Druckschrift 
11 (1854)
Entstehung
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Die Bauart des letzteren weiset aber auf die zweite Hälfte des13. Jahrhunderts als auf die Zeit hin, wo dieser Ergänzungs-bau ausgeführt wurde. Noch später erweiterte Herzog Otto derMilde (geb. 1292, -h 1344) das südliche Seiteuschiff in demStile und Geschmack seiner Zeit doch so, daß von dem ursprüng-lichen romanischen Bau desselben Manches erhalten blieb. We-niger noch als dieses südliche Seitenschiff paßt das von HerzogWilhelm dem Siegreichen i. I. 1469 erweiterte nördliche Seiten-schiff zu dem Hauptbau der Kirche, indem es den Charakter desim Verfall begriffenen gothischen Stiles trägt. In neuererZeit (1836) ist durch Abbruch der zur Kirche gehörenden Krenz-gänge und einiger anderer das Gotteshaus verbanender Gebäudedasselbe auch nach der südlichen Seite hin frei geworden. End-lich hat sich die jetzige Regierung durch die von derselben befoh-lene Restanration der jüngst in der Kirche entdeckten alten Wand-malereien sowohl nm diese selbst, als auch um die mittelalter-liche Kunst überhaupt ein anzuerkennendes Verdienst erworben.

Die Kirche besteht in ihrer jetzigen Gestalt, wie schon ausdieser kurzen Geschichte derselben hervorgeht, ans Banfragmentenverschiedener Epochen. Die noch vom ursprünglichen Ban Hein-richs des Löwen vorhandenen Hanpttheile derselben, d. h. dasMittelschiff mit seinen Krenzflügeln, der hohe Chor, der untereThurmsockel, endlich die Krypta gehören dem romanischen oderbyzantinischen Stile an. Das Mittelschiff, dessen Länge 123^4Fuß und dessen Höhe 61 Fuß beträgt, bildet eine Doppelreihevon je acht romanischen Pfeilern, ans welchen das schlichte Ge-wölbe der Kirche ruhet. Der 48 hs Fuß hohe und 83 Fußlange Chor erhebt sich 11 Fuß über dem Schisse und steht aufder Krypta, welche ans 6 Säulen und 2 Pfeilern ruhend ganzmit dem ursprünglichen Plane des Gebäudes harmouirt. DieseKrypta, welche schwerlich, wie man behauptet hat, eiu Rest derfrüheren Peters- und Panlskapelle ist, war der h. Era geweihet,deren bärtiges gekreuzigtes Bild früher hier aufbewahrt wurde,jetzt aber einen Platz unter dein Thurmgewölbe gefunden hat.Die Banart des unteren Thurmgeschosses, sowie die der Kreuz-slügel stimmt vollkommeu zu dem Stile, in welchem das Mittel-schiff erbauet ist: au der Giebelwand des nördlichen Kreuzslügelsbemerkt man noch die Thür, durch welche Heinrich der Löweüber eine Gallerie hinweg ans der Burg in die Kirche gelangte.

Mit diesen romanischen Haupttheilen der Kirche contrastirenmehr oder minder die in späterer Zeit, als der romanische Bau-stil der gothischen Romantik gewichen war, aufgeführten oberenThürme, das Glockenhaus und die Seitenschiffe. Das zierlichdurchbrochene Glockenhans gehört einer frühen Periode desgothischen Stiles an und derselben Zeit verdanken ohne Zweifeldie beiden großen Spitzbogenfenster des Mittelschiffs, welche demhohen Chöre zunächst liegen, ihre Entstehung. Diese Fenster,welche sich neben den übrigen paarweise angebrachten Rund-fenstern des Mittelschiffes sonderbar genug ausnehmen, sind offen-bar, um der Kirche mehr Licht zu gewinnen, aus je zweien der >

alten romanischen Rundfenster zusammengezogen worden. Vonden beiden Seitenschiffen, von denen ein Jedes eine besondereEpoche der Gothik repräsentirt, ist oben schon das Nöthige ge-sagt worden und bemerken wir nur noch, daß vie Fenster dernördlichen Seilenhalle früher eine Reihe von Bildnissen fürst-licher Personen enthielten, welche jedoch durch Rudolf Augusti. I. 1678 entfernt wurden. Nur in dem nordwestlichen Fen-ster haben sich als letzte Reste alter Glasmalerei die Wappenvon 23 brannschweigischen Patrizierfamilien erhalten.

Der Dom besaß früher eine große Menge kostbarer Kunst-werke und Reliquien, welche aber größtentheils abhanden gekom-men sind. Von dem großen Reliqnienschatze Heinrichs desLöwen, welcher i. I. 1671 durch Rudolf August dem katholischgewordenen Herzoge Johann Friedrich von Hannover als Ent-schädigung für seine Ansprüche aus einen Theil der Stadt Braun-schweig überlassen wurde, sind nur noch spärliche jetzt in derRudolfskapelle aufbewahrte Reste vorhanden, darunter das Hornund die Schalmei des h. Blasius, eine angebliche Rippe desRiesen Goliath, die jedoch nichts Anderes ist als ein Mammuths-knochen, ein für eine Greisenklaue gehaltenes Antilopenhorn u. a.Merkwürdiger sind die noch vorhandenen alten Kunstwerke: dahingehört der jetzt vor dem hohen Chöre zwischen dessen Treppen-armen aufgestellte Altar, welchen die Gemahlin Heinrichs desLöwen, Mathilde von England, ein Jahr vor ihrem Tode (1188)der Kirche schenkte. Er besteht aus einer Platte von Muschel-marmor, welche auf fünf früher mit Reliquien gefüllten Brouze-säulen ruhet, mit schön gearbeiteten Capitälen. In der mittel-sten derselben wird noch jetzt die Stistungsurkunde des Altarsaufbewahrt. Beachtenswerther noch ist der 16 Fuß hohe, 13Fuß breite und 7 Centner schwere siebenarmige Leuchter vonBronze, welcher höchstwahrscheinlich noch aus der Zeit Heinrichsdes Löwen stammt und in der Mitte des Chores aufgestellt ist.Die frühere Meinung, daß dieser Leuchter durch Heinrich vonseinem Kreuzzuge mitgebracht und daher morgenländischer Arbeitsei, wird jetzt allgemein verworfen: vielmehr ist dieses dem Arm-leuchter des Tempels zu Jerusalem nachgebildete Kunstwerk allerWahrscheinlichkeit nach ein Erzeugniß vaterländischen Knnstfleißes.Dieser Leuchter ward übrigens i. I. 1728 entfernt, weil er dieAussicht auf den neuerbauten Hochaltar verdeckte und ist ersti. I. 1836 wieder an seine Stelle gekommen. Von Gemäldenbesaß die Kirche früher zwei sehr merkwürdige, das eine Hein-rich den Löwen mit seiner zweiten Gemahlin Mathilde undOtto IV. mit seiner Gemahlin, der hohenstanfischen Beatrix,vorstellend und höchstwahrscheinlich aus dem Ansauge des 13.Jahrhunderts stammend, das andere ein Altarblatt mit Seiten-klappen, welches dem Maler Johann Raphon zugeschrieben wird.Beide befinden sich jetzt in dem herzoglichen Museum.

Unter den Grabmälern der Kirche zeichnet sich dasjenigeihres Stifters und seiner Gemahlin Mathilde aus. Ein eiser-nes Geländer umgiebt und zwei große Decksteine mit den Stand-

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