können: genng er verbot sogleich nach seiner Rückkehr die neueLehre in seinen Landen und wirkte zum Ueberfluß ein besondereskaiserliches Edikt gegen dieselbe aus. Die Stadt trat deshalbi. I. 1537 dem schmalkaldischen Bunde bei, während der Herzogsich dem ein Jahr später zu Nürnberg errichteten katholischenBündnisse anschloß und sich zum Heerführer desselben wählenließ. Brannschweig sah in demselben Jahre die Häupter desschmalkaldischen Bundes in seinen Mauern sich versammeln, unterihnen den Landgrasen Philipp von Hessen, Churfürst JohannFriedrich von Sachsen und den König Christian von Dänemark,welcher letztere bei dieser Gelegenheit in das protestantische Bündnißausgenommen wurde. Daß sowohl die Sachsen wie die Hessen trotzdes ihnen vom Herzog Heinrich verweigerten Geleites mittendurch das brannschweigische Gebiet zogen konnte nur dazu bei-tragen, den Groll des Herzogs gegen den Bund und vorzüglichgegen die Stadt Brannschweig zu steigern. Es ist bekannt, wieauf beiden Seiten die Spannung wuchs, wie man von Schmäh-schriften und gegenseitigen Anklagen zu Reibungen, von diesenendlich zu den Waffen griff. Brannschweig, welches seit Jahrendie Neckereien und Plackereien des Herzogs hatte erdulden müssen,eröffnete den Kampf. In Verbindung mit einer sächsischenHeeresabtheilung unter Bernhard v. Mila bemächtigten sich dieBürger am 21. Juli 1542 des Klosters Niddagöhansen vor denThoren der Stadt und führten daselbst die Reformation ein ineiner Weise, die an die Bilderstürmereien in Wittenberg undan anderen Orten erinnert. Herzog Hemrich, ungerüstet wie erwar, fühlte sich zu schwach, dem beginnenden Sturme die Stirnebieten zu können: deshalb verließ er das Land, nachdem er diefesten Plätze desselben mit Kriegsbedarf reichlich versehen hatte.Allein nur Wolfenbüttel leistete einen längeren Widerstand, erlagaber endlich auch den gemeinsamen Angriffen der schmalkaldischenFürsten und der Bürger von Braunschweig. Der Unterwerfungdes Landes folgte die Einführung der Reformation: unter den6 Deputirten, welche ernannt wurden, um einstweilen die Re-gierung zn übernehmen, befand sich auch ein Bürgermeistervon Braunschweig, Franz Kahle. Aus einem zu Brannschweiggehaltenen Landtage, an welchem auch Abgesandte der Stadttheilnahmen, verwilligten die Landstände den Häuptern desschmalkaldischen Bundes die zur Verwaltung des Landes nöthigenSteuern, und nm sich gegen künftige Angriffe von Seiten desHerzogs zn sichern, brachen die Bürger die vor dem Wilhelmi-thore gelegenen Gebäude des Cyriakstistes ab. Herzog Heinrichversuchte kurz darauf sich wieder in Besitz des verlorenen Landeszu setzen: er büßte diesen Versuch mit dem Verluste seiner Frei-heit. Aus seinem Kerker in der Festung Ziegenhain befreitenihn erst die Ereignisse des schmalkaldischen Krieges und diemühlberger Schlacht. Gleich den übrigen Vundesgliedern wardBraunschweig von dem unglücklichen Ansgange dieses Kriegeshart betroffen: die Stadt mußte dem Kaiser nicht allein feier-liche Abbitte leisten, sondern auch 50,000 fl. Strafgeld bezahlen
Braunschweig.
und 20 Geschütze*) ausliefern. Doch dem Herzoge unterwarfsie sich nicht; vielmehr dauerte zwischen ihm und den Bürgerndie gehässige Stimmung und der kleine Krieg fort. NachdemHeinrichs Versuch, sich i. I. 1549 der Stadt durch Berräthereizu bemächtigen, mißlungen war, begann er im folgenden Jahreeine förmliche Belagerung derselben. Wie sehr es ihm damitErnst war, geht daraus hervor, daß er vor dem Aegidienthore **)ein befestigtes Lager errichtete, welchem er den Namen Steuer-Braunschweig gab. Auch versuchte er, der Stadt durch Auf-stauung der Ocker das nöthige Wasser zu entziehen, allein deraufgeworfene Damm war nicht stark genug, um den Lauf desFlusses längere Zeit zu hemmen, und gegen Stener-Braunschweigrichteten die Bürger ihr zahlreiches Geschütz, darunter den Wolf,den grimmen Löwen und die riesige faule Mette***), welcheletztere jedoch sich als ziemlich unwirksam erwies. Nach acht-wöchentlicher Belagerung, während welcher die umliegende Ge-gend von beiden Parteien auf das Grausamste verheert undeine Menge der benachbarten Ortschaften niedergebrannt wurden,kam zwischen dem Herzoge und der Stadt ein Vergleich zuStande, wonach Alles beim Alten bleiben sollte. Doch baldsehen wir beide Theile von Neuem gegen einander in den Waffen.Ehe die Stadt, wie der Herzog verlangte, das Gericht Eichherausgab, verbündete sie sich lieber mit dem unruhigen Mark-grafen Albrecht von Brandenburg-Kulmbach, welcher damals'Niedersachsen plünderte und schrecklich verheerte. Nach der fürihn unglücklichen Schlacht bei Sievershansen zog sich dieser indas feste Brannschweig zurück, um sich hier von der erlittenenNiederlage zu erholen. Als er aber durch das Gefecht beiSteterburg zum Abzüge nach dem Süden gezwungen wordenwar, wandte sich Heinrich der Jüngere abermals gegen dieStadt, fest entschlossen für so viele ihm zugefügte Unbilden Rachezu nehmen. Von Neuem befestigte er sein früheres Lager vordem Aegidienthore und begann am 18. September 1553 dieBelagerung. Da legten sich der Kaiser, Nürnberg und einigeniedersächsische Städte in's Mittel und beredeten die streitendenParteien zu einem Frieden, der für die Stadt kaum hättedemüthigender ausfallen können. Sie mnßte nicht nur verspre-chen, in's Künftige die Landtage beschicken und sich nicht weiterden gemeinen Schätzungen entziehen zu wollen, sondern auch demHerzoge 80,000 Thaler Sühnegeld entrichten und fußfällig seineVerzeihung erflehen. Außerdem machte sie sich anheischig, dasGericht Eich gegen die Erstattung des Pfandschillings zurück-
5) Auf der wolfenbüttler Bibliothek befindet sich ein merkwürdigerFolioband mit dem Titel „K. Karls Geschützbuch", welcher dieAbbildungen der im schmalkaldischen Kriege von Karl V. erbeu-teten Geschütze enthält, darunter auch eine Anzahl braunschwei-gischer Stücke.
»s) Das jetzige Augustthor.
Sie schoß Steinkugeln von nahe an 7 Centner Schwere; jederSchuß kostete 7l) Pfund Pulver.
ii.