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Unter den Gebäuden aus neuester Zeit nimmt' den erstenRang ein:
das herzogliche Ncsidcnzschloß.
Der graue Hof, das frühere Nesidenzschloß der Herzoge,wurde bekanntlich bei dem Anfstande, welcher am 7. Septemberdes Jahres 1830 in Brannschweig ausbrach, ein Raub derFlammen. Auf dem Platze, der damals ein Bild der graulich-sten Zerstörung und Verwirrung darbot, erheben sich jetzt diestolzen Mauern eines Schlosses, welches an Pracht und Größedas alte bescheidene Fürstenhaus bei Weitem übertrifft. Begon-nen wurde der Ban desselben im Frühlinge des Jahres 1831nach dem Entwürfe des Hofballrathes Ottiner, lind wenn auchder Plan dieses genialen Architekten nicht in seinem ganzen Um-fange ausgeführt ward, wenn man auch an dem jetzigen GebäudeManches vermißt, was nach der ursprünglichen Idee des Künst-lers nothwendig dazu gehört, so ist doch das brannschweigerSchloß nicht nur eines der großartigsten und prächtigsten, son-dern auch der geschmackvollsten und schönsten, die unser weiteresBaterland auszuweisen hat. Das Fundament desselben ruhet,da der Grund in dieser Gegend der Stadt sumpfig und mora-stig ist, ans mehr als 4000 eingerammten Pfählen.
Die Hauptfacade des Gebäudes, welche eine Länge von400, und, wenn mall die Balustrade mit hinzurechnet, eine Höhevon 80 Fuß hat, sieht nach dem Bohlwege hin: sie hat dreiRisalite mit 10 korinthischen Säulen, welche über dem unterstenStockwerke beginnen und sich durch das zweite uud dritte hin-durch bis zum Giebel fortsetzen. Die Rücklagen sind mit Mu-stern in demselben Stile geziert. An dieser Bordcrfronte desSchlosses vermißt man leider noch immer den plastischen Schmuck,welcher von dem Künstler für dieselbe bestimmt war. Das vonden sechs Säulen des Mittelrisalits getragene Giebelfeld entbehrtnoch immer der Basreliefs, sowie die beiden zur Seite desselbenaufsteigenden Säulen der Statuen, welche sie schmücken sollten.Auch fehlen die Pferdebändiger, welche zu beiden Seiten desMittelportals zur Zierde der vorderen Fa^ade bestimmt waren.Ueber dem Giebel des Mittelrisalites erhebt sich eine Plattform,welche gleichfalls noch auf die Quadriga wartet, welche, dieseluftige Höhe krönend, dem Gebäude nach Oben erst einen wür-digen Abschluß verleihen würde.
"0 Die drei Schlachten, welche hier erwähnt werden, sind die be-kannte Schlacht bei Winsen a, d. Aller i. I. !3v8, die Schlachtbei Beinnm gegen die Herren v. Steinberg und Schwicheldti. I. 1393 und die Schlackt bei Gronau gegen den Bischof vonHildesheim i. I. 1422.
An diese Hanptfa^ade des Schlosses schließen sich zweizurückspringende, 320 Fuß lange Flügel an, welche in den hin-terwärts liegenden Garten hineinreichen. Bon diesen enthältder nördliche, der Wilhelmsstraße zugekehrte Flügel die Wohnungdes Herzogs. Er ist mit 18 jonischen Säulen und einen: 120Fuß langen Balkon geziert, welcher vor den Fenstern des erstenStockwerkes hinläuft. Die Hinterfa^ade, welche nach Osten hinsieht und aus welcher die beiden Seitenflügel des Gebäudeshervorspringen, wird in der Mitte durch eine überknppelte Rö-tende unterbrochen, welche dem Mittelrisalite der Borderfavadeentspricht. Nach dem ursprünglichen Plane sollten sich an diebeiden Ecken-der Hauptfaoade Säulengänge anlehnen, welche ingleicher Höhe mit der Bel-Etage in einem Biertelkreise nachdem Bohlwege hin gehend und einen fortlaufenden Balkon tragend den schönen Platz vor dem Schlosse kreisförmig einzufassenbestimmt waren; allein der Ban dieser Colonnaden ist unter-blieben.
Tritt man durch das Hanptportal, welches unter dem Mit-telrisalite liegt, in das Innere des Gebäudes, so gelangt manzu der großen Borhalle des Schlosses, welche geradeaus zu den:von den Seitenflügeln und von Säulengängen umgebenen Schloß-hofe führt. Aus dieser Vorhalle steigt man auf der Haupttreppezu der von Oben erleuchteten, 60 Fuß hohen Rotonde hinauf,aus welcher man unmittelbar in den großen Saal tritt. Dieserhat eine Breite von 48, eine Länge von 73 und, da er durchdie beiden oberen Etagen hindurchgeht, eine Höhe von 28 Fuß:an ihn schließen sich nach Norden die Wohnzimmer, nach Südenzu die übrigen Festsäle. Die Zimmer zwischen den: großenSaale und den: nördlichen Eckrisalit sind für die künftige Her-zogin bestimmt, während der Herzog, wie schon erwähnt, dennördlichen Flügel des Schlosses bewohnt. In den: nördlichenEckrisalite befindet sich der Speisesaal des Herzogs, bestehendaus einer 40 Fuß in: Durchmesser haltenden Rotonde, derenWände und Decke reich mit massivem, geschnitztem Mahagoni-holz getäfelt sind. Unter den übrigen Zimmern des Herzogessind das in Lapis Laznli gehaltene Musikzimmer und die ausLärchenholz constrnirte Bibliothek hervorzuheben. Den Rann:zwischen den: großen Saale und den: südlichen Eckrisalite, sowieden südlichen Flügel nehmen die Festzimmer ein. Dort liegender 40 Fuß in's Geviert messende Thronsaal und der 130 Fußlange und 38 Fuß breite große Speisesaal, hier der kleinereSpeisesaal und das Schloßtheater mit den: Vorsaale und dendazu gehörigen Garderobezimmern.
Das Uex-tIo-0Imn«6oe der Bordcrfronte enthält die Wache,sowie mehrere Zimmer für Hofoffizianten und für die Diener-schaft, das des nördlichen Flügels außer anderen Räumen vor-züglich eine prächtige, 120 Fuß lange Gallerie, welche bei fest-lichen Gelegenheiten den Eingang zur Wohnung des Herzogsbildet und in heißen Sommertagen auch wohl als Speisesaalbenutzt wird. Im östlichen Giebel des südlichen Flügels ist die