Druckschrift 
11 (1854)
Entstehung
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bildern des Herzogs und der Herzogin schließen dasselbe. Der lHerzog trägt das Modell des Domes in der Rechten, das ge-zogene Schwert in der Linken. Die Arbeit beider Figuren, be-sonders der weiblichen ist von außerordentlicher Schönheit undReinheit, was um so mehr überrascht, da sie nicht lange nachHeinrichs Tode gefertigt sein kcmn. Gegenwärtig werden dieGrabsteine von dem wackeren Howald restaurirt. Die beiden ^Bildsäulen, welche früher zur Seite dieses Grabmales standenund von denen die eine ans Sandstein vom Elme wiederumHerzog Heinrich den Löwen ^), die andere aus nordhäuser Ala-baster den Bischof Hermann von Hildesheim darstellt, sind vonLudwig Rudolf in das herzogliche Erbbegräbnis; versetzt worden, jwo sie sich noch befinden. Das Grabmal dieses letzteren Für-sten und seiner Gemahlin Christine Luise von Oettingen (st 1747)befindet sich in der Mitte des Hauptschiffes. Es ist ein Sarko- !phag aus Marmor mit den in Zinn gegossenen lebensgroßenBildnissen des Herzogs und der Herzogin. Außer diesen Grab-!mälern befanden sich früher in der Kirche noch mehrere vonwelsischen Fürsten und Fürstinnen, welche aber wahrscheinlichbei der großeil Ueberschwemmnng während der Belagerung derStadt durch Heinrich Julius sehr geschädigt wurden und zumTheil einsanken. Antoll Ulrich ließ daher die Gebeine, welchein denselben rnheten, in einen großen eichenen Sarg vereinigenund diesen vor dem kleinen Altar beisetzen. Eine messingenePlatte gibt die Namen derjenigen an, welche hier eine gemeinsameRuhestätte gefunden haben; es sind folgende: Beatrix von Hohen-staufen, Tochter des Kaisers Philipp, ihr Gemahl Kaiser Otto IV,,Pfalzgraf Heinrich, Herzog Otto das Kind, Albrecht der Langeund dessen jnngverstorbener Sohn Wilhelm, Herzog Magnnsmit der Kette, H. Friedrich (st 1400), H. Wilhelm der Sieg-reiche mit seinen beiden Gemahlinnen Cäcilie und Mathilde,zuletzt Herzog Heinrich der Aeltere und dessen Gemahlin Helena.Noch sind die beiden steinernen Bildsäulen zu erwähnen, welcheim Inneren eines Fensters des südlichen Nebenschiffes angebrachtsind und welche wahrscheinlich nicht Heinrich den Löwen undMathilden von England, sondern Otto Largus und seine Ge-mahlin Agnes vorstellen, welche diese Nebenhalle erbant haben.

Bon dem größten Interesse für den Freund mittelalterlicherKunst sind die Wandgemälde, welche in neuester Zeit (1845)bei einer Restauration des Inneren der Kirche unter der Kalk-tünche entdeckt und nach sorgfältiger Entfernung des Kalkes vonzwei braunschweigischen Malern im Auftrage der Regierung zumTheil schon wieder hergestellt sind, zum Theil es noch werden.Sie enthalten Darstellungen aus der Geschichte des davidischenGeschlechtes, auch des Heilands, welche die Gewölbe des Choreszieren. Die Seitenwände dagegen sind bedeckt mit Bildern,welche das Leben der drei Schutzheiligen der Kirche verherrlichenund zwar ist ans der Seite nach Norden das Leben Johannes

Eine Abbildung davon findet sich in: PH. Chr. Rippentrops

Beschreibung der Stadt Braunschweig. 1789.

des Täufers, auf der südlichen dagegen das des h. Blasins und desThomas Becket dargestellt. Gegenwärtig ist man mit der Re-stauration des südlichen Krenzslügels beschäftigt, dessen Gemäldesich durch größeren künstlerischen Werth vor den übrigen aus-zeichnen sollen ^).

Unter dem hohen Ehor, in der ehmaligen Era-Kluft befindetsich das herzogliche Erbbegräbniß. Die alte Krypta wurde 1681durch Herzog Ferdinaud Albrecht I. vou Bevern zu diesemZwecke hergerichtet: sie birgt die sterblichen Ueberreste von über50 fürstlichen Personen. Hier ruhet die Schwester Ekberts II,jene Gertrud (st 1117), welche einen römischen Kaiser zumSchwiegersohne hatte. Der uralte steinerne Sarg, welcher ihreGebeine enthält, befand sich früher in der Peters- und Pauls-kapelle, ward aber, als diese abgebrochen wurde, in den Domgebracht. Fast nicht minder alt ist der Sarg, in welchem derLeichnam ihres Bruders Ekbert ruhet und welcher bei der Abbre-chung des Cyriaksstiftes von dort in die Bnrgkirche versetzt wurde.Unter den späteren Fürsten und Prinzen, welche hier begrabenliegen, sind viele, welche vor dem Feinde den Heldentod gefun-den haben, so die beiden Söhne Ferdinand Albrechts I., AugustFerdinand (st 1704 in der Schlacht am Schellenberge) undHeinrich Ferdinand (st 1706 bei der Belagerung von Turin);auch zwei Söhne Ferdinand Albrechts II, Prinz Albrecht (st 1745in der Schlacht bei Sorr bei der Vertheidigung eines vou sei-nem Bruder Ferdinand mit dem Bayonnet angegriffenen Hügels)und Friedrich Franz (st 1758 in der Schlacht bei Hochkirch)sind hier beigesetzt. Ihr Bruder Ferdinand (st 1792), der Helddes siebenjährigen Krieges, sowie die gegen Napoleon gebliebe-nen Herzoge Carl Wilhelm Ferdinand und Friedrich Wilhelmhaben hier gleichfalls ihre irdische Ruhestätte gefunden. Endlicherwähnen wir noch den Prinzen Leopold, Sohn des HerzogsKarl I., welcher i. I. 1785 in den Wellen der Oder seinenTod fand und die unglückliche Karoline, Gemahlin des Prinz-Regenten von England, welche durch den berüchtigten vor demenglischen Parlamente geführten Scheidungsproceß eine traurigeBerühmtheit erlangt hat.

Die Orgel der Kirche, von Heinrich Kranz i. I. 1499erbaut, ist später öfters renovirt und verbessert worden und ge-hört noch immer zu den besten Deutschlands. Auch das Geläutedes Domes ist ausgezeichnet. Unter den 11 Glocken sind diemerkwürdigsten die größeste, LIusnm nmjor, welche 99 Centnerschwer und 6 Fuß 9 Zoll im Durchmesser hat, und die kleinste,der LIsmus miniimm, deren hohes Alter durch die Inschrift8t. Llusi memcmw noslri" und das ans ihr befindliche Wap-pen Heinrichs des Löwen bekundet wird.

Der Raum erlaubt uns nicht, weitläufiger auf diese merkwür-digen Neste altdeutscher Malerei einzugehen; wer eine genaueBeschreibung und gründliche Beurtheilung derselben zu lesenwünscht, findet diese in: C. Schiller, die mittelalterliche Archi-tectur Braunschweigs und seiner nächsten Umgebungen. 1852.