Druckschrift 
11 (1854)
Entstehung
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gothische Schloßkapelle gelegen, welche vom Souterrain bis zurBel-Etage hinaufreicht.

Von den Räumen des oberen Stockwerkes werden die desganzen südlichen Theiles wenig und nur als Nutzranm benutzt,dagegen enthalten die des nördlichen Theils außer verschiedenenGesellschaftszimmern die Wohnung des Hofmarschalls und andererHofbeamten und sind zum großen Theil auch zur Aufnahmefürstlicher Gäste und deren Dienerschaft eingerichtet.

Im Souterrain, welches sich durch die künstliche Bauartseiner Gewölbe auszeichnet, befindet sich die in englischer Weisegebauete Küche mit den dazu gehörigen Oekonomieräumen, sowiedie Weinkeller und die Kellermeisterei.

Der Eiscntmhnhof.

Auch dieses herrliche Gebäude ist nach einem Plane Ott-mers ausgeführt worden, freilich erst nach dem Tode des treff-lichen Mannes. Es liegt zwischen dem Wilhelmi- und Augnst-thore und besteht ans dem Kerne und der großen Halle. DieLänge des ganzen Gebäudes, mit Einschluß dieser Halle, beträgt430 Fuß.

Die Hauptfronte des Kernes ist der Promenade zugekehrt:sie zeichnet sich durch Einfachheit aus und wirkt auf den Be-schauer mehr durch ihre großen und edlen Verhältnisse, als durchäußeren Schmuck. Dieser ist fast uur an dein Mittelrisaliteangebracht und besteht namentlich in den vier Mastern, welchehier der Fa^ade vorgelegt sind und das mittlere Hauptportalvon den beiden niedrigeren Nebenportalen scheiden. Durch diesePortale gelangt man in die hohe, luftige Vorhalle, an welchesich nach Rechts und Links die beiden Flügel des Kernes an-schließen. Von diesen enthält der östliche unten die Zimmer derRestauration, in dem westlichen befinden sich die Räume derEisenbahn- und Postdirektion, während das obere Stockwerkgrößtenteils dem höheren Bahnhofspersonale zur Dienstwohnungangewiesen ist.

An die Rückseite des Kernes schließt sich, in einem rechtenWinkel auf die Mitte desselben stoßend, die herrliche Ein- undAusfahrtshalle, welche an Großartigkeit und kühner Construktionschwerlich von irgend einer anderen Eisenbahnhalle Deutschlandsübertroffen wird. Vorzüglich bemerkenswerth ist das Dach der-selben, welches aus Holz und Gußeisen außerordentlich künstlichconstrnirt ist und so sehr den Eindruck der Leichtigkeit macht,daß es fast frei in der Luft zu schweben scheint. Dasselbe ruhetjedoch mit seinen 81 Fuß langen Balken auf 52 Consolen vonGußeisen, deren jede 4 Centner und 10 Pfund wiegt. Von denbeiden Seitenwänden der Halle wird die östliche durch fortlau-fende Bogenportale gebildet. Diese werden ziemlich in der Mittedurch das an sie sich anlehnende Zollhaus verunstaltet, welchesjedoch hoffentlich bei der bevorstehenden Zolleinignng verschwin-den wird. Der westlichen Seite ist in ihrer ganzen Länge eine

niedere Etage vorgelegt, welche die Wartesäle, die Packkammer,Postexpcdition u. s. w. enthält. In der Mitte derselben tritteine tempelartige Rotunde hervor, welche zum Eingange vondieser Seite her dient und ans korinthischen Säulen ruhet. Amsüdlichen Ende der Halle endlich schließen sich derselben zweiKreuzflügel an, welche mit dem vorderen Kerne correspondirenund dieselbe Breite wie dieser haben.

Die Umgebung des Bahnhofes hat in der jüngsten Zeitdurch neu gemachte Anlagen sowie durch Aufführung von Filial-gebäuden, z. B. des neuen Güterschuppen, wesentlich gewonnen.Vorzüglich ist in dieser Hinsicht der große freie Platz zu erwäh-nen, welcher jetzt die Westseite des Gebäudes begrenzt und überwelchen eine herrliche, breite Ausfahrt zu der auf dieser Seitegelegenen Rotunde führt.

Möge uns der freundliche Leser schließlich noch auf einerkurzen Wanderung durch die nächste Umgebung Braunschweigsfolgen, welche, wenn sie auch keineswegs große Naturschönheitendarbietet, doch des Anmuthigen und Interessanten nicht gänzlichentbehrt. Es ist schon oben erwähnt worden, daß sich ringsum die Stadt Promenaden ziehen, in welche man die alten,unnützgewordenen Festungswerke derselben verwandelt hat. DasVerdienst, den Gedanken dieser Umwandlung gefaßt zu haben,gebührt dem unvergeßlichen Herzoge Karl Wilhelm Ferdinand,der Ruhm seiner Ausführung im Einzelnen dem verstorbenenOberbaurathe Krähe. Mit der Abtragung der Festungswerkebegann man schon im Jahre 1797, aber erst i. I. 1831 konnteman die Anlagen, welche an ihre Stelle zu treten bestimmtwaren, im Wesentlichen als vollendet ansehen. Die neueste Zeithat auch hier noch Manches ergänzt und hinzugefügt. DiesePromenaden bestehen in ihrer jetzigen Gestalt größtentheils ausherrlichen Banmgängen, in deren Mitte ein trefflicher Fahrweghinläuft, erweitern sich aber an manchen Stellen zu ausgedehntenParkanlagen mit den schönsten Nasenplätzen, Bosketten u. s. w.In der neueren Zeit sind an denselben eine Menge geschmack-voller Privathänser entstanden, welche mit ihren blühenden Gär-ten nur dazu dienen, die liebliche Schönheit derselben zu erhöhen.Einzelnes verdient besonders hervorgehoben zu werden.

Zwischen dem Wilhelmi- und Augnstthore liegt außer demoben beschriebenen Bahnhofe der ehemals Krausische, jetzt Hol-landische Garten, ein im englischen Geschmack angelegter Park,mit seiner zierlichen Villa am Eingange, deren Inschrift:8slvoHaspe«" jeden fremden Besucher willkommen heißt. Besonderslohnend ist die Aussicht, welche man am anderen Ende desGartens über die von der Ocker durchflossenen Wiesen nachEisenbüttel und den herzoglichen Lustschlössern genießt. In derNähe, dem Garten schräg gegenüber, an dem sogenannten Tum-melplatze erhebt sich jetzt das Denkmal Lessings. Bekannt-lich ereilte der Tod den großen Mann im Jahre 1781, als er