Druckschrift 
11 (1854)
Entstehung
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grauen Hofes. Auf dem Platze, wo dieser Hof gelegen war,entstand später das Residenzschloß der Herzoge.

Heinrich Julius, welcher i. I. 1589 seinem Vater Juliusin der Regierung folgte, war schon als Erbprinz von der Stadttödtlich beleidigt worden. Als er einst im Auftrage seines Vatersnach Brannschweig ritt, um dort das Hofgericht zu halten, ließenihn die Bürger nicht nur im heftigsten Regen mehrere Stundenam Thore warten, sondern, als sie ihn endlich einließen, beglei-tete ihn auch ein bewaffneter Hanfe durch die Straßen, dernicht etwa zum Gruß sondern zum Hohn seine Gewehre be-ständig abfeuerte, so daß des Prinzen Leben dabei in Gefahrgerieth.Sie müßten ihrem jungen Herrn doch einmal Pulverzu riechen geben," riefen sie spöttisch. Auch daß Brannschweigzu seines Vaters Leichenbegängniß keine Abgesandte geschickt undsich geweigert hatte, die Glocken bei dieser Gelegenheit ziehen zulassen, scheint den Herzog tief gekränkt zu haben. Er hegtedeshalb von vorn herein nicht eben die freundlichsten Gesinnungengegen die Stadt. Dazu kam, daß er, der ein gelehrter Juristwar, von der Landeshoheit nach den Begriffen des römischenRechts eine hohe, vielleicht übertriebene Meinung hatte. Ließdoch einst sein Kanzler Iagemann ans dem Landtage zu Salz-dahlnm einen Abgesandten der Stadt Braunschweig mit Gewaltgreifen und in's Gefängniß führen, aus dem er jedoch durch dieDazwischenkämst der Ritterschaft wieder befreit wurde. So ließsich voraussehen, daß es zwischen der Stadt und dem Herzogezu heftigen Zwistigkeiten kommen würde; auch hat Braun-schweig keinem Herzoge so viel zu schassen gemacht, als ebendiesem. Gleich anfangs wollte die Stadt nur unter Bedingungendie Huldigung leisten, aus welche sich der Herzog nicht einlassentonnte. Sie bestand nämlich darauf, weder die Landtage be-schicken noch die Türkenstener zahlen zu wollen; auch sollte sieder Herzog nichtErb- und Landstadt" nennen. Vergebens ver-suchte Heinrich Julius durch Unterhandlungen und, als dieseNichts fruchteten, durch Klagen beim Kaiser Rudolf II. es dahinzu bringen, daß Brannschweig nachgab. Immer gespannter wardvon beiden Seiten das Verhältniß. Man wolle, hieß es inder Stadt, lieber den Türken zum Herren haben, als einenHerzog von Braunschweig. Als die Stadt Güter, welche demHerzoge gehörten und als solche steuerfrei waren, anhielt undmit Beschlag belegte, verbot dieser allen seinen Unterthanen,Waaren und Lebensmittel nach Braunschweig zu bringen. Zudein bevorstehenden Kampfe suchte sich ein jeder Theil durchGewinnung von Bundesgenossen zu stärken. Die Stadt fanddiese an einigen Edelleuten sowie an dem Herzoge Ernst II. vonCelle, welcher wegen der einseitigen Besetzung des FürstenthumsGrubenhagen durch Heinrich Julius gegen diesen ausgebrachtwar; der Herzog scheint dagegen ans die Zwietracht, welche imInneren der Stadt herrschte, gezählt zu haben. Anzunehmenist, daß er sie schürte; gewiß, daß man einen Theil der Bürgerim Einverständnisse mit ihm glaubte. Dieses führte in Braun-

schweig zu einer blutigen Katastrophe, welche einen untilgbarenFlecken in den Geschichtsbüchern der Stadt zurückgelassen hat.

Die brabantischen Händel (denn so hat man dieses Traner-spiel nach dem Helden desselben genannt) verdienen hier um somehr einer Erwähnung, als sie einen merkwürdigen Beitrag zuder Sittengeschichte nicht nur der Stadt Brannschweig, sonderndieser ganzen Zeit liefern, deren hohe Gesittung zn rühmen inunseren Tagen wieder Mode geworden ist. Der Verlauf der-selben war in Kurzem dieser. Der vorherrschend patrizischeRath stand in dem Verdachte, es mit dem Herzoge zu halten,da er diesem ohne allen Borbehalt den Lehenseid für seineaußerhalb der Stadt gelegenen Lehen geleistet hatte. Ob dieserVerdacht gegründet war oder nicht, darauf kommt wenig an;genug er war da und die Bürger behaupteten, daß unter solchenUmständen die Patrizier, welche dem Herzog jenen Eid geleistethatten, nicht im Rathe bleiben dürften; denn Niemand könnezween Herren dienen. Nachdem man lange darüber hin undhergestritten, auch die Patrizier von verschiedenen Universitätensich darüber bejahende Gutachten eingeholt hatten, ob sie ihrerLehenspflicht ohnerachtet sich der Sache der Stadt gegen denLaudesfürsten annehmen könnten, hielten es die bei der Sachebetheiligten Rathsherrn, da sich auch die Geistlichkeit wider sieerklärte, für gerathen zurückzutreten. Im Januar 1602 legten28 Mitglieder des Rathes ihre Stellen freiwillig nieder undfür sie traten Bürger ein, deren Vaterlandsliebe über allenZweifel erhaben zu sein schien. Zugleich wurde durch den soge-nannten neuen Receß der Einfluß des Magistrats im Allge-meinen beschränkt. Der Hanptträger dieser ganzen Bewegungwar Einer der Stadthauptlente gewesen, Henning Brabant, einMann von seltener Gelehrsamkeit und großer Gewandtheit inden Geschäften, dabei von entschiedener Thatkraft und edlemCharakter. Er hatte früher der Stadt nicht unbedeutende Dienstegeleistet. Da er des römischen Rechtes im hohen Grade kundigwar und eine nicht gemeine Beredsamkeit besaß, hatte ihn derRath selbst nach Prag geschickt, um am Kaiserhofe die Sacheder Stadt gegen die Klagen des Herzogs zn führen, und erhatte sich dieses schwierigen Auftrages mit vielem Geschick ent-ledigt. Die allgemeine Stimme schrieb ihm die siegreiche Gegen-schrift zn, welche auf jene Universitäts-Gutachten erschienen war:das Volk nannte ihn schlechthinden guten Mann." Es warnatürlich, daß nach dem Rücktritte der patrizischen Rathsherrensich der Haß der Geschlechter vorzugsweise gegen diesen Mannrichtete, dessen Einfluß sie ans den einträglichen Stellen ver-drängt hatte. Ihn zu verderben scheute man kein Mittel. Manfing damit an, ihn beim Volke zu verdächtigen. Die Geistlich-keit, nunmehr im Bunde mit den Patriziern, richtete von denKanzeln herab gegen die Stadthauptlente, besonders gegen Bra-bant, die heftigsten Angriffe. Man schloß sie sämmtlich von derKirchengemeinschaft aus und beschuldigte Brabant öffentlich derZauberei und des Bündnisses mit dem Teufel. Er werde, sprengte

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