Druckschrift 
11 (1854)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

heiligen Grabes: sein Wappen drei Glocken. Das oberste kleinsteBecken endlich enthält keine Inschrift, ist aber von einem zier-lichen Friese von Blättern nmwunden. Die Bilder der 4 Evan-gelisten, welche dasselbe zieren, sind bei der neuesten Restanrationdes Brunnens i. I. 1847 ergänzt worden. Vier monstrnöseEidechsen, welche an der Mittelröhre hinanfkriechen, speien dasWasser in dieses oberste Becken. Das Bild der Mutter Gottes,welches früher unter dem Baldachine gestanden haben soll, fehltjetzt, soll aber in nächster Zeit ersetzt werden. Ans dem Dachedes Brunnens steht die Fahne mit dem Stadtlöwen.

Wenden wir uns jetzt zu den übrigen merkwürdigen Kir-chenbanten der Stadt, so verdient zuerst Erwähnung

die Kathannenkirchc.

Auch diese Kirche, ehemals die Hanptkirche des Hagen,stammt in ihrer jetzigen Gestalt ans verschiedenen Zeitepochenund sie hat für den Freund der Knust das besondere Interesse,daß er an ihr die Entwickelung fast der gesammten mittelalter-lichen Kirchen-Architektur im Kleinen stndiren kann. Sie wardvon Heinrich dein Löwen i. I. 1173 gegründet. Von diesemursprünglichen, im romanischen Stile ausgeführten Baue hatsich noch die untere Thurmanlage mit ihrem schönen Rundbogen-Portale, sowie das Mittelschiff mit seinen romanischen Pfeilernerhalten. Die mittleren Thurmgeschosse dagegen und das Glo-ckenhaus sind ein Werk des 13. Jahrhunderts; jene init ihrenSpitzbogenfenstern und ihrer Mittelrosette gehören der frühgothi-schen, dieses mit seiner reich durchbrochenen Fronte einer späterenentwickelteren Periode der Gothik an. Auch ein Theil der Sei-tenschiffe ist noch im 13. Jahrhundert gebant, der dem hohenChöre znnächstliegende Theil jedoch und der h. Chor selbst sind1450 durch die Patrizierfamilie von Koghel entstanden. Dem14. Jahrhundert endlich gehören die oberen Thurmgeschosse an:der südliche 243 Fuß hohe Thurm ward 1379 vollendet. Erist mit einer langen achtseitigen Helmspitze geziert, die mehrmalsdurch Feuer geschädigt ja zerstört, aber stets wieder hergestelltwordeu ist. Der nördliche kleinere Thurm weicht in Form undConstruction wesentlich von ihm ab: er trägt eine Laterne, welcheoben erst in ein Helmdach verläuft. Die im griechischen Zopf-stile ausgeführten Vorbaue, welche seit 1794 die Thüren der Kircheverunstalteten, hat der bessere Geschmack unserer Zeit wiederentfernt: sie sind i. I. 1843 abgebrochen worden.

Die Länge der ganzen Kirche beträgt 338 Fuß. Die dreiFenster des hohen Chores enthalten Glasgemälde aus dem 16.Jahrhundert (1553), welche Moses mit der ehernen Schlange,die Opferung Jsaaks und die Kreuzigung Christi darstellen.

An Grabmälern besitzt die Kirche einige merkwürdige, dar-unter das der Armgart v. Bortfeld, welche der Sage nach i. I.1585 plötzlich vor dem Altare der Kirche starb, als sie eben im

Braunschwelg.

Begriff war, ihrem Verlobten ihre Hand zn reichen. Auch dieGrabmäler zweier Herrn von Mahrenholz sind bemerkenswerth.Das größeste und schönste Grabmal der Kirche ist jedoch dasjenes Jürgen von der Schulenbnrg (ff 1619), welcher i. I. 1605die Stadt durch seine Entschlossenheit rettete. Neben ihm liegtseine Gemahlin Lueie v. Veltheim (ff 1620). Ihr gemeinsamesGrabmal ist von Marmor und Alabaster und reich mit Bild-hauerarbeit verziert, welche die Geburt und Auferstehung desHeilands darstellt. Ans der rechten Seite desselben kniet Jür-gen von der Schulenburg in Lebensgröße und voller Rüstung, linkerHand seine Gemahlin. Die oberste Spitze des Denkmals bildetein mit eingelegter Lanze dahin sprengender Reiter.

Von den Glocken ist die älteste aus dem Jahre 1498; eineandere trägt folgende Inschrift:

I n <Icm Rainen llarcvmNi Iu4»n vor: tuen

8e!ml Iliin'ieü llenten (In5t>e ^IncRe «Anboten imen l5!3.

Unter dem kleinen Thurme befindet sich das sogenannteMoselsche Gewölbe, aus welchem der berüchtigte Dieb NickelList, genannt von der Mosel, die früher darin aufbewahrtenKostbarkeiten mittelst Einbruchs entwandte.

Noch ist zu erwähnen, daß in der Kirche zwei Kugeln ein-gemauert sind: die eine am Pfeiler der Kanzel mit der Jahres-zahl 1615 wurde bei der Belagerung der Stadt durch FriedrichUlrich in die Kirche geschossen, als gerade der Prediger denGottesdienst hielt; die andere, im südlichen Schiffe der Kircheeingemauert, flog i. I. 1621 in dieselbe.

Die St. Attdrcaskirchc.

Die Audreaskirche liegt an der sogenannten Kröppelstraßeund dem Wollmarkte und man begann den Bau derselben i. I.1200, vermuthlich weil der damals durch das PrivilegiumOttos IV. sich hebende Handel der Stadt Kaufleute in solcherMenge hier zusammenführte, daß die schon früher an der Stellevorhandene Kapelle für dieselben nicht mehr ausreichte. DieKirche ward den h. Andreas und Vitus geweihet und das Schicht-bnch nennt als ihre Gründer Kaufleute, welche sehr reich aberKrüppel gewesen seien ^). Diese sollen nicht blos die Kirchegegründet, sondern auch der benachbarten Kröppelstraße denNamen gegeben haben und ihr Andenken hat sich noch an eineinGiebel des südlichen Kirchenschiffes erhalten, welches die Bildervon vier verkrüppelten Leuten zu den Füßen des Erlösers zeigt.

Die im I. 1200 begonnene Kirche, welche nach dem groß-artigsten Plane angelegt war, deren Bau aber häufig ausMangel an Geldmitteln unterbrochen werden mußte, ward erstim 16. Jahrhundert vollendet, allein auch nicht dem ursprüng-

,,kt»s>Iu<Ie, >vel(!ie Ki'vjZpel ^evviiesei!, «weil tilse >Ie lis»

steUen »ise Risse Rite vlt, iincie ^viu'eu tnn >>iei'

kiopensekttz» rike Uwe." c!ei 8tüii tUunsw^U, Her-

ausgegeb. v. C. F. A. Schcller. Braunschw !829, 255.

IV.