Rathes. Die Decke desselben besteht aus eichenen Balken, welchemit reizender Schnitzarbeit im gothischen Stile verziert sind.An diesen großen Saal schloß sich in dem anderen Flügel dieSchotteldornse oder das Schatzzimmer an, in welchem die Steu-ern erhoben wurden. An dieses Zimmer stieß die Fastelabends-dornse oder der Tanzsaal.
Ueber die Entstehnngszeit dieses prachtvollen Nathhansesfehlen die sicheren historischen Zeugnisse. Man hat früher denBau desselben in die Regiernngszeit Albrechts des Langen gesetztund den Grund dafür in dein Umstände gefunden, daß jeneStatuen mit der von Albrechts Bater, Otto dem Kinde, ab-schließen^); allein diese Annahme widerlegt sich ans den obigenAndentungen über das Alter dieser Standbilder. Ein neuererForscher^) bestreitet sogar, daß dieses anscheinend vollkommenharmonische Gebäude aus einer und derselben Zeitepoche stamme.Seiner Meinung nach, die er durch scharfsinnige künstlerischeund historische Beweise unterstützt, folgt die Entstehung der ein-zelnen Theile in folgender Weise aus einander: Hauptkörper desFlügels von N. nach S. um 1250; Lauben an diesem Flügelund Hauptkörper des Flügels von W. nach O. 1393—1396;südliche Giebelfronte 1447; Laube am Flügel von W. nach O.und sämmtliche Standbilder an beiden Flügeln 1455—1468.
An das Gebäude knüpft sich ein gutes Stück der mittel-alterlichen Geschichte der Stadt. Nach der Unterwerfung der-selben unter die Herzoge ward es seiner alten Bestimmung ent-zogen, da der neuorganisirte Rath in der Folge seine Sitzungenin dem Nenstadt-Rathhause hielt. Bald darauf wurden bei dervon Rudolf August vorgenommenen Reformation der Jahrmärktedie Räume desselben zu Ständen für die Meßfremden eingerichtet.Bei dieser Gelegenheit ward auch die Antorskapelle, welche aufBefehl der Hanse zur Söhnnng des Frevels von 1374 gegrün-det worden war und welche sich an die Nordseite des Nathhansesanlehnte, abgebrochen (1697) und der dadurch gewonnene Platzzu gleichen Zwecken hergerichtet. Erst die neuere Zeit hat dasschöne Gebäude diesem unwürdigen Zwecke entzogen und, da esin Trümmer zu fallen drohete, eine Restanration desselben vor-genommen, welche 1841 begonnen und 1852 vollendet wurde.Der Plan, in demselben eine Landesbibliothek auszustellen, istjedoch bis jetzt nicht zur Ausführung gekommen und so steht esunbenutzt da mit Ausnahme der unteren Räume, in welchen sicheine noch aus alter Zeit herstammende Weinhandlung befindet.
S) Ribbentrop, Beschreibung der Stadt Braunschweig II. 215 undnach ihm Aßmann und Schröder, die Stadt Braunschweig II. 204.ss) C. Schiller a. a. O. Wir verweisen unsere Leser, welche einegenauere Beschreibung und Geschichte des Altstadt-Rathhauseszu lesen^ wünschen, hier wie bei den übrigen mittelalterlichenBauten Braunschweigs ein für alle Mal auf dieses trefflicheBuch.
In der Mitte des Altstadt-Marktes steht ein alterBrunnen, welcher mit seiner Pyramidalischen Form vortrefflichzu der gothischen Umgebung des Platzes paßt. Er ist laut In-schrift am Vorabend des Katharinentages, den 25. November1408 gegossen worden und besteht aus einem säulenartigen Unter-bau von Sandstein, welcher ein ans Blei gegossenes Beckenträgt. Aus diesem erhebt sich eine metallene Röhre, um welchesich iu abnehmendem Verhältniß des Umfanges noch zwei andereans Blei gegossene Becken legen. Das Ganze wird von einemzierlich durchbrochenen bleiernen Baldachin gekrönt. Die Ränderaller drei Becken sind mit mannigfaltigem Bildwerk verziert.Das größere untere enthält 20 Bilder, welche durch 4 vor-springende wasserspeieude Löweuköpfe in ebenso viele Abtheilungenzerlegt werden. Es sind theils Propheten und Heilige mitSpruchbändern in den Händen, deren Schrift indeß verloschenist, theils Könige des alten Testamentes und die durch Kroneund Rad kenntliche h. Katharina. Die den oberen Rand diesesBeckens umgebende Inschrift enthält außer der Angabe desStiftuugstages gereimte alttestameutliche Stelleu in plattdeutscherSprache ^'), welche fast alle eine Beziehung auf das Elementdes Wassers haben. Das mittlere Becken zeigt auf seinem Rande20 durch Inschriften erklärte Wappenschilder, welche gleichfallsdurch 4 wasserspeieude Löwenköpfe unterbrochen werden. Voransteht der Doppeladler des römischen Reiches mit der Ueberschristromiiko, dann folgen die Wappen der sieben Kurfürsten, wobeies ausfallend ist, daß die Ueberschrist über dem pfälzischen Wap-pen betörn lautet ^). Auch die Wappen der HerzogtümerBraunschweig (inlaut) und Lüneburg, sowie das der StadtBraunschweig (I>runs>vik) finden sich darunter. Hierauf kommendie Namen und singirten Wappen von Helden und Königen desHeiden- und Indenthums, sowie des christlichen Mittelalters:Hektors (eelor), des Julius Cäsar Julius), Karls des Großen(kui'ulus), des Königs Artus (r. urlus) u. a. Der letzte Nameist der Gottfrieds v. Bouillon (^ockeviml) des Eroberers des
s) Eine genaue Beschreibung dieses Brunnens findet sich in: Sack,Alterthümer der Stadt und des Landes Braunschweig, sowie indem schon angeführten Buche von Aßmann und Schröder II.206. Es ist jedoch ein Irrthum, wenn hier gesagt wird, daßes zur Zeit der Errichtung desselben noch keine deutsche Bibel-übersetzung gegeben, sondern nur die Vulgata Geltung gehabt^ habe. Auch Schiller a. a. O. hat dieses nachgeschrieben. DasMittelalter hatte wohl, wenn nicht wörtliche Uebcrsctzungen, sodoch freiere Bearbeitungen der Bibel in den Vulgarsprachen.Schönemann (Merkwürdigkeiten der wolfenbüttler Bibliothek)beschreibt die Handschrist einer solchen deutschen Bibel aus dem15. Jahrhundert. Noch bekannter ist die bibl« lliswiise des(luj 'iii 't «ws iNouliiis, von welcher sich eine Handschrift des 14.und 15. Jahrhunderts ebenda beschrieben findet. Solche freieBearbeitungen der h. Schrift waren gerade für das Volk bestimmt,ss) Die blau und weißen Wecken finden sich freilich im baierischenWappen sowohl, wie im pfälzischen, wie denn Pfalz und Baiernvon verschiedenen Zweigen derselben Familie beherrscht wurde.