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11 (1854)
Entstehung
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behandelte ihn überhaupt ziemlich hochfahrend und übermüthig. Sosehr dem Herzoge auch daran gelegen war, mit den Braunschweigernin gutem Vernehmen zu leben, so mäßig und nachgiebig er sichauch in seinen Ansprüchen zeigte, Braunschweig beharrte aufseinem Trotze und August der Jüngere starb, ohne daß dieStadt ihm die Huldigung geleistet hatte.

Endlich kam für Braunschweig der Tag der Unterwerfung:er kam ungeahnt und überraschend. Herzog Augusts Nachfol-ger, Rudolf August, (seit 1666) hatte von vornherein einenanderen Ton gegen die Stadt angenommen, ihr namentlich dieBelehnnng mit den Gerichten Eich und Wendhauseu abgeschlagen.Dann einigte er sich im Frühling des Jahres 1671 mit seinenVettern von Celle und Hannover zu einem gemeinschaftlichenAngriffe auf die Stadt. Der Augenblick war gut gewählt;denn bei den Bürgern herrschte großes Mißvergnügen über denRath, dessen liederliche Fiuanzverwaltung die Stadt tief in Schul-den gestürzt hatte *). Zu Burgwedel kamen die sämmtlichenMitglieder des welfischen Hauses zusammen und erwogen,daßes zu ihrer Lande bmeuritnt, bei jetzigen sorgsamen Läuffteu,überanß nöthig sein wolte, daß sie der Stadt Braunschweig, alswelche mitten im Lande gelegen, versichert sehn und dieselbe alsihre erbangehörige Landstadt zur ramon und Gehorsam gebrachtwerden könte" ^). Wenn die Braunschweiger vielleicht der Hoff-nung waren, daß es zwischen den Vettern, wie schon so oft auchdiesesmal zu Zwistigkeiteu kommen und dadurch das drohendeWetter von der Stadt abgewandt werden würde, so sahen siesich bitter getäuscht: dieses Mal handelten die Fürsten mitmerkwürdiger Einigkeit. Hannover sowohl wie Celle verzichtetenaus den Antheil der Stadt, den sie zu fordern hatten unddieselbe ward der wolfenbüttelschen Linie allein überlassen. Nach-dem mau sich so über die Beute geeinigt hatte, galt es sie zumachen; denn noch war die Stadt weit davon entfernt, denGedanken an Widerstand aufzugeben und sich zu unterwerfen.Den herzoglichen Abgesandten, welche für Wolfenbüttel die Hul-digung verlangten, erwiderte sie, obgleich Kassen und Zeughäuserleer standen und die Fürsten ein starkes, wohlgerüstetes Heergesammelt hatten, in dem alten trotzigen Tone. Da erschienenin der letzten Hälfte des Mai 1671 die Truppen der Herzoge,20,000 Mann stark und unter dem Befehle des lüneburgischenFeldmarschalls Grafen v. Waldeck, vor den Wällen der Stadt.Der Rath, völlig ungerüstet und in seinen improvisirten Ver-theidigungsanstalten überall durch den Haß und das Mißtrauender Bürger gehemmt, erschrack, als er den Ernst der Sachesah. Die ganze Besatzung der Stadt bestand aus nicht mehrals 220 Mann unter dem Major Beckmann, auch fehlte es, um

Es fand sich ein jährliches Deficit von 24, MO Thlr. und eineSchuldenlast von 1,735,000 Thlr.

**) Kurze, jedoch gründliche Beschreibung der Stadt Braunschweig,in sonderheit aber auf was Massen sie zur ckevmiun gegen denHerrn Rudolph August gebracht worden. !67l. 4w.

eine längere Belagerung aushalten zu können, an Munition.Die Hilfe, welche man in aller Eile von Schweden, dem Kaiser,den Hansestädten und Holland verlangte, mußte, wenn sie über-haupt gewährt wurde, unter diesen Umständen jedenfalls zu spätkommen.

Am 31. Mai begann, als der Rath noch immer zögerte,sich und die Stadt zu unterwerfen, die Beschießung derselbenaus den 100 herzoglichen Geschützen. Die Vertheidigung konnteeinem solchen Augriffe gegenüber und bei der geschilderten Lageder Dinge nur eine matte sein, sie ward durch die jetzt offenausbrechende Zwietracht im Inneren der Stadt noch mehr ge-schwächt. Bald forderte die Bürgerschaft Ergebung und drohetedem Rathe, falls er auf seinem Entschlüsse, die Stadt zu ver-theidigen, bestände, auf eigene Hand mit den Herzogen zu unter-handeln. Das war der letzte Stoß, sagt der BürgermeisterGerken in seiner brauuschweigischen Chronik, durch welchen Se-natus bewogen wurde, Hand, Mund und Herz sinken zu lassen.Am 6. Juni erschienen im herzoglichen Lager zu RiddagshansenAbgeordnete des Rathes, der Gilden und der Bürgerschaft, ummit den Fürsten wegen Uebergabe der Stadt zu unterhandeln.Nach viertägigem Hin- und Herreden kam am 10. Jnuius eineKapitulation zu Stande, in Folge deren sich die Stadt demfürstlichen Hause Brauuschweig-Wolfeubüttel unterwarf. Dage-gen versprach der Herzog den Bürgern die Erhaltung der luthe-rischen Religion und gewährte eine allgemeine Amnestie. Am12. Juni rückte das Regiment Staufen, 1000 Mann stark, indas Fallersleberthor und besetzte die Wälle: dann folgten fünfandere Regimenter, und am 15. nahm der Herzog die Huldi-gung ein. Alsbald wurden die übrigen Streitpunkte, über welchesich die Kapitulation nur in unbestimmten Ausdrücken äußerte,geregelt. Was den Güterbesitz der Stadt anlangt, so wurde dieVerwaltung des sogenannten großen Aerars *) einer Stadtcom-mission übergeben, welche unter dem Herzoge stand und welchespäter hl 731) mit der herzoglichen Kammer vereinigt worden ist.Die Regierung übernahm damit die Regelung des städtischenFinanzwesens und die Tilgung der bedeutenden städtischen Schul-den. Noch durchgreifender als diese Maßregel war die vomHerzoge vorgenommene Umgestaltung des Stadtregimentes. DieStadtmagistrate der fünf Weichbilder wurden in einen zusam-mengezogen, die Zahl der Bürgermeister von 14 auf 4, derKämmerer von 11 auf 4, der Nathsherrn von 31 auf 8 ver-ringert. Die Befugnisse dieses neuen Magistrats waren natür-lich äußerst beschränkt: sie erstreckten sich fast nur auf die Ver-waltung des kleinen Aerars ^) und auf die niedere Rechtspflege

5) Zu diesem rechnete man außer den Mühlen, den Thor- undBrückengeldern und anderen städtischen Einnahmen das GutWendhausen nebst dem wendhäuser Forste das Gericht Eich,Schandelah und Vechelde.

55) Es bestand aus den vier Pfahldörfern Oelper, Lehndorf (nebstdem damit verbundenen Kreuzkloster), Rüningen und Rühme,zu welchem letzteren das Hospital St. Leonhard gehörte.