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11 (1854)
Entstehung
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ging später auf die eigentliche Burg über, so daß diese seit dem14. Jahrhundert häufig auchdas Mosthaus" genannt wurde.Von diesem Baue Heinrichs des Löwen sind nur noch spärlicheReste in einer Mauer vorhanden, welche sich durch das Inneredes jetzigen Gebäudes zieht und welche namentlich in einem die-selbe durchbrechenden Portale den reinen romanischen Stil derZeit Heinrichs des Löwen zeigt. Das Uebrige sank in Aschedurch eine Fenersbrunst, welche am 21. Januar des Jahres1251 bei der Vermählungsfeier des römischen Königs Wilhelmvon Holland mit Elisabeth, der Tochter Ottos des Kindes,durch Unvorsichtigkeit in der Burg ausbrach. Vier Jahre später(1254) muß jedoch schon wieder ein neues Gebäude an derStelle gestanden haben; denn am 18. Juli fand in der Burgdie Vermählung Herzogs Albrecht des Langen mit Elisabethvon Brabant statt. In Folge der Abwesenheit der späterenHerzoge von Brannschweig ward das Gebäude indeß vernach-läßigt und verfiel, litt auch durch eine abermalige Fenersbrunst.Wir haben oben gesehen, woran der Plan Herzogs Julius schei-terte, diese Burg seiner Väter, die er bei einem Besuche derStadt als einen Trümmerhaufen vorfand, wiederherzustellen.Erst Friedrich Ulrich begann i. I. 1816 einen Neuban im Re-naissancestil, welcher i. I. 1640 durch Herzog August denJüngeren vollendet wurde. Die letzte Veränderung hat dasGebäude selbst durch Karl I. erfahren, welcher i. I. 1763 dieFronte desselben, wie die Südseite im moderngriechischen Stileausbanete. Die Arkaden sind ihm erst in diesem Jahrhundertangeflickt worden. Seitdem die Herzoge den grauen Hof erstan-den hatten, pflegten sie auch bei ihren Besuchen in Brannschweignicht mehr in der Burg abzusteigen, dagegen beherbergte siei. I. 1643 den großen Kurfürsten von Brandenburg und dienteim 18. Jahrhundert längere Zeit zur Aufbewahrung der Schätzedes nengegründeten Museums. In den letzten Jahrzehntendesselben war sie von dem berühmten Herzoge Ferdinand bewohntund i. I. 1808 ward das Gebäude zu einer Infanterie-Kaserneeingerichtet, welchem Zwecke es noch gegenwärtig dient.

Von dem Burgplatze und seinen Monumenten alter Kunstwenden wir uns zu einem anderen Platze, unstreitig dem schön-sten der ganzen Stadt, dem

A l t st a d t - M a r k t e.

Die beiden Gebäude, welche ihn zu diesem machen, sinddie Martinikirche, welche mit ihrem Chöre an denselben stößt,und das Altstadt-Rathhans, welches die nordwestliche Ecke des-selben einnimmt. Auch der in der Mitte desselben stehende alteBrunnen verdient eine genauere Beschreibung.

Die Martinikirche verdankt wahrscheinlich ihre Ent-stehung gleichfalls Heinrich dem Löwen. Denn wenn auch Reht-

meher'-b) meint, daß sie von den Patriziern sei erbauet worden,so geht doch aus einer Urkunde Ottos IV. vom I. 1204 hervor,daß die Herzoge mindestens einen großen Antheil an ihrem Baugehabt haben, da sie anfänglich das Patronatsrecht über dieselbeausübten. Dieses Recht tritt Otto in der erwähnten Urkundean die Stadt ab und er nennt darin das GotteshausunsereKirche des h. Martin, welche die Markttirche (ocelosiu l'nroiüächheißt." Zudem sind die ältesten Theile derselben, d. h. dieThürme und das Mittelschiff ganz in dem romanischen Stileder Zeit Heinrichs des Löwen erbanet, während die beiden Sei-tenschisse den Charakter einer späteren Zeit tragen, wo schon dergothische Spitzbogen den byzantinischen Rundbogen verdrängthatte. Auch das knppelsörmige, mir Kupfer gedeckte Glockenhausist erst später zwischen die beiden Thürme gesetzt worden. Diese,die einzigen ganz romanischen Thürme der Stadt, laufen inzwei langen mit Blei gedeckten Spitzen ans und haben eineHöhe von 230 Fuß. Das Mittelschiff, welches von 12 roma-nischen Pfeilern getragen wird, ist 128 Fuß lang und trägtans seinem Dache noch ein drittes Thürmchen, einen sogenanntenDachreiter. Die später hinzugefügten Nebenschiffe haben einegleiche Höhe wie das Mittelschiff. Das Aeußere der Kirche,besonders die Portale derselben sind reich mit bildlichen Dar-stellungen und plastischem Schmuck geziert. Das östliche Portaldes südlichen Schisses, welches das Priesterthor hieß, enthältdie Statuen der Mutter Maria, der h. drei Konige n. a. Dasihm entsprechende Portal der Nordseite, welches man die Brant-thür nannte, zeigt in der Giebelwand die Bildsäulen desBräutigams und der ihn umgebenden klugen und thörichtenJungfrauen. Ueber der Thüre erblickt man eine schön ausge-führte Gruppe, den Tod der Maria darstellend. Rechts undlinks vom Sterbelager stehen je sechs Männer, zu den FüßenJoseph und im Hintergründe der Heiland, welcher die Seeleder sterbenden Mutter vom Himmel herabschwebenden Engelnübergibt. Es verdient bemerkt zu werden, daß genau dieselbeGruppe sich in Elfenbein geschnitzt aus dem Deckel eines altenLectionarinms ^) der wolfenbüttler Bibliothek wiederfindet.

Die Kirche war übrigens dem h. Martin und dem h. Lo-renz geweihet und enthält in ihrem Inneren manches Sehens-werthe, darunter die Kanzel, die schönste der Stadt und einWerk des Bildhauers Georg Nötiger (ch 1623) mit sieben Mar-morreliefs, welche Scenen ans der heiligen Geschichte darstellen.Unterhalb derselben befindet sich die Statue des h. Martin.Dann verdient das Taufbecken Erwähnung, welches aus Mes-sing gegossen und auf sieben Feldern mit Darstellungen aus derGeschichte des Heilands in erhabener Arbeit geschmückt ist. Esward der Inschrift zu Folge gegossen am 3. Juni des Jahres

5) /XmigintMes eaclesi-islieae inclvwe u-Mis ki'unsviAas oder der be-rühmten Stadt Braunschweig Kirchenhistorie. I. >). 12V.Beschrieben von Schönemann, hundert Merkwürdigkeiten derherzogt. Bibliothek zu Wolfenbüttel, Nr. ZI.