Druckschrift 
11 (1854)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

liehen Plane gemäß. Nach diesem, von dem sich noch eine merk-würdige Zeichnung in der Kirche befindet, sollte das Mauerwerkder beiden Thürme die Höhe von 300 Fuß erreichen und dieSpitzen derselben 200 Fuß hoch werden, so daß die ganze Höheder Thürme 500 Fuß betragen haben würde. Allein die anfangsreichlich fließenden milden Beiträge zum Bau der Kirche genügtenbald nicht mehr und so kam es, daß man nur die Grundmauernder Thürme und die Kirche vollendete. Dann ruhete der Bau >bis 1360. Dieser erste ursprüngliche Bau trägt daher denCharakter der Uebergaugszeit aus dem romanischen in den gothi-schen Stil. Das Thurmportal und die darüber befindliche ein-fache Rosette tragen diesen Charakter ganz entschieden, nament-lich jenes in dem freilich noch flachen, aber schon ganz bestimmthervortretenden Spitzbogen. Auch an den ursprünglichen zehnPfeilern des Mittelschiffes bemerkt man, wenn sie im Ganzenauch noch romanisch sind, doch schon Spuren der beginnendenGothik.

Im Jahre 1360 nahm man den unterbrochenen Ban wie-der auf und führte beide Thürme bis zu der Höhe des Glocken-hauses hinauf. Dieser Bau gehört der besten Zeit der Gothikan. Die Thürme sind nach allen Seiten von Spitzbogenfensterndurchbrochen, welche dem Ganzen ein lnftiges, leichtes Aussehengeben. Besonders schön und von reicher Ornamentik ist jedochdas zierlich durchbrochene Glockenhaus zwischen beiden Thürmenmit seiner herrlichen Rosette über den Spitzbogenfenstern desUnterbaues. Auch die Erweiterung der Seiteuschiffe fällt wahr-scheinlich in diese Periode des Baues. Sie sind von gleicherHöhe wie das Mittelschiff, aber um zwei Schuh breiter. DieGiebelfelder derselben sind mit Bildwerken verziert, von deneneinige wahrscheinlich erst dem Ende des 15. Jahrhunderts ange-hören, darunter die Verkündigung Mariä, die Flucht nach Aegyp-ten, der Kindermord von Bethlehem und die Krüppel zu Füßendes Heilandes.

Der Ban der Thürme wurde erst i. I. 1518 wieder be-gonnen und diese schwierige Aufgabe in die Hände des Bern-ward Tafelmaker gelegt, welcher sich durch seine kunstvollenWasserbauten nicht nur um Braunschweig, sondern auch umandere Städte verdient gemacht hat. Er setzte den Bau, soweites ihm der Geschmack der Zeit gestattete, in dem Sinne desVorhandenen fort. So entstand das fünfte und sechste Geschoßdes südlichen Thurmes; allein die Reformation oder, wie Tafel-maker selbst in feinem Berichte^) sich ausdrückt, der DoktorLuther mit feiner Lehre von der Unverdienstlichkeit der gutenWerke unterbrachen abermals den Bau. So blieb der nördlicheThurm unvollendet und erhielt erst später (1581) sein jetzigesinterimistisches Helmdach von Kupfer. Der südliche Thurmdagegen, dessen Mauerwerk eine Höhe von 246 Fuß erreicht

5) Aufgefunden i. I. 1835 bei Abnahme des Thurmknopfes undabgedruckt in: v. Vechelde, braunschweigische Geschichten I.299316.

hatte, ward in den Jahren 15421544 mit einem 180 Fußhohen, kupfergedeckten Spießdache versehen, vorzüglich mit durchdie Freigebigkeit der schmalkaldischen Fürsten, welche aus denForsten des vertriebenen Herzogs Heinrich des Jüngeren dasnöthige Holz dazu verwilligten. Das Dach ward grün ange-strichen und der nunmehr 426 Fuß hohe Thurm war damalsnach dem wiener Stephansthurm und dem des straßburger Mün-sters der höchste Thurm in Deutschland. Als Heinrich derJüngere bald darauf (1550) die Stadt belagerte, war ihn: diesehohe, im Sonuenlicht snnkelnde Thurmspitze, welche seine Tod-feinde gleichsam ihm zum Trotze in seiner Stadt und aus demHolze seiner Wälder errichtet hatten, ein besonderer Dorn imAuge. Er soll demjenigen seiner Schützen eine hohe Belohnungversprochen haben, welchem es gelingen würde,dieses grüneFeuer zu löschen;" allein der Thurm widerstand allen auf ihngerichteten Schüssen. Was die menschliche Zerstörnngskunst nichtvermocht hatte, das vollbrachte bald daranf (10. Jannar 1551)die Gewalt der empörten Natur. Am Nachmittage zwischen 12und 1 Uhr warf ein heftiger Sturmwind die Spitze des Thur-mes herab, so daß ein Theil des Kirchengewölbes zerschmettertwurde. Von diesem Unglücksfalle zeugt noch eine lateinischeInschrift im Inneren der Kirche ^). Darauf stellte BernwardTafelmaker i. I. 1559 eine neue dauerhaftere Spitze her, welche48 Fuß niedriger als die vorige mit braunangestrichenem Kupfergedeckt wurde. Doch ein eigener Unstern schien über diesemThurme zu walten. Am 5. Februar des Jahres 1680, Nach-mittags zwischen 2 und 3 Uhr, entzündete der Blitz das Holz-werk desselben, und nachdem dieses ausgebrannt war, stürzte dieSpitze herab, indem sie abermals das Dach der Kirche schwerbeschädigte. Auch dieser Unfall ist durch ein in der Kirche be-findliches Chronostichon verewigt^). Das jetzige, halb kuppel-,halb helmartige Dach hat der Thurm erst i. I. 1740 erhalten,zugleich das Eisengeländer, welches sich um die unter dem Dachebefindliche Gallerie zieht. Von hier herab genießt man eineherrliche Aussicht über die Stadt und ihre Umgebung. Knopfund Fahne endlich sind i. I. 1837 dem Thurme aufgesetzt,dessen jetzige Höhe 322 Fuß beträgt.

Wie an anderen Kirchen Braunschweigs, so hat sich auchan dieser der Ungeschmack einer späteren Zeit schwer versündigt;die zahlreichen Altäre, welche nach mittelalterlicher Sitte dieKirche schmückten, wurden entfernt, der Hochaltar durch einengeschmacklosen, dem Stile der Kirche widersprechenden Ban er-setzt, die alten Wandmalereien in den Jahren 1722 und 1723übergeweißt. Auch das Schnitzwerk der Kircheustühle und diemit Skulpturen in Holz gezierte Kanzel sind großentheils ver-nichtet worden.

tMiic-icM Inic tiiiiis kxiIMps»

» nodis, tMi'iste likniAns, miNum.NnO >ViI Vi>e sVI.iMne tVixs nvVsM,