Druckschrift 
11 (1854)
Entstehung
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nonenröhren umgeben, welche, ein Geschenk des verstorbenenKönigs von Hannover, durch Ketten mit einander verbundensind. Das würfelförmige Piedestal enthält auf seinen vier Sei-ten Inschriften, deren eine die Namen der vierzehn erschossenenKrieger nennt. Auf diesem Piedestale erhebt sich ein mit SchillsNamenszuge, Kriegsemblemen u. s. w. geschmücktes Postament,das durch ein 5 Fuß hohes mit vergoldetem Eichenkranze um-wundenes eisernes Kreuz gekrönt wird. Die ganze Höhe des!Denkmals beträgt 25 Fuß. An das unweit desselben gelegene .Häuschen des Invaliden stößt eine mit einem kleinen Thurmeüberdachte Kapelle, in welcher sich außer der bronzenen, vonLudwig von Bayern geschenkten Büste Schills die Bildnisse derdeutschen Helden des Jahres 1809, des Erzherzogs Karl vonOesterreich, des Herzogs Friedrich Wilhelm von Braunschweigund Andreas Hofers befinden. Das erstere ist von dem Erz-herzoge selbst, die beiden anderen von den Magistraten der StädteBrannschweig und Insbruck der Stiftung vermacht worden.

Eine kleine halbe Stunde vor dem Steinthore liegt derNußberg, von welchem man eine freundliche Aussicht ans dieStadt genießt, mit der Ehrensänle, welche dem General v. Ol- >fermann, dem Führer der braunschweigischen Truppen in derSchlacht von Waterloo, seine Kriegsgefährten errichtet haben.Von hier bringt ein kurzer Marsch den Wanderer nach demdurch seine Kirche merkwürdigen, von Teichen umgebenen KlosterRiddagshansen und weiter nach demgrünen Jäger," einemmitten im Walde gelegenen Wirthshause, welches viel vonBrannschweig aus besucht wird.

Bei Weitein der schönste Spaziergang jedoch, welchen manunmittelbar aus den Thoren der Stadt einschlagen kann, ist dieHeerstraße, welche aus dem Augustthore nach Wolsenbüttel führt.Sie wird anfangs von herrlichen, alten Linden und zierlichenGartenhäusern begleitet und führt in kurzer Zeit zu den her-zoglichen Lustschlössern und dem diese umgebenden Parke. DieHerzogin Auguste Friederike Lonise kaufte i. I. 1768 die hiergelegenen sandigen und wüsten Aecker an und ließ sie zu einemGarten in englischem Stile umwandeln. Zu gleicher Zeiterbauete sie auf der Anhöhe, welche das rechte Ockerufer bildet,ein kleines Schloß, welchem sie in Erinnerung an ihre ferneHeimath den Namen Richmond'^) gab. Dasselbe bildet eingleichseitiges Viereck, dessen Seiten 72 Fuß lang sind und liegtmit seiner einen Ecke gerade dem Eingange zum Garten gegen-über. Der zierliche elegante Bau wird durch eine Laterne ge- ^krönt, welche, die Form des Schlosses im Kleinen nachbildend,ans dem flachen Dache desselben sich erhebt und dem geräumigenin der Mitte des Gebäudes befindlichen Speisesaal von Oben

Es heißt jetzt zum Unterschiede von der neuen herzoglichen Villaauch mohl AlURichmond.

sein Licht zuführt. Herrlich ist die Aussicht, welche man vondem Platze vor dem Schlosse oder von der Plattform desselbenüber einen Theil der Stadt und über die Landschaft genießt, welchesich nach Süden zu bis an die fernen Berge des Harzes aus-breitet. Zu beklagen ist es, daß der schöne Garten gegenwärtigso sehr vernachläßigt wird; er gehört, wie der oben erwähnteGarten der Herzogin, dem vertriebenen Herzoge Karl und wiedas Schloß leer und öde steht, so verwildern die dasselbe um-gebenden Anlagen mehr und meyr.

Neben diesem Parke erstrecken sich nach der Stadt und nachEisenbüttel zu die neuen Anlagen, welche der jetzige Herzog hatausführen lassen, ja sie dehnen sich noch jenseits der Heerstraßeund auf dem anderen User der Ocker bis zur Eisenbahn ans.Es ist das eine liebliche Landschaft mit Banmgruppen, Gebüsch-partien, Schweizerhänsern, Wiesen und Bassins, ans denen zier-liche Gondeln und kleine Schisse umherschwimmen. In demVolt einer zinnengekrönten Mauer umzogenen Theile des Parkesliegt die neue herzogliche Villa, auch Williams-Castle oderNeu-Richmond genannt. Zu derselben führen zwei mit Thürm-chen und dem herzoglichen Wappen gezierte Eingangsthore. DieVilla selbst ist zum Theil nach dem Muster eines Gartenhauseszu London erbauet und enthält außer den Wohn-, Schlaf- undGarderobezimmern einen Speise-, Billard- und Bibliothekssaal.Dach und Giebel sind ringsumher mit Zinnen gekrönt. Ori-gineller ist der Stil, in welchem das Cavalierhaus erbauetist, das die nördliche Ecke der Mauer einnimmt, da wo sich derWeg nach Eisenbüttel von der wolfenbüttler Heerstraße scheidet.Es ist eine Miniaturnachbildnng des bekannten Schlosses zuWindsor und macht mit seinen Thürmchen, Zinnen, Strebebogenund Ausbanseustern eine um so malerischere Wirkung, als seinefreie Lage die ungehinderte Aussicht ans dasselbe gestattet. Ausseinem Inneren erhebt sich ein 102 Fuß hoher viereckiger Thurm,welcher oben in vier Spitzsäulen anslänft, von denen man jedochbehaupten kann, daß sie den ganzen Bau mehr verunzieren alsschmücken.

Unweit des herzoglichen Parkes liegt der kleine MühlenortEisenbüttel, der für die altsächsische Geschichte durch die Ermor-dung des Markgrafen Ekbert II. merkwürdig geworden ist. DieserMord geschah ans Anstiften und durch Dienstmannen der Aeb-tissin von Quedlinburg, einer Schwester Heinrichs IV. und manhat deßhalb in neuerer Zeit gemeint, daß Ekbert nicht in derMühle zu Eisenbüttel, sondern in einem Eisenhammer an derSelke seinen Tod gefunden habe. Die Sache verdiente wohleine nochmalige genaue Untersuchung: wenigstens ist es merk-würdig und spricht für Eisenbüttel als den Ort des Mordes,daß die Leiche des Markgrafen in dem dicht bei Eisenbüttel ge-legenen Cyriakstifte beigesetzt wurde, von wo man sie später inden Dom brachte.