Onhcilh Hannover. Das neue Zeughaus in Hannover. 2. Dos neue Hoffhea+er zu Hannover. y Der Eisenbahnhof in Hannover. H-. Das I and schaf 44 iche Siändehaus xu Hannover. 5. Adolfs4ra»e und La.ibni4i.en> Denkmal in Hannover. 6. Die |x>ly4-ecbni*chc Sdiule in Hannover . 1-4 i Idet heim . 7 Der Dom und die S4. Ahnakapelle xu Hilderheim . 8. Die k'losWbasilika Sh Michael zu Hildesheim. 9. kreuxgang von Sh Michael z.u Hildesbcim . 10. Die 54. Andreaskirche xu H i Idas hei m - Nienburg. 11. Das "Raibbaus und dar Markf xu Nienburg. Osnabrück . "II. Osnabrück, von der Mordsei4e. . iV Osnabrück» vom Gerfraudenberg aus gesehen . 1H. Osnabrück vom Wasenberg aus. 15. Der Dom xu Osnabrück. 16. Die Marienkirche au Osnabrück. . iy. 3nnera Ansicbf der Diarien kVrche in Osnabrück . 18. Der Marktplatz mit dem "Ratbbause in Osnabrück. 19. Das Haaser Thor und die Haaser brücke xu Osnabrück . 20. Das Water loo+hor zu Osnabrück . S4ad e. 21. Der Ti schmor K-t in vStade • Emden. XX. Da* Ttathhaus und dar 3nnare Hupen in Emden. Xb. Emden an der Ems. Norderney. SU*. Seebad Norderney von den Dünen aus. Harburg. IS. Die Jcblosj drasse in Marburg. Einbeck- 26. Einback von der Nord -Wc4-Seile . 3bufg, X^. 3burg von der Norgemai-fe. Norden. 2fi>. Sfodt Norden in Ojffnada nd . Bfaumchweig. 2g. Ansicht von Braunfcbiveig. 30. DcraH-c Dom in Braunsdiu/eig. 31. Der koblmark4 in Braunsebn/cig. 32. ka+Harinenkircbe in Braunschweig. 33. Die 5t.'Andreaskirche in Braumchweig. 34-. Die Brüdernkirche in Braunjchweig. 35- Das T}ej»dena.Jchlosj au Braunsch weig. 36. Der Eisenbahnhof au Braun jehweig . hj. Altes 5chloss xu 'Pichmond bei Braunschweig. 3$. Das 5chloss au ^jebmond bei ß^aunsdiwet'g. 39- Williams - CasMe eu ^»chmond Gei Braunsckwaig. Lti&* ; QöUilhfll ■ Ue und - < Wer Wcrng*' 0» j Oiltrofo von der aHcr ©> , Dollar mil dtr ^ QuU j Quedlinburg. tWilor. (Wtenried im Hau. im Hqh. r 9 Q| n Har^ bti 3 > i«. S|*, Goslar . 1+0. I>ie alte, öomka pelle und die neue Kaserne in Goslar. Wernigerode. 41. S+adt and Schlot Wernigerode. Clausthal. 42- Clausthal. Osterode 43. Osterode von der alten Burg aus. Goslar. 44. Goslar mit der Kllause. Quedl i nburg. 45. Quedlinburg. •Fritdar . 4b. Tritilar. Wulkenried. 4^- VValWenried im Harz.. Stolberg. 43- Stolberg im Hqrz.. Blankenburg. 49. Blankenburg am Harz.. Marx.. 50. -bie Marmormuhlc bei Rübeland. 51. Ruine der St. ÖartWolomauskirche und Scbloss in Harxbarg. 5.2- Eingang ins Bodethal. 5i- Die Ro«trappe . • ' V- ' ;' , v r, " ' ' 2; . ■ -T- ' m 9* * 5k. I)i(i 3ungfambruckc ini öodofbaJ. 55. Dia Tau fah brücke. i V h Qodalhcvl. 56. Deu 3lsa»oji, , . • " Ö ir -'- ■ r . V\3>r in ■ '• •'*•.:• V* u er n«- $ c» v sm»T v J v A t £ na et) <)er ^CatttrauTgenonunftt FCMxjExpjBjpEtf v w, pft Wo^ ( im 45>l«t)l 0f«hwi|fffl "VffiHft M. JDOT. *©**«;, ^ DBJTTSCSEI9 I Hll einem arlisfisch f ottoflraphisffeen 6 e*d 11 . MM >1 si DARMSTADT [um 1856J DRUCK uro VERLAG ron GUSTAF GEORG L^'KGE Brauns ch wer g. ^)ie Gegend, wo jetzt die Hauptstadt des Herzogthums Braunschweig ihre zahlreichen Thürme erhebt, scheint schon in ziemlich früher Zeit angebant gewesen zu sein. Zwar sind die Erzählungen späterer Chronisten, nach denen Karl der Große hier einen befestigten Ort „de olde Wpk" vorgefunden, denselben erstürmt und in seiner Nähe eine Kapelle zu Ehren des heiligen Jalob erbaut haben soll, keinesweges zuverlässig, und ebensowenig Glauben verdienen die Angaben, daß Herzog Brun, der Ludol- singer, und sein angeblicher Bruder Dankward, der Eine die Stadt, der Andere die Burg, nach ihm Dankwarderode genannt, gegründet habe: doch läßt sich vermuthen, daß, noch ehe wir zuverläßige geschichtliche Nachrichten von dem Vorhandensein eines Ortes Brunswiek erhalten, diese in strategischer wie in merkantilischer Hinsicht nicht unwichtige Gegend an der Ocker, auf der Grenze des Darlingaues und des Gaues Astfala, mag bewohnt und befestigt gewesen sein. Einer Villa Brnnesgnik aber geschieht zuerst Erwähnung in der Stiftnngsurknnde der Magmkirche vom Jahre )031^). Diese Stiftung geschah aus den: Landgute und den Mitteln eines kinderlosen Edelmanns mit Namen Hatteguard, und die Schenkung desselben ward vermehrt unp erweitert durch den Bruuonen Ludolf, dessen Großvater Bruno von Kaiser Otto I. mit der umliegenden Gegend, besonders mit den nahen Orten Hoheuwort'^) und Melverode beschenkt worden war, welche die Furth über die Ocker beherrschten. Unter Ludolf und seinen Nachkommen, den beiden Ekberten, erweiterten sich allmählich die Ansiedlungen in der Nähe. Im Jahre 1036 ward die Ulrichskirche von dem Bischöfe von Hildesheim eingeweiht und Ekbert I. gründete in seinem Todesjahre (1068) das Stift Sti Chriaci st). Sein Sohn war jener Ekbert II., welcher in den Kämpfen der Sachsen gegen Heinrich IV. eine hervorragende Rolle spielte. Er ward im Jahre 1090 ermordet, einer Sage zu Folge in der Mühle zu Eisenbüttel. Alsbald bemächtigte sich sein kaiserlicher Gegner seiner Besitzungen und legte eine Besatzung in die Burg Dankwarde- Das Original dieser Urkunde befindet sich im Landesarchiv zu Wolfenbüttel. Auch Hogewort. Diese Ansiedlung lag Melverode gegenüber auf dem linken Ufer der Ocker, vor dem ehemaligen Michaelisthore, in der Gegend, wo jetzt die Eisenbüttler Mühle liegt. 555) Lag auf dem jetzigen Kohlmarkte. 1) Vor dem heutigen Wilhelmi-Thore gelegen. rode; allein die Bewohner der umliegenden Gegend warfen Feuer in die Burg, vertrieben die Fremden und führten die Schwester Ekberts, Gertrude, welche sich nach Scheverlingenburg *) geflüchtet hatte, in ihr rechtmäßiges Besitzthum zurück. Diese Gertrud stiftete auf dem höchsten Punkte der Stadt dem heiligen Autor zu Ehren ein Kloster. Die Sage erzählt, sie hätte das Gelübde gethan, dem Heiligen an der Stelle eine Stiftung zu erbauen, wo die Zngthiere, die den aus Trier geholten Leichnam desselben zogen, zuerst stillstehen würden. So entstand das Kloster, welches, zugleich dem h. Aegidius geweiht, von diesem den Namen erhielt: es wurde i. I. 1115 eingeweiht und mit Benediktinern besetzt. In der Urkunde^), durch welche Lothar von Supplinburg diese Schenkung seiner Schwiegermutter bestätigt, wird der Ort, in welchem das Kloster lag, Brunswich genannt. Dieser Name, welcher, wie oben erwähnt wurde, ursprünglich nur einem Meierhofe anhaftete, mußte sich damals also schon über die Nachbarschaft ausgedehnt haben; doch führte die Burg noch immer ihren alten Namen Dankwarderode und ihr wird in jener Urkunde die Vogtei und das weltliche Gericht über das Kloster vorbehalten. Als der eigentliche Gründer der Stadt Braunschweig muß Heinrich der Löwe augesehen werden. Er umzog, wahrscheinlich noch vor seiner Pilgerfahrt nach dem gelobten Lande, den damals noch ganz offenen Ort mit Wall und Graben, in deren Umfang jedoch die alte Wiek nicht mit eingeschlossen war, gründete die Katha- rinenkirche und erbauete auf dem Platze, wo schon Ludolf den h. Petrus und Paulus eine Kirche gestiftet hatte, den Dom, in welchem er die aus Palästina heimgebrachten Reliquien niederlegte. Seit seiner Zeit erscheint der Name Braunschweig als Gesammtname für die in dieser Gegend gelegenen Ansiedlungen in allen Urkunden. Unter seinem Sohne Otto hatte der Ort seine erste ernsthafte Belagerung zu bestehen. König Philipp von Schwaben unternahm i. I. 1199 von Magdeburg her einen Angriff auf das Herz der welsischen Lande: mit einem großen Heere erschien er nach Einnahme der Stadt Helmstedt und Einäscherung des Hauses Warberg vor Braunschweig und begann die Stadt zu bestürmen. Schon hatte er sich der unbe- 5) Das heutige Walle, unweit des Einflusses der Schunter in die Ocker. 55) Die Aechtheit dieser Urkunde wird freilich mit gutem Grunde angezweifelt, da sie in deutscher Sprache verfaßt ist. S. unten. festigten alten Wiek bemächtigt und drang von da über die Brücke, welche diese mit der Altstadt verband: allein hier wurde er von den Braunschweigern, an deren Spitze Ottos Bruder, der Pfalzgraf Heinrich, kämpfte, nach hartem Verluste zurückgeschlagen. Durch diesen verunglückten Sturm entmuthigt hob er die Belagerung ans und führte sein Heer von der Stadt zurück. Der fromme Glaube der Zeit schrieb die Rettung derselben dem h. Autor zu, welchen man mitten unter den Braunschweigern im Gewühle des Kampfes wollte fechten gesehen haben. Diese Belagerung ist in doppelter Hinsicht für das rasche Aufblühen der Stadt von Bedeutung geworden: einmal ward in Folge derselben die alte Wiek gleichfalls befestigt und mit zur Stadt gezogen, so daß diese nunmehr, abgesehen von der Burg, aus 4 Theilen bestand: der Altstadt, Neustadt, dem Hagen und der alten Wiek, welche jedoch noch immer durch Gräben und Zugbrücken von einander geschieden blieben; dann aber ertheilte Kaiser Otto den Bürgern zur Belohnung für die ihm und seinem Hause bewiesene Treue die Zollfreiheit durch das ganze Reich. Auch entstand in dieser Zeit allmählich der fünfte Theil der Stadt, der Sack, indem sich die Umgegend der Burg mehr und mehr mit Andauern füllte. Kaiser Otto gedachte überdies der treuen Stadt in seinem Testamente: er schenkte seine Güter zu Scheverlingenburg dem Dome (St. Blasius) und ernannte die Bürger zu Mitvollstreckern seines letzten Willens. In Folge der unruhigen und gefährlichen Zeiten erweiterte sich Braunschweig zusehends, indem aus der Nähe und Ferne zahlreiche Bewohner des offenen Landes in seinen Mauern Schutz suchten und sich innerhalb derselben niederließen. In unerschütterlicher Treue blieb die Stadt während der Fehden zwischen der hohenstausischen und wölfischen Partei dem Fürstengeschlechte zugethan, welchem sie, wenn nicht ihre Entstehung, so doch ihre Erweiterung verdankte. Dieses zeigte sich besonders, als Kaiser Friedrich II. zur Zeit der Gefangenschaft, in welche Herzog Otto das Kind gerathen war, die Stadt besetzte und sie unter dem Vorwande, daß ihm die Töchter des Pfalzgrafen Heinrich ihre Ansprüche an dieselbe verkauft hätten, als sein Eigenthum betrachten wollte. Dem aus der Gefangenschaft heimkehrenden Otto öffneten die Bürger das Fallersleberthor und halfen ihm die kaiserlichen Dienstmannen aus der Burg vertreiben. Dafür erhielten sie von dem Herzoge neue Freiheiten und Privilegien, wenn auch nicht, wie man behauptet hat, das Stadtrecht*). Außerordentlich rasch begann jetzt die Macht und der Wohlstand der Stadt zu wachsen, besonders durch den sich mehr und mehr ausdehnenden Handel derselben. In Dänemark, wohin schon seit dem Anfange des 13. Jahrhunderts Wenigstens ist die darüber noch vorhandene Urkunde höchst wahrscheinlich unächt, da die ältesten in deutscher Sprache verfaßten Diplome nicht über die Zeit Rudolfs von Habsburg hinaufreichen. S. Schönemann, Diplomatik I., §, 5t. braunschweigische Kaufleute die Waaren ihrer Heimath zu bringen angefangen hatten, befreite König Woldemar II. die Braunschweiger wegen der seinem Neffen, dem Herzoge Otto, bewiesenen Anhänglichkeit nicht nur von der Entrichtung der Zölle in allen seinen Staaten, sondern auch von dem Strandrechte (1228). Einen ähnlichen Freihandels- und Schutzbrief stellte ihnen zwei Jahre später König Heinrich III. von England für die seinem Scepter unterworfenen Landschaften aus. Durch solche Privilegien gehoben ward Braunschweig bald eine der bedeutendsten Handelsstädte Norddentschlands. Um ihren Handel zu schützen gegen die Raublust und die Gesetzlosigkeit, welche damals im Reiche herrschten, trat die Stadt i. I. 1247 dem Bündnisse bei, welches sechs Jahre vorher zwischen Lübeck und Hainburg zur Sicherung ihrer beiderseitigen Waarenzüge war abgeschlossen worden. Das Bündniß dieser drei Städte erweiterte sich bekanntlich in der Folge zu dem großartigsten Bunde, der je deutsche Städte vereinigt hat, zu der Hansa. In diesem engen Anschluß an die beiden mächtigsten Städte des deutschen Nordens lag für Braunschweig nicht nur die Versuchung zu einein selbständigeren Auftreten den Landesherren gegenüber, sondern auch die Möglichkeit, diesem Streben nach größerer Selbständigkeit Erfolg zu verschaffen. Zwar so lange Herzog Otto lebte und auch noch unter seinen Söhnen, Albrecht und Johann, traten solche Pläne noch nicht entschieden hervor, vielmehr bestand zwischen den Herzogen und der Stadt das alte gute Vernehmen ungestört fort: allein die Regierung der Söhne Ottos des Kindes muß doch als die Epoche bezeichnet werden, in welcher die Stadt unmerklich anfing, ihren eigenen Weg zu gehen und ihre Macht aus Kosten der Herzogsgewalt auszudehnen. In zwiefacher Beziehung ist die Regierung Herzog Albrechts des Lallgen in dieser Hinsicht beachtenswert!). Mit der Theilung des Herzogthums, welche er und sein Bruder Johann i. I. 1267 vornahmen, begann in den wölfischen Landen der Verfall der fürstlichen Macht, welcher bald durch fortgesetzte Zersplitterung dermaßen fortschritt, daß nicht nur Braunschweig, sondern auch andere Städte des Landes ein ursprünglich fürstliches Recht nach dem anderen den Herzogen abzudrängen im Stande waren. Was dabei den Braunschweigern vorzugsweise zu Statten kam, war der Umstand, daß die Stadt in allen folgenden Theilungen stets Gemeingut des Gesammthauses blieb und so in die günstigste Stellung den einzelnen Linien gegenüber kommen mußte. Dann aber ist Albrechts Regierung für das Aufblühen der Stadt dadurch von großer Bedeutung geworden, daß sich während derselben (i. I. 1269) die 3 Weichbilder der Altstadt, der Neustadt und des Hagen vereinigten, so daß von nun an alle Sachen, welche die ganze Stadt betrafen, von einem aus den gesammten Bürgermeistern jener Stadttheile gebildeten Collegium berathschlagt wurden. Dadurch kam in die Regierung und Verwaltung der Stadt eine größere Einheit und Uebereinstimmung, während zwischen den einzelnen Mitgliedern des fürst- lichen Hauses Streitigkeiten und Zerwürfnisse immer mehr überHand nahmen. Der günstige Einfluß, welchen diese Verhältnisse auf die äußere und innere Entwickelung der Stadt ausübten, offenbarte sich im Verlaufe der Unruhen, welche i. I. 1292 zu Brannschweig entstanden; denn obgleich diese Unruhen vorübergehend das Gemeinwesen erschütterten und den städtischen Frieden brachen, so endigten sie doch ganz zum Vortheile der Stadt und des städtischen Regimentes. Nach dem Ableben des Herzogs Wilhelm suchte sich nämlich Heinrich der Wunderliche von Grubenhagen in den Besitz von Wilhelms Erbe zu setzen und um dazu die Unterstützung der Stadt Braunschweig zu gewinnen, reizte er die Gilden d. h. die geschlossenen Genossenschaften der Handwerker gegen den Rath auf. Vergebens versuchte dieser durch gütliches Zureden den Sturm abzuwenden: die Gilden, welche sich vorzugsweise über Bedrückung des Gewerbes beklagten, erwählten ans ihrer Mitte 12 Männer, welche ans dem Lanen- thurme^) tagend, sich Eingriffe in den Verkehr und die Marktordnung erlaubten. Am Tage des h. Autor 1294 kam es zu einem tumnltnarischen Ausstände: man setzte den Rath ab, erwählte neue Bürgernleister aus der Mitte der Gilden, trieb allerhand Unfug in den Straßen und auf den Plätzen der Stadt und bedrohete einen Jeden, der sich weigerte, Herzog Heinrich von Grubenhagen die Huldigung zu leisten, mit augenblicklichem Tode. Bei diesem Stande der Dinge wandte sich der Rath an Herzog Albrecht von Göttingen mit der Bitte um Schutz und Hilfe. Bereitwillig erschien dieser vor der Stadt, ward durch Vermittlung des Rathes bei der Neustadt-Mühle über den Graben gelassen und bemächtigte sich sogleich des Rathhauses der Neustadt. Da entsank den Aufrührern der Muth. In Begleitung Herzog Heinrichs entfloh das Haupt derselben, Johann Drake, welcher anfangs mit trotziger Miene und einem Hute vor Albrecht erschien, dessen Rand ringsum mit brann- schweigischen Pfennigen benähet war, nebst Vierzigen seiner Genossen aus der Stadt. Ueber die Zurückgebliebenen erging ein strenges Gericht: zehn derselben wurden aufgeknüpft, einer — Dietrich von Alefeld — in Rücksicht seines hohen Alters enthauptet; die Entflohenen wurden auf Zeitlebens aus der Stadt verwiesen. Nach hergestellter Ruhe schloß der Herzog i. I. 1296 mit der Stadt einen Vertrag, welcher die Rechte der letzteren um ein Ansehnliches vermehrte. Er überließ in demselben dem Stadtrathe seinen Antheil an dem Zolle, der Münze und den Mühlen, sowie an den nicht mit dem Stadtrechte begabten Theilen Altewiek und Sack, versprach die Feinde der Stadt auch *) Dieser beschützte das Thor (Löwenthor) der Altstadt, welches über den Damm nach der alten Wiek führte. Noch heute trägt das auf der Stelle des Löwenthurmes gelegene Haus diesen Namen. als seine Feinde zu betrachten und begab sich sogar eines Theiles seiner vogteilichen Rechte. Daß er und sein Bruder Heinrich von Grubenhagen so wenig wie ihre Nachkommen in der Stadt Hof hielten, sondern sich dort nur durch ihren Bogt vertreten ließen, trug wesentlich zur Schmälerung des fürstlichen Ansehens bei. Noch mehr mußte dieses sinken, seitdem im Jahre 1345) Albrechts Söhne, Ernst von Göttingen und Magnus der Frvmme von Wolfenbüttel, ihren Antheil an der Vogtei in der Stadt, sowie in dem Sacke und der alten Wiek an die übrigen drei Weichbilder versetzten. So kam die Stadt mehr und mehr in den Besitz derjenigen herzoglichen Rechte, in welchen nach den Begriffen des Mittelalters die Landeshoheit über einen Ort bestand. Eifersüchtig auf die so errungenen Prärogativen und mißtrauisch gegen die Herzoge ließ der Rath jedesmal, wenn ein Regierungswechsel Statt fand, die Rechte und Freiheiten der Stadt von dem neuen LandeSsürsten bestätigen. So entstanden (schon seit 1318) die sogenannten Huldebriefe und bald wurde diese Gewohnheit von der Stadt in dem Sinne ausgelegt, daß sie nicht eher verbunden sei, den Herzogen die Huldigung zu leisten, ehe diese nicht durch die Ertheilung jener Briefe der Stadt Rechte und Privilegien ohne Ausnahme bestätigt und anerkannt hätten. Der erwachende Uebermuth und der aufstrebende Trotz der Stadt sollten jedoch, wenigstens zeitweilig, gedemüthigt und gebrochen werden, nicht zwar durch die Herzoge, sondern durch die verbündeten Städte. Im Jahre 1374 entstanden in der Stadt neue Unruhen. Wiederum waren es die Gilden, welche sich gegen die drückende Herrschaft des Rathes erhoben. Als ihre Beschwerden über zu hohe Steuern bei dem Rathe kein Gehör fanden, als dieser vielmehr die Gildemeister, welche als die Wortführer der Unzufriedenen galten, bei einem nächtlichen Schmause überfiel, gefangen nahm und einige derselben am Leben strafte, brach der Grimm des Volkes zu furchtbaren, blutigen Thaten aus. Man rottete sich zusammen, man griff zu den Waffen. Ein Bürgermeister des Sackes, der das Volk von seinem wilden Beginnen abmahnen wollte, ward auf dem Papen- stiege erschlagen. Dann richtete sich die Wuth des losgelassenen Pöbels gegen den bejahrten Großbürgermeister Tile von Damm. Das Haus, welches er bewohnte, „die sieben Thürme" genannt, ward erstürmt, geplündert, durchsucht. In einem Hinterstübchen des Nachbarhauses fand man den Greis, zog ihn hervor und schleppte ihn in's Gefängniß. Dasselbe Schicksal traf einen großen Theil seiner Amtsgenossen. Die Justiz der entfesselten, ihren Leidenschaften preisgegebenen Menge pflegt kurz zu sein. Zwei Tage nach ihrer Einkerkerung — es war am ersten Mai — traten Tile von Damm und seine Genossen den letzten Gang — ihren Todesgang an. Man hatte verschiedene Richtplätze für sie bereitet: Henning Lusken und Ritter Hermann von Gustedde wurden vor dem Rathhause der Neustadt, Hans von Göttingen und Bruno von Gustedde vor ihren Wohnungen enthauptet. Auf dem Hagenmarkte erwartete das Schaffet Hansen von Himstedde und Tilen von Damm. Der Letztere, ein schwerer beleibter Mann, vermochte das Knie nicht zur Erde zu beugen: er ward auf einem Sessel, den man herbeiholte, enthauptet. Es wird erzählt, daß, als sich Niemand zum Amte des Henkers herbeilassen wollte, ein Mann, der einst von dem greisen Bürgermeister aus der Taufe gehoben und reich beschenkt worden war, aus der Menge hervorgetreten sei und den tödtlichen Streich geführt habe. Zwei Tage später wurden Tile Döring und Ambrosius Sonnenberg vor das Gericht der Altstadt gestellt und gleichfalls vernrtheilt. Als Sonnenbergs Haupt gefallen war, trat Tile Döring vor und sprach mit weinenden Augen und bewegter Stimme zu der versammelten Menge: „sie möchten einträchtig sein und nun den: Blutvergießen ein Ende machen. Auch möchteu sie uicht versäumen, einen neuen Rath zu wählen, denn ohne diesen könne die Stadt nicht bestehen." Dann wandte er sich zu den Häuptern des Aufstandes und fragte: „Wessen sie ihn beschuldigten, daß er sterben sollte?" Niemand antwortete. Da bat er zum Volke gekehrt, welches herbeigelaufen war, um die Hinrichtung zu sehen, daß, wenn Jemand unter ihnen wäre, den er beim Tanze, Spiel oder Ringelrennen beleidigt hätte, dieser ihm um Gottes Willen vergeben möchte: dann wolle er gern sterben. Wenige waren unter den Tausenden, die das Schaffet umstanden, welche nicht durch solche Worte gerührt worden wären; aber die Aufrührer wurden ungeduldig und schrieen, man solle ihm den Kopf abschlagen. Als er dieses hörte, ermähnte Tile Döring den Henker, er möge thun, was ihm befohlen werde, kniete nieder und empfing den Todesstreich *). Nach diesem Blntbade, an welchem übrigens die alte Wiek keinen Theil nahm, da sie vielmehr ihren Rath vor der Verfolgung der übrigen Weichbilder muthvoll rettete, erwählte man neue Bürgermeister aus den Stimmführern des Aufstandes und verjagte die Geschlechter**) ans der Stadt. Doch die Rache für die Unthat ließ nicht lange auf sich warten. Zwar die Herzoge waren gänzlich außer Stande, die Stadt zum Gehorsam und zur Mäßigung zurückzubringen: desto eifriger nahm sich die Hanse der Sache an. Sie gewährte nicht nur den vertriebenen Patriziern ihren Schutz, sondern stieß auch die aufrührerische Stadt aus ihrem Bunde. Anfangs lachten die trotzigen Braunschweiger über diese Maßnahme, allein bald mußten sie die ver- Die Hauptquelle für diese Ereignisse ist das auf der wolfen- büttler Bibliothek befindliche, in plattdeutscher Sprache geschriebene „Schicht boick." 55) Der Ursprung der braunschweigischen Geschlechter, welche sich in Gold- und Silberringe theilten und den städtischen Adel (die Patrizier) bildeten, ist nicht klar. Wahrscheinlich waren sie aus den freien Grundeigenthümern des flachen Landes hervorgegangen, welche sich während der vorhergegangenen unruhigen Zeiten in die Stadt gezogen hatten. Sie waren es, aus denen in der früheren Zeit der Rath der Stadt gewählt wurde; auch noch in späterer Zeit bildeten sie stets einen Hauptbestandthcil desselben. Verbliche Wirkung derselben empfinden: ohne Schutz im Auslande, verfiel ihr Handel: die Waaren der Stadt wurden auf den Heerstraßen angehalten, fortgenommen, die Bürger, sobald sie sich aus den Thoren hervorwagten, niedergeworfen. Nach Verlauf von 5 Iahren sah sich die Stadt mit gänzlicher Verarmung bedroht. Da endlich demüthigte sie sich und erlangte durch Vermittlung des jungen Herzogs Friedrich die Wiederaufnahme in den mächtigen Städtebund, doch nur unter harten Bedingungen. Von Neuem mußte sie sich in die Hanse einkaufen, die alten Rathsherren, welche noch am Leben waren, wiedereinsetzen, die Vertriebenen zurückrufen, ihnen die geraubten Güter erstatten und zur Söhne des Frevels dem heiligen Autor eine Kapelle*) erbauen, auch Pilger nach Rom zu schicken versprechen, um dort zu Gott um Vergebung der Sünden für die Erschlagenen zu beten. Außerdem verlangte die Hanse, bevor der Vertrag in Kraft trete, eine feierliche demüthige Abbitte der Stadt wegen des Geschehenen. „Wullen und barfuß," mit entblößtem Haupte und brennende Wachskerzen in den Händen, erschienen ebensoviele braunschweigische Männer, wie Rathsherren in dem Aufstande ums Leben gekommen waren, auf dem Stadthanse zu Lübeck und schwuren fußfällig im Namen der Stadt, jene Bedingungen treulich halten zu wollen. Da erst erfolgte 1379 die Wiederaufnahme in den Bund. Den Dienst, welchen Herzog Friedrich bei dieser Gelegenheit der Stadt geleistet hatte, vergalt ihm dieselbe nach Kräften. Nicht nur daß sie ihm half, Otto den Quaden aus Wolfen- büttel und dem braunschweigischen Lande zu vertreiben, sondern mit ihrem Beistande ward auch der lüneburgische Erbfolgekrieg zu einem glücklichen Ende gebracht. Es bedürfte nur einer ernstlichen Vorstellung des jungen Herzogs, um die Bürger zu einem „männlichen Beistande" seines Bruders Heinrich gegen die Lüneburger und die Herzoge von Sachsen zu bewegen, welche diesem sein väterliches Erbe zu entreißen drohten. Die braunschweigischen Armbrustschützen waren es, welche an dem Tage von Winsen (1388) den Sieg der herzoglichen Brüder über ihre Gegner entschieden; Hermann von Vechelde, Bürgermeister von Brannschweig, der dieselben führte und sich rühmlichst in der Schlacht ausgezeichnet hatte, erhielt auf dem Schlachtfelds den Ritterschlag. Dafür hatte auch Herzog Friedrich, nachdem er die Huldigung der Stadt eingenommen, ihre alten Vorrechte und Freiheiten nicht nur bestätigt, sondern neue hinzugefügt: dahin gehörte die im Jahre 1386 dem Rathe ertheilte Befugniß, auf Wein und Bier eine Accise zu setzen. Später (1392) wurde Schloß und Dorf Vechelde an die Stadt für 900 Mark löthigen Silbers verpfändet, 1399 ihr die Mühlenzinse und Gülten von allen städtischen Mühlen seitens der Herzoge wiederkäuflich überlassen. Wichtiger war für die Wehrhastigkeit derselben nach Innen und Außen die Stiftung des Bundes der Lilienvente und die 5) Sie ward neben dem Altstadt-Rathhause erbauet. ...M i-»!l 5 " ''B -OS 1-1 W F 7.51 UM', 7 !!ß ß W »5 MM sie 7 ^5 Ah- Itk ' 'ii ht ^5 ^üs,,.: --'!7>« '^l?-^. .. "'^stiirj "?^n» r, T --Sltz cki^ lich , !y! Vtl ' ^ i! llj M -- ^'^MNA-G - .'z ttHKW -.-' ^^.-. ß iM « « -- ^ 7-7 r is Rp ß ^ -- - -^T A iiG^A .-.i--M!>ik» ... -Ä-^ . . !'M ^.. ^ . ^ . .MB «-F" zB 7I-" ßlk« ,'Äki^ Anlegung der Landwehren. Jener Bund entstand i. I. 1384 auf Veranlassung der von einigen Edelleuten in der Nähe der Stadt verübten Räubereien und Plünderungen. Es traten zu demselben sechzig der angesehensten und reichsten Bürger zusammen, welche sich verpflichteten, einander mit gewaffneter Hand Beistand zu leisten und zu diesem Zwecke stets eine Anzahl Pferde und gerüsteter Knechte in Bereitschaft zu halten. Das Feldzeichen des Bundes, von welchem er den Namen erhielt, war eine Lilie in Mitten zweier aufgerichteter Löwen. Die Gründung des Vogelschießens wird dieser Lilienvente zugeschrieben; denn es galt, sich beständig in der Führung der Waffen zu üben. Am Johannistage 1411 ward das erste Fest dieser Art abgehalten, damals noch mit Armbrüsten, allein schon Pfingsten 1446 vertauschte man diese mit Röhren und Büchsen. Erhielt die Stadt auf diese Weise eine stets schlagfertige, wohlgeübte, zu ihrer Vertheidigung bereite Mannschaft, so war die Anlegung der Landwehren für sie von noch größerer Wichtigkeit. In dem Jahre 1393 ward mit Genehmigung der Herzoge der Anfang damit gemacht. Durch Gräben, welche in weiten: Bogen die Stadt umschlossen, wurden die Viehtriften in der nächsten Umgebung derselben gegen plötzlichen feindlichen Ueberfall gesichert. Diese Landwehrgräben, welche man später durch einzelne Wartthürme noch mehr befestigte und in deren Umfange mehrere der nächsten Dörfer (Pfahldörfer), wie Oelper, Rüningen und Lehndorf lagen, zogen sich von Rüningen über Oelper nach Glis- marode und von da die Wabe auswärts nach Melverode; doch ist die Befestigung nach Süden, gegen Wolfenbüttel zu, nie vollendet worden, da die Herzoge denn doch noch Einsicht und Willen genug hatten, dieses zu verhindern. Sie waren in der That jetzt nur noch dem Namen nach die Herren der Stadt. Bei Friedrichs Tode (1400) hatten sie innerhalb der Mauern derselben nur noch die Stifter St. Blasii und St. Cyniaci im Besitz: alles Uebrige, was sie früher in Braunschweig besessen hatten, war in den Händen des Rathes und der Bürgerschaft. Auch hatten die Braunschweiger andere nicht unbedeutende Güter der Herzoge nach und nach an sich gebracht. Rüningen und Vechelde befanden sich im Pfandbesitze der Stadt. Zu diesen kam i. I. 1406 noch das Gericht Asseburg, welches die Herzoge um 2000 Mark löthigen Goldes der Stadt verpfändeten. Sechs Jahre später brachte der Rath die städtische Münze auf beständige Zeiten käuflich an sich. Reich durch ihre Handelsverbindungen, welche nach allen Weltgegenden hin sich erstreckten, mächtig als Haupt der sächsischen Städte, des dritten sogenannten Quartiers der Hanse, geschützt durch starke Befestigungen und ihre kriegerische Bürgerschaft, begann die Stadt jetzt offen und unverholen danach zu streben, sich der Landeshoheit der welsischen Fürsten gänzlich zu entziehen und die Reichsfreiheit zu erringen. Hand in Hand mit diesem Streben derselben nach äußerer Freiheit geht eine allmähliche Umgestaltung der inneren Verfassung. Während in früherer Zeit die Regierung einzig und allein in der Hand des patrizischen Rathes geruht hatte, scheinen allmählich die Gilden, vielleicht mit in Folge des Aufstandes von 1374, einen verfassungsmäßigen Antheil an dem Regiments der Stadt errungen zu haben. Schon in der unter dem Titel „de Ordinarius des Rades to Brunswigk" i. I. 1408 erlassenen Versassung und Geschäftsordnung des Rathes wird den Gildemeistern eine Theilnahme an den Berathungen über die wichtigsten städtischen Angelegenheiten, wie Gesetzgebung, Besteuerung u. s. w. zugestanden. Nach diesem Ordinarius sollte der gesammte Stadtrath bestehen aus 36 Bürgern der Altstadt, 24 des Hagens, 18 der Neustadt, 15 der alten Wiek und 12 des Sackes. Die Mitglieder des so zusammengesetzten Rathes wurden auf 3 Jahre gewählt und der dritte Theil von ihnen, welcher jedesmal ein Jahr regierte, führte den Titel der regierenden Herren, die zuerstgewählten den der Großbürgermeister, die klebrigen nannte man Zugeschworene. Die regierenden Herren der Altstadt hatten den Vorsitz im Rathe, dagegen ward auf dem Rathhause der Neustadt die Wahl desselben vorgenommen. Für die äußeren Angelegenheiten der Stadt, welche oft das tiefste Geheimniß erheischten, bestand noch ein besonderer Ausschuß aus dem Rathe, der Küchenrath*) genannt. Zu diesem wählten die 21 Bürgermeister aus den Zugeschworenen 4 verschwiegene und in den Geschäften der Diplomatie gewandte Männer hinzu, so daß er im Ganzen aus 25 Personen bestand. Im Verlaufe des 15. Jahrhunderts gestaltete sich jedoch die Verfassung immer demokratischer. Es war dieses ein allgemeiner Zug der Zeit, der in der Entwickelung, welche die Städte genommen hatten, tief begründet lag. Bei Gelegenheit einer neuen Steuer erzwäng die Gemeine zu Braunschweig, der einzige Theil der Bevölkerung, welcher noch keinen Antheil am Stadt- regimente hatte, in dieser Hinsicht eine Gleichstellung mit den Geschlechtern und Gilden. Das geschah nach manchen vorhergegangenen Unruhen im Jahre 1445 und die darüber ausgestellte Urkunde heißt der große Brief. In diesem ward einmal dem Mißbrauche ein Ende gemacht, wonach oft mehrere, ganz nahe verwandte Bürger zu gleicher Zeit im Rathe saßen, dann aber der Gemeine ein verfassungsmäßiger Antheil an der Regierung und Verwaltung der Stadt zugesichert. Jede der 14 Bauerschaften nämlich, in welche die Gemeine zerfiel, sollte in Zukunft 2 Hauptleute erwählen, welche gleich den Gildemeistern zu den wichtigeren Berathungen hinzugezogen werden und dadurch Antheil an dem großen Regimente erhalten sollten. Diese alle 3 Jahre neugewählten Stadthauptleute, wie man sie in der Folge nannte, erhielten außerdem das Recht, wenn Rathsherrn abgingen, an deren Stelle andere aus der gemeinen Bürgerschaft s) Der sonderbare Name kommt von dem Versammlungsorte her, der Münzschmiede oder Küche, welche an der Ecke des Kohlmarktes und der Schützenstraße gelegen war. Doch hatte außer der Altstadt jedes andere Weichbild seine Küche. - zu wählen: auch ward ihnen ein eigenes Sigel verliehen. So nahmen jetzt alle drei Bestandtheile des städtischen Gemeinwesens, jeder innerhalb der vom Gesetze umschriebenen Grenzen, an dem Regimente der Stadt Theil und wenn auch in der Folge die Parteien nicht schliefen, sondern vielmehr der innere Kampf fortdauerte, so waren doch gesetzliche Normen gefunden, nach welchen sich die Kräfte derselben gegen einander messen konnten. Der große Brief ist demnach in gewisser Hinsicht als der Schlußstein der städtischen Verfassung, insoweit sie sich ohne fremden Einfluß entwickelt hatte, zu betrachten. Unterdessen lockerte sich das Unterthanenverhältniß der Stadt zu den Herzogen mehr und mehr, doch gelang es ihr auch in den größesten Verlegenheiten der letzteren nie die Anerkennung als freie Reichsstadt von denselben zu erzwingen. Die Hulde- briese wurden ihr regelmäßig ertheilt, und sie gewann in Folge des Krieges zwischen Wilhelm dem Aelteren und Heinrich dem Friedfertigen nicht nur durch Kauf das Dorf Schandelah und das Haus Amtleben, sondern fand auch Gelegenheit ihre Freiheiten zu vermehren. Denn Herzog Heinrich, welchem die Stadt in jenem Kriege Beistand geleistet hatte, zeigte sich sehr dankbar für die ihm erwiesenen Dienste. Er verordnete, daß die Heerstraße durch Braunschweig geführt werde, verbot auf füus Meilen in der Runde den Verkauf eines anderen, als des braun- schweigischen und helmstädtischen Bieres und erlaubte der Stadt nicht nur die Landwehren zu vollenden, sondern sie auch mit Thürmen zu versehen. In dem großen Huldebriefe, welchen er der Stadt i. I. 1440 ertheilte, kommen außerdem ganz neue Versprechungen und Privilegien vor. Wichtiger noch ist eine Reihe von Freibriefen, welche Braunschweig im Verlaus des 15. Jahrhunderts sich von den Kaisern zu erwirken wußte, weil durch dieses Verhältniß mit dem Kaiserhofe die völlige Befreiung von der Landeshoheit der Herzoge angebahnt zu werden schien. Im Jahre 1402 bestätigte Kaiser Ruprecht den Braunschweigern durch kaiserlichen Brief ihre Privilegien; 1415 ertheilte ihnen Kaiser Sigismund nicht nur seinen Schutz für dieselben, sondern verlieh den Bewohnern auch das Vorrecht, daß sie weder in peinlichen noch in bürgerlichen Sachen gezwungen sein sollten, vor einem anderen Gerichte Recht zu nehmen, als vor dem gewöhnlichen Stadtgerichte zu Braunschweig. Dagegen stand es ihnen frei, Straßenräuber auch in fremden Landen anzuhalten und zu bestrafen. Albrecht II. verlieh im Jahre 1438 der Stadt, indem er ihre Rechte bestätigte, einen Wappenbrief. Statt der verschiedenen Löwen mit verschiedenen Abzeichen^), welche bisher von den einzelnen Weichbildern in ihren Wappen geführt worden ! Die Altstadt führte früher einen aufrechtstehenden Löwen, der Hagen den Löwen mit einem Rade auf der Brust, die Neustadt mit einem Anker im Wappen. Das Wappen des Sackes war der stehende Löwe, wie ihn das Monument auf dem Burgplatze darstellt, und das der alten Wiek ein Löwenkopf mit aufgerissenem Rachen. waren, erhielt die Stadt nunmehr als gemeinsames Wappen „einen weißen Schild und darinnen einen erhabenen rothen Löwen mit aufgerichtetem Zagel über den Rücken gestreckt." Friedrich III. endlich bestätigte nicht nur i. I. 1446 die Privilegien Brannschweigs, sondern trug auch den welfischen Herzogen, den Bischöfen von Hildesheim und Halberstadt sowie den Grafen von Reinstem auf, die Stadt bei ihren Freiheiten zu erhalten und zu schützen. So schien es als würde Brannschweig, welches fortwährend an Reichthum und Macht zunahm, das Ziel erreichen müssen, welches den Bürgern seit Langem vor den Augen schwebte. Die Stadt stand damals in der höchsten Blüthe, ans dem Höhen- pnnkte ihrer Macht. Es ist dieses zugleich die Zeit, in welcher die meisten jener mittelalterlichen Baudenkmale entstanden oder doch erweitert wurden, welche noch heute die Hanptzierde derselben ausmachen: das Altstadt-Rathhaus, die Martini-, Andreas- und Katharinenkirchen u. s. w. Doch nahm auch Prachtliebe und übertriebener Lupus mehr und mehr zu: Zeugniß davon geben zahlreiche dagegen erlassene Gesetze. Besonders hielt man es für nothwendig den Aufwand in Kleidern und bei Gelagen zu beschränken. Eine Strafe von 5 Mark oder im Falle der Zahlungsunfähigkeit Verweisung aus der Stadt traf jeden Bürger, welcher Silber, Gold oder Perlen an seiner Kleidung zur Schau trüge: farbige Seide und auffalleuder Kopfputz war den Frauen bei Strafe einer Mark untersagt. Niemand solle ferner bei Hochzeiten, Kindtaufen u. dergl. mehr als 60 Schüsseln auftragen lassen oder mehr als 6 Schüsselträger, ebensoviele Schenken, Frauen und Spielleute, endlich mehr als 2 Köche dingen. Nur der Braut und dem Bräutigam war es gestattet von silbernem Geschirr zu speisen und wenn der Wächter sein Nachtlied gesungen, sollte der Tanz geendet werden'^). Allein weder diese noch ähnliche Verordnungen vermochten dem Hange nach Pracht und Ueppigkeit, welcher sich der städtischen Bevölkerung in immer wachsendem Maße bemächtigte, Schranken zu setzen. Besonders während der Fastnachten machte sich die verschwenderische Putzsucht der niederen und höheren Klassen in auffallender Weise bemerkbar. Bis in das 16. Jahrhundert hinein war es Sitte, daß die Jungfrauen und jungen Männer der Geschlechter jährlich zu dieser Zeit einen prächtigen Aufzug zu Pferde durch die Straßen der Stadt hielten. Die Junker in grünem, verbrämten Wamms, die Jungfrauen in rothen Kleidern, schwarzsammtnem Mieder und mit hohen weißen Federn auf dem Sammtbarette. Noch bezeichnender für die eigenthümlichen städtischen Lustbarkeiten in dieser Periode ist das Groel-Fest, welches alle 7 Jahre vor dem Fallersleberthore gefeiert wurde und zu welchem außer den Bürgern der Stadt eine ungeheure Menge von Landleuten aus der umliegenden Gegend herbeizuströmen pflegte. Auch die Edelleute des Landes, ja Fürsten befanden sich nicht selten unter deAes munwisiiiles tüivit-Nis Liunsivieensis. ->p. l.eit>nit2 8e>iptor. kk. KL. III. p. 434. ' - a<- i^. t<5, ^j- ^'t'Ä ^Kti. ^ww» -^liviÄ ' '--^ i- :--5TZM ^ M kl ftljj!^ '„l 7 ' I P ÄL Wst SmHB ---. feB i» 'I ^ t>! ^--Mw' -°l«' -B-- >«-' --Ä iB" >«B" .Ißt"' den von der Stadt dazu geladenen Gästen. So groß war dabei der Zusammenfluß von Menschen aus allen Ständen, von nah und fern, daß ein Chronist jener Zeit dieses Fest naiver Weise mit den olympischen Spielen der Griechen verglichen hat. An stattlicher Bewirthnng und fröhlichen Tänzen war dabei allerdings kein Mangel: auch Würfelspiele eigenthümlicher Art fehlten nicht. So hatten die Frauen des Hagen ans dem Platze eine Glücksbude errichtet, wo ein Jeder um einen beliebigen Gegenstand würfeln konnte, welchen er selbst wählte: die Frauen der Bude hatten dagegen das Recht, den Einsatz zu bestimmen. Es wird erzählt, daß einst ein kecker Junker um eine reiche schöne Braut zu würfeln verlangt, daß ihn aber die ungeheure Summe, welche man dagegen als Einsatz verlangte, von dem Wurfe zurückgeschreckt habe. In diesem gesteigerten Lupus offenbaren sich die ersten leisen, kaum bemerkbaren Spuren des verfallenden Gemeinwesens. Gleich den übrigen deutschen Städten, welche durch die Verwirrung des feudalen Mittelalters groß und mächtig geworden, war Braunschweig damals in seiner Entwickelung auf einem Punkte angekommen, von wo der Weg nicht wohl mehr aufwärts, sondern nur abwärts führen konnte. Denn in demselben Maße, in welchem am Ende des Mittelalters die Macht und der Einfluß der übrigen Stände des Reiches zu sinken begann, erhob sich allmählich die fürstliche Macht aus der Unbedeuten- heit, in welche sie schlechte Wirthschaft, Fehdelnst, besonders aber die ewigen Theilungen der Territorien gestürzt hatten. Mancherlei Umstände vereinigten sich, um in dem Verhältnisse der Fürsten zu den Städten einen Umschwung zum entschiedenen Vortheil der ersteren zu bewirken; diese Umstände waren auch an verschiedenen Orten verschiedene: allein ihre Wirkungen gingen durch ganz Europa. Eine neue Epoche der staatlichen Entwickelung bereitete sich vor: sie war nur möglich, wenn die Autonomie nicht nur des Adels, sondern auch der Städte durch die Fürsten gebrochen und so die Selbständigkeit dieser beiden Stände vernichtet wurde. War irgend eine Landesstadt im Verlaufe der Zeit selbständig und der fürstlichen Macht gefährlich geworden, so war es Braunschweig. An die Herstellung einer wirklichen Landeshoheit in den welflschen Landen war nicht zu denken, so lange das stolze, durch fremde Bündnisse geschützte, ans feste Mauern und Thürme trotzende Braunschweig den Fürsten kampfgerüstet gegenüber stand, immer bereit, bei der geringsten Verletzung seiner erzwungenen Vorrechte zu den Waffen zu greifen. Es war die Zeit gekommen, welche darüber entscheiden mußte, ob die Stadt eine Herzogstadt bleiben oder eine freie Stadt des Reiches werden sollte. Sobald die fürstliche Macht sich nur einigermaßen befestigt hatte, begann sie diesen entscheidenden Kampf, einen Kampf, der nicht rasch beendet werden konnte, den vielmehr ans beiden Seiten die Väter auf ihre Söhne, ihre Enkel vererbten, der nahe an 2 Jahrhunderte gewährt hat, in welchem aber, wie es in der Natur der Sache und in der ganzen geschichtlichen Entwickelung begründet war, die Stadt schließlich unterlegen ist. Schon Herzog Wilhelm der Jüngere suchte durch Einmischung in die inneren Zwistigkeiten der Stadt in derselben festeren Fuß zu gewinnen. Er nahm bei den Unruhen, welche im Jahre 1488 wegen veränderten Münzfußes entstanden, Lüddicke Holland, das Haupt der Unzufriedenen, welche eine Umwälzung in der Verfassung durchzusetzen suchten, in seinen Schutz, mußte aber geschehen lassen, daß Holland i. I. 1491 mit seinen Anhängern aus Brannschweig vertrieben wurde. Kühner und selbstvertrauender trat sein Sohn, Heinrich der Aeltere, gegen die Stadt ans. Die offen ausgesprochene Absicht seines Bündnisses mit Heinrich von Lüneburg war keine andere, als die Städte Braunschweig und Lüneburg wieder zum Gehorsam gegen ihre Landesherren zurückzuführen. In diesem Sinne erging von Seiten des Herzoges an Braunschweig die Forderung, alle von seinen Vorfahren der Stadt überlassenen Güter und Rechte: die Münze, die Gerichte, die Weichbilder Sack und Altewiek, ferner die Hänser Nenbrück, Campen, Assebnrg und Vechelde ohne Entschädigung zurückzugeben. Auf solche Zumu- thung wußte der Rath nicht anders zu antworten, als durch einen Fehdebrief, welchen er den beiden Herzogen zuschickte; aber noch ehe die Stadt ihre Rüstungen vollendet hatte, begannen diese an der Spitze eines zahlreichen Heeres, bei welchem sich eine Menge der umwohnenden Fürsten und Herren eingefunden hatten, rasch die Feindseligkeiten (1492). Die Assebnrg, welche zu weit von der Stadt entfernt lag, als daß sie wirksam vertheidigt werden konnte, ward von den Brannschweigern geräumt und den Flammen übergeben: Vechelde, Neubrück und Campen im ersten Anlauf von den Herzoglichen genommen. Dann erfolgte der Angriff auf die Landwehren: den Thurm bei Rüningen brannten die Bürger selbst nieder, den bei Glismarode stürmte der Herzog. Nachdem sich dieser so zum Meister der äußeren Befestigungen gemacht hatte, begann er die Stadt in nächster Nähe zu beschießen; allein 3 Tage lang (10—13. September) versuchte sich das herzogliche Geschütz ohne großen Erfolg an den starken Mauern und Thürmen derselben. So zog sich die Belagerung in die Länge und da der Winter herannahete, verwandelte sie sich bald in eine nicht sehr enge Einschließung. Mit großer Grausamkeit ward unterdeß der Krieg von beiden Seiten fortgeführt: schon stieg der Mangel an Lebensmitteln in Brannschweig zu einer empfindlichen Höhe, als die um bundesmäßige Hilfe gemahnte Hansa der gefährdeten Stadt zu helfen beschloß. Es war vorzüglich Hildesheim, welches sich der Dienste erinnerte, die ihm die Brannschweiger kurz vorher bei einer ähnlichen Gelegenheit geleistet hatten. Am 12. Februar 1493 zog eine Menge mit Lebensmitteln beladener Wagen ans dem Thore der Stadt unter starker Bedeckung hildesheimischer Bürger. Noch an demselben Tage vereinigte sich diese Macht mit den Braun- " 'L.' schweigern, welche unter ihrem Bürgermeister, Heinrich Lasferde, ihr bis Peine entgegengegangen waren. Als am folgenden Tage die Städter ihren Weg nach Braunschweig fortsetzten, sahen sie sich Plötzlich von der herzoglichen Reiterei in der Nähe des Dorfes Blekenstädt angegriffen. Mit Entschlossenheit und Muth schlug das städtische Fußvolk, durch die Wagenburg und einige in der Eile aufgeworfene Schanzen gedeckt, den dreimaligen Anfall der Herzoglichen zurück. Vergebens führte Herzog Heinrich in eigener Person sein Fußvolk herbei und warf sich an der Spitze seiner Reiterei noch ein Mal auf den Feind. Nach einem hartnäckigen Kampfe löste sich das fürstliche Heer in wilde Flucht auf: Geschütz und Gepäck fielen in die Hände der Sieger, welche mit ihren Proviantwagen und der gemachten Beute glücklich die Thore der Stadt erreichten. Dieses für den Herzog unglückliche Gefecht entschied über den begonnenen Krieg. Zwar wurden die Feindseligkeiten noch eine Zeit lang mit Erbitterung sortgesetzt, allein an eine Unterwerfung der Stadt war nun nicht mehr zu denken. So kam am Himmelfahrtstage 1494 ein Vergleich zwischen den streitenden Parteien zu Stande, in Folge dessen die Stadt Campen an den Herzog von Lüneburg und Neubrück an Heinrich von Wolsenbüttel zurückgab und außerdem noch eine bedeutende Summe Geldes zu zahlen sich verpflichtete. Dagegen behielt sie Vechelde und Asseburg, versprach jedoch, das letztere Schloß in den nächsten 6 Iahren nicht wieder aufzubauen. Darauf ertheilte ihr der Herzog den kleinen Huldebrief und später, im Jahre 1498, die Erlaubniß alle Jahre 2 freie Jahrmärkte halten zu dürfen. Dieses Privilegium, welches im Jahre 1505 vom Kaiser bestätigt wurde, legte den Grund zu den nachherigen braunschweig er Messen. Heinrichs des Aelteren gleichnamiger Sohn, den man zum Unterschiede von seinem Vater den Jüngeren nennt, mußte bei dem ihm eigenthümlichen hochfahrenden Sinne und bei der hohen Meinung, welche er von seiner fürstlichen Würde hegte, mit Braunschweig bald in feindliche Berührung gerathen, wären auch nicht Meinungsverschiedenheiten confessioneller Art hinzugekommen, um den Streit zu schüren. Im Anfang seiner Regierung zwar stand er mit der Stadt in leidlichem Verhältniß, ertheilte ihr die beiden Hnldebriefe und ward während der hildesheimischen Stiftsfehde von ihrer Seite gegen Verpfändung des Gerichtes Eich durch Geldbeiträge unterstützt; doch dauerte dieses scheinbar gute Einvernehmen nicht lange. Als der Herzog i. I. 1528 aus Italien heimkehrte, mußte er, der eifrige Katholik, erfahren, daß seine Stadt Braunschweig sich öffentlich der ketzerischen Lehre Luthers zugewandt habe. Allmählich hatten die Ansichten des deutschen Reformators bei den Bürgern Eingang gefunden. Wie an so vielen anderen Orten, war es auch hier das deutsche Kirchenlied, welches zuerst die Gemüther für dieselben gewann. Wandernde Handwerker brachten die deutschen Gesänge aus Mittel- und süddeutschen Städten hierher und bald verdrängten diese die lateinischen Psalmen, anfangs aus den Werkstätten, bald aus den Kirchen. Zwar mußte Gottschalk Krnse, ein Mönch des Aegidienklosters, welcher von Allen der Erste schon i. I. 1521 die Lehre Luthers verkündete, die Stadt verlassen, denn der Rath und die Geschlechter, als die natürlichen Feinde aller Neuerung, nahmen im Bunde mit der katholischen Geistlichkeit anfangs entschieden Partei gegen die neue Lehre; allein bald mehrte sich innerhalb der Stadt die Zahl der lutherischen Prediger. Im Jahre 1525 gab es schon Sieben derselben, unter ihnen Heinrich Lampe, welcher zusammen mit Johann Oldendorp aus Hamburg zwei Jahre später in seiner Kirche den katholischen Ritus abschaffte, das Abendmahl in beiderlei Gestalt auszutheilen und in deutscher Sprache zu taufen anfing. Bisweilen griff das Volk selbstthätig in das Werk der Reformation ein. Als Johann Grove, der katholische College Lampens an der Magnikirche, eines Tages seine Predigt mit den Worten begann: Vieit Aristoteles seeuncko sieorum, erhob sich ein Schuster, Hans Becker, lief auf den Thurm der Kirche und fing, „um den Aristotelem zu vertreiben/' die Glocke zu ziehen an, so daß Grove genöthigt war, Kanzel und Kirche zu verlassen. Oeffentlich und einmüthig erklärte sich jedoch die Stadt erst i. I. 1528 für die neue Lehre. Die Bürger aller Weichbilder traten zusammen und nöthigten durch dringende Vorstellungen den Rath, sich der Reformation anzuschließen. In Folge davon ward ein gelehrter Theologe, Heinrich Winkel, ans Jena nach Braunschweig gerufen, der dann sämmtliche Kirchen reformirte und die protestantische Lehre förmlich einführte. Zu gleicher Zeit verließ der größte Theil der katholischen Ordensgeistlichkeit die Stadt. Was Winkel begonnen, vollendete Johann Bngenhagen ans Pommern, der bekannte Freund Luthers, indem er mit Zuziehung der übrigen Geistlichen i. I. 1528 eine Kirchenordnung entwarf und das Schulwesen der Stadt nach den Grundsätzen der Reformatoren völlig umgestaltete. Soweit war man in Braunschweig gekommen, als Heinrich der Jüngere ans Italien, wo er im Dienste des Kaisers das feste Lodi belagert hatte, nach Wolsenbüttel zurückkehrte. Zwar war er damals noch nicht der fanatische Anhänger der katholischen Kirche, wie später; doch konnte ihm die in Braunschweig geschehene Veränderung keineswegs gleichgiltig sein. Auch daß der Rath, sobald die Reformation durchgesetzt war, die Besetzung der geistlichen Stellen in der Stadt sich anmaßte, mußte den Herzog verletzen. Vielleicht suchte er nur nach einem Borwande, nm die Stadt mit einigem Scheine von Recht angreisen zu Der crbarn Stadt Brunswig Christlicke Ordeninge, to Denfte dem hilgen Evangelio, Christlicker Levde, Tucht, Frede unde Einigkeit. Ock darunder vele Christlicke Lere vor de Borger. Dorch Johann Bugenhagen, Pommern, bescreven. Wittenberg 1528. — ^ ^ ,'ssM " Wlkll A ^ - -Ms, Z M « KM r. -Mi U tt? t.« -MOMn M ,»«i tie -RAMM M/'" "MW, teiich«D -ÄM kni MM läNM „5^ können: genng er verbot sogleich nach seiner Rückkehr die neue Lehre in seinen Landen und wirkte zum Ueberfluß ein besonderes kaiserliches Edikt gegen dieselbe aus. Die Stadt trat deshalb i. I. 1537 dem schmalkaldischen Bunde bei, während der Herzog sich dem ein Jahr später zu Nürnberg errichteten katholischen Bündnisse anschloß und sich zum Heerführer desselben wählen ließ. Brannschweig sah in demselben Jahre die Häupter des schmalkaldischen Bundes in seinen Mauern sich versammeln, unter ihnen den Landgrasen Philipp von Hessen, Churfürst Johann Friedrich von Sachsen und den König Christian von Dänemark, welcher letztere bei dieser Gelegenheit in das protestantische Bündniß ausgenommen wurde. Daß sowohl die Sachsen wie die Hessen trotz des ihnen vom Herzog Heinrich verweigerten Geleites mitten durch das brannschweigische Gebiet zogen konnte nur dazu beitragen, den Groll des Herzogs gegen den Bund und vorzüglich gegen die Stadt Brannschweig zu steigern. Es ist bekannt, wie auf beiden Seiten die Spannung wuchs, wie man von Schmähschriften und gegenseitigen Anklagen zu Reibungen, von diesen endlich zu den Waffen griff. Brannschweig, welches seit Jahren die Neckereien und Plackereien des Herzogs hatte erdulden müssen, eröffnete den Kampf. In Verbindung mit einer sächsischen Heeresabtheilung unter Bernhard v. Mila bemächtigten sich die Bürger am 21. Juli 1542 des Klosters Niddagöhansen vor den Thoren der Stadt und führten daselbst die Reformation ein in einer Weise, die an die Bilderstürmereien in Wittenberg und an anderen Orten erinnert. Herzog Hemrich, ungerüstet wie er war, fühlte sich zu schwach, dem beginnenden Sturme die Stirne bieten zu können: deshalb verließ er das Land, nachdem er die festen Plätze desselben mit Kriegsbedarf reichlich versehen hatte. Allein nur Wolfenbüttel leistete einen längeren Widerstand, erlag aber endlich auch den gemeinsamen Angriffen der schmalkaldischen Fürsten und der Bürger von Braunschweig. Der Unterwerfung des Landes folgte die Einführung der Reformation: unter den 6 Deputirten, welche ernannt wurden, um einstweilen die Regierung zn übernehmen, befand sich auch ein Bürgermeister von Braunschweig, Franz Kahle. Aus einem zu Brannschweig gehaltenen Landtage, an welchem auch Abgesandte der Stadt theilnahmen, verwilligten die Landstände den Häuptern des schmalkaldischen Bundes die zur Verwaltung des Landes nöthigen Steuern, und nm sich gegen künftige Angriffe von Seiten des Herzogs zn sichern, brachen die Bürger die vor dem Wilhelmi- thore gelegenen Gebäude des Cyriakstistes ab. Herzog Heinrich versuchte kurz darauf sich wieder in Besitz des verlorenen Landes zu setzen: er büßte diesen Versuch mit dem Verluste seiner Freiheit. Aus seinem Kerker in der Festung Ziegenhain befreiten ihn erst die Ereignisse des schmalkaldischen Krieges und die mühlberger Schlacht. Gleich den übrigen Vundesgliedern ward Braunschweig von dem unglücklichen Ansgange dieses Krieges hart betroffen: die Stadt mußte dem Kaiser nicht allein feierliche Abbitte leisten, sondern auch 50,000 fl. Strafgeld bezahlen Braunschweig. und 20 Geschütze*) ausliefern. Doch dem Herzoge unterwarf sie sich nicht; vielmehr dauerte zwischen ihm und den Bürgern die gehässige Stimmung und der kleine Krieg fort. Nachdem Heinrichs Versuch, sich i. I. 1549 der Stadt durch Berrätherei zu bemächtigen, mißlungen war, begann er im folgenden Jahre eine förmliche Belagerung derselben. Wie sehr es ihm damit Ernst war, geht daraus hervor, daß er vor dem Aegidienthore **) ein befestigtes Lager errichtete, welchem er den Namen Steuer- Braunschweig gab. Auch versuchte er, der Stadt durch Aufstauung der Ocker das nöthige Wasser zu entziehen, allein der aufgeworfene Damm war nicht stark genug, um den Lauf des Flusses längere Zeit zu hemmen, und gegen Stener-Braunschweig richteten die Bürger ihr zahlreiches Geschütz, darunter den Wolf, den grimmen Löwen und die riesige faule Mette***), welche letztere jedoch sich als ziemlich unwirksam erwies. Nach achtwöchentlicher Belagerung, während welcher die umliegende Gegend von beiden Parteien auf das Grausamste verheert und eine Menge der benachbarten Ortschaften niedergebrannt wurden, kam zwischen dem Herzoge und der Stadt ein Vergleich zu Stande, wonach Alles beim Alten bleiben sollte. Doch bald sehen wir beide Theile von Neuem gegen einander in den Waffen. Ehe die Stadt, wie der Herzog verlangte, das Gericht Eich herausgab, verbündete sie sich lieber mit dem unruhigen Markgrafen Albrecht von Brandenburg-Kulmbach, welcher damals 'Niedersachsen plünderte und schrecklich verheerte. Nach der für ihn unglücklichen Schlacht bei Sievershansen zog sich dieser in das feste Brannschweig zurück, um sich hier von der erlittenen Niederlage zu erholen. Als er aber durch das Gefecht bei Steterburg zum Abzüge nach dem Süden gezwungen worden war, wandte sich Heinrich der Jüngere abermals gegen die Stadt, fest entschlossen für so viele ihm zugefügte Unbilden Rache zu nehmen. Von Neuem befestigte er sein früheres Lager vor dem Aegidienthore und begann am 18. September 1553 die Belagerung. Da legten sich der Kaiser, Nürnberg und einige niedersächsische Städte in's Mittel und beredeten die streitenden Parteien zu einem Frieden, der für die Stadt kaum hätte demüthigender ausfallen können. Sie mnßte nicht nur versprechen, in's Künftige die Landtage beschicken und sich nicht weiter den gemeinen Schätzungen entziehen zu wollen, sondern auch dem Herzoge 80,000 Thaler Sühnegeld entrichten und fußfällig seine Verzeihung erflehen. Außerdem machte sie sich anheischig, das Gericht Eich gegen die Erstattung des Pfandschillings zurück- 5) Auf der wolfenbüttler Bibliothek befindet sich ein merkwürdiger Folioband mit dem Titel „K. Karls Geschützbuch", welcher die Abbildungen der im schmalkaldischen Kriege von Karl V. erbeuteten Geschütze enthält, darunter auch eine Anzahl braunschwei- gischer Stücke. »s) Das jetzige Augustthor. Sie schoß Steinkugeln von nahe an 7 Centner Schwere; jeder Schuß kostete 7l) Pfund Pulver. ii. zugeben. Dagegen versprach der Herzog, die Stadt bis zum Abschlüsse des allgemeinen Conciliums, welches damals zu Tri- dent versammelt war, bei ihrem Glauben zu lassen und überließ ihr vorläufig Vechelde und das Gericht Asseburg, indem er sich jedoch seine Rechte daran, wie an die übrigen der Stadt verpfändeten Stücke für die Zukunft vorbehielt. Dieser Vergleich ward am 21. Oktober 1553 von der Stadt angenommen, aber schon im folgenden Jahre droheten neue Feindseligkeiten auszu- brechen, da sich die Stadt entschieden weigerte, auf die Einlösung jener Güter und Ortschaften einzugehen. Der drohende Bruch ward zwar durch die Vermittlung Nürnbergs verhindert, doch beharrte die Stadt auch in der Folge auf ihrer Weigerung. Herzog Heinrich, der des ewigen Haders müde sein mochte und der überhaupt in seinen späteren Iahren milder und dulosamer geworden war, begnügte sich von nun an damit, durch häufige Mahnungen dem Rathe in's Gedächtniß zu rufen, daß er seine Ansprüche an jene von seinen Vorfahren verpfändeten Stücke keineswegs aufgegeben habe. Im klebrigen schien der alte Zwist ausgeglichen: die Stadt beschickte regelmäßig die Landtage und der Herzog kam i. I. 1555 mit dem Erbprinzen Julius selbst nach Brannschweig, stieg im Hause des Bürgermeisters Kahle ab und gab dem Rathe auf dem Stadthause ein großes Fest, welches von diesem am folgenden Tage erwiedert wurde. Heinrichs Nachfolger, Herzog Julius, friedlicheren und ruhigeren Sinnes als sein Vater, that seinerseits alles Mögliche, um mit der Staot in gutem Vernehmen zu bleiben; aber, sei es daß diese die Milde des Herzoges für Schwäche hielt oder daß sie auf die mehr und mehr emporstrebende Fürstenmacht eifersüchtig war, sie zeigte dem freundlichen Verfahren des Herzogs gegenüber einen kleinlichen Trotz und schien es recht darauf anzulegen, diesen zu offenen Feindseligkeiten zu reizen. Gleich anfangs verweigerte sie ihm die Huldigung, so lange nicht alle Punkte, welche zwischen ihr und seinem Vater streitig geblieben, abgethan wären: nach wie vor wollte sie die verpfändeten Güter und Rechte nicht zurückgeben. Hierüber kam es jedoch i. I. 1569 zu einein Vergleiche, wonach sich die Stadt dazu verstand, das Gericht Asseburg ohne Wiedererstattung des Pfandschillings dem Herzoge zu überlassen, doch nur unter der Bedingung, daß er auf alles Uebrige, was durch seine Vorfahren an die Stadt verpfändet oder käuflich überlassen worden war, verzichtete. So wurden die Gerichte Wendhausen und Eich, die Braunschweig bis dahin nur pfandweise besessen hatte, der Stadt als ein herzogliches Lehen überwiesen und außerdem begab sich Julius für sich und seine Nachkommen wolfenbüttelscher Linie ein für alle Mal seiner Rechte an Vechelde, die Altewiek, den Sack, die Münze, die Gerichte, Zölle und Mühlenzinse. Darauf nahm der Herzog persönlich die Huldigung ein und ertheilte der Stadt den großen und kleinen Huldebrief. Bei dieser Gelegenheit beeiferte sich der Rath, ihm alle mögliche Ehre zu erweisen. Sechs Ohm Wein, zwei Fuder Mumme, sechs Tonnen Hamburger, ein Faß eimbecker Bier, endlich vier Fuder Hafer wurden dem Herzoge verehrt. Zwei fette Ochsen mit vergoldeten Hörnern, von vier in die Farben der Stadt (roth mw weiß» gekleideten Gildemeistern geführt, machten die Gilden, ein großes Messingbecken mit dem fürstlichen Wappen und schöner erhabener Arbeit verziert, brachten die Beckenschläger zum Geschenke. Der Rath endlich überreichte einen großen vergoldeten Pokal, welcher bis zum Rande mit Goldgnlden angefüllt war. In ähnlicher Weise ward das Gefolge des Herzogs beschenkt; allein trotz dieser Freigebigkeit zeigte die Stadt auch später bei jeter Gelegenheit ihren störrigen, feindlichen Sinn. Als wenn sie absichtlich Händel suchte, protestirte sie dagegen, daß sie Iulnw in seinen Erlassen „unsere gute Erb- und Landstadt" nenne und weigerte sich trotzig, die Landtage zu beschicken. Obgleich ihr die Gerichtsbarkeit in der Burg nicht zustand, wollte sie doch nicht leiden, daß herzogliche Verordnungen innerhalb derselben angeschlagen würden. Ueberhanpt durchkreuzte sie ans jede Weise selbst die gutgemeinten Plane des Herzogs. Als dieser in der Burg eine Buchdruckern anlegen wollte (1588), brachten die Bürger den herzoglichen Buchdrucker Lucius am hellen Tage schimpflich zum Thore hinaus. Wie dieser dann auf des Herzogs Befehl sich in Helmsledt niederließ, so erwuchs der vor Kurzem in dieser Stadt gegründeten Hochschule auch noch ein anderer Vortheil ans den Reibereien zwischen Brannschweig und dem Landesfürsten. Denn als sich Julius mit der Stadt um die Wiederbesetzung der Abtei bei dem Aegidienkloster nicht einigen konnte, ließ er diese Stelle ganz unbesetzt und schenkte einen großen Theil der Klostergüter der Universität zu Helmstedt. Der von Herzog Julius in Angriff genommenen Schiffbar- machung der Ocker widersetzte sich Braunschweig mit aller Kraft, obgleich die Stadt nur dadurch gewinnen konnte, ja als der Herzog die Festungswerke von Wolsenbüttel auszubessern begann, so wußte sie vom Kaiser ein Verbot dagegen auszuwirken. Gestützt auf die abermalige kaiserliche Bestätigung ihrer Privilegien unternahm sie dagegen selbst einen Neubau ihrer Befestigungen, bei welcher Gelegenheit das fürstliche Wappen von den Thoren herabgenommen und durch den städtischen Löwen ersetzt wurde. In ihrem herausfordernden Trotze gegen den Herzog ging sie so weit, ihn öffentlich zu beschuldigen, er habe sich ihrer durch Verrath bemächtigen wollen, und ein braunschweigischer Bürger, mit welchem der Herzog angeblich dieserhalb unterhandelt haben sollte, büßte diesen Verdacht mit seinem Tode. Allen diesen feindlichen Schritten setzte Herzog Julius nur einen passiven Widerstand entgegen, der sich durch Nichts aus der Fassung bringen ließ. Um in's Künftige für die Hegung des Hosgerichtes einen passenden Ort in der Stadt zu haben, beabsichtigte er, das durch Feuer zerstörte Mosthaus wieder aufzubauen; allein dieser Plan scheiterte an der Weigerung seiner lüneburgischen Vettern, zu den Kosten des Baues beizutragen. Deshalb kaufte er von dem Kloster Riddagöhausen einen Theil des sogenannten grauen Hofes. Auf dem Platze, wo dieser Hof gelegen war, entstand später das Residenzschloß der Herzoge. Heinrich Julius, welcher i. I. 1589 seinem Vater Julius in der Regierung folgte, war schon als Erbprinz von der Stadt tödtlich beleidigt worden. Als er einst im Auftrage seines Vaters nach Brannschweig ritt, um dort das Hofgericht zu halten, ließen ihn die Bürger nicht nur im heftigsten Regen mehrere Stunden am Thore warten, sondern, als sie ihn endlich einließen, begleitete ihn auch ein bewaffneter Hanfe durch die Straßen, der nicht etwa zum Gruß sondern zum Hohn seine Gewehre beständig abfeuerte, so daß des Prinzen Leben dabei in Gefahr gerieth. „Sie müßten ihrem jungen Herrn doch einmal Pulver zu riechen geben," riefen sie spöttisch. Auch daß Brannschweig zu seines Vaters Leichenbegängniß keine Abgesandte geschickt und sich geweigert hatte, die Glocken bei dieser Gelegenheit ziehen zu lassen, scheint den Herzog tief gekränkt zu haben. Er hegte deshalb von vorn herein nicht eben die freundlichsten Gesinnungen gegen die Stadt. Dazu kam, daß er, der ein gelehrter Jurist war, von der Landeshoheit nach den Begriffen des römischen Rechts eine hohe, vielleicht übertriebene Meinung hatte. Ließ doch einst sein Kanzler Iagemann ans dem Landtage zu Salz- dahlnm einen Abgesandten der Stadt Braunschweig mit Gewalt greifen und in's Gefängniß führen, aus dem er jedoch durch die Dazwischenkämst der Ritterschaft wieder befreit wurde. So ließ sich voraussehen, daß es zwischen der Stadt und dem Herzoge zu heftigen Zwistigkeiten kommen würde; auch hat Braunschweig keinem Herzoge so viel zu schassen gemacht, als eben diesem. Gleich anfangs wollte die Stadt nur unter Bedingungen die Huldigung leisten, aus welche sich der Herzog nicht einlassen tonnte. Sie bestand nämlich darauf, weder die Landtage beschicken noch die Türkenstener zahlen zu wollen; auch sollte sie der Herzog nicht „Erb- und Landstadt" nennen. Vergebens versuchte Heinrich Julius durch Unterhandlungen und, als diese Nichts fruchteten, durch Klagen beim Kaiser Rudolf II. es dahin zu bringen, daß Brannschweig nachgab. Immer gespannter ward von beiden Seiten das Verhältniß. Man wolle, hieß es in der Stadt, lieber den Türken zum Herren haben, als einen Herzog von Braunschweig. Als die Stadt Güter, welche dem Herzoge gehörten und als solche steuerfrei waren, anhielt und mit Beschlag belegte, verbot dieser allen seinen Unterthanen, Waaren und Lebensmittel nach Braunschweig zu bringen. Zu dein bevorstehenden Kampfe suchte sich ein jeder Theil durch Gewinnung von Bundesgenossen zu stärken. Die Stadt fand diese an einigen Edelleuten sowie an dem Herzoge Ernst II. von Celle, welcher wegen der einseitigen Besetzung des Fürstenthums Grubenhagen durch Heinrich Julius gegen diesen ausgebracht war; der Herzog scheint dagegen ans die Zwietracht, welche im Inneren der Stadt herrschte, gezählt zu haben. Anzunehmen ist, daß er sie schürte; gewiß, daß man einen Theil der Bürger im Einverständnisse mit ihm glaubte. Dieses führte in Braunschweig zu einer blutigen Katastrophe, welche einen untilgbaren Flecken in den Geschichtsbüchern der Stadt zurückgelassen hat. Die brabantischen Händel (denn so hat man dieses Tranerspiel nach dem Helden desselben genannt) verdienen hier um so mehr einer Erwähnung, als sie einen merkwürdigen Beitrag zu der Sittengeschichte nicht nur der Stadt Brannschweig, sondern dieser ganzen Zeit liefern, deren hohe Gesittung zn rühmen in unseren Tagen wieder Mode geworden ist. Der Verlauf derselben war in Kurzem dieser. Der vorherrschend patrizische Rath stand in dem Verdachte, es mit dem Herzoge zu halten, da er diesem ohne allen Borbehalt den Lehenseid für seine außerhalb der Stadt gelegenen Lehen geleistet hatte. Ob dieser Verdacht gegründet war oder nicht, darauf kommt wenig an; genug er war da und die Bürger behaupteten, daß unter solchen Umständen die Patrizier, welche dem Herzog jenen Eid geleistet hatten, nicht im Rathe bleiben dürften; denn Niemand könne zween Herren dienen. Nachdem man lange darüber hin und hergestritten, auch die Patrizier von verschiedenen Universitäten sich darüber bejahende Gutachten eingeholt hatten, ob sie ihrer Lehenspflicht ohnerachtet sich der Sache der Stadt gegen den Laudesfürsten annehmen könnten, hielten es die bei der Sache betheiligten Rathsherrn, da sich auch die Geistlichkeit wider sie erklärte, für gerathen zurückzutreten. Im Januar 1602 legten 28 Mitglieder des Rathes ihre Stellen freiwillig nieder und für sie traten Bürger ein, deren Vaterlandsliebe über allen Zweifel erhaben zu sein schien. Zugleich wurde durch den sogenannten neuen Receß der Einfluß des Magistrats im Allgemeinen beschränkt. Der Hanptträger dieser ganzen Bewegung war Einer der Stadthauptlente gewesen, Henning Brabant, ein Mann von seltener Gelehrsamkeit und großer Gewandtheit in den Geschäften, dabei von entschiedener Thatkraft und edlem Charakter. Er hatte früher der Stadt nicht unbedeutende Dienste geleistet. Da er des römischen Rechtes im hohen Grade kundig war und eine nicht gemeine Beredsamkeit besaß, hatte ihn der Rath selbst nach Prag geschickt, um am Kaiserhofe die Sache der Stadt gegen die Klagen des Herzogs zn führen, und er hatte sich dieses schwierigen Auftrages mit vielem Geschick entledigt. Die allgemeine Stimme schrieb ihm die siegreiche Gegenschrift zn, welche auf jene Universitäts-Gutachten erschienen war: das Volk nannte ihn schlechthin „den guten Mann." Es war natürlich, daß nach dem Rücktritte der patrizischen Rathsherren sich der Haß der Geschlechter vorzugsweise gegen diesen Mann richtete, dessen Einfluß sie ans den einträglichen Stellen verdrängt hatte. Ihn zu verderben scheute man kein Mittel. Man fing damit an, ihn beim Volke zu verdächtigen. Die Geistlichkeit, nunmehr im Bunde mit den Patriziern, richtete von den Kanzeln herab gegen die Stadthauptlente, besonders gegen Brabant, die heftigsten Angriffe. Man schloß sie sämmtlich von der Kirchengemeinschaft aus und beschuldigte Brabant öffentlich der Zauberei und des Bündnisses mit dem Teufel. Er werde, sprengte in» man aus, stets von einem Raben verfolgt, der ihm weder zu Hause noch auf der Straße Ruhe ließe und der Niemand anders sei als der Gottseibeiuns. Vergebens vertheidigte sich Bra- bant in einer eigenen Schrift^) gegen dergleichen abgeschmackte Beschuldigungen: sie fanden bei dem Pöbel um so eher Glauben, als die Patrizier ihrerseits nicht unterlassen hatten die Verläum- dung zu verbreiten, daß Brabant damit umgehe die Stadt an den Herzog zu verrathen. Diese Mittel verfehlten ihre Wirkung nicht: es kam zu einein Straßenauflaufe gegen Brabant und seine Freunde. Zwar gelaug es diesem und einem anderen Stadthanptmanne, Depenau, sich durch einen Sprung von der Stadtmauer herab in's Freie zu retten; allein Brabant brach beim Herabspriugen ein Bein und konnte nur mit großer Mühe von seinem Freunde und einem Leineweber, den sie vor den Thoren trafen, bis nach Vroitzen geschleppt werden. Hier verließ ihn Depenan, nachdem er ihn unter einem Busche verborgen hatte, mit dem Versprechen, ihm einen Wagen zu senden, ans welchem er Wolsenbüttel erreichen könnte. Statt des rettenden Fuhrwerks erschienen nach einiger Zeit die Häscher des Rathes, welchen unterdeß jener Leineweber das Versteck des Unglücklichen verrathen hatte. Unter dem Geschrei der wüthenden Menge brachte man ihn nach Braunjchweig zurück, wo alsbald gegen ihn und seine Genossen die hochnothpeinliche Procedur begann. Mit unmenschlicher, ausgesuchter Grausamkeit verfuhr man gegen die Unglücklichen. Während Brabant unter den furchtbaren Qualen der Folter litt, saßen seine Richter auf grünen Polstern um ihn her und labten sich an Wein und Gebackenem, noch mehr an den Schmerzen ihres Schlachtopfers. Nach helden- müthigem Widerstande erpreßte die unerträgliche Qual dem Gemarterten das Geständniß alles dessen, was man von ihm verlangte. Dann kam die Reihe an die übrigen Gefangenen. „Um der Wunden Jesu willen" bat Zacharias Drösemann, ihn nur auf einen Augenblick aus der Hand der Marterknechte zu befreien. Als der Rath, welcher während dieses Auftritts in einem oberen Gemache zechte und schmauste, halbtrunken herabkam, war Drösemaun unter den Händen des Henkers gestorben. Er konnte sich glücklich preisen; denn noch furchtbarere Qualen warteten seines Leidensgefährten. Das gegen ihn gefällte Urtheil lautete dahin, daß er zwei Finger der rechten Hand verlieren und dann geviertheilt werden sollte, nachdem er vorher mit glühenden Zangen gezwickt worden wäre. Die Hinrichtung Bra- bants entsprach ganz dem Verfahren, welches man während der Untersuchung gegen ihn in Anwendung gebracht hatte. Am 16. September 1663 schleppte man den Unglücklichen zur Richtstatt. Seine Glieder waren dermaßen zerbrochen, daß er auf s) Kurze Verantwortung und Bericht, auf eine grobe, dicke, feiste und wohlgemestete Lüge, fo etliche Ehrenschändern in der Stadt Braunschweig auf Hennig Braband, Bürgern und beeidigten Haubtmann der Gemeine daselbst, von einer Raben ehrenschändlich erdichtet, und unter die Leute ausgebreitet. einem Stuhle dahin getragen werden mußte. Hier starb er mit bewunderungswürdiger Fassung und Ruhe unter den grausamsten Schmerzen, in: letzten Augenblicke noch seine Unschuld betheuernd. Acht andere Stadthauptleute starben durch das Schwert: viele wurden eingekerkert oder aus der Stadt verwiesen. Der neue Neceß nebst Brabants Vertheidigung wegen der Rabengeschichte wurden öffentlich durch Heukershand verbrannt ^). In dem neugewählten Rathe nahmen die Patrizier ihre verlorenen Stellen wieder ein. Diese Vorgänge in Braunschweig konnten auf den Herzog nicht wohl eine andere Wirkung ausüben, als daß sie ihn nocb mehr gegen die Stadt aufbrachten. Sein Name war ans eine mehr als zweideutige Weise in den Proceß Brabants gemischt worden: vergebens hatte er sich für den Unglücklichen verwandt, vergebens eine Confrontation desselben mit denjenigen seiner Räthe verlangt, welche mit ihm conspirirt haben sollten. Entschieden wies er daher die Friedensvorschläge zurück, welche der neue Rath ihm machte, und betrieb auf's Eifrigste die begonnenen Rüstungen. Bei Hannover musterte er im September 1665 ein Heer von 16,666 Mann Fußvolk und 1566 Reitern. Da griffen auch die Bürger zu den Waffen und setzten, im Vertrauen auf die Hilfe der Hansa und ihre gefüllten Kassen, ihre Stadt in Vertheidigungsstand. „Mächtig sei Braunschweig durch den Bund der hansischen Städte", sprach damals ein Bürgermeister im versammelten Rathe, indem er wie jener athenische Staatsmann durch Aufzählung der Hilfsquellen seiner Vaterstadt den Muth der Bürger aufzurichten versuchte, „mächtig durch jenen Bund und so reich, daß die Braunschweiger vor jedem der Stadtthore eine Braupfanne mit Goldstücken aufstellen könnten; sei dieses Geld durch den Krieg verzehrt, so könne die Bürgerschaft die zurückgelegten Nosenobel hervorlangen und selbst wenn diese ausgegeben wären, so bleibe doch noch Geld genug übrig, um den Krieg fortführen zu können ^)." Aber nicht bloß in so ernsthafter Weise, sondern auch durch zahlreiche Spott- und Schelmenlieder gab sich die steigende Erbitterung auf beiden Seiten kund. So sang man in Braunschweig vom Herzoge: Er wollte gern Bürgermeister sein In unserer Stadt alleine, Hat sich noch nicht geschworen ein, Zu schützen die Gemeine, Aber man kann seiner wol entbehrn, Dieweil wir haben viel fromer Hern, Die uns mit trewen meinen. "6 Vergl. K. F. v. Strombeck, Hennig Brabant und seine Zeitgenossen. Braunschweig. 1820. Wie groß der damalige Wohlstand der Stadt war, geht auch daraus hervor, daß ein seines Geschäftes kundiger Brauer leicht alljährlich 500 Thlr. zurückzulegen im Stande war, und daß der Rath die Summe, für welche man das Bürgerrecht erlangen konnte, um 100 Thlr. erhöhen durfte. Die Herzoglichen ihrerseits blieben den Bürgern Nichts schuldig; ihre Lieder gingen aus demselben Ton: In Hoffart sie ldie Bürger) ersoffen, In Trotz und Uebermuth Und scind doch lose Troppfen Entsprossen aus bauerschen Bluedt- Darum auch vorhanden ist Ihr Fall, wie man wird spuren, Glaubt mir, in kurzer Frist*). Ehe der Herzog indeß einen geregelten Angriff auf die Stadt begann, machte er einen Bersnch, sich ihrer durch List und Ueberfall zu bemächtigen. Am 14. Oktober 1605 erschien vor dem Aegidienthore ein langer Zug von Frachtwagen, welchem mehrere Kutschen Vorausfuhren. Die Wache am Thore, die nichts Böses ahnte, ließ sie ungehindert durch das aufgezogene Thorgatter fahren. Alsbald sprangen die angeblichen Kaufleute von den Wagen, stießen die Wache nieder und gaben den in den Frachtwagen versteckten Soldaten das verabredete Zeichen. Diese bemächtigten sich, von ihren Offizieren geführt, ohne ans weiteren Widerstand zu stoßen, des Aegidien- und Magniwalles und richteten das hier vorgefundene Geschütz gegen die Stadt. Die Bürger, von denen gerade ein großer Theil dem Leichenbegängnisse der Frau des Bürgermeisters Gerken beiwohnte, hatten kaum noch Zeit den Steinthorwall und die innere Ringmauer zu besetzen, um den Feind von weiterem Vordringen abzuhalten. Dieser, dessen Zahl durch Zuzug von Wolfenbüttel her sich stündlich vermehrte, fing an sich auf den eroberten Wällen zu verschanzen nnd ein wohlgenährtes Feuer ans die Städter zu unterhalten. Schon entsank diesen der Muth, schon hielt der Rath die Stadt für verloren und verbargen sich seine Mitglieder in ihren Hänsern, als ein Zufall der Sache eine andere Wendung gab. Der Stadttrompeter nämlich, der vom Walle herab den Bürgern das Signal zum Einstellen des Feu- erns geben sollte, (denn man hatte zu unterhandeln beschlossen) blies, durch eine in der Nähe einschlagende Kugel außer Fassung gebracht, statt dessen das Lärmzeichen. Die Herzoglichen, welche durch langen Kampf ermüdet und von dem herabströmenden Regen durchnäßt waren, ließen in der Meinung, man blase zum Angriff gegen sie, von ihrem Bordringen ab und zogen sich auf das Aegidienthor zurück. Zu gleicher Zeit sammelte Jürgen von der Schulenbnrg, ein 70jähriger im Kriege ergrauter Greis, die verzagenden Bürger, welche, ihrerseits durch das Lärmzeichen erschreckt, zu fliehen begannen und führte sie gegen den Feind. Dieser widerstand dem Angriffe nicht lange und zog ans der *) Aus einem Manuscript der Bibliothek in Hannover von Have- mann (Geschichte der Lande Braunschweig und Lüneburg II. I>. 5) citirt; ein anderes in macaronischen Versen geschriebenes Spottgedicht vom Jahr Iö00, welches handschriftlich sich in Wolfenbüttel befindet und den Titel führt: dortum cnrmen ü« I 'diln'oelvs et klimroeliis etc. bezieht sich darauf, daß Heinrich Julius der erste braunschweigische Herzog war, welcher bei seinen Truppen eine Uniform einführte. Straße nach Wolfenbüttel ab, indem er Viele der Seinigen, welche das zufällig niederstürzende Thorgatter abschnitt, in den Händen der Sieger zurückließ. Nun begann Heinrich Julius mit allem Ernste die Belagerung der Stadt. Am l8. Oktober besetzte er alle Straßen, welche zu ihren Thoren führten und ließ vor jedem Thore eine Schanze aufwerfen. Dann folgte die Beschießung der Stadt ans des Herzogs zahlreichem Geschütze; allein der geringe Erfolg, den dieses hatte, steigerte nur noch den Uebermnth der Bürger. „Wäre Bronswiek Waters rike — so wäre nich sines Glike," sang man in der Stadt, und es ist möglich, daß dieses Lied den Herzog auf den Gedanken brachte, den er, als die Belagerung nur langsame Fortschritte machte, auszuführen beschloß. Unterhalb Braunschweig, in der Nähe des Dorfes Oelper verengt sich das Thal der Ocker so sehr, daß es möglich schien, den Fluß an dieser Stelle abzudämmen und die Stadt durch die Wassersnoth, die daraus entstehen mußte, zur-Unterwerfung zu zwingen. Sobald der Herzog sich von der Ausführbarkeit dieses Planes überzeugt hatte, befahl er die Arbeit in Angriff zu nehmen. Nach 6 Wochen war der Damm vollendet, der, in der Mitte mit einer Schleuse versehen, die Fluthen der Ocker ausstattete und in kurzer Zeit die Stadt unter Wasser setzte. Mit jeder Stunde wuchs in Brannschweig die Noth: bald waren alle Mühlen zerstört, so daß das Brod ungeheuer im Preise stieg; auf Kähnen fuhr man durch die Straßen. Da schien sich die Stadt demüthigen zu wollen; allein kaum hatte sie vom Herzoge einen Waffenstillstand erlangt und war durch Aufziehung der Schleuse bei Oelper dem Wasser ein Abfluß eröffnet, als sie wieder den alten Trotz zeigte. Noch einmal brachten die zurückgestauten Fluthen Noth und Gefahr über die Bürger, nnd diese, erbittert über die vielen Verluste, welche sie in diesem Kriege erlitten hatten, zwangen den Rath mit dem Herzoge zu unterhandeln. Eine Deputation der Bürgerschaft reisete nach Wolfenbüttel und bat Heinrich Julius, der Stadt zu schonen und ihr seine Gnade wieder zuzuwenden. Dieser, der Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit der Bürger vertrauend, ließ sogleich die Dammschleuse zerhaueu und gewährte eine voreilige Verzeihung. Denn auch diesesmal hielten die Brannschweiger nicht Wort. Sobald der Herzog sein Kriegsvolk bis auf 3 Compagnien Leibwache entlassen hatte, begann der Rath, welcher einen großen Theil der ehemals herzoglichen Soldaten in Sold genommen hatte, die Feindseligkeiten von Neuem ^); ja er versuchte sogar *) Darauf bezieht sich ein Lied der damaligen Zeit, welches v. Ve- chelde in Tobias Olfens Geschichtsbüchern der Stadt Braunschweig hat abdrucken lassen. Mögen hier nur die folgenden Verse stehen: Als roth Löw' b'gunt zu fühlen Wie roth Lew' Lust bekäme Die große Wassersnoth, Und ein geworben Heer, Begunte er zu hülen Da war er nicht mehr zahme, Und bat um Gnad durch Gott- Griff wieder zum Gewehr: Das Rößlein und sein Herre, „Dem Rößlein weiß nachtrachte, Der edle Fürst so gut, „Thue Schaden ihm und Weh," Abwandle Kriegsgewehre Dem Kriegsvolk er auflagte. Und auch die Wassersfluth. Daß solches so gescheh- den Herzog durch einen ihm unter der Asse gelegten Hinterhalt in seine Gewalt zn bekommen. Nur durch einen Zufall und die Schnelligkeit seines Pferdes entging er den städtischen Reitern; sein Geheimschreiber, weniger glücklich, fiel ihnen in die Hände und ward erschlagen. Der Rath entschuldigte sich zwar, „seine Reiter hätten bloß einmal einen Spazierritt machen wollen," allein Heinrich Julius, dein es zugleich nicht verborgen blieb, daß die Stadt neue Bündnisse abschloß mit den mächtigsten norddeutschen Städten und dem Herzoge von Lüneburg, wandte sich nunmehr klagend an den Kaiser. Aber auch die Acht des s) Diese Behörde war in den letzten Jahren von Heinrichs des Netteren Regierung entstanden. Durch den sogenannten kleinen Brief erhielten nämlich damals die Gilden und die Gemeine das Recht, zur Beaufsichtigung des städtischen Schatzes !0 Männer aus ihrer Mitte zu bestellen, welche den Schlüssel zu dem Geldkasten der Stadt besaßen, und welchen 2 Kämmerer der Altstadt beigegeben waren, um die Buchhaltung über die laufenden Einnahmen und Ausgaben zu führen. Diese Behörde nannte man die Zehentmänner. Reiches schreckte die übermüthigen Bürger so wenig, daß sie die Herolde des Kaisers, welche die Achtserklärnng in's Thor brachten, gröblich beleidigten und verhöhnten. Von nun an betrieb der Herzog, zum Theil persönlich, am kaiserlichen Hofe die Vollstreckung der Acht gegen die rebellische Stadt. Doch es war ihm nicht vergönnt die Demüthigung derselben zu erleben. Ein plötzlicher Tod ereilte ihn 1613 zu Prag: er hinterließ den ungeschlichteten Streit mit Brannschweig seinem schwachen, energielosen Sohne Friedrich Ulrich. Dieser brachte es nun freilich, was sein Vater nie hatte erreichen können, dahin, daß die Stadt ihm huldigte, allein dieses geschah erst nach wiederholtem Kampfe und unter Bedingungen, welche für den Herzog nicht eben die ehrenvollsten waren. Im Anfange von Friedrich Ulrichs Regierung schien es, als ob die Bürger sich dem neuen Herzoge beugen wollten; denn der lange Krieg hatte ihre Kassen erschöpft und die Folgen der Reichsacht machten sich durch Unterbrechung des Handels und Verkehrs ans eine sehr empfindliche Weise fühlbar. Dazu kam noch, daß in der Stadt die Eintracht fehlte, daß wiederum zwischen Bürgerschaft und Rath Zerwürfnisse entstanden. Diesesmal war die Geistlichkeit ans Seiten der ersteren und ihrem heftigen Predigen gegen die Patrizier gelang es, eine allgemeine Umwälzung im Regiments der Stadt herbeizuführen. Der ganze Magistrat, den man mit dem Herzoge im EinVerständniß glaubte, die Gildemeister, Stadthanptleute und Zehntmänner wurden ihrer Aemter entsetzt und Einige derselben sogar in's Gefängniß geworfen. Doch ward kein Blut vergossen und man begnügte sich damit, den neuen Rath von allen patrizischen Elementen zu säubern und ihn vor jeden: Einflüsse von dieser Seite her sicher zu stellen. Mit dem Herzoge knüpfte man Unterhandlungen an, die sich jedoch bald an der Forderung desselben zerschlugen, die Stadt solle ihm 2 Tonnen Goldes zahlen, eine jährliche Abgabe von 30,000 Thalern bewilligen und eines ihrer Thore einräumen. Als diese Forderung zurückgewiesen wurde, begann der Kampf von Neuem. Die Stadt, im Bunde mit den Hansestädten und den Niederländern, mußte noch einmal eine harte Belagerung aushalten. Schon war sie trotz einiger Vortheile, welche die Bürger bei Ausfällen über das herzogliche Heer gewannen, zum Aenßersten gebracht, schon hatte sie die Ergebung an den Herzog beschlossen, als sie durch Zuzug hansischer Hilfs- trnppen unter dem Grafen Friedrich v. Solms neuen Muth erhielt. Da der Herzog zugleich in Erfahrung brachte, daß auch die Truppen der Holländer zum Entsatze der Stadt heran- naheten, so zog er sein Heer nach dreimonatlicher Belagerung auf Wolfenbüttel zurück und es kam bald darauf, am 21. December 1615, zu einem Vergleiche. Die Stadt leistete dem Herzoge die Huldigung, wogegen dieser sie bei ihren alten Freiheiten zu belassen versprach, auch sich zu einer Entschädigung derjenigen in der Stadt ansäßigen Gutsherrn verstand, deren Güter von ihm eingezogen worden waren. Die übrigen streitigen Punkte sollten durch Austräge und aus dem Wege Rechtens beigelegt werden. Dann erfolgte die Aufhebung der Reichsacht und nachdem der Kaiser den Vertrag bestätigt hatte, ertheilte Friedrich Ulrich der Stadt den großen und kleinen Huldebrief. Gegen spätere Angriffe von Seiten des Herzogs ward Braunschweig durch den bald ausbrechenden 30jährigen Krieg gesichert. Als nach der Schlacht bei Lutter am Barcmberge die ligistischen und kaiserlichen Heere das braunschweigische Land überschwemmten, mußte Friedrich Ulrich sogar in der Stadt eine Zuflucht suchen. Die von Tillh an Brannschweig gestellte Forderung, eine Besatzung von 4 Compagnien Reiter einzunehmen, wußte der Rath durch eine Geldsumme abzukaufen; auch gelang es der Stadt im weiteren Verlaufe des Krieges sich von fremder Besatzung frei zu halten. Allein dieser schonungslose Krieg vollendete, indem er den Wohlstand der Nation ans lange Zeit zerstörte, auch den Ruin der städtischen Macht. Brannschweig hatte in dieser Hinsicht das Schicksal der meisten deutschen Städte: der 30jährige Krieg hat die letzten Pfeiler ihres freien Gemeinwesens zerbrochen. Den Ansgang des Krieges erlebte Friedrich Ulrich nicht mehr: er starb i. I. 1634, der letzte Fürst des mittleren Hauses Brannschweig. August der Jüngere, dannenbergischer Linie, erhielt durch den Theilungsvertrag vom 14. December 1635 den größten Theil der wolfenbüttelschen Lande. Er hatte von seinen Bettern den Alleinbesitz der Stadt Braunschweig verlangt; konnte jedoch nur erreichen, daß ihm die Hälfte derselben abgetreten wurde. Da Wolfenbüttel noch von den Kaiserlichen besetzt war, so sah sich der neue Herzog genöthigt, seine Wohnung in Braunschweig zu nehmen, konnte aber trotz seiner Milde und Freundlichkeit nicht mit der Stadt in ein einigermaßen erträgliches Verhältniß kommen. Sie verweigerte ihm hartnäckig die Huldigung und ,!?Dl ' UÄ-"' " -- WA. kl ' ^4, AM ^:Mia k«- 'MM chM! ^ gHt iieiss U -Mit, KM krm WöWjM r tie 5 «dl n sies Mg.p Ml ^ - behandelte ihn überhaupt ziemlich hochfahrend und übermüthig. So sehr dem Herzoge auch daran gelegen war, mit den Braunschweigern in gutem Vernehmen zu leben, so mäßig und nachgiebig er sich auch in seinen Ansprüchen zeigte, Braunschweig beharrte auf seinem Trotze und August der Jüngere starb, ohne daß die Stadt ihm die Huldigung geleistet hatte. Endlich kam für Braunschweig der Tag der Unterwerfung: er kam ungeahnt und überraschend. Herzog Augusts Nachfolger, Rudolf August, (seit 1666) hatte von vornherein einen anderen Ton gegen die Stadt angenommen, ihr namentlich die Belehnnng mit den Gerichten Eich und Wendhauseu abgeschlagen. Dann einigte er sich im Frühling des Jahres 1671 mit seinen Vettern von Celle und Hannover zu einem gemeinschaftlichen Angriffe auf die Stadt. Der Augenblick war gut gewählt; denn bei den Bürgern herrschte großes Mißvergnügen über den Rath, dessen liederliche Fiuanzverwaltung die Stadt tief in Schulden gestürzt hatte *). Zu Burgwedel kamen die sämmtlichen Mitglieder des welfischen Hauses zusammen und erwogen, „daß es zu ihrer Lande bmeuritnt, bei jetzigen sorgsamen Läuffteu, überanß nöthig sein wolte, daß sie der Stadt Braunschweig, als welche mitten im Lande gelegen, versichert sehn und dieselbe als ihre erbangehörige Landstadt zur ramon und Gehorsam gebracht werden könte" ^). Wenn die Braunschweiger vielleicht der Hoffnung waren, daß es zwischen den Vettern, wie schon so oft auch diesesmal zu Zwistigkeiteu kommen und dadurch das drohende Wetter von der Stadt abgewandt werden würde, so sahen sie sich bitter getäuscht: dieses Mal handelten die Fürsten mit merkwürdiger Einigkeit. Hannover sowohl wie Celle verzichteten aus den Antheil der Stadt, den sie zu fordern hatten und dieselbe ward der wolfenbüttelschen Linie allein überlassen. Nachdem mau sich so über die Beute geeinigt hatte, galt es sie zu machen; denn noch war die Stadt weit davon entfernt, den Gedanken an Widerstand aufzugeben und sich zu unterwerfen. Den herzoglichen Abgesandten, welche für Wolfenbüttel die Huldigung verlangten, erwiderte sie, obgleich Kassen und Zeughäuser leer standen und die Fürsten ein starkes, wohlgerüstetes Heer gesammelt hatten, in dem alten trotzigen Tone. Da erschienen in der letzten Hälfte des Mai 1671 die Truppen der Herzoge, 20,000 Mann stark und unter dem Befehle des lüneburgischen Feldmarschalls Grafen v. Waldeck, vor den Wällen der Stadt. Der Rath, völlig ungerüstet und in seinen improvisirten Vertheidigungsanstalten überall durch den Haß und das Mißtrauen der Bürger gehemmt, erschrack, als er den Ernst der Sache sah. Die ganze Besatzung der Stadt bestand aus nicht mehr als 220 Mann unter dem Major Beckmann, auch fehlte es, um Es fand sich ein jährliches Deficit von 24, MO Thlr. und eine Schuldenlast von 1,735,000 Thlr. **) Kurze, jedoch gründliche Beschreibung der Stadt Braunschweig, in sonderheit aber auf was Massen sie zur ckevmiun gegen den Herrn Rudolph August gebracht worden. !67l. 4w. eine längere Belagerung aushalten zu können, an Munition. Die Hilfe, welche man in aller Eile von Schweden, dem Kaiser, den Hansestädten und Holland verlangte, mußte, wenn sie überhaupt gewährt wurde, unter diesen Umständen jedenfalls zu spät kommen. Am 31. Mai begann, als der Rath noch immer zögerte, sich und die Stadt zu unterwerfen, die Beschießung derselben aus den 100 herzoglichen Geschützen. Die Vertheidigung konnte einem solchen Augriffe gegenüber und bei der geschilderten Lage der Dinge nur eine matte sein, sie ward durch die jetzt offen ausbrechende Zwietracht im Inneren der Stadt noch mehr geschwächt. Bald forderte die Bürgerschaft Ergebung und drohete dem Rathe, falls er auf seinem Entschlüsse, die Stadt zu vertheidigen, bestände, auf eigene Hand mit den Herzogen zu unterhandeln. Das war der letzte Stoß, sagt der Bürgermeister Gerken in seiner brauuschweigischen Chronik, durch welchen Se- natus bewogen wurde, Hand, Mund und Herz sinken zu lassen. Am 6. Juni erschienen im herzoglichen Lager zu Riddagshansen Abgeordnete des Rathes, der Gilden und der Bürgerschaft, um mit den Fürsten wegen Uebergabe der Stadt zu unterhandeln. Nach viertägigem Hin- und Herreden kam am 10. Jnuius eine Kapitulation zu Stande, in Folge deren sich die Stadt dem fürstlichen Hause Brauuschweig-Wolfeubüttel unterwarf. Dagegen versprach der Herzog den Bürgern die Erhaltung der lutherischen Religion und gewährte eine allgemeine Amnestie. Am 12. Juni rückte das Regiment Staufen, 1000 Mann stark, in das Fallersleberthor und besetzte die Wälle: dann folgten fünf andere Regimenter, und am 15. nahm der Herzog die Huldigung ein. Alsbald wurden die übrigen Streitpunkte, über welche sich die Kapitulation nur in unbestimmten Ausdrücken äußerte, geregelt. Was den Güterbesitz der Stadt anlangt, so wurde die Verwaltung des sogenannten großen Aerars *) einer Stadtcommission übergeben, welche unter dem Herzoge stand und welche später hl 731) mit der herzoglichen Kammer vereinigt worden ist. Die Regierung übernahm damit die Regelung des städtischen Finanzwesens und die Tilgung der bedeutenden städtischen Schulden. Noch durchgreifender als diese Maßregel war die vom Herzoge vorgenommene Umgestaltung des Stadtregimentes. Die Stadtmagistrate der fünf Weichbilder wurden in einen zusammengezogen, die Zahl der Bürgermeister von 14 auf 4, der Kämmerer von 11 auf 4, der Nathsherrn von 31 auf 8 verringert. Die Befugnisse dieses neuen Magistrats waren natürlich äußerst beschränkt: sie erstreckten sich fast nur auf die Verwaltung des kleinen Aerars ^) und auf die niedere Rechtspflege 5) Zu diesem rechnete man außer den Mühlen, den Thor- und Brückengeldern und anderen städtischen Einnahmen das Gut Wendhausen nebst dem wendhäuser Forste das Gericht Eich, Schandelah und Vechelde. 55) Es bestand aus den vier Pfahldörfern Oelper, Lehndorf (nebst dem damit verbundenen Kreuzkloster), Rüningen und Rühme, zu welchem letzteren das Hospital St. Leonhard gehörte. in weltlichen Sachen; denn die geistliche Gerichtsbarkeit ward dem herzoglichen Consistorinm zu Wolfeubüttel übertragen. Vier Jahre nach der Unterwerfung der Stadt geschah endlich noch die Aufhebung des Sachsenrechtes und aller darauf sich gründenden Statuten und Gewohnheiten. Damit schien die Vernichtung der bisherigen Sonderstellung der Stadt Brannschweig den übrigen Städten des Landes gegenüber vollendet. So war endlich nach langem Hader und Streit das Schicksal der Stadt entschieden worden: was vor beinahe 200 Iahren Herzog Heinrich der Aeltere begonnen, hatte ein später Nachfolger desselben vollendet. Die Unterwerfung Braunschweigs, diese Aufgabe, woran die großen Eigenschaften der fähigsten und kriegerischsten Fürsten aus dem welfischen Hause gescheitert waren, gelang dem keinesweges durch bedeutende Gaben ausgezeichneten Rudolf August fast ohne Mühe. Die Frucht war eben reif; sie brauchte nur geschüttelt zu werden und sie siel herab. Das im Inneren untergrabene, äußerlich vielfach geschädigte Gebäude des städtischen Gemeinwesens hatte die Zähigkeit verloren, mit welcher es früher ganz anderen Stürmen widerstanden: es stürzte jetzt, da es sich überlebt hatte, fast von selbst zusammen. Indem die Stadt ihre Selbständigkeit verlor, hatte sie den Kreislauf ihrer eigenthümlichen geschichtlichen Entwickelung vollendet: sie war unter die Botmäßigkeit der Fürsten zurückgekehrt, denen sie ihr erstes Aufblühen verdankte, denen sie später ein Recht nach den: anderen abtrntzte, ohne es jedoch je dahin bringen zu können, daß ihre Unabhängigkeit von ihnen anerkannt wurde. Mit ihrer Unterwerfung verliert ihre Geschichte an Interesse; es sind nicht mehr die Kämpfe und Entwickelungen eines selbständigen, gegliederten Gemeinwesens, welche wir verfolgen, sondern sie theilt in der Folge das Schicksal des Landes, welchem sie angehört. Für die späteren Zeiten mögen daher einige flüchtige Andeutungen genügen. Rudolf August, welcher sich häusig in Brannschweig aushielt, erweiterte die herzogliche Residenz, den grauen Hof, bis an den Steingraben und begann den Neubau der alten, schadhaft gewordenen Festungswerke. Bei dieser Gelegenheit wurden mehrere der Stadtthore zugeworfen, so daß von den früheren Dreizehnen nur Sieben übrig blieben. Für den Wohlstand der Stadt und den Ausschwung ihres Handels war es von großer Wichtigkeit, daß der Herzog die Jahrmärkte, welche seit 1498 bestanden, reformirte. Er hob die alte den Verkehr hemmende Bestimmung auf, daß kein Fremder mit einem Fremden handeln dürfe, gewährte der Stadt Zollfreiheit auf 30 Jahre und erließ eine neue Marktgerichtsordnung. Dnrch diese Maßregeln erhielten die Jahrmärkte erst die Bedeutung von Messen. Rudolf August's Bruder, der prachtliebende Anton Ulrich, ließ 1670 auf dem Platze, wo früher das Rathhaus des Hagen stand, das Opernhaus erbauen und setzte den Bau der neuen Festungswerkesort, welche jedoch erst unter seinem zweiten Nachfolger, Ludwig Rudolf, vollendet wurden. Dieser legte durch die von ihm zusammengebrachte Kunst- und Naturaliensammlung, welche er in dem späteren Zeughause ausstellen ließ, den Grund zu dem jetzigen Museum. Am Meisten von allen Nachfolgern Rudolf Augusts hat der freigebige, Wissenschaft und Kunst liebende Herzog Karl I. für Braunschweig gethan. Er verlegte im Jahre 1753 seine Residenz von Wolfeubüttel nach Braunschweig. Hier bezog er das auf dem grauen Hofe neuerbaute Schloß, zu welchem Herzog August Wilhelm i. I. 1721 den Grundstein gelegt hatte. Dem Herzoge Karl verdanken nicht nur das Intelligenzcomtoir (seit 1745) uud das Obersanitäts-Collegium ihre Entstehung, sondern auch das Collegium Carolinum. Die Gründung und Einrichtung desselben geschah nach dem Plane des Abtes Jerusalem und die Anstalt gewann bald durch Männer, wie Eschenburg, Ebert, Zachariä, Gärtner, Mauvillon u. a. einen weitverbreiteten Ruf. Auch das übrige Uuterrichtswesen verbesserte der Herzog, besonders legte er Armenschnlen au, die bis dahin noch nicht bestanden hatten. Zeugniß von seinem thätigen Bestreben, die Stadt zu verschönern, legt die von ihm eingeführte Straßenerleuchtung, sowie die Verbesserung des städtischen Pflasters ab. Für die Verbesserung des Gesundheitszustandes sorgte er durch Verlegung der Kirchhöfe außerhalb der Thore (1755), für die größere Sicherheit der Wohnungeu durch zweckmäßigere Löschanstalten. Uebrigens hatte die Stadt unter seiner Regierung während des 7jährigen Krieges ihre letzte, freilich sehr kurze Belagerung auszuhalten. Nachdem in Folge der Convention von Kloster Zeven französische Truppen schon i. I. 1757 Braunschweig besetzt, nach der Schlacht bei Roßbach jedoch wieder verlassen hatten, erschienen sie 1761 unter dem Befehle des Prinzen Xaver von Sachsen abermals vor den Mauern der Stadt und begannen sie zu beschießen. Allein bald nahete Prinz Friedrich, warf den Feind aus den Schanzen bei Oelper und befreiete die Stadt. Nach der glücklichen, alles Edle und Gute fördernden Regierung des Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand folgten auch für Braunschweig wie für ganz Norddeutschland schwere, verhängniß- volle Zeiten. Daß der Herzog den Oberbefehl über das preußische Heer in dem Kriege von 1806 übernommen hatte, war für Napoleon ein willkommener Vorwand, das Land als ein feindliches, mit den Waffen erobertes anzusehen. Der bei Jena schwer verwundete Fürst bat den Sieger vergebens um Schonung des Landes und um die Gunst, im Schlosse seiner Väter sterben zu dürfen: um nicht den verfolgenden Feinden in die Hände zu fallen, mußte er seine schmerzhafte Flucht weiter fortsetzen. Das eroberte Land ward zum Königreiche Westfalen geschlagen, Braunschweig zur Hauptstadt des Ocker-Departements gemacht. Die Franzosen hausten hier in ihrer gewöhnlichen, zerstörenden Weise. Was die Stadt an Knnstschätzen besaß, ward durch Denon nach Paris gesandt: kaum daß die energischen Vorstellungen des Präfekten v. Reimann den Löwen aus dem Burgplatze von diesem Schicksale retteten. Die Stiftung des Herzogs Karl, das Collegium Karolinum, wurde in eine Militärschnle, die herrliche Aegidienkirche in ein Magazin verwandelt. Die Stifter St. Blasins und St. Cyriakus, deren Fonds bis dahin in edelster Weise verwandt worden waren, wurden ganz aufgehoben. Grollend trug Braunschweig das fremde Joch. Napoleon selbst soll geäußert haben, daß, wenn im nördlichen Deutschland ein Aufstand gegen die französische Herrschaft ansbrechen sollte, Brannschweig der Herd desselben sein würde. Diese der neuen Ordnung feindliche Gesinnung der Bürger zeigte sich besonders, als i. I. 1809 der Herzog Friedrich Wilhelm auf seinem denkwürdigen Zuge an die Nordsee die Stadt berührte. Mit Begeisterung ward er von den Bewohnern Braunschweigs begrüßt und an dem Kampfe, den er vor den Thoren, bei dem Dorfe Oelper, mit einem überlegenen Feinde zu bestehen hatte, nahmen nicht nur Einige derselben in Civilkleidern Theil, sondern Viele traten auch in die Reihen seiner schwarzen Krieger und begleiteten ihn auf seinem weiteren gefahrvollen Wege. Es ist sogar wahrscheinlich, daß die feindliche Haltung der Stadt den General Renbel bewog, seine vortheilhafte Stellung hinterwärts Oelper aufzugeben und dem Herzoge die Straße nach Celle und Hannover freizulassen. Mit der Befreiung Deutschlands durch die Schlacht bei Leipzig kehrte auch der vertriebene Fürst in sein angestammtes Land zurück. Am 32. December 1813 kam er in Braunschweig an, um nach einer zu kurzen Regierung bei Quatrebras gegen denselben Feind den Heldentod zu finden^), welchen er sein ganzes Leben hindurch bekämpft hatte. Seitdem hat Braunschweig noch einmal in seinen Mauern Scenen gesehen, welche an die wilden Auftritte früherer Zeiten erinnern: wir meinen den Aufstand, durch welchen am 7. September 1830 k er älteste Sohn des bei Quatrebras gefallenen Helden, Herzog Karl II,, seines Herzogthnms verlustig ging. Bei diesem Ausstande sank der graue Hof, die langjährige Residenz der Herzoge, in Asche. Auf der Stelle, wo er gestanden, erhebt sich jetzt das herrliche Schloß, welches unter den Gebäuden der neueren Zeit die vorzüglichste Zierde der Stadt ist. In den letzten 50 Jahren hat Braunschweig viele und Niemand hat den Tod des Herzogs schöner besungen, als Njioii in seinem Lbilcle Itiirolci: VVNlnn ^vinclcivv'cl nwke vk lbM t>i»b bsN 8ale Ll'unswieli's lMecl cbiet'Min; bv clici beul- Ibut sount Ns tone vvilb OeMli's >»i's>plietie esr; >vbei> Mez? smilecl beesuse bs 6eemVlneIi stietcINN Ins kiitber on » blnocl^ biei', ^nct i'ousoc! Mo venAennee bloo alten romanischen Rundfenster zusammengezogen worden. Von den beiden Seitenschiffen, von denen ein Jedes eine besondere Epoche der Gothik repräsentirt, ist oben schon das Nöthige gesagt worden und bemerken wir nur noch, daß vie Fenster der nördlichen Seilenhalle früher eine Reihe von Bildnissen fürstlicher Personen enthielten, welche jedoch durch Rudolf August i. I. 1678 entfernt wurden. Nur in dem nordwestlichen Fenster haben sich als letzte Reste alter Glasmalerei die Wappen von 23 brannschweigischen Patrizierfamilien erhalten. Der Dom besaß früher eine große Menge kostbarer Kunstwerke und Reliquien, welche aber größtentheils abhanden gekommen sind. Von dem großen Reliqnienschatze Heinrichs des Löwen, welcher i. I. 1671 durch Rudolf August dem katholisch gewordenen Herzoge Johann Friedrich von Hannover als Entschädigung für seine Ansprüche aus einen Theil der Stadt Braunschweig überlassen wurde, sind nur noch spärliche jetzt in der Rudolfskapelle aufbewahrte Reste vorhanden, darunter das Horn und die Schalmei des h. Blasius, eine angebliche Rippe des Riesen Goliath, die jedoch nichts Anderes ist als ein Mammuths- knochen, ein für eine Greisenklaue gehaltenes Antilopenhorn u. a. Merkwürdiger sind die noch vorhandenen alten Kunstwerke: dahin gehört der jetzt vor dem hohen Chöre zwischen dessen Treppenarmen aufgestellte Altar, welchen die Gemahlin Heinrichs des Löwen, Mathilde von England, ein Jahr vor ihrem Tode (1188) der Kirche schenkte. Er besteht aus einer Platte von Muschel- marmor, welche auf fünf früher mit Reliquien gefüllten Brouze- säulen ruhet, mit schön gearbeiteten Capitälen. In der mittel- sten derselben wird noch jetzt die Stistungsurkunde des Altars aufbewahrt. Beachtenswerther noch ist der 16 Fuß hohe, 13 Fuß breite und 7 Centner schwere siebenarmige Leuchter von Bronze, welcher höchstwahrscheinlich noch aus der Zeit Heinrichs des Löwen stammt und in der Mitte des Chores aufgestellt ist. Die frühere Meinung, daß dieser Leuchter durch Heinrich von seinem Kreuzzuge mitgebracht und daher morgenländischer Arbeit sei, wird jetzt allgemein verworfen: vielmehr ist dieses dem Armleuchter des Tempels zu Jerusalem nachgebildete Kunstwerk aller Wahrscheinlichkeit nach ein Erzeugniß vaterländischen Knnstfleißes. Dieser Leuchter ward übrigens i. I. 1728 entfernt, weil er die Aussicht auf den neuerbauten Hochaltar verdeckte und ist erst i. I. 1836 wieder an seine Stelle gekommen. Von Gemälden besaß die Kirche früher zwei sehr merkwürdige, das eine Heinrich den Löwen mit seiner zweiten Gemahlin Mathilde und Otto IV. mit seiner Gemahlin, der hohenstanfischen Beatrix, vorstellend und höchstwahrscheinlich aus dem Ansauge des 13. Jahrhunderts stammend, das andere ein Altarblatt mit Seitenklappen, welches dem Maler Johann Raphon zugeschrieben wird. Beide befinden sich jetzt in dem herzoglichen Museum. Unter den Grabmälern der Kirche zeichnet sich dasjenige ihres Stifters und seiner Gemahlin Mathilde aus. Ein eisernes Geländer umgiebt und zwei große Decksteine mit den Stand- iii» bildern des Herzogs und der Herzogin schließen dasselbe. Der l Herzog trägt das Modell des Domes in der Rechten, das gezogene Schwert in der Linken. Die Arbeit beider Figuren, besonders der weiblichen ist von außerordentlicher Schönheit und Reinheit, was um so mehr überrascht, da sie nicht lange nach Heinrichs Tode gefertigt sein kcmn. Gegenwärtig werden die Grabsteine von dem wackeren Howald restaurirt. Die beiden ^ Bildsäulen, welche früher zur Seite dieses Grabmales standen und von denen die eine ans Sandstein vom Elme wiederum Herzog Heinrich den Löwen ^), die andere aus nordhäuser Alabaster den Bischof Hermann von Hildesheim darstellt, sind von Ludwig Rudolf in das herzogliche Erbbegräbnis; versetzt worden, j wo sie sich noch befinden. Das Grabmal dieses letzteren Fürsten und seiner Gemahlin Christine Luise von Oettingen (st 1747) befindet sich in der Mitte des Hauptschiffes. Es ist ein Sarko- ! phag aus Marmor mit den in Zinn gegossenen lebensgroßen Bildnissen des Herzogs und der Herzogin. Außer diesen Grab-! mälern befanden sich früher in der Kirche noch mehrere von welsischen Fürsten und Fürstinnen, welche aber wahrscheinlich bei der großeil Ueberschwemmnng während der Belagerung der Stadt durch Heinrich Julius sehr geschädigt wurden und zum Theil einsanken. Antoll Ulrich ließ daher die Gebeine, welche in denselben rnheten, in einen großen eichenen Sarg vereinigen und diesen vor dem kleinen Altar beisetzen. Eine messingene Platte gibt die Namen derjenigen an, welche hier eine gemeinsame Ruhestätte gefunden haben; es sind folgende: Beatrix von Hohen- staufen, Tochter des Kaisers Philipp, ihr Gemahl Kaiser Otto IV,, Pfalzgraf Heinrich, Herzog Otto das Kind, Albrecht der Lange und dessen jnngverstorbener Sohn Wilhelm, Herzog Magnns mit der Kette, H. Friedrich (st 1400), H. Wilhelm der Siegreiche mit seinen beiden Gemahlinnen Cäcilie und Mathilde, zuletzt Herzog Heinrich der Aeltere und dessen Gemahlin Helena. Noch sind die beiden steinernen Bildsäulen zu erwähnen, welche im Inneren eines Fensters des südlichen Nebenschiffes angebracht sind und welche wahrscheinlich nicht Heinrich den Löwen und Mathilden von England, sondern Otto Largus und seine Gemahlin Agnes vorstellen, welche diese Nebenhalle erbant haben. Bon dem größten Interesse für den Freund mittelalterlicher Kunst sind die Wandgemälde, welche in neuester Zeit (1845) bei einer Restauration des Inneren der Kirche unter der Kalktünche entdeckt und nach sorgfältiger Entfernung des Kalkes von zwei braunschweigischen Malern im Auftrage der Regierung zum Theil schon wieder hergestellt sind, zum Theil es noch werden. Sie enthalten Darstellungen aus der Geschichte des davidischen Geschlechtes, auch des Heilands, welche die Gewölbe des Chores zieren. Die Seitenwände dagegen sind bedeckt mit Bildern, welche das Leben der drei Schutzheiligen der Kirche verherrlichen und zwar ist ans der Seite nach Norden das Leben Johannes Eine Abbildung davon findet sich in: PH. Chr. Rippentrops Beschreibung der Stadt Braunschweig. 1789. des Täufers, auf der südlichen dagegen das des h. Blasins und des Thomas Becket dargestellt. Gegenwärtig ist man mit der Restauration des südlichen Krenzslügels beschäftigt, dessen Gemälde sich durch größeren künstlerischen Werth vor den übrigen auszeichnen sollen ^). Unter dem hohen Ehor, in der ehmaligen Era-Kluft befindet sich das herzogliche Erbbegräbniß. Die alte Krypta wurde 1681 durch Herzog Ferdinaud Albrecht I. vou Bevern zu diesem Zwecke hergerichtet: sie birgt die sterblichen Ueberreste von über 50 fürstlichen Personen. Hier ruhet die Schwester Ekberts II, jene Gertrud (st 1117), welche einen römischen Kaiser zum Schwiegersohne hatte. Der uralte steinerne Sarg, welcher ihre Gebeine enthält, befand sich früher in der Peters- und Pauls- kapelle, ward aber, als diese abgebrochen wurde, in den Dom gebracht. Fast nicht minder alt ist der Sarg, in welchem der Leichnam ihres Bruders Ekbert ruhet und welcher bei der Abbre- chung des Cyriaksstiftes von dort in die Bnrgkirche versetzt wurde. Unter den späteren Fürsten und Prinzen, welche hier begraben liegen, sind viele, welche vor dem Feinde den Heldentod gefunden haben, so die beiden Söhne Ferdinand Albrechts I., August Ferdinand (st 1704 in der Schlacht am Schellenberge) und Heinrich Ferdinand (st 1706 bei der Belagerung von Turin); auch zwei Söhne Ferdinand Albrechts II, Prinz Albrecht (st 1745 in der Schlacht bei Sorr bei der Vertheidigung eines vou seinem Bruder Ferdinand mit dem Bayonnet angegriffenen Hügels) und Friedrich Franz (st 1758 in der Schlacht bei Hochkirch) sind hier beigesetzt. Ihr Bruder Ferdinand (st 1792), der Held des siebenjährigen Krieges, sowie die gegen Napoleon gebliebenen Herzoge Carl Wilhelm Ferdinand und Friedrich Wilhelm haben hier gleichfalls ihre irdische Ruhestätte gefunden. Endlich erwähnen wir noch den Prinzen Leopold, Sohn des Herzogs Karl I., welcher i. I. 1785 in den Wellen der Oder seinen Tod fand und die unglückliche Karoline, Gemahlin des Prinz- Regenten von England, welche durch den berüchtigten vor dem englischen Parlamente geführten Scheidungsproceß eine traurige Berühmtheit erlangt hat. Die Orgel der Kirche, von Heinrich Kranz i. I. 1499 erbaut, ist später öfters renovirt und verbessert worden und gehört noch immer zu den besten Deutschlands. Auch das Geläute des Domes ist ausgezeichnet. Unter den 11 Glocken sind die merkwürdigsten die größeste, LIusnm nmjor, welche 99 Centner schwer und 6 Fuß 9 Zoll im Durchmesser hat, und die kleinste, der LIsmus miniimm, deren hohes Alter durch die Inschrift „8t. Llusi memcmw noslri" und das ans ihr befindliche Wappen Heinrichs des Löwen bekundet wird. Der Raum erlaubt uns nicht, weitläufiger auf diese merkwürdigen Neste altdeutscher Malerei einzugehen; wer eine genaue Beschreibung und gründliche Beurtheilung derselben zu lesen wünscht, findet diese in: C. Schiller, die mittelalterliche Archi- tectur Braunschweigs und seiner nächsten Umgebungen. 1852. An dem Portale des nördlichen Krenzflügels bemerkt man Vertiefungen in dem einen der steinernen Thürpfosten, welche wahrscheinlich davon herrühren, daß die Steinmetze hier früher ihre Instrumente schärften. Die Volkssage jedoch weiß diese Nisse und Furchen poetischer zu erklären. Als Heinrich der Löwe gestorben war, so erzählt sie, folgte der treue Löwe, dein er auf seiner Pilgerfahrt einst das Leben gerettet und der ihn von der Zeit nicht mehr verlassen hatte, trauernd dem Leichenbegängnisse seines todten Herrn. Da man ihm den Eintritt in die Kirche versagte, so blieb er draußen vor der Thüre liegen, und als ihm diese trotz seines Heulens und Kratzens nicht geöffnet wurde, legte er sich nieder und starb. Die Spuren seiner Klauen sind aber bis ans den heutigen Tag noch in jenen Vertiefungen erkennbar. Diese Legende führt uns von dem Dome zu dem auf der Nordseite desselben in der Mitte des Bnrgplatzes ausgestellten metallenen Löwen. Daß Heinrich der Löwe denselben hat errichten lassen, unterliegt keinem Zweifel und zwar geschah dieses nach dem Zeugnisse Alberts von Stade i. I. 1166. Welchen Zweck aber der Herzog dabei vor Augen hatte und welche Bedeutung diesem merkwürdigen Denkmale beizulegen sei, darüber gehen die Ansichten weit auseinander. Der gewöhnlichen Erzählung zu Folge, welche sich zuerst bei eben jenem mittelalterlichen Geschichtsschreiber findet, sollte dieser Löwe den Feinden des übermächtigen Herzogs ein Zeichen sein, daß Heinrich seinen Beinamen nicht umsonst führe und daß er sich gegen ihre Angriffe werde zu vertheidigen wissen. Hiergegen läßt sich nun freilich anführen, daß der Löwe, wenn er auch nach Osten blickt, wo des Herzogs mächtigste Feinde, namentlich Albrecht der Bär, wohnten, doch keineswegs eine drohende Haltung hat. Nach der Meinung Anderer hätte Heinrich dieses Kunstwerk mit ans dein Oriente gebracht, entweder als Beutestück oder als Geschenk des byzantinischen Kaisers, der ihn bekanntlich sehr zuvorkommend aufnahm. Allein dieser Annahme steht entgegen, daß nach dem Urtheile von Kennern dasselbe nicht, wie man lange glaubte, byzantinischer Arbeit, sondern höchstwahrscheinlich in Niedersachsen, möglicherweise in Braunschweig selbst gegossen worden ist, so daß wir darin ein werthvolles Zeugniß niedersächsischen Kunstfleißes ans jenen fernen Zeiten besitzen. Auch streitet dagegen die bestimmte Angabe Alberts von Stade, daß die Standsäule schon i. I. 1166, also vor Heinrichs Pilgerfahrt errichtet worden sei. Das Volk, welches dieselbe mit der oben erwähnten Legende in Verbindung bringt, läßt sich seinen Glauben nicht nehmen, daß damit dem treuen Löwen des Herzogs ein Denkmal habe errichtet werden sollen. Am Meisten hat die Meinung eines neueren Forschers H für sich, daß dieser Lauenstein, wie ihn der Chronist '-b) C. Schiller a, a. O. >i- 8. Botho nennt, für Braunschweig und namentlich die Burg dieselbe Bedeutung hatte und haben sollte, wie für andere Städte die bekannten Rolandssäulen, welche den Königsbann oder überhaupt die oberste Gerichtsbarkeit in den Städten bezeichneten. Dieses ist um so wahrscheinlicher, als ja Heinrich der Löwe dadurch, daß er den bisher offenen Ort mit Mauern umzog, der eigentliche Begründer der Stadt geworden ist. Welche Bedeutung jedoch der Löwe ursprünglich auch gehabt haben mag, der Bürger von Braunschweig sieht ihn seit lange als ein Erinnerungszeichen der großen Vergangenheit seiner Vaterstadt an und hängt an diesem Standbilde mit jener Liebe, die wir nur Gegenständen zu widmen Pflegen, welche mit uns von Jugend ans verwachsen sind. Als es daher während der westfälischen Zeit verlautete, daß die fremde Regierung beabsichtige dasselbe einznschmelzen, entstand eine solche Gährnng unter dem Volke, daß man den Plan fallen ließ. Der aus Bronze gegossene Löwe.hat eine gestreckte Stellung, niederhangenden Schweif und aufgesperrten Rachen. Seine Brust war bis vor Kurzem großenteils durch eine Tafel verdeckt, auf welcher man die Worte las: Ueneieus Uno Uni ^rnlin ünx Unvaimo et Laxonüio ml semMei-imm e! oi'jnmi« et nominis sni meine- rimn Lrnlmviei in avile nmjerum suernm jmlntie nnne ad in- earnate . p. Diese Tafel ist jetzt fortgenommen und befindet sich ans dem herzoglichen Museum. Früher rnhete der Löwe mit seinen Vorder- und Hinterfüßen ans zwei Säulen; auch war er vergoldet, wovon sich noch jetzt schwache Spuren zeigen. Im Jahre 1616 ließ Friedrich Ulrich auf seine Kosten einen neuen Pyramidalischen Unterbau Herrichten, wie die beigefügte lateinische Inschrift besagt, zum Gedächtniß der von ihm unternommenen Belagerung der Stadt und der nach geschehener Huldigung von Seiten der letzteren wiederhergestellten Eintracht. Später ist dieser Unterbau einige Male erneuert und verändert worden, zum letzten Male i. I. 1841. Es wird erzählt, daß es in früherer Zeit eine gewöhnliche Belustigung der Fürsten gewesen sei, von dem Altane der Burg ans kleine Münzen in den Rachen des Löwen zu werfen; was vorbeifiel, gehörte dein armen Volke, welches unten harrete. Der Löwe stand nämlich mit seinem Haupte gerade der alten Burg Dankwarderode, der jetzigen Bnrgkaserne gegenüber. Welche Bedeutung diese Burg der Brnnonen für die Entstehung der Stadt gehabt hat, ist oben in der Geschichte derselben angedeutet worden, sowie daß der ursprüngliche Bau i. I. 1091 ein Raub der Flammen wurde. Nach diesem Brande baueten die Bürger dieselbe zwar wieder auf, allein Heinrich der Löwe ließ nach seiner Rückkehr ans dem gelobten Lande einen ganz neuen herrlichen Ban entstehen. Er bauete, wie Botho sagt, „den Pallas nnde dat MoyshnS", d. h. die Pfalz und das Gemüse- oder Küchengebäude. Der Name des letzteren ging später auf die eigentliche Burg über, so daß diese seit dem 14. Jahrhundert häufig auch „das Mosthaus" genannt wurde. Von diesem Baue Heinrichs des Löwen sind nur noch spärliche Reste in einer Mauer vorhanden, welche sich durch das Innere des jetzigen Gebäudes zieht und welche namentlich in einem dieselbe durchbrechenden Portale den reinen romanischen Stil der Zeit Heinrichs des Löwen zeigt. Das Uebrige sank in Asche durch eine Fenersbrunst, welche am 21. Januar des Jahres 1251 bei der Vermählungsfeier des römischen Königs Wilhelm von Holland mit Elisabeth, der Tochter Ottos des Kindes, durch Unvorsichtigkeit in der Burg ausbrach. Vier Jahre später (1254) muß jedoch schon wieder ein neues Gebäude an der Stelle gestanden haben; denn am 18. Juli fand in der Burg die Vermählung Herzogs Albrecht des Langen mit Elisabeth von Brabant statt. In Folge der Abwesenheit der späteren Herzoge von Brannschweig ward das Gebäude indeß vernach- läßigt und verfiel, litt auch durch eine abermalige Fenersbrunst. Wir haben oben gesehen, woran der Plan Herzogs Julius scheiterte, diese Burg seiner Väter, die er bei einem Besuche der Stadt als einen Trümmerhaufen vorfand, wiederherzustellen. Erst Friedrich Ulrich begann i. I. 1816 einen Neuban im Renaissancestil, welcher i. I. 1640 durch Herzog August den Jüngeren vollendet wurde. Die letzte Veränderung hat das Gebäude selbst durch Karl I. erfahren, welcher i. I. 1763 die Fronte desselben, wie die Südseite im moderngriechischen Stile ausbanete. Die Arkaden sind ihm erst in diesem Jahrhundert angeflickt worden. Seitdem die Herzoge den grauen Hof erstanden hatten, pflegten sie auch bei ihren Besuchen in Brannschweig nicht mehr in der Burg abzusteigen, dagegen beherbergte sie i. I. 1643 den großen Kurfürsten von Brandenburg und diente im 18. Jahrhundert längere Zeit zur Aufbewahrung der Schätze des nengegründeten Museums. In den letzten Jahrzehnten desselben war sie von dem berühmten Herzoge Ferdinand bewohnt und i. I. 1808 ward das Gebäude zu einer Infanterie-Kaserne eingerichtet, welchem Zwecke es noch gegenwärtig dient. Von dem Burgplatze und seinen Monumenten alter Kunst wenden wir uns zu einem anderen Platze, unstreitig dem schönsten der ganzen Stadt, dem A l t st a d t - M a r k t e. Die beiden Gebäude, welche ihn zu diesem machen, sind die Martinikirche, welche mit ihrem Chöre an denselben stößt, und das Altstadt-Rathhans, welches die nordwestliche Ecke desselben einnimmt. Auch der in der Mitte desselben stehende alte Brunnen verdient eine genauere Beschreibung. Die Martinikirche verdankt wahrscheinlich ihre Entstehung gleichfalls Heinrich dem Löwen. Denn wenn auch Reht- meher'-b) meint, daß sie von den Patriziern sei erbauet worden, so geht doch aus einer Urkunde Ottos IV. vom I. 1204 hervor, daß die Herzoge mindestens einen großen Antheil an ihrem Bau gehabt haben, da sie anfänglich das Patronatsrecht über dieselbe ausübten. Dieses Recht tritt Otto in der erwähnten Urkunde an die Stadt ab und er nennt darin das Gotteshaus „unsere Kirche des h. Martin, welche die Markttirche (ocelosiu l'nroiüäch heißt." Zudem sind die ältesten Theile derselben, d. h. die Thürme und das Mittelschiff ganz in dem romanischen Stile der Zeit Heinrichs des Löwen erbanet, während die beiden Seitenschisse den Charakter einer späteren Zeit tragen, wo schon der gothische Spitzbogen den byzantinischen Rundbogen verdrängt hatte. Auch das knppelsörmige, mir Kupfer gedeckte Glockenhaus ist erst später zwischen die beiden Thürme gesetzt worden. Diese, die einzigen ganz romanischen Thürme der Stadt, laufen in zwei langen mit Blei gedeckten Spitzen ans und haben eine Höhe von 230 Fuß. Das Mittelschiff, welches von 12 romanischen Pfeilern getragen wird, ist 128 Fuß lang und trägt ans seinem Dache noch ein drittes Thürmchen, einen sogenannten Dachreiter. Die später hinzugefügten Nebenschiffe haben eine gleiche Höhe wie das Mittelschiff. Das Aeußere der Kirche, besonders die Portale derselben sind reich mit bildlichen Darstellungen und plastischem Schmuck geziert. Das östliche Portal des südlichen Schisses, welches das Priesterthor hieß, enthält die Statuen der Mutter Maria, der h. drei Konige n. a. Das ihm entsprechende Portal der Nordseite, welches man die Brant- thür nannte, zeigt in der Giebelwand die Bildsäulen des Bräutigams und der ihn umgebenden klugen und thörichten Jungfrauen. Ueber der Thüre erblickt man eine schön ausgeführte Gruppe, den Tod der Maria darstellend. Rechts und links vom Sterbelager stehen je sechs Männer, zu den Füßen Joseph und im Hintergründe der Heiland, welcher die Seele der sterbenden Mutter vom Himmel herabschwebenden Engeln übergibt. Es verdient bemerkt zu werden, daß genau dieselbe Gruppe sich in Elfenbein geschnitzt aus dem Deckel eines alten Lectionarinms ^) der wolfenbüttler Bibliothek wiederfindet. Die Kirche war übrigens dem h. Martin und dem h. Lo- renz geweihet und enthält in ihrem Inneren manches Sehenswerthe, darunter die Kanzel, die schönste der Stadt und ein Werk des Bildhauers Georg Nötiger (ch 1623) mit sieben Mar- morreliefs, welche Scenen ans der heiligen Geschichte darstellen. Unterhalb derselben befindet sich die Statue des h. Martin. Dann verdient das Taufbecken Erwähnung, welches aus Messing gegossen und auf sieben Feldern mit Darstellungen aus der Geschichte des Heilands in erhabener Arbeit geschmückt ist. Es ward der Inschrift zu Folge gegossen am 3. Juni des Jahres 5) /XmigintMes eaclesi-islieae inclvwe u-Mis ki'unsviAas oder der berühmten Stadt Braunschweig Kirchenhistorie. I. >). 12V. Beschrieben von Schönemann, hundert Merkwürdigkeiten der herzogt. Bibliothek zu Wolfenbüttel, Nr. ZI. 1441. Der hölzerne mit Marmorreliefs gezierte Deckel desselben ist jedoch ans späterer Zeit, ein Geschenk des Bürgermeisters Jobst Kale vom Jahre 1618. An Grabdenkmälern ist die Kirche sehr reich: das Merkwürdigste von allen ist das des Patriziers Gerhard Pawl. Es ist ein Werk des bekannten Hans Jürgen, welcher i. I. 1530 das Spinnrad erfand und welcher an demselben sein eigenes Bild angebracht hat. An der äußeren Mauer der Kirche befindet sich das Denkmal des tapferen Christoph von Nauchhanpt, FähndrichS im Heere des Herzogs Friedrich Ulrich, welcher i. I. 1615 bei der Belagerung der Stadt einen rühmlichen Tod fand. Er ward von den Bürgern, welche auch in ihrem Feinde den Heldenmnth ehrten, ans dem Martinikirchhofe feierlich bestattet und seine Braut errichtete mit einigen Freunden ihn: das Denkmal, ans welchem er in Lebensgröße und in voller Rüstung dargestellt ist. Kein Grabstein bezeichnet dagegen die Stelle, wo der letzte Graf v. Wnstrow, Oberst und Statthalter von Wolsenbüttel, begraben liegt, welcher bei einem Ausfalle der Bürger während derselben Belagerung erschossen wurde. Er hatte dem Herzoge geschworen, binnen dreier Tage in der Stadt zu sein: nun trug man ihn als Leiche in das Thor. Auf der südwestlichen Seite der Martinikirche schließt sich an diese die St. Annenkapelle an. Sie ward i. I. 1434 von einem Bürger Wasmod von Kemme und seiner Frau, einer geborenen v. Broitzen gestiftet und zeichnet sich durch den Reichthum ihres architektonischen Schmuckes ans. Die äußeren Pfeiler des achteckigen Gebäudes tragen die Standbilder der h. drei Könige und der Mutter Gottes in Tabernakeln. Das Innere der Kapelle, welches besonders reich an Ornamenten ist, enthält neben vielen anderen Figuren daS Bild der h. Anna mit der gekrönten Mutter Gottes auf dem Arme, welche ihrerseits wieder den kleinen Christus im linken Arm und in der Rechten die Weltkugel trägt. Die Fülle der Ornamente, das schöne Stabwerk der Fenster, die fantastischen kleinen Basreliefs an den unteren Theilen der Nischen, die zierlichen Consolen, auf denen die Statuen stehen, machen diese Kapelle zu dem reichsten Baudenkmals gothischen Stiles, welches die Stadt besitzt. Einfacher und reiner ist der Stil, in welchem das herrliche Altstadt-Nathhaus erbanet ist, welches, wie erwähnt, die nordwestliche Ecke des Altstadt-Marktes einnimmt. Kallenöach^) hat nicht angestanden, dasselbe für das beachtenSwertheste Rath- hauö auf deutschem Boden zu erklären. Es wird durch zwei Flügel von je über 60 Fuß Länge gebildet, welche unter einem beinahe rechten Winkel zusammenstoßend gegen den Platz ihre Front, ihre Giebel aber der Martiuikirche und der Breitenstraße zukehren. Den beiden Frontseiten sind je 4 im Spitzbogenstil erbauete Arkaden vorgelegt und aus diesen erheben sich, als Bor- Atlas zur Geschichte der deutsch-mittelalterlichen Baukunst. München 1847. bau des zweiten Stockwerkes, ebenso viele Lauben, welche einen offenen, vor dem Hauptgebäude hinlaufenden Gang bilden. Solche Lauben, auch Louben oder Liewen genannt, liebte man im Mittclalter vorzugsweise an Rathhäusern anzubringen: von der des braunschweiger Altstadt-Rathhauses herab pflegten die Herzoge bis in die neueste Zeit hinein die Huldigung der Stadt entgegenzunehmen. Die Pfeiler, welche diesen Arkadenvorbau schmücken, laufen in zierlich durchbrochene Spitzbogen aus, deren Maßwerk von Rundbogen unterspannt ist. Diese durchsichtigen Hallen mit ihrem steinernen Schmuck von Blättern, Pflanzen, Kronen u. s. w. machen in dem reinen, edlen Stil, in welchem sie gehalten sind, die anmuthigste Wirkung. An den 9 Pfeilern der Bogenlanben befinden sich je zwei Nischen, welche steinerne Bildsäulen von Fürsten enthalten, welche entweder wirkliche oder vermeinte Ahnherrn des welfischen Hauses sind. Am ersten Pfeiler nach der Martinikirche zu steht Kaiser Heinrich 1 mit seiner zweiten Gemahlin Mathilde, am zweiten sein Sohn und Nachfolger Otto der Große mit seiner Gemahlin Adelheid. Dann folgen am dritten und vierten Pfeiler Otto II. mit seiner Gemahlin, der griechischen Theophano und Otto III. mit seiner angeblichen *) Gemahlin Marie Sophie von Arragonien. Am fünften Pfeiler, welcher die Ecke bildet, wo die beiden Flügel des Gebäudes zusammenstoßen, steht die Bildsäule des Kaisers Lothar allein. Weiter kommen an den Pfeilern des von Westen nach Osten laufenden Flügels die Standbilder Kaiser Ottos IV. und seiner Gemahlin Beatrix, Heinrichs des Löwen und seiner Gemahlin Mathilde, des Herzogs Wilhelm Langschwert und seiner Gemahlin Helene von Dänemark und endlich Herzogs Otto des Kindes und seiner Gemahlin Mathilde von Brandenburg. Die sechs Kaiserbilder tragen Scepter und Reichsapfel in den Händen, sowie die Krone auf dem Haupte, die Bilder der Herzoge Heinrich und Wilhelm den Herzogshut, das des Herzogs Otto eiue Klappmütze. Der Stil, welcher in diesen Statuen herrscht, sowie die Tracht namentlich der Frauen, endlich die fast allen gemeinsamen Schellengürtel '^) deuten auf das 15. Jahrhundert als diejenige Zeit hin, in welcher diese Bildsäulen gearbeitet worden sind. Auch wird diese Vermuthung durch die kürzlich wieder aufgefundenen Banrechnnngen bestätigt. In der Giebelsront, welche der Vreitenstraße zugekehrt ist, befindet sich außer den in einer Nische aufgestellten Muttergottesbilde ein zweifeldiges Wappen mit den beiden Leoparden im unteren und dem aufgerichteten Löwen im oberen Felde. — In dem Inneren des Gebäudes ist besonders der große oblonge Saal, die große Dornse genannt, bemerkenswerth. Er diente früher zu den Huldigungen und zu den Versammlungen des 5) In Wahrheit ist Otto I!U nie vcrheirathet gewesen. Die Sitte der Vornehmen, ihre Kleider, Gürtel, Schuhe u. s. w. mit Schellen oder Dnst'ngen (von Duz, Doz, Thus, Dus d. i. Klang) zu besetzen, ward erst im !4. Jahrhundert in Deutschland allgemein. Rathes. Die Decke desselben besteht aus eichenen Balken, welche mit reizender Schnitzarbeit im gothischen Stile verziert sind. An diesen großen Saal schloß sich in dem anderen Flügel die Schotteldornse oder das Schatzzimmer an, in welchem die Steuern erhoben wurden. An dieses Zimmer stieß die Fastelabends- dornse oder der Tanzsaal. Ueber die Entstehnngszeit dieses prachtvollen Nathhanses fehlen die sicheren historischen Zeugnisse. Man hat früher den Bau desselben in die Regiernngszeit Albrechts des Langen gesetzt und den Grund dafür in dein Umstände gefunden, daß jene Statuen mit der von Albrechts Bater, Otto dem Kinde, abschließen^); allein diese Annahme widerlegt sich ans den obigen Andentungen über das Alter dieser Standbilder. Ein neuerer Forscher^) bestreitet sogar, daß dieses anscheinend vollkommen harmonische Gebäude aus einer und derselben Zeitepoche stamme. Seiner Meinung nach, die er durch scharfsinnige künstlerische und historische Beweise unterstützt, folgt die Entstehung der einzelnen Theile in folgender Weise aus einander: Hauptkörper des Flügels von N. nach S. um 1250; Lauben an diesem Flügel und Hauptkörper des Flügels von W. nach O. 1393—1396; südliche Giebelfronte 1447; Laube am Flügel von W. nach O. und sämmtliche Standbilder an beiden Flügeln 1455—1468. An das Gebäude knüpft sich ein gutes Stück der mittelalterlichen Geschichte der Stadt. Nach der Unterwerfung derselben unter die Herzoge ward es seiner alten Bestimmung entzogen, da der neuorganisirte Rath in der Folge seine Sitzungen in dem Nenstadt-Rathhause hielt. Bald darauf wurden bei der von Rudolf August vorgenommenen Reformation der Jahrmärkte die Räume desselben zu Ständen für die Meßfremden eingerichtet. Bei dieser Gelegenheit ward auch die Antorskapelle, welche auf Befehl der Hanse zur Söhnnng des Frevels von 1374 gegründet worden war und welche sich an die Nordseite des Nathhanses anlehnte, abgebrochen (1697) und der dadurch gewonnene Platz zu gleichen Zwecken hergerichtet. Erst die neuere Zeit hat das schöne Gebäude diesem unwürdigen Zwecke entzogen und, da es in Trümmer zu fallen drohete, eine Restanration desselben vorgenommen, welche 1841 begonnen und 1852 vollendet wurde. Der Plan, in demselben eine Landesbibliothek auszustellen, ist jedoch bis jetzt nicht zur Ausführung gekommen und so steht es unbenutzt da mit Ausnahme der unteren Räume, in welchen sich eine noch aus alter Zeit herstammende Weinhandlung befindet. S) Ribbentrop, Beschreibung der Stadt Braunschweig II. 215 und nach ihm Aßmann und Schröder, die Stadt Braunschweig II. 204. ss) C. Schiller a. a. O. Wir verweisen unsere Leser, welche eine genauere Beschreibung und Geschichte des Altstadt-Rathhauses zu lesen^ wünschen, hier wie bei den übrigen mittelalterlichen Bauten Braunschweigs ein für alle Mal auf dieses treffliche Buch. In der Mitte des Altstadt-Marktes steht ein alter Brunnen, welcher mit seiner Pyramidalischen Form vortrefflich zu der gothischen Umgebung des Platzes paßt. Er ist laut Inschrift am Vorabend des Katharinentages, den 25. November 1408 gegossen worden und besteht aus einem säulenartigen Unterbau von Sandstein, welcher ein ans Blei gegossenes Becken trägt. Aus diesem erhebt sich eine metallene Röhre, um welche sich iu abnehmendem Verhältniß des Umfanges noch zwei andere ans Blei gegossene Becken legen. Das Ganze wird von einem zierlich durchbrochenen bleiernen Baldachin gekrönt. Die Ränder aller drei Becken sind mit mannigfaltigem Bildwerk verziert. Das größere untere enthält 20 Bilder, welche durch 4 vorspringende wasserspeieude Löweuköpfe in ebenso viele Abtheilungen zerlegt werden. Es sind theils Propheten und Heilige mit Spruchbändern in den Händen, deren Schrift indeß verloschen ist, theils Könige des alten Testamentes und die durch Krone und Rad kenntliche h. Katharina. Die den oberen Rand dieses Beckens umgebende Inschrift enthält außer der Angabe des Stiftuugstages gereimte alttestameutliche Stelleu in plattdeutscher Sprache ^'), welche fast alle eine Beziehung auf das Element des Wassers haben. Das mittlere Becken zeigt auf seinem Rande 20 durch Inschriften erklärte Wappenschilder, welche gleichfalls durch 4 wasserspeieude Löwenköpfe unterbrochen werden. Voran steht der Doppeladler des römischen Reiches mit der Ueberschrist romiiko, dann folgen die Wappen der sieben Kurfürsten, wobei es ausfallend ist, daß die Ueberschrist über dem pfälzischen Wappen betörn lautet ^). Auch die Wappen der Herzogtümer Braunschweig (inlaut) und Lüneburg, sowie das der Stadt Braunschweig (I>runs>vik) finden sich darunter. Hierauf kommen die Namen und singirten Wappen von Helden und Königen des Heiden- und Indenthums, sowie des christlichen Mittelalters: Hektors (eelor), des Julius Cäsar Julius), Karls des Großen (kui'ulus), des Königs Artus (r. urlus) u. a. Der letzte Name ist der Gottfrieds v. Bouillon (^ockeviml) des Eroberers des s) Eine genaue Beschreibung dieses Brunnens findet sich in: Sack, Alterthümer der Stadt und des Landes Braunschweig, sowie in dem schon angeführten Buche von Aßmann und Schröder II. 206. Es ist jedoch ein Irrthum, wenn hier gesagt wird, daß es zur Zeit der Errichtung desselben noch keine deutsche Bibelübersetzung gegeben, sondern nur die Vulgata Geltung gehabt ^ habe. Auch Schiller a. a. O. hat dieses nachgeschrieben. Das Mittelalter hatte wohl, wenn nicht wörtliche Uebcrsctzungen, so doch freiere Bearbeitungen der Bibel in den Vulgarsprachen. Schönemann (Merkwürdigkeiten der wolfenbüttler Bibliothek) beschreibt die Handschrist einer solchen deutschen Bibel aus dem 15. Jahrhundert. Noch bekannter ist die bibl« lliswiise des (luj 'iii 't «ws iNouliiis, von welcher sich eine Handschrift des 14. und 15. Jahrhunderts ebenda beschrieben findet. Solche freie Bearbeitungen der h. Schrift waren gerade für das Volk bestimmt, ss) Die blau und weißen Wecken finden sich freilich im baierischen Wappen sowohl, wie im pfälzischen, wie denn Pfalz und Baiern von verschiedenen Zweigen derselben Familie beherrscht wurde. heiligen Grabes: sein Wappen drei Glocken. Das oberste kleinste Becken endlich enthält keine Inschrift, ist aber von einem zierlichen Friese von Blättern nmwunden. Die Bilder der 4 Evangelisten, welche dasselbe zieren, sind bei der neuesten Restanration des Brunnens i. I. 1847 ergänzt worden. Vier monstrnöse Eidechsen, welche an der Mittelröhre hinanfkriechen, speien das Wasser in dieses oberste Becken. Das Bild der Mutter Gottes, welches früher unter dem Baldachine gestanden haben soll, fehlt jetzt, soll aber in nächster Zeit ersetzt werden. Ans dem Dache des Brunnens steht die Fahne mit dem Stadtlöwen. Wenden wir uns jetzt zu den übrigen merkwürdigen Kir- chenbanten der Stadt, so verdient zuerst Erwähnung die Kathannenkirchc. Auch diese Kirche, ehemals die Hanptkirche des Hagen, stammt in ihrer jetzigen Gestalt ans verschiedenen Zeitepochen und sie hat für den Freund der Knust das besondere Interesse, daß er an ihr die Entwickelung fast der gesammten mittelalterlichen Kirchen-Architektur im Kleinen stndiren kann. Sie ward von Heinrich dein Löwen i. I. 1173 gegründet. Von diesem ursprünglichen, im romanischen Stile ausgeführten Baue hat sich noch die untere Thurmanlage mit ihrem schönen Rundbogen- Portale, sowie das Mittelschiff mit seinen romanischen Pfeilern erhalten. Die mittleren Thurmgeschosse dagegen und das Glo- ckenhaus sind ein Werk des 13. Jahrhunderts; jene init ihren Spitzbogenfenstern und ihrer Mittelrosette gehören der frühgothischen, dieses mit seiner reich durchbrochenen Fronte einer späteren entwickelteren Periode der Gothik an. Auch ein Theil der Seitenschiffe ist noch im 13. Jahrhundert gebant, der dem hohen Chöre znnächstliegende Theil jedoch und der h. Chor selbst sind 1450 durch die Patrizierfamilie von Koghel entstanden. Dem 14. Jahrhundert endlich gehören die oberen Thurmgeschosse an: der südliche 243 Fuß hohe Thurm ward 1379 vollendet. Er ist mit einer langen achtseitigen Helmspitze geziert, die mehrmals durch Feuer geschädigt ja zerstört, aber stets wieder hergestellt wordeu ist. Der nördliche kleinere Thurm weicht in Form und Construction wesentlich von ihm ab: er trägt eine Laterne, welche oben erst in ein Helmdach verläuft. Die im griechischen Zopfstile ausgeführten Vorbaue, welche seit 1794 die Thüren der Kirche verunstalteten, hat der bessere Geschmack unserer Zeit wieder entfernt: sie sind i. I. 1843 abgebrochen worden. Die Länge der ganzen Kirche beträgt 338 Fuß. Die drei Fenster des hohen Chores enthalten Glasgemälde aus dem 16. Jahrhundert (1553), welche Moses mit der ehernen Schlange, die Opferung Jsaaks und die Kreuzigung Christi darstellen. An Grabmälern besitzt die Kirche einige merkwürdige, darunter das der Armgart v. Bortfeld, welche der Sage nach i. I. 1585 plötzlich vor dem Altare der Kirche starb, als sie eben im Braunschwelg. Begriff war, ihrem Verlobten ihre Hand zn reichen. Auch die Grabmäler zweier Herrn von Mahrenholz sind bemerkenswerth. Das größeste und schönste Grabmal der Kirche ist jedoch das jenes Jürgen von der Schulenbnrg (ff 1619), welcher i. I. 1605 die Stadt durch seine Entschlossenheit rettete. Neben ihm liegt seine Gemahlin Lueie v. Veltheim (ff 1620). Ihr gemeinsames Grabmal ist von Marmor und Alabaster und reich mit Bildhauerarbeit verziert, welche die Geburt und Auferstehung des Heilands darstellt. Ans der rechten Seite desselben kniet Jürgen von der Schulenburg in Lebensgröße und voller Rüstung, linker Hand seine Gemahlin. Die oberste Spitze des Denkmals bildet ein mit eingelegter Lanze dahin sprengender Reiter. Von den Glocken ist die älteste aus dem Jahre 1498; eine andere trägt folgende Inschrift: I n e ^IncRe «Anboten imen l5!3. Unter dem kleinen Thurme befindet sich das sogenannte Moselsche Gewölbe, aus welchem der berüchtigte Dieb Nickel List, genannt von der Mosel, die früher darin aufbewahrten Kostbarkeiten mittelst Einbruchs entwandte. Noch ist zu erwähnen, daß in der Kirche zwei Kugeln eingemauert sind: die eine am Pfeiler der Kanzel mit der Jahreszahl 1615 wurde bei der Belagerung der Stadt durch Friedrich Ulrich in die Kirche geschossen, als gerade der Prediger den Gottesdienst hielt; die andere, im südlichen Schiffe der Kirche eingemauert, flog i. I. 1621 in dieselbe. Die St. Attdrcaskirchc. Die Audreaskirche liegt an der sogenannten Kröppelstraße und dem Wollmarkte und man begann den Bau derselben i. I. 1200, vermuthlich weil der damals durch das Privilegium Ottos IV. sich hebende Handel der Stadt Kaufleute in solcher Menge hier zusammenführte, daß die schon früher an der Stelle vorhandene Kapelle für dieselben nicht mehr ausreichte. Die Kirche ward den h. Andreas und Vitus geweihet und das Schicht- bnch nennt als ihre Gründer Kaufleute, welche sehr reich aber Krüppel gewesen seien ^). Diese sollen nicht blos die Kirche gegründet, sondern auch der benachbarten Kröppelstraße den Namen gegeben haben und ihr Andenken hat sich noch an einein Giebel des südlichen Kirchenschiffes erhalten, welches die Bilder von vier verkrüppelten Leuten zu den Füßen des Erlösers zeigt. Die im I. 1200 begonnene Kirche, welche nach dem großartigsten Plane angelegt war, deren Bau aber häufig aus Mangel an Geldmitteln unterbrochen werden mußte, ward erst im 16. Jahrhundert vollendet, allein auch nicht dem ursprüng- ,,kt»s>Iuvel(!ie Ki'vjZpel ^evviiesei!, «weil tilse >Ie lis» steUen »ise Risse Rite vlt, iincie ^viu'eu tnn >>iei' kiopensekttz» rike Uwe." c!ei 8tüii tUunsw^U, Her- ausgegeb. v. C. F. A. Schcller. Braunschw !829, 255. IV. liehen Plane gemäß. Nach diesem, von dem sich noch eine merkwürdige Zeichnung in der Kirche befindet, sollte das Mauerwerk der beiden Thürme die Höhe von 300 Fuß erreichen und die Spitzen derselben 200 Fuß hoch werden, so daß die ganze Höhe der Thürme 500 Fuß betragen haben würde. Allein die anfangs reichlich fließenden milden Beiträge zum Bau der Kirche genügten bald nicht mehr und so kam es, daß man nur die Grundmauern der Thürme und die Kirche vollendete. Dann ruhete der Bau > bis 1360. Dieser erste ursprüngliche Bau trägt daher den Charakter der Uebergaugszeit aus dem romanischen in den gothischen Stil. Das Thurmportal und die darüber befindliche einfache Rosette tragen diesen Charakter ganz entschieden, namentlich jenes in dem freilich noch flachen, aber schon ganz bestimmt hervortretenden Spitzbogen. Auch an den ursprünglichen zehn Pfeilern des Mittelschiffes bemerkt man, wenn sie im Ganzen auch noch romanisch sind, doch schon Spuren der beginnenden Gothik. Im Jahre 1360 nahm man den unterbrochenen Ban wieder auf und führte beide Thürme bis zu der Höhe des Glockenhauses hinauf. Dieser Bau gehört der besten Zeit der Gothik an. Die Thürme sind nach allen Seiten von Spitzbogenfenstern durchbrochen, welche dem Ganzen ein lnftiges, leichtes Aussehen geben. Besonders schön und von reicher Ornamentik ist jedoch das zierlich durchbrochene Glockenhaus zwischen beiden Thürmen mit seiner herrlichen Rosette über den Spitzbogenfenstern des Unterbaues. Auch die Erweiterung der Seiteuschiffe fällt wahrscheinlich in diese Periode des Baues. Sie sind von gleicher Höhe wie das Mittelschiff, aber um zwei Schuh breiter. Die Giebelfelder derselben sind mit Bildwerken verziert, von denen einige wahrscheinlich erst dem Ende des 15. Jahrhunderts angehören, darunter die Verkündigung Mariä, die Flucht nach Aegyp- ten, der Kindermord von Bethlehem und die Krüppel zu Füßen des Heilandes. Der Ban der Thürme wurde erst i. I. 1518 wieder begonnen und diese schwierige Aufgabe in die Hände des Bernward Tafelmaker gelegt, welcher sich durch seine kunstvollen Wasserbauten nicht nur um Braunschweig, sondern auch um andere Städte verdient gemacht hat. Er setzte den Bau, soweit es ihm der Geschmack der Zeit gestattete, in dem Sinne des Vorhandenen fort. So entstand das fünfte und sechste Geschoß des südlichen Thurmes; allein die Reformation oder, wie Tafelmaker selbst in feinem Berichte^) sich ausdrückt, der Doktor Luther mit feiner Lehre von der Unverdienstlichkeit der guten Werke unterbrachen abermals den Bau. So blieb der nördliche Thurm unvollendet und erhielt erst später (1581) sein jetziges interimistisches Helmdach von Kupfer. Der südliche Thurm dagegen, dessen Mauerwerk eine Höhe von 246 Fuß erreicht 5) Aufgefunden i. I. 1835 bei Abnahme des Thurmknopfes und abgedruckt in: v. Vechelde, braunschweigische Geschichten I. 299—316. hatte, ward in den Jahren 1542—1544 mit einem 180 Fuß hohen, kupfergedeckten Spießdache versehen, vorzüglich mit durch die Freigebigkeit der schmalkaldischen Fürsten, welche aus den Forsten des vertriebenen Herzogs Heinrich des Jüngeren das nöthige Holz dazu verwilligten. Das Dach ward grün angestrichen und der nunmehr 426 Fuß hohe Thurm war damals nach dem wiener Stephansthurm und dem des straßburger Münsters der höchste Thurm in Deutschland. Als Heinrich der Jüngere bald darauf (1550) die Stadt belagerte, war ihn: diese hohe, im Sonuenlicht snnkelnde Thurmspitze, welche seine Todfeinde gleichsam ihm zum Trotze in seiner Stadt und aus dem Holze seiner Wälder errichtet hatten, ein besonderer Dorn im Auge. Er soll demjenigen seiner Schützen eine hohe Belohnung versprochen haben, welchem es gelingen würde, „dieses grüne Feuer zu löschen;" allein der Thurm widerstand allen auf ihn gerichteten Schüssen. Was die menschliche Zerstörnngskunst nicht vermocht hatte, das vollbrachte bald daranf (10. Jannar 1551) die Gewalt der empörten Natur. Am Nachmittage zwischen 12 und 1 Uhr warf ein heftiger Sturmwind die Spitze des Thurmes herab, so daß ein Theil des Kirchengewölbes zerschmettert wurde. Von diesem Unglücksfalle zeugt noch eine lateinische Inschrift im Inneren der Kirche ^). Darauf stellte Bernward Tafelmaker i. I. 1559 eine neue dauerhaftere Spitze her, welche 48 Fuß niedriger als die vorige mit braunangestrichenem Kupfer gedeckt wurde. Doch ein eigener Unstern schien über diesem Thurme zu walten. Am 5. Februar des Jahres 1680, Nachmittags zwischen 2 und 3 Uhr, entzündete der Blitz das Holzwerk desselben, und nachdem dieses ausgebrannt war, stürzte die Spitze herab, indem sie abermals das Dach der Kirche schwer beschädigte. Auch dieser Unfall ist durch ein in der Kirche befindliches Chronostichon verewigt^). Das jetzige, halb kuppel-, halb helmartige Dach hat der Thurm erst i. I. 1740 erhalten, zugleich das Eisengeländer, welches sich um die unter dem Dache befindliche Gallerie zieht. Von hier herab genießt man eine herrliche Aussicht über die Stadt und ihre Umgebung. Knopf und Fahne endlich sind i. I. 1837 dem Thurme aufgesetzt, dessen jetzige Höhe 322 Fuß beträgt. Wie an anderen Kirchen Braunschweigs, so hat sich auch an dieser der Ungeschmack einer späteren Zeit schwer versündigt; die zahlreichen Altäre, welche nach mittelalterlicher Sitte die Kirche schmückten, wurden entfernt, der Hochaltar durch einen geschmacklosen, dem Stile der Kirche widersprechenden Ban ersetzt, die alten Wandmalereien in den Jahren 1722 und 1723 übergeweißt. Auch das Schnitzwerk der Kircheustühle und die mit Skulpturen in Holz gezierte Kanzel sind großentheils vernichtet worden. tMiic-icM Inic tiiiiis kxiIMps» » nodis, tMi'iste likniAns, miNum. NnO >ViI Vi>e sVI.iMne tVixs nvVsM, Besonders hervorzuhebende Merkwürdigkeiten besitzt die Kirche nicht, doch ist noch zu erwähnen, daß während der Belagerung der Stadt durch Heinrich Julius am 16. December 1606 eine 22 Pfund schwere Kugel in die Kirche drang. Auch bei der Belagerung durch Friedrich Ulrich schlug am 11. Oktober 1615 eine Bombe in die Kirche, als der Prediger eben den Gottesdienst geendet hatte. Die Aegidienkirche. Es ist oben bei der Geschichte der Stadt erwähnt worden, daß die Schwiegermutter Kaiser Lothars, Gertrude, dem heil. Autor zu Ehren ein Benediktinerkloster gestiftet habe. Ihr war, erzählt die Sage, der h. Autor im Traume erschienen und hatte ihr befohlen, seine in Trier wenig geehrten Gebeine nach Sachsen zu bringen. Auf dem Köpfeberge, „da man die Malefikauten decolliret" *) und wo eine Kapelle der armen Sünder stand, hielten die Pferde, welche den Leichnam des Heiligen zogen, an und dieser Ort ward deshalb zur Stiftung des Klosters ausersehen und fortan Liebfranenberg genannt. Nachdem man noch die Gebeine des h. Aegidius aus Arles in der Provence herbeigeholt hatte, ward i. I. 1115 am 1. September in Beisein vieler Großen die Einweihung vollzogen und zwar zu Ehren der h. Dreieinigkeit, des h. Kreuzes, der Maria, des Evangelisten Johannes und der h. Autor und Aegidius. Bei der Belagerung Braunschweigs durch Kaiser Philipp von Schwaben ward das Aegidienkloster, welches außerhalb der Stadt lag, geplündert. Dafür vereitelte, wie oben erwähnt worden ist, der h. Autor alle Bemühungen der Belagerer, sich der Stadt zu bemächtigen. Dankbar erwählte ihn diese seitdem zu ihrem Schutzpatrone und feierte fortan seinen Namenstag durch eine jährliche Procession. Auch Pflegte man später bei häufigen Gelegenheiten, wo entweder eine Gefahr von Außen abgewandt oder ein innerer Zwiespalt beigelegt worden war, dem Heiligen Ehren zu erweisen oder ihm kostbare Geschenke zu machen. Eine solche Ehre war die Stiftung der Autorskapelle neben dem Altstadt-Rathhause zur Sühne des Aufstandes von 1374. Zum Andenken der Beilegung jener Streitigkeiten, welche in den Iahreu 1445 und 1446 die Bürger entzweiten, ward dem Schutzheiligen ein silberner Sarg, aus Dankbarkeit für den der Stadt während der Belagerung von 1494 gewährten Schutz ward ihm das Bild der Stadt in Silber verehrt. Im Jahre 1278 ging bei dem großen Brande, welcher damals einen großen Theil Braunschweigs verheerte, auch das Aegidienkloster in Flammen auf. Dem Neubau, welcher bald darauf begonnen und muthmaßlich erst im 15. Jahrhundert vollendet ward, verdankt die jetzige Aegidienkirche ihr Dasein. Im Jahre 1632 beschädigte ein Sturm den Thurm der Kirche und Rehtmeyer a. a. O. das in Folge davon errichtete Nothdach ward i. I. 1814 gänzlich abgebrochen. Statt des 1763 durch den Blitz zerstörten Dachreiters steht jetzt ein kleiner, winziger Glockenstnhl ans dem Dache der Kirche. In Folge der Reformation ward das Kloster aufgehoben, seine Güter großeutheils durch Herzog Julius der Universität zu Helmstedt geschenkt, die Kirche dem protestantischen Gottesdienste übergeben. Als bei der Belagerung von 1615 das Iung- frauenstift zu St. Leonhard, welches vor dem Steinthore gelegen war, zerstört wurde, versetzte mau die Nonnen in das Aegidienkloster, dessen Räume leer standen. In neuerer Zeit (1832) ist das Kloster indeß zu einein Gefängnisse umgewandelt und den Conveutualiunen eine andere Wohnung in der kleinen Burg angewiesen worden. Ein schlimmeres Schicksal noch als das Kloster traf die Kirche. Nachdem sie seit 1717 auch als Garnisouskirche gedient hatte, ward sie 1811 unter der fremdländischen Regierung in ein Heu- und Torsmagazin verwandelt. Glasgemälde, heilige Gefäße, Glocken, ja die metallenen Epitaphien wurden meistbietend vertrödelt, unter den letzteren besonders das Denkmal, welches die gesammelten Gebeine der Aebte deckte. Bon diesen sind die merkwürdigsten der erste Abt des Klosters, Goswin, welcher 1117 von Ilsenburg nach Braunschweig berufen wurde, ferner der gelehrte Heinrich Woltorp, welcher Heinrich den Löwen nach Palästina begleitete und später Bischof von Lübeck wurde, Eberhard, unter welchem jener Brand stattfand und der Neubau begonnen wurde und endlich Heinrich Hucknatel, welcher aus der Kirchenversammlung von Kostnitz eine ziemlich klägliche Rolle spielte. Unserer Zeit und vorzüglich einigen alte Kunst schätzenden und liebenden Männern gebührt der Ruhm, das herrliche Gotteshaus der Entehrung und Entwürdigung entzogen zu haben, in welche der Barbarismus einer für Deutschland schmählichen Zeit dasselbe gestürzt hatte. Das Jahr 1836 sah die in ihrer alten Einfachheit und Würde wiederhergestellte Kirche ihre Thore öffnen, nicht zwar zu gottesdieustlichen Verrichtungen, aber doch zu edleren Zwecken, als wozu man sie bis dahin gemißbraucht hatte. Seit diesem Jahre wird das ehrwürdige Gotteshaus zu den Kunstausstellungen, großen musikalischen Aufführungen und anderen öffentlichen Festen benutzt. Das Innere der Aegidienkirche, von welchem unsere Abbildung eine Ansicht giebt, macht durch den edlen gothischen Stil, in welchem die Kirche erbauet ist und durch die große Einfachheit, in welcher dieselbe jetzt alles Schmuckes beraubt dasteht, einen überraschenden Eindruck. Die gewaltigen und bei ihrer großen Höhe doch schlank erscheinenden Säulen, welche das Mittelschiff tragen, geben dem Ganzen einen außerordentlich erhabenen und majestätischen Charakter. Vorzüglich tritt dieser bei dem h. Chöre hervor, welcher von drei Seitenhallen umschlossen ist und zu welchem aus dem Schiffe der Kirche eine breite Treppe IV von sechs Stufen emporführt. Die Höhe desselben bis zur Dachfirste beträgt 105 Fuß und gewiß wird man im nördlichen Deutschland wenig Kirchen finden, deren Chor sich mit diesem in Hinsicht der Großartigkeit der Verhältnisse messen könnte. Die Brndernkirche. Diese Kirche verdankt ihre Entstehung wie ihren Namen den Franziskanermönchen, welche wahrscheinlich schon zu Kaiser Ottos iV. Zeit nach Braunschweig gekommen sind und dort eine Kapelle errichtet haben. Sie hieß deshalb in früherer Zeit auch wohl: Kirche der Barfüßer Franziskaner oder Minoriten. Die Kapelle, welche dieser Orden ursprünglich zn Braunschweig besaß und welche dicht neben der jetzigen Brüdernkirche gelegen war, mochte sich bei der schnellen Zunahme des Ordens bald als zu klein erweisen, und so begann man einen größeren umfassenderen Bau. Die crsteu Mittel dazu erhielte» die frommeu Mönche von zwei in der Nähe ihres Klosters ansäßigen Brüdern ans dem Patriziergeschlechte derer von Bortfeld. Eingeweihet ward die neue Kirche i. I. 1345 von Bischof Heinrich von Hildesheim, einem geborenen Herzoge von Brannschweig: sie ward vorzugsweise unserer lieben Frau und dem h. Franziskus gewidmet. Doch ward damals nur der hohe Chor und der ihm zunächst liegende Theil der Schiffe vollendet. Dann rnhete wegen Geldmaugels der Bau bis zum Jahre 1375, wo neue Vermächtnisse den Weiterbau ermöglichten. Dennoch ward die Kirche erst i. I. 1451 vollendet und blieb dann bis zur Reformation im Besitze des Ordens. Als i. I. 1528 die Mönche aus der Stadt zogen, indem sie die Reliquien, Kostbarkeiten und das Archiv der Kirche mitnahmen, ward diese anfangs verschlossen, aber schon i. I. 1542 wieder eröffnet und dem protestantischen Gottesdienste überwiesen. Man bestimmte sie nämlich zur Pfarrkirche für die Gemeinde der Ulrichskirche, welche der Rath wegen Baufälligkeit abzubrechen beschloß. Diese auf dem jetzigen Kohlmarkte gelegene, von dem Brnnonen Ludolf i. I. 1030 gestiftete Kirche ward, obgleich Herzog Heinrich der Jüngere heftig dagegen protestirte, wirklich niedergerissen und was sie au heiligen Gefäßen, Glocken u. s. w. besaß der Franziskauerkirche, nunmehr „die Kirche zu den Brüdern" genannt, überwiesen. Daher kommt es, daß die letztere in späterer Zeit auch wohl St. Ulrichskirche genannt wird. Auch führt die Brüdernkirche noch heute das Siegel der Kirche zu St. Ulrici und ihre Prediger bewohnen das am Kohlmarkte gelegene Pfarrhans, welches ursprünglich zur Ulrichskirche gehörte. Der Stil, in welchem die Brüdernkirche erbaut wurde, ist der gothische. Die Länge des Schisses beträgt 128, die Höhe des Mittelgewölbes 72, die Länge des Chores 100 Fuß. Wie die Kirche als das ehemalige Gotteshaus eines Bettelordeus sich durch ihre architektonische Einfachheit im Allgemeinen auszeichnet, so fehlt ihr auch der Schmuck der Thürme: nur ein Dachreiter erhebt sich auf der Mitte des Daches. Dieses, welches als ein hohes Satteldach alle drei Schiffe der Kirche überdeckt, ist gleichfalls schmucklos und ohne die sonst üblichen Giebelsronten. Der schönste Theil der ganzen Kirche ist der h. Chor, welcher trotz der großen Einfachheit, in welcher auch er gehalten ist, einen imponirenden Eindruck macht. Die Höhe der Chorfenster beträgt 45 Fuß. Das Innere wie das Aenßere auch dieser Kirche ist in späterer Zeit vielfach verunstaltet worden, dieses besonders durch das i. I. 1727 dem westlichen Portale vorgebaute Bälgenhaus. Bon den einstigen prächtigen Glasmalereien der Kirche haben ' sich in den zwei östlichen Fenstern des südlichen Seitenschiffs nur die wenig interessanten Wappen einiger Prediger und Lehrer der Martinischnle erhalten. Der kostbare Hochaltar, dessen Hanpt- theil ans einem alten, reich mit Schnitzwerk verzierten Altar- schranke besteht, ward i. I. 1655 durch einen geschmacklosen Aufsatz verunstaltet. Von den drei Flügelthüren, aus welchen jeuer Schrank vorzugsweise besteht, trägt die mittlere oben die Mutter Gottes mit ihrem Sohne, unten den gekreuzigten Heiland, umgeben voll seiner Mutter und seinem Lieblingsjünger Johannes, denen sich zn beiden Seiten Heilige anreihen. Die Seitenflügel enthalten die Bilder von je zehn Heiligen. Der Chor wird von dem Hauptschiffe durch einen hölzernen mit Schnitzwert verzierten Zwischenban, einen sogenannten Lettner, getrennt, welcher i. I. 1593 von einem nürnberger Künstler hergestellt worden ist. An demselben befindet sich eine künstliehe Uhr, bei welcher ein kräftiger Mann die Viertel-, der Tod die vollen Stundeil mit einem nachgebildeten Knochen anschlägt, während ein Genius das Stundenglas umwendet. Von den übrigen Merkwürdigkeiten der Kirche ist zu er- i wähnen das schöne, wahrscheinlich aus der Ulrichskirche stammende Taufbecken. Es ist von gegossenem Messing und mit 16 Figuren geziert, welche Heilige und Apostel vorstellen und in Tabernakeln stehen. Getragen wird es von vier männlichen Figuren, welche Wasserschläuche ausgießen und wahrscheinlich die vier Ströme des Paradieses vorstellen sollen. Ein anderes herrliches Kunstwerk im Besitze der Kirche ist der 85 Loth schwere, zierlich gearbeitete Abendmahlskelch. Die fast unleserlich gewordene Inschrift desselben lautet: Xnnc> UteXCVI H1396) s»h Uerimrtw IXioro Er besteht aus vergoldetem Silber und enthält in erhabener Arbeit Scenen aus dem Leben des Heilandes, welche von sich verschlingenden Zweigen und Ranken eingeschlossen werden. Die Kirche besitzt wenig merkwürdige Epitaphien, dagegen ein paar Inschriften, die erwähnt zu werden verdienen. Die eine bezieht sich auf die Schlacht von Drackeuburg, welche Herzog Erich II. von Kalenberg gegen den schmalkaldischeu Bund verlor. Merkwürdiger ist die, welche sich am äußeren Strebepfeiler der Westseite Angehauen findet und vollständig so lautet: X. IX ll!000XXXXVIII. in äv« bilden lictinnms vvnne äo vorste va krnnvv vunne vor Iiene 8:^ ,Ien striä. a" N0000XXIt i» «le ^ncton tloimorstlaoo >vnne «I«! vorste van 3runs>v äö slritl vor Urono Unter den Gebäuden aus neuester Zeit nimmt' den ersten Rang ein: das herzogliche Ncsidcnzschloß. Der graue Hof, das frühere Nesidenzschloß der Herzoge, wurde bekanntlich bei dem Anfstande, welcher am 7. September des Jahres 1830 in Brannschweig ausbrach, ein Raub der Flammen. Auf dem Platze, der damals ein Bild der graulichsten Zerstörung und Verwirrung darbot, erheben sich jetzt die stolzen Mauern eines Schlosses, welches an Pracht und Größe das alte bescheidene Fürstenhaus bei Weitem übertrifft. Begonnen wurde der Ban desselben im Frühlinge des Jahres 1831 nach dem Entwürfe des Hofballrathes Ottiner, lind wenn auch der Plan dieses genialen Architekten nicht in seinem ganzen Umfange ausgeführt ward, wenn man auch an dem jetzigen Gebäude Manches vermißt, was nach der ursprünglichen Idee des Künstlers nothwendig dazu gehört, so ist doch das brannschweiger Schloß nicht nur eines der großartigsten und prächtigsten, sondern auch der geschmackvollsten und schönsten, die unser weiteres Baterland auszuweisen hat. Das Fundament desselben ruhet, da der Grund in dieser Gegend der Stadt sumpfig und morastig ist, ans mehr als 4000 eingerammten Pfählen. Die Hauptfacade des Gebäudes, welche eine Länge von 400, und, wenn mall die Balustrade mit hinzurechnet, eine Höhe von 80 Fuß hat, sieht nach dem Bohlwege hin: sie hat drei Risalite mit 10 korinthischen Säulen, welche über dem untersten Stockwerke beginnen und sich durch das zweite uud dritte hin- durch bis zum Giebel fortsetzen. Die Rücklagen sind mit Mustern in demselben Stile geziert. An dieser Bordcrfronte des Schlosses vermißt man leider noch immer den plastischen Schmuck, welcher von dem Künstler für dieselbe bestimmt war. Das von den sechs Säulen des Mittelrisalits getragene Giebelfeld entbehrt noch immer der Basreliefs, sowie die beiden zur Seite desselben aufsteigenden Säulen der Statuen, welche sie schmücken sollten. Auch fehlen die Pferdebändiger, welche zu beiden Seiten des Mittelportals zur Zierde der vorderen Fa^ade bestimmt waren. Ueber dem Giebel des Mittelrisalites erhebt sich eine Plattform, welche gleichfalls noch auf die Quadriga wartet, welche, diese luftige Höhe krönend, dem Gebäude nach Oben erst einen würdigen Abschluß verleihen würde. "0 Die drei Schlachten, welche hier erwähnt werden, sind die bekannte Schlacht bei Winsen a, d. Aller i. I. !3v8, die Schlacht bei Beinnm gegen die Herren v. Steinberg und Schwicheldt i. I. 1393 und die Schlackt bei Gronau gegen den Bischof von Hildesheim i. I. 1422. An diese Hanptfa^ade des Schlosses schließen sich zwei zurückspringende, 320 Fuß lange Flügel an, welche in den hinterwärts liegenden Garten hineinreichen. Bon diesen enthält der nördliche, der Wilhelmsstraße zugekehrte Flügel die Wohnung des Herzogs. Er ist mit 18 jonischen Säulen und einen: 120 Fuß langen Balkon geziert, welcher vor den Fenstern des ersten Stockwerkes hinläuft. Die Hinterfa^ade, welche nach Osten hin sieht und aus welcher die beiden Seitenflügel des Gebäudes hervorspringen, wird in der Mitte durch eine überknppelte Rötende unterbrochen, welche dem Mittelrisalite der Borderfavade entspricht. Nach dem ursprünglichen Plane sollten sich an die beiden Ecken-der Hauptfaoade Säulengänge anlehnen, welche in gleicher Höhe mit der Bel-Etage in einem Biertelkreise nach dem Bohlwege hin gehend und einen fortlaufenden Balkon tra gend den schönen Platz vor dem Schlosse kreisförmig einzufassen bestimmt waren; allein der Ban dieser Colonnaden ist unterblieben. Tritt man durch das Hanptportal, welches unter dem Mittelrisalite liegt, in das Innere des Gebäudes, so gelangt man zu der großen Borhalle des Schlosses, welche geradeaus zu den: von den Seitenflügeln und von Säulengängen umgebenen Schloßhofe führt. Aus dieser Vorhalle steigt man auf der Haupttreppe zu der von Oben erleuchteten, 60 Fuß hohen Rotonde hinauf, aus welcher man unmittelbar in den großen Saal tritt. Dieser hat eine Breite von 48, eine Länge von 73 und, da er durch die beiden oberen Etagen hindurchgeht, eine Höhe von 28 Fuß: an ihn schließen sich nach Norden die Wohnzimmer, nach Süden zu die übrigen Festsäle. Die Zimmer zwischen den: großen Saale und den: nördlichen Eckrisalit sind für die künftige Herzogin bestimmt, während der Herzog, wie schon erwähnt, den nördlichen Flügel des Schlosses bewohnt. In den: nördlichen Eckrisalite befindet sich der Speisesaal des Herzogs, bestehend aus einer 40 Fuß in: Durchmesser haltenden Rotonde, deren Wände und Decke reich mit massivem, geschnitztem Mahagoniholz getäfelt sind. Unter den übrigen Zimmern des Herzoges sind das in Lapis Laznli gehaltene Musikzimmer und die aus Lärchenholz constrnirte Bibliothek hervorzuheben. Den Rann: zwischen den: großen Saale und den: südlichen Eckrisalite, sowie den südlichen Flügel nehmen die Festzimmer ein. Dort liegen der 40 Fuß in's Geviert messende Thronsaal und der 130 Fuß lange und 38 Fuß breite große Speisesaal, hier der kleinere Speisesaal und das Schloßtheater mit den: Vorsaale und den dazu gehörigen Garderobezimmern. Das Uex-tIo-0Imn«6oe der Bordcrfronte enthält die Wache, sowie mehrere Zimmer für Hofoffizianten und für die Dienerschaft, das des nördlichen Flügels außer anderen Räumen vorzüglich eine prächtige, 120 Fuß lange Gallerie, welche bei festlichen Gelegenheiten den Eingang zur Wohnung des Herzogs bildet und in heißen Sommertagen auch wohl als Speisesaal benutzt wird. Im östlichen Giebel des südlichen Flügels ist die gothische Schloßkapelle gelegen, welche vom Souterrain bis zur Bel-Etage hinaufreicht. Von den Räumen des oberen Stockwerkes werden die des ganzen südlichen Theiles wenig und nur als Nutzranm benutzt, dagegen enthalten die des nördlichen Theils außer verschiedenen Gesellschaftszimmern die Wohnung des Hofmarschalls und anderer Hofbeamten und sind zum großen Theil auch zur Aufnahme fürstlicher Gäste und deren Dienerschaft eingerichtet. Im Souterrain, welches sich durch die künstliche Bauart seiner Gewölbe auszeichnet, befindet sich die in englischer Weise gebauete Küche mit den dazu gehörigen Oekonomieräumen, sowie die Weinkeller und die Kellermeisterei. Der Eiscntmhnhof. Auch dieses herrliche Gebäude ist nach einem Plane Ott- mers ausgeführt worden, freilich erst nach dem Tode des trefflichen Mannes. Es liegt zwischen dem Wilhelmi- und Augnst- thore und besteht ans dem Kerne und der großen Halle. Die Länge des ganzen Gebäudes, mit Einschluß dieser Halle, beträgt 430 Fuß. Die Hauptfronte des Kernes ist der Promenade zugekehrt: sie zeichnet sich durch Einfachheit aus und wirkt auf den Beschauer mehr durch ihre großen und edlen Verhältnisse, als durch äußeren Schmuck. Dieser ist fast uur an dein Mittelrisalite angebracht und besteht namentlich in den vier Mastern, welche hier der Fa^ade vorgelegt sind und das mittlere Hauptportal von den beiden niedrigeren Nebenportalen scheiden. Durch diese Portale gelangt man in die hohe, luftige Vorhalle, an welche sich nach Rechts und Links die beiden Flügel des Kernes anschließen. Von diesen enthält der östliche unten die Zimmer der Restauration, in dem westlichen befinden sich die Räume der Eisenbahn- und Postdirektion, während das obere Stockwerk größtenteils dem höheren Bahnhofspersonale zur Dienstwohnung angewiesen ist. An die Rückseite des Kernes schließt sich, in einem rechten Winkel auf die Mitte desselben stoßend, die herrliche Ein- und Ausfahrtshalle, welche an Großartigkeit und kühner Construktion schwerlich von irgend einer anderen Eisenbahnhalle Deutschlands übertroffen wird. Vorzüglich bemerkenswerth ist das Dach derselben, welches aus Holz und Gußeisen außerordentlich künstlich constrnirt ist und so sehr den Eindruck der Leichtigkeit macht, daß es fast frei in der Luft zu schweben scheint. Dasselbe ruhet jedoch mit seinen 81 Fuß langen Balken auf 52 Consolen von Gußeisen, deren jede 4 Centner und 10 Pfund wiegt. Von den beiden Seitenwänden der Halle wird die östliche durch fortlaufende Bogenportale gebildet. Diese werden ziemlich in der Mitte durch das an sie sich anlehnende Zollhaus verunstaltet, welches jedoch hoffentlich bei der bevorstehenden Zolleinignng verschwinden wird. Der westlichen Seite ist in ihrer ganzen Länge eine niedere Etage vorgelegt, welche die Wartesäle, die Packkammer, Postexpcdition u. s. w. enthält. In der Mitte derselben tritt eine tempelartige Rotunde hervor, welche zum Eingange von dieser Seite her dient und ans korinthischen Säulen ruhet. Am südlichen Ende der Halle endlich schließen sich derselben zwei Kreuzflügel an, welche mit dem vorderen Kerne correspondiren und dieselbe Breite wie dieser haben. Die Umgebung des Bahnhofes hat in der jüngsten Zeit durch neu gemachte Anlagen sowie durch Aufführung von Filialgebäuden, z. B. des neuen Güterschuppen, wesentlich gewonnen. Vorzüglich ist in dieser Hinsicht der große freie Platz zu erwähnen, welcher jetzt die Westseite des Gebäudes begrenzt und über welchen eine herrliche, breite Ausfahrt zu der auf dieser Seite gelegenen Rotunde führt. Möge uns der freundliche Leser schließlich noch auf einer kurzen Wanderung durch die nächste Umgebung Braunschweigs folgen, welche, wenn sie auch keineswegs große Naturschönheiten darbietet, doch des Anmuthigen und Interessanten nicht gänzlich entbehrt. Es ist schon oben erwähnt worden, daß sich rings um die Stadt Promenaden ziehen, in welche man die alten, unnützgewordenen Festungswerke derselben verwandelt hat. Das Verdienst, den Gedanken dieser Umwandlung gefaßt zu haben, gebührt dem unvergeßlichen Herzoge Karl Wilhelm Ferdinand, der Ruhm seiner Ausführung im Einzelnen dem verstorbenen Oberbaurathe Krähe. Mit der Abtragung der Festungswerke begann man schon im Jahre 1797, aber erst i. I. 1831 konnte man die Anlagen, welche an ihre Stelle zu treten bestimmt waren, im Wesentlichen als vollendet ansehen. Die neueste Zeit hat auch hier noch Manches ergänzt und hinzugefügt. Diese Promenaden bestehen in ihrer jetzigen Gestalt größtentheils aus herrlichen Banmgängen, in deren Mitte ein trefflicher Fahrweg hinläuft, erweitern sich aber an manchen Stellen zu ausgedehnten Parkanlagen mit den schönsten Nasenplätzen, Bosketten u. s. w. In der neueren Zeit sind an denselben eine Menge geschmackvoller Privathänser entstanden, welche mit ihren blühenden Gärten nur dazu dienen, die liebliche Schönheit derselben zu erhöhen. Einzelnes verdient besonders hervorgehoben zu werden. Zwischen dem Wilhelmi- und Augnstthore liegt außer dem oben beschriebenen Bahnhofe der ehemals Krausische, jetzt Hollandische Garten, ein im englischen Geschmack angelegter Park, mit seiner zierlichen Villa am Eingange, deren Inschrift: „8slvo Haspe«" jeden fremden Besucher willkommen heißt. Besonders lohnend ist die Aussicht, welche man am anderen Ende des Gartens über die von der Ocker durchflossenen Wiesen nach Eisenbüttel und den herzoglichen Lustschlössern genießt. In der Nähe, dem Garten schräg gegenüber, an dem sogenannten Tummelplatze erhebt sich jetzt das Denkmal Lessings. Bekanntlich ereilte der Tod den großen Mann im Jahre 1781, als er gerade von Wolfenbüttel aus in Braunschweig zum Besuch war. Das Haus, in welchem er gestorben, liegt am Aegidienmarkte, sein Grab vor dem Thore auf dem Kirchhofe der Magnigemeinde. Ihm in der Stadt, in welcher er während seiner letzten Lebensjahre so oft und gern verweilte, ein würdiges Denkmal zu errichten, hatte sich seit längerer Zeit ein Verein begründet, der, als die nöthigen Mittel herbeigeschafft waren, dem Professor Ritschel in Dresden die Ausführung der Bildsäule des Dichters übertrug. Die von diesen: Künstler modellirte, von Howald in Braunschweig gegossene und ciselirte Statue hat in neuester Zeit ihren Platz an der oben bezeichneten Stelle gefunden und hat in der Plastik unserer Zeit nicht nur wegen der genialen Behandlung im Allgemeinen, sondern auch wegen der Beibehaltung der damaligen Modetracht Aufsehen erregt. Sie ist auf einem einfachen Würfel von Granit aufgestellt und unstreitig eine der gelungensten plastischen Arbeiten, welche die deutsche Kunst in diesem Jahrhunderte geschaffen hat. Der linke Arm, dessen Hand eine Schriftrolle hält, lehnt sich auf einen Sänlenschaft, die Hand des gekrümmten rechten Armes ruhet auf der mächtigen Brust. Der schöne geistreiche Kopf, nach der rechten Seite gewandt, ist unmerklich zurückgeworfen. Der ganze Körper ruhet auf dem linken Arme und dem rechten zurücktretenden Beine, während das linke Bein in anmuthiger Weise vorgeschoben ist. Die Kleidung, von den: größten malerischen Effekt, ist die verrufene Zopftracht des vorigen Jahrhunderts: langschößige gestickte Weste, Jabot und Manschetten, lauger frackartiger Nock mit Aermelaufschlägeu, kurze Hosen mit Kuiegürteln, Schuh mit Schnallen. Das Ganze muß erst durch eine ueuzuschaffende Umgebung einen würdigen Hintergrund erhalten. Dicht am Augustthore liegt der Windmühleuberg, von wo aus mau eine freundliche Aussicht auf die Stadt und die fernen Hügel und Berge genießt, und zwischen diesem uud dem Stein- thore der Monumentplatz, in dessen Mitte sich das Denkmal erhebt, welches von den Braunschweigern den beiden in: Kampfe gegen den fränkischen Cäsar gefallenen Herzogen errichtet worden ist. Es besteht ans einem 72 Fuß hohen Eisenobelisk, der, in der herzoglichen Eisengießerei zu Zorge gegossen, auf einem Sockel steht, dessen vier Ecken mit ruhenden gleichfalls gußeisernen Löwen geziert sind. An dem unteren Würfel der Spitzsäulen liest man kurze Worte der Widmung und die Jahreszahl der Errichtung (1822). Auf den: Wege vom Stein- zum FallerSleberthore liegt der Herzogin Garten, ein großer englischer Park, welchen die Gemahlin Karl Wilhelm Ferdinands, bekanntlich eine englische Prinzessin, anlegen ließ und welcher später durch Ankauf benachbarter Gärten bedeutend vergrößert worden ist. Obgleich gegenwärtig etwas vernachläßigt, gewährt der mit vielem Geschmack angelegte Garten doch stets, vorzüglich aber im Frühlinge, einen angenehmen Aufenthalt und belohnende Spaziergänge. Malerischer als dieser Theil der Promenade ist die Gegend zwischen dem Wenden- und Petrithore, wo besonders der Bier- baumsche Park mit seiner Insel und hügeligen Umgebung einen wohlthuenden Eindruck macht. Dicht am Petrithore bezeichnet eine junge Eiche den Platz, wo der Herzog Friedrich Wilhelm auf seinem denkwürdigen Zuge an die Nordsee die Nacht vor dem entscheidenden Gefechte bei Oelper mit seinen Kriegern unter freien: Himmel zubrachte. — Ans fast allen Thoren Brannschweigs führen vortreffliche Kunststraßen. Aus den: Petrithore gelangt man auf einer solchen an „dem weißen Rosse," einem Vergnügungsorte der Brannschweiger, vorbei nach dem Dorfe Oelper, in dessen Nähe das Schlachtfeld liegt, wo am 1. August 1809 Herzog Friedrich Wilhelm sich durch ein überlegenes feindliches Heer seinen Weg bahnte. Diesseits des Dorfes bezeichnet jetzt rechts von der Heerstraße ein einfaches Denkmal die Stelle, von wo ans der Herzog das ungleiche Gefecht leitete. Hinter Oelper liegt das Dorf Veltenhof, eine Colonie von pfälzischen Reformirten, welche sich in: vorigen Jahrhundert hier ansiedelten und großenteils noch immer ihre eigenthümliche Sitte, Sprache und Tracht bewahren. Zwischen dem Petri- und Hohenthore hat ans den: Kirchhofe der Martinigemeinde Leisewitz, der Dichter des Julius von Tarent, seine irdische Ruhestätte gefunden. Die Gebeine eines größeren Dichters birgt der vor den: Steinthore gelegene Begräbnißplatz der Magnigemeinde. Hier ruhet Lessing unter einen: schlichten, nur mit seinem Namen bezeichneten Steine. Nicht weit davon liegt das einstige Besitzthum eines anderen deutschen Schriftstellers, der Garten des durch seine Jngend- schriften sowie durch seine Bemühungen um die Reinigung der deutschen Sprache von Fremdwörtern bekannten Campe. Vor der Thüre des Hauses liest man die von ihn: selbst hier angebrachte Inschrift: I)m:s nndis Imoe olia 1eeit.— Dicht hinter diesem Garten erhebt sich seit dem Jahre 1837 die v. Schill- sche Stiftung. Hier wurden in: Monat Juli des Jahres 1809 mehrere Kriegsgefährten des tapferen Schill, welche in Stralsnnd gefangen und von den französischen Kriegsgerichten zu::: Tode verurtheilt worden waren, erschossen und begraben. Den Bemühungen eines braunschweiger Patrioten gelang es, mehrere deutsche Fürsten für die Errichtung eines die Unglücklichen ehrenden Denkmals zu interessiren. Die Gaben derselben, sowie die von Nah und Fern reichlich fließenden Beiträge von Privatpersonen ermöglichten nicht nur die Errichtung eines solchen Denkmals, sondern auch die Stiftung eines Fonds zum Besten eines Invaliden, zunächst ans den: Schillscheu Corps. In der Mitte eines lieblichen, gartenähnliche:: Platzes erhebt sich das aus Sandstein erbanete Denkmal, unter welchem in einen: Grabgewölbe die Reste jener Unglücklichen sowohl, als auch das Haupt Ferdinands v. Schill, welches bekanntlich bis zum Jahre 1837 zu Leyden aufbewahrt wurde, beigesetzt sind. Das Denkmal steht auf einen: 5 Fuß hohen Sockel und ist von Ka- nonenröhren umgeben, welche, ein Geschenk des verstorbenen Königs von Hannover, durch Ketten mit einander verbunden sind. Das würfelförmige Piedestal enthält auf seinen vier Seiten Inschriften, deren eine die Namen der vierzehn erschossenen Krieger nennt. Auf diesem Piedestale erhebt sich ein mit Schills Namenszuge, Kriegsemblemen u. s. w. geschmücktes Postament, das durch ein 5 Fuß hohes mit vergoldetem Eichenkranze umwundenes eisernes Kreuz gekrönt wird. Die ganze Höhe des! Denkmals beträgt 25 Fuß. An das unweit desselben gelegene . Häuschen des Invaliden stößt eine mit einem kleinen Thurme überdachte Kapelle, in welcher sich außer der bronzenen, von Ludwig von Bayern geschenkten Büste Schills die Bildnisse der deutschen Helden des Jahres 1809, des Erzherzogs Karl von Oesterreich, des Herzogs Friedrich Wilhelm von Braunschweig und Andreas Hofers befinden. Das erstere ist von dem Erzherzoge selbst, die beiden anderen von den Magistraten der Städte Brannschweig und Insbruck der Stiftung vermacht worden. Eine kleine halbe Stunde vor dem Steinthore liegt der Nußberg, von welchem man eine freundliche Aussicht ans die Stadt genießt, mit der Ehrensänle, welche dem General v. Ol- > fermann, dem Führer der braunschweigischen Truppen in der Schlacht von Waterloo, seine Kriegsgefährten errichtet haben. Von hier bringt ein kurzer Marsch den Wanderer nach dem durch seine Kirche merkwürdigen, von Teichen umgebenen Kloster Riddagshansen und weiter nach dem „grünen Jäger," einem mitten im Walde gelegenen Wirthshause, welches viel von Brannschweig aus besucht wird. Bei Weitein der schönste Spaziergang jedoch, welchen man unmittelbar aus den Thoren der Stadt einschlagen kann, ist die Heerstraße, welche aus dem Augustthore nach Wolsenbüttel führt. Sie wird anfangs von herrlichen, alten Linden und zierlichen Gartenhäusern begleitet und führt in kurzer Zeit zu den herzoglichen Lustschlössern und dem diese umgebenden Parke. Die Herzogin Auguste Friederike Lonise kaufte i. I. 1768 die hier gelegenen sandigen und wüsten Aecker an und ließ sie zu einem Garten in englischem Stile umwandeln. Zu gleicher Zeit erbauete sie auf der Anhöhe, welche das rechte Ockerufer bildet, ein kleines Schloß, welchem sie in Erinnerung an ihre ferne Heimath den Namen Richmond'^) gab. Dasselbe bildet ein gleichseitiges Viereck, dessen Seiten 72 Fuß lang sind und liegt mit seiner einen Ecke gerade dem Eingange zum Garten gegenüber. Der zierliche elegante Bau wird durch eine Laterne ge- ^ krönt, welche, die Form des Schlosses im Kleinen nachbildend, ans dem flachen Dache desselben sich erhebt und dem geräumigen in der Mitte des Gebäudes befindlichen Speisesaal von Oben Es heißt jetzt zum Unterschiede von der neuen herzoglichen Villa auch mohl AlURichmond. sein Licht zuführt. Herrlich ist die Aussicht, welche man von dem Platze vor dem Schlosse oder von der Plattform desselben über einen Theil der Stadt und über die Landschaft genießt, welche sich nach Süden zu bis an die fernen Berge des Harzes ausbreitet. Zu beklagen ist es, daß der schöne Garten gegenwärtig so sehr vernachläßigt wird; er gehört, wie der oben erwähnte Garten der Herzogin, dem vertriebenen Herzoge Karl und wie das Schloß leer und öde steht, so verwildern die dasselbe umgebenden Anlagen mehr und meyr. Neben diesem Parke erstrecken sich nach der Stadt und nach Eisenbüttel zu die neuen Anlagen, welche der jetzige Herzog hat ausführen lassen, ja sie dehnen sich noch jenseits der Heerstraße und auf dem anderen User der Ocker bis zur Eisenbahn ans. Es ist das eine liebliche Landschaft mit Banmgruppen, Gebüschpartien, Schweizerhänsern, Wiesen und Bassins, ans denen zierliche Gondeln und kleine Schisse umherschwimmen. In dem Volt einer zinnengekrönten Mauer umzogenen Theile des Parkes liegt die neue herzogliche Villa, auch Williams-Castle oder Neu-Richmond genannt. Zu derselben führen zwei mit Thürmchen und dem herzoglichen Wappen gezierte Eingangsthore. Die Villa selbst ist zum Theil nach dem Muster eines Gartenhauses zu London erbauet und enthält außer den Wohn-, Schlaf- und Garderobezimmern einen Speise-, Billard- und Bibliothekssaal. Dach und Giebel sind ringsumher mit Zinnen gekrönt. Origineller ist der Stil, in welchem das Cavalierhaus erbauet ist, das die nördliche Ecke der Mauer einnimmt, da wo sich der Weg nach Eisenbüttel von der wolfenbüttler Heerstraße scheidet. Es ist eine Miniaturnachbildnng des bekannten Schlosses zu Windsor und macht mit seinen Thürmchen, Zinnen, Strebebogen und Ausbanseustern eine um so malerischere Wirkung, als seine freie Lage die ungehinderte Aussicht ans dasselbe gestattet. Aus seinem Inneren erhebt sich ein 102 Fuß hoher viereckiger Thurm, welcher oben in vier Spitzsäulen anslänft, von denen man jedoch behaupten kann, daß sie den ganzen Bau mehr verunzieren als schmücken. Unweit des herzoglichen Parkes liegt der kleine Mühlenort Eisenbüttel, der für die altsächsische Geschichte durch die Ermordung des Markgrafen Ekbert II. merkwürdig geworden ist. Dieser Mord geschah ans Anstiften und durch Dienstmannen der Aeb- tissin von Quedlinburg, einer Schwester Heinrichs IV. und man hat deßhalb in neuerer Zeit gemeint, daß Ekbert nicht in der Mühle zu Eisenbüttel, sondern in einem Eisenhammer an der Selke seinen Tod gefunden habe. Die Sache verdiente wohl eine nochmalige genaue Untersuchung: wenigstens ist es merkwürdig und spricht für Eisenbüttel als den Ort des Mordes, daß die Leiche des Markgrafen in dem dicht bei Eisenbüttel gelegenen Cyriakstifte beigesetzt wurde, von wo man sie später in den Dom brachte. ]DJVS MM® JfiMDIffTMMAlflilE 3K".(r ÜÜIAU W(D)WÄ ^yy^) / ? sf yy^y^/(^y"' ~' ^yyy ^i^yc 6?y s/ss&y <^ -. ~y a#*?*iy£z4afc E E BM.S IMOTS, W3BMDIB, % UM® IM SB®, BmWSKffi ©SM1MSII SV r KT 2 ■ f SSZ<>/::& iFicacnEMi.Ä.mjKW xsar SIPÄJBJE . 'iC)Cky r.'£■ '£/<,>,?,■ ,:^rW/ r s t i\. jid w m (D ';a :i© 'j& >v Jl5zÄZf£. r. y ^As. 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