von sechs Stufen emporführt. Die Höhe desselben bis zurDachfirste beträgt 105 Fuß und gewiß wird man im nördlichenDeutschland wenig Kirchen finden, deren Chor sich mit diesemin Hinsicht der Großartigkeit der Verhältnisse messen könnte.
Die Brndernkirche.
Diese Kirche verdankt ihre Entstehung wie ihren Namenden Franziskanermönchen, welche wahrscheinlich schon zu KaiserOttos iV. Zeit nach Braunschweig gekommen sind und dort eineKapelle errichtet haben. Sie hieß deshalb in früherer Zeit auchwohl: Kirche der Barfüßer Franziskaner oder Minoriten. DieKapelle, welche dieser Orden ursprünglich zn Braunschweig besaßund welche dicht neben der jetzigen Brüdernkirche gelegen war,mochte sich bei der schnellen Zunahme des Ordens bald als zuklein erweisen, und so begann man einen größeren umfassenderenBau. Die crsteu Mittel dazu erhielte» die frommeu Mönchevon zwei in der Nähe ihres Klosters ansäßigen Brüdern ansdem Patriziergeschlechte derer von Bortfeld. Eingeweihet warddie neue Kirche i. I. 1345 von Bischof Heinrich von Hildes-heim, einem geborenen Herzoge von Brannschweig: sie wardvorzugsweise unserer lieben Frau und dem h. Franziskus gewid-met. Doch ward damals nur der hohe Chor und der ihmzunächst liegende Theil der Schiffe vollendet. Dann rnhetewegen Geldmaugels der Bau bis zum Jahre 1375, wo neueVermächtnisse den Weiterbau ermöglichten. Dennoch ward dieKirche erst i. I. 1451 vollendet und blieb dann bis zur Refor-mation im Besitze des Ordens. Als i. I. 1528 die Möncheaus der Stadt zogen, indem sie die Reliquien, Kostbarkeiten unddas Archiv der Kirche mitnahmen, ward diese anfangs verschlos-sen, aber schon i. I. 1542 wieder eröffnet und dem protestanti-schen Gottesdienste überwiesen. Man bestimmte sie nämlich zurPfarrkirche für die Gemeinde der Ulrichskirche, welche der Rathwegen Baufälligkeit abzubrechen beschloß. Diese auf dem jetzigenKohlmarkte gelegene, von dem Brnnonen Ludolf i. I. 1030gestiftete Kirche ward, obgleich Herzog Heinrich der Jüngereheftig dagegen protestirte, wirklich niedergerissen und was sie auheiligen Gefäßen, Glocken u. s. w. besaß der Franziskauerkirche,nunmehr „die Kirche zu den Brüdern" genannt, überwiesen.Daher kommt es, daß die letztere in späterer Zeit auch wohlSt. Ulrichskirche genannt wird. Auch führt die Brüdernkirchenoch heute das Siegel der Kirche zu St. Ulrici und ihre Pre-diger bewohnen das am Kohlmarkte gelegene Pfarrhans, welchesursprünglich zur Ulrichskirche gehörte.
Der Stil, in welchem die Brüdernkirche erbaut wurde, istder gothische. Die Länge des Schisses beträgt 128, die Höhedes Mittelgewölbes 72, die Länge des Chores 100 Fuß. Wiedie Kirche als das ehemalige Gotteshaus eines Bettelordeus sichdurch ihre architektonische Einfachheit im Allgemeinen auszeichnet,so fehlt ihr auch der Schmuck der Thürme: nur ein Dachreiter
erhebt sich auf der Mitte des Daches. Dieses, welches als einhohes Satteldach alle drei Schiffe der Kirche überdeckt, ist gleich-falls schmucklos und ohne die sonst üblichen Giebelsronten. Derschönste Theil der ganzen Kirche ist der h. Chor, welcher trotzder großen Einfachheit, in welcher auch er gehalten ist, einenimponirenden Eindruck macht. Die Höhe der Chorfenster beträgt45 Fuß.
Das Innere wie das Aenßere auch dieser Kirche ist inspäterer Zeit vielfach verunstaltet worden, dieses besonders durchdas i. I. 1727 dem westlichen Portale vorgebaute Bälgenhaus.Bon den einstigen prächtigen Glasmalereien der Kirche haben' sich in den zwei östlichen Fenstern des südlichen Seitenschiffs nurdie wenig interessanten Wappen einiger Prediger und Lehrer derMartinischnle erhalten. Der kostbare Hochaltar, dessen Hanpt-theil ans einem alten, reich mit Schnitzwerk verzierten Altar-schranke besteht, ward i. I. 1655 durch einen geschmacklosenAufsatz verunstaltet. Von den drei Flügelthüren, aus welchenjeuer Schrank vorzugsweise besteht, trägt die mittlere oben dieMutter Gottes mit ihrem Sohne, unten den gekreuzigten Hei-land, umgeben voll seiner Mutter und seinem LieblingsjüngerJohannes, denen sich zn beiden Seiten Heilige anreihen. DieSeitenflügel enthalten die Bilder von je zehn Heiligen.
Der Chor wird von dem Hauptschiffe durch einen hölzernenmit Schnitzwert verzierten Zwischenban, einen sogenannten Lett-ner, getrennt, welcher i. I. 1593 von einem nürnberger Künst-ler hergestellt worden ist. An demselben befindet sich eine künst-liehe Uhr, bei welcher ein kräftiger Mann die Viertel-, der Toddie vollen Stundeil mit einem nachgebildeten Knochen anschlägt,während ein Genius das Stundenglas umwendet.
Von den übrigen Merkwürdigkeiten der Kirche ist zu er-i wähnen das schöne, wahrscheinlich aus der Ulrichskirche stam-mende Taufbecken. Es ist von gegossenem Messing und mit16 Figuren geziert, welche Heilige und Apostel vorstellen undin Tabernakeln stehen. Getragen wird es von vier männlichenFiguren, welche Wasserschläuche ausgießen und wahrscheinlich dievier Ströme des Paradieses vorstellen sollen. Ein anderes herr-liches Kunstwerk im Besitze der Kirche ist der 85 Loth schwere,zierlich gearbeitete Abendmahlskelch. Die fast unleserlich gewor-dene Inschrift desselben lautet: Xnnc> UteXCVI H1396) s»hUerimrtw IXioro Er besteht aus vergoldetem Sil-ber und enthält in erhabener Arbeit Scenen aus dem Lebendes Heilandes, welche von sich verschlingenden Zweigen undRanken eingeschlossen werden.
Die Kirche besitzt wenig merkwürdige Epitaphien, dagegenein paar Inschriften, die erwähnt zu werden verdienen. Dieeine bezieht sich auf die Schlacht von Drackeuburg, welche Her-zog Erich II. von Kalenberg gegen den schmalkaldischeu Bundverlor. Merkwürdiger ist die, welche sich am äußeren Strebe-pfeiler der Westseite Angehauen findet und vollständig so lautet:X. IX ll!000XXXXVIII. in äv« bilden lictinnms vvnne