Druckschrift 
11 (1854)
Entstehung
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man aus, stets von einem Raben verfolgt, der ihm weder zuHause noch auf der Straße Ruhe ließe und der Niemand anderssei als der Gottseibeiuns. Vergebens vertheidigte sich Bra-bant in einer eigenen Schrift^) gegen dergleichen abgeschmackteBeschuldigungen: sie fanden bei dem Pöbel um so eher Glauben,als die Patrizier ihrerseits nicht unterlassen hatten die Verläum-dung zu verbreiten, daß Brabant damit umgehe die Stadt anden Herzog zu verrathen. Diese Mittel verfehlten ihre Wir-kung nicht: es kam zu einein Straßenauflaufe gegen Brabantund seine Freunde. Zwar gelaug es diesem und einem anderenStadthanptmanne, Depenau, sich durch einen Sprung von derStadtmauer herab in's Freie zu retten; allein Brabant brachbeim Herabspriugen ein Bein und konnte nur mit großer Mühevon seinem Freunde und einem Leineweber, den sie vor denThoren trafen, bis nach Vroitzen geschleppt werden. Hier ver-ließ ihn Depenan, nachdem er ihn unter einem Busche verborgenhatte, mit dem Versprechen, ihm einen Wagen zu senden, answelchem er Wolsenbüttel erreichen könnte. Statt des rettendenFuhrwerks erschienen nach einiger Zeit die Häscher des Rathes,welchen unterdeß jener Leineweber das Versteck des Unglücklichenverrathen hatte. Unter dem Geschrei der wüthenden Mengebrachte man ihn nach Braunjchweig zurück, wo alsbald gegenihn und seine Genossen die hochnothpeinliche Procedur begann.Mit unmenschlicher, ausgesuchter Grausamkeit verfuhr man gegendie Unglücklichen. Während Brabant unter den furchtbarenQualen der Folter litt, saßen seine Richter auf grünen Polsternum ihn her und labten sich an Wein und Gebackenem, nochmehr an den Schmerzen ihres Schlachtopfers. Nach helden-müthigem Widerstande erpreßte die unerträgliche Qual demGemarterten das Geständniß alles dessen, was man von ihmverlangte. Dann kam die Reihe an die übrigen Gefangenen.Um der Wunden Jesu willen" bat Zacharias Drösemann, ihnnur auf einen Augenblick aus der Hand der Marterknechte zubefreien. Als der Rath, welcher während dieses Auftritts ineinem oberen Gemache zechte und schmauste, halbtrunken herab-kam, war Drösemaun unter den Händen des Henkers gestorben.Er konnte sich glücklich preisen; denn noch furchtbarere Qualenwarteten seines Leidensgefährten. Das gegen ihn gefällte Urtheillautete dahin, daß er zwei Finger der rechten Hand verlierenund dann geviertheilt werden sollte, nachdem er vorher mit glü-henden Zangen gezwickt worden wäre. Die Hinrichtung Bra-bants entsprach ganz dem Verfahren, welches man während derUntersuchung gegen ihn in Anwendung gebracht hatte. Am16. September 1663 schleppte man den Unglücklichen zur Richt-statt. Seine Glieder waren dermaßen zerbrochen, daß er auf

s) Kurze Verantwortung und Bericht, auf eine grobe, dicke, feisteund wohlgemestete Lüge, fo etliche Ehrenschändern in der StadtBraunschweig auf Hennig Braband, Bürgern und beeidigtenHaubtmann der Gemeine daselbst, von einer Raben ehrenschänd-lich erdichtet, und unter die Leute ausgebreitet.

einem Stuhle dahin getragen werden mußte. Hier starb er mit be-wunderungswürdiger Fassung und Ruhe unter den grausamstenSchmerzen, in: letzten Augenblicke noch seine Unschuld betheuernd.Acht andere Stadthauptleute starben durch das Schwert: vielewurden eingekerkert oder aus der Stadt verwiesen. Der neueNeceß nebst Brabants Vertheidigung wegen der Rabengeschichtewurden öffentlich durch Heukershand verbrannt ^). In demneugewählten Rathe nahmen die Patrizier ihre verlorenen Stellenwieder ein.

Diese Vorgänge in Braunschweig konnten auf den Herzognicht wohl eine andere Wirkung ausüben, als daß sie ihn nocbmehr gegen die Stadt aufbrachten. Sein Name war ans einemehr als zweideutige Weise in den Proceß Brabants gemischtworden: vergebens hatte er sich für den Unglücklichen verwandt,vergebens eine Confrontation desselben mit denjenigen seinerRäthe verlangt, welche mit ihm conspirirt haben sollten. Ent-schieden wies er daher die Friedensvorschläge zurück, welche derneue Rath ihm machte, und betrieb auf's Eifrigste die begon-nenen Rüstungen. Bei Hannover musterte er im September1665 ein Heer von 16,666 Mann Fußvolk und 1566 Reitern.Da griffen auch die Bürger zu den Waffen und setzten, imVertrauen auf die Hilfe der Hansa und ihre gefüllten Kassen,ihre Stadt in Vertheidigungsstand.Mächtig sei Braunschweigdurch den Bund der hansischen Städte", sprach damals ein Bür-germeister im versammelten Rathe, indem er wie jener athenischeStaatsmann durch Aufzählung der Hilfsquellen seiner Vaterstadtden Muth der Bürger aufzurichten versuchte,mächtig durchjenen Bund und so reich, daß die Braunschweiger vor jedem derStadtthore eine Braupfanne mit Goldstücken aufstellen könnten;sei dieses Geld durch den Krieg verzehrt, so könne die Bürger-schaft die zurückgelegten Nosenobel hervorlangen und selbst wenndiese ausgegeben wären, so bleibe doch noch Geld genug übrig,um den Krieg fortführen zu können ^)." Aber nicht bloß in soernsthafter Weise, sondern auch durch zahlreiche Spott- undSchelmenlieder gab sich die steigende Erbitterung auf beidenSeiten kund. So sang man in Braunschweig vom Herzoge:

Er wollte gern Bürgermeister sein

In unserer Stadt alleine,

Hat sich noch nicht geschworen ein,

Zu schützen die Gemeine,

Aber man kann seiner wol entbehrn,

Dieweil wir haben viel fromer Hern,

Die uns mit trewen meinen.

"6 Vergl. K. F. v. Strombeck, Hennig Brabant und seine Zeit-genossen. Braunschweig. 1820.

Wie groß der damalige Wohlstand der Stadt war, geht auchdaraus hervor, daß ein seines Geschäftes kundiger Brauer leichtalljährlich 500 Thlr. zurückzulegen im Stande war, und daßder Rath die Summe, für welche man das Bürgerrecht erlangenkonnte, um 100 Thlr. erhöhen durfte.