichfalls gußeiser-nen Löwen geziert sind. An dem unteren Würfel der Spitz-säulen liest man kurze Worte der Widmung und die Jahres-zahl der Errichtung (1822).
Auf den: Wege vom Stein- zum FallerSleberthore liegt derHerzogin Garten, ein großer englischer Park, welchen die Ge-mahlin Karl Wilhelm Ferdinands, bekanntlich eine englischePrinzessin, anlegen ließ und welcher später durch Ankauf benach-barter Gärten bedeutend vergrößert worden ist. Obgleich gegen-wärtig etwas vernachläßigt, gewährt der mit vielem Geschmackangelegte Garten doch stets, vorzüglich aber im Frühlinge, einenangenehmen Aufenthalt und belohnende Spaziergänge.
Malerischer als dieser Theil der Promenade ist die Gegendzwischen dem Wenden- und Petrithore, wo besonders der Bier-baumsche Park mit seiner Insel und hügeligen Umgebungeinen wohlthuenden Eindruck macht. Dicht am Petrithore be-zeichnet eine junge Eiche den Platz, wo der Herzog FriedrichWilhelm auf seinem denkwürdigen Zuge an die Nordsee dieNacht vor dem entscheidenden Gefechte bei Oelper mit seinenKriegern unter freien: Himmel zubrachte. —
Ans fast allen Thoren Brannschweigs führen vortrefflicheKunststraßen. Aus den: Petrithore gelangt man auf einer sol-chen an „dem weißen Rosse," einem Vergnügungsorte derBrannschweiger, vorbei nach dem Dorfe Oelper, in dessen Nähedas Schlachtfeld liegt, wo am 1. August 1809 Herzog FriedrichWilhelm sich durch ein überlegenes feindliches Heer seinen Wegbahnte. Diesseits des Dorfes bezeichnet jetzt rechts von derHeerstraße ein einfaches Denkmal die Stelle, von wo ans derHerzog das ungleiche Gefecht leitete. Hinter Oelper liegt dasDorf Veltenhof, eine Colonie von pfälzischen Reformirten, welchesich in: vorigen Jahrhundert hier ansiedelten und großenteilsnoch immer ihre eigenthümliche Sitte, Sprache und Tracht be-wahren. Zwischen dem Petri- und Hohenthore hat ans den:Kirchhofe der Martinigemeinde Leisewitz, der Dichter des Juliusvon Tarent, seine irdische Ruhestätte gefunden. Die Gebeineeines größeren Dichters birgt der vor den: Steinthore gelegeneBegräbnißplatz der Magnigemeinde. Hier ruhet Lessing untereinen: schlichten, nur mit seinem Namen bezeichneten Steine.Nicht weit davon liegt das einstige Besitzthum eines anderendeutschen Schriftstellers, der Garten des durch seine Jngend-schriften sowie durch seine Bemühungen um die Reinigung derdeutschen Sprache von Fremdwörtern bekannten Campe. Vorder Thüre des Hauses liest man die von ihn: selbst hier ange-brachte Inschrift: I)m:s nndis Imoe olia 1eeit.— Dicht hinterdiesem Garten erhebt sich seit dem Jahre 1837 die v. Schill-sche Stiftung. Hier wurden in: Monat Juli des Jahres1809 mehrere Kriegsgefährten des tapferen Schill, welche inStralsnnd gefangen und von den französischen Kriegsgerichtenzu::: Tode verurtheilt worden waren, erschossen und begraben.Den Bemühungen eines braunschweiger Patrioten gelang es,mehrere deutsche Fürsten für die Errichtung eines die Unglück-lichen ehrenden Denkmals zu interessiren. Die Gaben derselben,sowie die von Nah und Fern reichlich fließenden Beiträge vonPrivatpersonen ermöglichten nicht nur die Errichtung eines sol-chen Denkmals, sondern auch die Stiftung eines Fonds zumBesten eines Invaliden, zunächst ans den: Schillscheu Corps.In der Mitte eines lieblichen, gartenähnliche:: Platzes erhebtsich das aus Sandstein erbanete Denkmal, unter welchem ineinen: Grabgewölbe die Reste jener Unglücklichen sowohl, alsauch das Haupt Ferdinands v. Schill, welches bekanntlich biszum Jahre 1837 zu Leyden aufbewahrt wurde, beigesetzt sind.Das Denkmal steht auf einen: 5 Fuß hohen Sockel und ist von Ka-