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11 (1854)
Entstehung
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den Herzog durch einen ihm unter der Asse gelegten Hinterhaltin seine Gewalt zn bekommen. Nur durch einen Zufall unddie Schnelligkeit seines Pferdes entging er den städtischen Reitern;sein Geheimschreiber, weniger glücklich, fiel ihnen in die Händeund ward erschlagen. Der Rath entschuldigte sich zwar,seineReiter hätten bloß einmal einen Spazierritt machen wollen,"allein Heinrich Julius, dein es zugleich nicht verborgen blieb,daß die Stadt neue Bündnisse abschloß mit den mächtigstennorddeutschen Städten und dem Herzoge von Lüneburg, wandte

sich nunmehr klagend an den Kaiser. Aber auch die Acht des

s) Diese Behörde war in den letzten Jahren von Heinrichs desNetteren Regierung entstanden. Durch den sogenannten kleinenBrief erhielten nämlich damals die Gilden und die Gemeinedas Recht, zur Beaufsichtigung des städtischen Schatzes !0 Män-ner aus ihrer Mitte zu bestellen, welche den Schlüssel zu demGeldkasten der Stadt besaßen, und welchen 2 Kämmerer derAltstadt beigegeben waren, um die Buchhaltung über die laufen-den Einnahmen und Ausgaben zu führen. Diese Behörde nannteman die Zehentmänner.

Reiches schreckte die übermüthigen Bürger so wenig, daß sie dieHerolde des Kaisers, welche die Achtserklärnng in's Thor brach-ten, gröblich beleidigten und verhöhnten. Von nun an betriebder Herzog, zum Theil persönlich, am kaiserlichen Hofe die Voll-streckung der Acht gegen die rebellische Stadt. Doch es warihm nicht vergönnt die Demüthigung derselben zu erleben. Einplötzlicher Tod ereilte ihn 1613 zu Prag: er hinterließ denungeschlichteten Streit mit Brannschweig seinem schwachen, ener-gielosen Sohne Friedrich Ulrich.

Dieser brachte es nun freilich, was sein Vater nie hatteerreichen können, dahin, daß die Stadt ihm huldigte, allein diesesgeschah erst nach wiederholtem Kampfe und unter Bedingungen,welche für den Herzog nicht eben die ehrenvollsten waren. ImAnfange von Friedrich Ulrichs Regierung schien es, als ob dieBürger sich dem neuen Herzoge beugen wollten; denn der langeKrieg hatte ihre Kassen erschöpft und die Folgen der Reichsachtmachten sich durch Unterbrechung des Handels und Verkehrs anseine sehr empfindliche Weise fühlbar. Dazu kam noch, daß inder Stadt die Eintracht fehlte, daß wiederum zwischen Bürger-schaft und Rath Zerwürfnisse entstanden. Diesesmal war dieGeistlichkeit ans Seiten der ersteren und ihrem heftigen Pre-digen gegen die Patrizier gelang es, eine allgemeine Umwälzungim Regiments der Stadt herbeizuführen. Der ganze Magistrat,den man mit dem Herzoge im EinVerständniß glaubte, die Gilde-meister, Stadthanptleute und Zehntmänner wurden ihrerAemter entsetzt und Einige derselben sogar in's Gefängniß ge-worfen. Doch ward kein Blut vergossen und man begnügtesich damit, den neuen Rath von allen patrizischen Elementenzu säubern und ihn vor jeden: Einflüsse von dieser Seite hersicher zu stellen. Mit dem Herzoge knüpfte man Unterhandlungenan, die sich jedoch bald an der Forderung desselben zerschlugen,

die Stadt solle ihm 2 Tonnen Goldes zahlen, eine jährlicheAbgabe von 30,000 Thalern bewilligen und eines ihrer Thoreeinräumen. Als diese Forderung zurückgewiesen wurde, begannder Kampf von Neuem. Die Stadt, im Bunde mit den Hanse-städten und den Niederländern, mußte noch einmal eine harteBelagerung aushalten. Schon war sie trotz einiger Vortheile,welche die Bürger bei Ausfällen über das herzogliche Heer ge-wannen, zum Aenßersten gebracht, schon hatte sie die Ergebungan den Herzog beschlossen, als sie durch Zuzug hansischer Hilfs-trnppen unter dem Grafen Friedrich v. Solms neuen Mutherhielt. Da der Herzog zugleich in Erfahrung brachte, daßauch die Truppen der Holländer zum Entsatze der Stadt heran-naheten, so zog er sein Heer nach dreimonatlicher Belagerung aufWolfenbüttel zurück und es kam bald darauf, am 21. December1615, zu einem Vergleiche. Die Stadt leistete dem Herzogedie Huldigung, wogegen dieser sie bei ihren alten Freiheiten zubelassen versprach, auch sich zu einer Entschädigung derjenigenin der Stadt ansäßigen Gutsherrn verstand, deren Güter vonihm eingezogen worden waren. Die übrigen streitigen Punktesollten durch Austräge und aus dem Wege Rechtens beigelegtwerden. Dann erfolgte die Aufhebung der Reichsacht und nach-dem der Kaiser den Vertrag bestätigt hatte, ertheilte FriedrichUlrich der Stadt den großen und kleinen Huldebrief. Gegenspätere Angriffe von Seiten des Herzogs ward Braunschweigdurch den bald ausbrechenden 30jährigen Krieg gesichert. Alsnach der Schlacht bei Lutter am Barcmberge die ligistischenund kaiserlichen Heere das braunschweigische Land überschwemm-ten, mußte Friedrich Ulrich sogar in der Stadt eine Zufluchtsuchen. Die von Tillh an Brannschweig gestellte Forderung, eineBesatzung von 4 Compagnien Reiter einzunehmen, wußte derRath durch eine Geldsumme abzukaufen; auch gelang es derStadt im weiteren Verlaufe des Krieges sich von fremder Be-satzung frei zu halten. Allein dieser schonungslose Krieg voll-endete, indem er den Wohlstand der Nation ans lange Zeit zer-störte, auch den Ruin der städtischen Macht. Brannschweighatte in dieser Hinsicht das Schicksal der meisten deutschen Städte:der 30jährige Krieg hat die letzten Pfeiler ihres freien Gemein-wesens zerbrochen. Den Ansgang des Krieges erlebte FriedrichUlrich nicht mehr: er starb i. I. 1634, der letzte Fürst desmittleren Hauses Brannschweig.

August der Jüngere, dannenbergischer Linie, erhielt durchden Theilungsvertrag vom 14. December 1635 den größtenTheil der wolfenbüttelschen Lande. Er hatte von seinen Betternden Alleinbesitz der Stadt Braunschweig verlangt; konnte jedochnur erreichen, daß ihm die Hälfte derselben abgetreten wurde.Da Wolfenbüttel noch von den Kaiserlichen besetzt war, so sahsich der neue Herzog genöthigt, seine Wohnung in Braunschweigzu nehmen, konnte aber trotz seiner Milde und Freundlichkeitnicht mit der Stadt in ein einigermaßen erträgliches Verhältnißkommen. Sie verweigerte ihm hartnäckig die Huldigung und

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