in weltlichen Sachen; denn die geistliche Gerichtsbarkeit warddem herzoglichen Consistorinm zu Wolfeubüttel übertragen. VierJahre nach der Unterwerfung der Stadt geschah endlich nochdie Aufhebung des Sachsenrechtes und aller darauf sich grün-denden Statuten und Gewohnheiten. Damit schien die Vernich-tung der bisherigen Sonderstellung der Stadt Brannschweig denübrigen Städten des Landes gegenüber vollendet.
So war endlich nach langem Hader und Streit das Schick-sal der Stadt entschieden worden: was vor beinahe 200 IahrenHerzog Heinrich der Aeltere begonnen, hatte ein später Nach-folger desselben vollendet. Die Unterwerfung Braunschweigs,diese Aufgabe, woran die großen Eigenschaften der fähigsten undkriegerischsten Fürsten aus dem welfischen Hause gescheitertwaren, gelang dem keinesweges durch bedeutende Gaben ausge-zeichneten Rudolf August fast ohne Mühe. Die Frucht wareben reif; sie brauchte nur geschüttelt zu werden und sie sielherab. Das im Inneren untergrabene, äußerlich vielfach ge-schädigte Gebäude des städtischen Gemeinwesens hatte die Zähig-keit verloren, mit welcher es früher ganz anderen Stürmenwiderstanden: es stürzte jetzt, da es sich überlebt hatte, fast vonselbst zusammen. Indem die Stadt ihre Selbständigkeit verlor,hatte sie den Kreislauf ihrer eigenthümlichen geschichtlichen Ent-wickelung vollendet: sie war unter die Botmäßigkeit der Fürstenzurückgekehrt, denen sie ihr erstes Aufblühen verdankte, denensie später ein Recht nach den: anderen abtrntzte, ohne es jedochje dahin bringen zu können, daß ihre Unabhängigkeit von ihnenanerkannt wurde. Mit ihrer Unterwerfung verliert ihre Geschichtean Interesse; es sind nicht mehr die Kämpfe und Entwickelungeneines selbständigen, gegliederten Gemeinwesens, welche wir ver-folgen, sondern sie theilt in der Folge das Schicksal des Landes,welchem sie angehört. Für die späteren Zeiten mögen dahereinige flüchtige Andeutungen genügen.
Rudolf August, welcher sich häusig in Brannschweig aus-hielt, erweiterte die herzogliche Residenz, den grauen Hof, bisan den Steingraben und begann den Neubau der alten, schad-haft gewordenen Festungswerke. Bei dieser Gelegenheit wurdenmehrere der Stadtthore zugeworfen, so daß von den früherenDreizehnen nur Sieben übrig blieben. Für den Wohlstand derStadt und den Ausschwung ihres Handels war es von großerWichtigkeit, daß der Herzog die Jahrmärkte, welche seit 1498bestanden, reformirte. Er hob die alte den Verkehr hemmendeBestimmung auf, daß kein Fremder mit einem Fremden handelndürfe, gewährte der Stadt Zollfreiheit auf 30 Jahre und erließeine neue Marktgerichtsordnung. Dnrch diese Maßregeln erhieltendie Jahrmärkte erst die Bedeutung von Messen.
Rudolf August's Bruder, der prachtliebende Anton Ulrich,ließ 1670 auf dem Platze, wo früher das Rathhaus des Hagenstand, das Opernhaus erbauen und setzte den Bau der neuenFestungswerkesort, welche jedoch erst unter seinem zweiten Nach-folger, Ludwig Rudolf, vollendet wurden. Dieser legte durch
die von ihm zusammengebrachte Kunst- und Naturaliensammlung,welche er in dem späteren Zeughause ausstellen ließ, den Grundzu dem jetzigen Museum.
Am Meisten von allen Nachfolgern Rudolf Augusts hatder freigebige, Wissenschaft und Kunst liebende Herzog Karl I.für Braunschweig gethan. Er verlegte im Jahre 1753 seineResidenz von Wolfeubüttel nach Braunschweig. Hier bezog erdas auf dem grauen Hofe neuerbaute Schloß, zu welchem Her-zog August Wilhelm i. I. 1721 den Grundstein gelegt hatte.Dem Herzoge Karl verdanken nicht nur das Intelligenzcomtoir(seit 1745) uud das Obersanitäts-Collegium ihre Entstehung,sondern auch das Collegium Carolinum. Die Gründung undEinrichtung desselben geschah nach dem Plane des Abtes Jeru-salem und die Anstalt gewann bald durch Männer, wie Eschen-burg, Ebert, Zachariä, Gärtner, Mauvillon u. a. einen weit-verbreiteten Ruf. Auch das übrige Uuterrichtswesen verbesserteder Herzog, besonders legte er Armenschnlen au, die bis dahinnoch nicht bestanden hatten. Zeugniß von seinem thätigen Be-streben, die Stadt zu verschönern, legt die von ihm eingeführteStraßenerleuchtung, sowie die Verbesserung des städtischen Pfla-sters ab. Für die Verbesserung des Gesundheitszustandes sorgteer durch Verlegung der Kirchhöfe außerhalb der Thore (1755),für die größere Sicherheit der Wohnungeu durch zweckmäßigereLöschanstalten. Uebrigens hatte die Stadt unter seiner Regie-rung während des 7jährigen Krieges ihre letzte, freilich sehrkurze Belagerung auszuhalten. Nachdem in Folge der Conven-tion von Kloster Zeven französische Truppen schon i. I. 1757Braunschweig besetzt, nach der Schlacht bei Roßbach jedoch wie-der verlassen hatten, erschienen sie 1761 unter dem Befehle desPrinzen Xaver von Sachsen abermals vor den Mauern derStadt und begannen sie zu beschießen. Allein bald nahete PrinzFriedrich, warf den Feind aus den Schanzen bei Oelper undbefreiete die Stadt.
Nach der glücklichen, alles Edle und Gute fördernden Re-gierung des Herzogs Karl Wilhelm Ferdinand folgten auch fürBraunschweig wie für ganz Norddeutschland schwere, verhängniß-volle Zeiten. Daß der Herzog den Oberbefehl über das preu-ßische Heer in dem Kriege von 1806 übernommen hatte, warfür Napoleon ein willkommener Vorwand, das Land als einfeindliches, mit den Waffen erobertes anzusehen. Der bei Jenaschwer verwundete Fürst bat den Sieger vergebens um Schonungdes Landes und um die Gunst, im Schlosse seiner Väter sterbenzu dürfen: um nicht den verfolgenden Feinden in die Hände zufallen, mußte er seine schmerzhafte Flucht weiter fortsetzen. Daseroberte Land ward zum Königreiche Westfalen geschlagen,Braunschweig zur Hauptstadt des Ocker-Departements gemacht.Die Franzosen hausten hier in ihrer gewöhnlichen, zerstörendenWeise. Was die Stadt an Knnstschätzen besaß, ward durchDenon nach Paris gesandt: kaum daß die energischen Vorstel-lungen des Präfekten v. Reimann den Löwen aus dem Burgplatze