von diesem Schicksale retteten. Die Stiftung des Herzogs Karl,das Collegium Karolinum, wurde in eine Militärschnle, dieherrliche Aegidienkirche in ein Magazin verwandelt. Die StifterSt. Blasins und St. Cyriakus, deren Fonds bis dahin in edel-ster Weise verwandt worden waren, wurden ganz aufgehoben.Grollend trug Braunschweig das fremde Joch. Napoleon selbstsoll geäußert haben, daß, wenn im nördlichen Deutschland einAufstand gegen die französische Herrschaft ansbrechen sollte,Brannschweig der Herd desselben sein würde. Diese der neuenOrdnung feindliche Gesinnung der Bürger zeigte sich besonders,als i. I. 1809 der Herzog Friedrich Wilhelm auf seinem denk-würdigen Zuge an die Nordsee die Stadt berührte. Mit Be-geisterung ward er von den Bewohnern Braunschweigs begrüßtund an dem Kampfe, den er vor den Thoren, bei dem DorfeOelper, mit einem überlegenen Feinde zu bestehen hatte, nahmennicht nur Einige derselben in Civilkleidern Theil, sondern Vieletraten auch in die Reihen seiner schwarzen Krieger und beglei-teten ihn auf seinem weiteren gefahrvollen Wege. Es ist sogarwahrscheinlich, daß die feindliche Haltung der Stadt den Gene-ral Renbel bewog, seine vortheilhafte Stellung hinterwärtsOelper aufzugeben und dem Herzoge die Straße nach Celle undHannover freizulassen.
Mit der Befreiung Deutschlands durch die Schlacht beiLeipzig kehrte auch der vertriebene Fürst in sein angestammtesLand zurück. Am 32. December 1813 kam er in Braunschweigan, um nach einer zu kurzen Regierung bei Quatrebras gegendenselben Feind den Heldentod zu finden^), welchen er seinganzes Leben hindurch bekämpft hatte. Seitdem hat Braun-schweig noch einmal in seinen Mauern Scenen gesehen, welchean die wilden Auftritte früherer Zeiten erinnern: wir meinenden Aufstand, durch welchen am 7. September 1830 k er ältesteSohn des bei Quatrebras gefallenen Helden, Herzog Karl II,,seines Herzogthnms verlustig ging. Bei diesem Ausstande sankder graue Hof, die langjährige Residenz der Herzoge, in Asche.Auf der Stelle, wo er gestanden, erhebt sich jetzt das herrlicheSchloß, welches unter den Gebäuden der neueren Zeit die vor-züglichste Zierde der Stadt ist.
In den letzten 50 Jahren hat Braunschweig viele und
Niemand hat den Tod des Herzogs schöner besungen, alsNjioii in seinem Lbilcle Itiirolci:
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bedeutende Verschönerungen erfahren und man ist noch jetztunablässig bemüht, der Stadt, soweit es die Verhältnisse gestatten,ein freundlicheres Ansehen zu geben. Außer dem erwähntenSchlosse rechnen wir zu diesen Verschönerungen einige großartigeBauten der letzten Jahrzehnte, wie die neue Infanterie-Kaserneund den schönen Eisenbahnhof, ferner die herzogliche Villa vordem Augustthore, einige monumentale Ausschmückungen, unterdenen das Denkmal Lessings den ersten Platz einnimmt, undbesonders die voll Karl Wilhelm Ferdinand begonnene, in jüng-ster Zeit vollendete Verwandlung der alten Festungswerke inreizende, die Stadt wie mit einem Blüthenkranze umschlingendeSpaziergänge. Bei all diesen Neuerungen hat man nicht unter-lassen, das Alte, wo es schön und bedeutend hervortritt, zupflegen oder wiederherzustellen. Zeugniß davon ist vor Allemdie Restanration der prachtvollen Aegidienkirche und des herr-lichen Altstadt-Rathhanses. Es spricht sich in diesem Bestreben,die Stadt ans der einen Seite durch neue Anlagen zu verschö-nen, ihr ans der anderen Seite aber auch durch sorgfältige Er-haltung des Alten ihren historischen Charakter zu bewahren,ein richtiger Sinn und ein durchaus guter Geschmack der Be-wohner aus, der, indem er die vergangenen Zeiten und ihreSchöpfungen ehrt, der neuen Zeit mit ihren Forderungen dieschuldige Rechnung trägt. Und so gehört denn Brannschweigzu denjenigen Städten, deren äußere Physiognomie ans denBeschauer den angenehmsten Eindruck macht eben durch die glück-liche Mischung von historischem Gepräge und neuem heiteren Leben.
Was die Bevölkerung der Stadt anbelangt, so hat sie sich,seitdem die Herzöge wieder Herren derselben geworden sind,fast jährlich vermehrt. Im Jahre 1551 zählte die Stadt16,192 Einwohner, im Jahre ihrer Unterwerfung (1671) wardie Zahl derselben auf 15,570 herabgesunlen. Ein Jahrhundertspäter (1773) war die Einwohnerzahl schon auf 23,385 Seelengestiegen und wenn auch die später folgenden Kriegsjahre einenStillstand in dieser Hinsicht herbeiführten, so haben die letztenJahrzehnte des Friedens das reichlich wieder ausgeglichen, wieaus folgender kleinen Tabelle hervorgeht:
1822 — 32,945 Einwohner1830 — 35,340
1832 — 36,239 „ - mit Ausschluß des1839 — 37,583 „ Militärs.
1843 — 38,8231849 — 39,011Der bei Weitem größte Theil dieser Bevölkerung ist luthe-rischer Consession, nur kleine Bruchtheile derselben bekennen sichzu der reformirten, römisch-katholischen und jüdischen Religion,doch haben diese drei letzten Konfessionen eine jede ihr eigenesGotteshaus. Auch eine deutsch-katholische Gemeinde hat sich inden letzten Jahren gebildet, allein die Zahl ihrer Mitglieder istnicht groß.
Braunschweig.
III.