schweigern, welche unter ihrem Bürgermeister, Heinrich Lasferde,ihr bis Peine entgegengegangen waren. Als am folgenden Tagedie Städter ihren Weg nach Braunschweig fortsetzten, sahen siesich Plötzlich von der herzoglichen Reiterei in der Nähe desDorfes Blekenstädt angegriffen. Mit Entschlossenheit und Muthschlug das städtische Fußvolk, durch die Wagenburg und einigein der Eile aufgeworfene Schanzen gedeckt, den dreimaligen An-fall der Herzoglichen zurück. Vergebens führte Herzog Heinrichin eigener Person sein Fußvolk herbei und warf sich an derSpitze seiner Reiterei noch ein Mal auf den Feind. Nach einemhartnäckigen Kampfe löste sich das fürstliche Heer in wilde Fluchtauf: Geschütz und Gepäck fielen in die Hände der Sieger, welchemit ihren Proviantwagen und der gemachten Beute glücklich dieThore der Stadt erreichten. Dieses für den Herzog unglück-liche Gefecht entschied über den begonnenen Krieg. Zwar wur-den die Feindseligkeiten noch eine Zeit lang mit Erbitterungsortgesetzt, allein an eine Unterwerfung der Stadt war nun nichtmehr zu denken. So kam am Himmelfahrtstage 1494 einVergleich zwischen den streitenden Parteien zu Stande, in Folgedessen die Stadt Campen an den Herzog von Lüneburg undNeubrück an Heinrich von Wolsenbüttel zurückgab und außerdemnoch eine bedeutende Summe Geldes zu zahlen sich verpflichtete.Dagegen behielt sie Vechelde und Asseburg, versprach jedoch, dasletztere Schloß in den nächsten 6 Iahren nicht wieder aufzu-bauen. Darauf ertheilte ihr der Herzog den kleinen Huldebriefund später, im Jahre 1498, die Erlaubniß alle Jahre 2 freieJahrmärkte halten zu dürfen. Dieses Privilegium, welches imJahre 1505 vom Kaiser bestätigt wurde, legte den Grund zuden nachherigen braunschweig er Messen.
Heinrichs des Aelteren gleichnamiger Sohn, den man zumUnterschiede von seinem Vater den Jüngeren nennt, mußte beidem ihm eigenthümlichen hochfahrenden Sinne und bei der hohenMeinung, welche er von seiner fürstlichen Würde hegte, mitBraunschweig bald in feindliche Berührung gerathen, wärenauch nicht Meinungsverschiedenheiten confessioneller Art hinzu-gekommen, um den Streit zu schüren. Im Anfang seiner Re-gierung zwar stand er mit der Stadt in leidlichem Verhältniß,ertheilte ihr die beiden Hnldebriefe und ward während der hil-desheimischen Stiftsfehde von ihrer Seite gegen Verpfändungdes Gerichtes Eich durch Geldbeiträge unterstützt; doch dauertedieses scheinbar gute Einvernehmen nicht lange. Als der Herzogi. I. 1528 aus Italien heimkehrte, mußte er, der eifrige Ka-tholik, erfahren, daß seine Stadt Braunschweig sich öffentlichder ketzerischen Lehre Luthers zugewandt habe. Allmählich hattendie Ansichten des deutschen Reformators bei den Bürgern Ein-gang gefunden. Wie an so vielen anderen Orten, war es auchhier das deutsche Kirchenlied, welches zuerst die Gemüther fürdieselben gewann. Wandernde Handwerker brachten die deutschenGesänge aus Mittel- und süddeutschen Städten hierher und baldverdrängten diese die lateinischen Psalmen, anfangs aus den
Werkstätten, bald aus den Kirchen. Zwar mußte GottschalkKrnse, ein Mönch des Aegidienklosters, welcher von Allen derErste schon i. I. 1521 die Lehre Luthers verkündete, die Stadtverlassen, denn der Rath und die Geschlechter, als die natür-lichen Feinde aller Neuerung, nahmen im Bunde mit der katho-lischen Geistlichkeit anfangs entschieden Partei gegen die neueLehre; allein bald mehrte sich innerhalb der Stadt die Zahlder lutherischen Prediger. Im Jahre 1525 gab es schon Sie-ben derselben, unter ihnen Heinrich Lampe, welcher zusammenmit Johann Oldendorp aus Hamburg zwei Jahre später inseiner Kirche den katholischen Ritus abschaffte, das Abendmahlin beiderlei Gestalt auszutheilen und in deutscher Sprache zutaufen anfing. Bisweilen griff das Volk selbstthätig in dasWerk der Reformation ein. Als Johann Grove, der katholischeCollege Lampens an der Magnikirche, eines Tages seine Pre-digt mit den Worten begann: Vieit Aristoteles seeunckosieorum, erhob sich ein Schuster, Hans Becker, lief auf denThurm der Kirche und fing, „um den Aristotelem zu vertreiben/'die Glocke zu ziehen an, so daß Grove genöthigt war, Kanzelund Kirche zu verlassen. Oeffentlich und einmüthig erklärte sichjedoch die Stadt erst i. I. 1528 für die neue Lehre. DieBürger aller Weichbilder traten zusammen und nöthigten durchdringende Vorstellungen den Rath, sich der Reformation anzu-schließen. In Folge davon ward ein gelehrter Theologe, Hein-rich Winkel, ans Jena nach Braunschweig gerufen, der dannsämmtliche Kirchen reformirte und die protestantische Lehre förm-lich einführte. Zu gleicher Zeit verließ der größte Theil derkatholischen Ordensgeistlichkeit die Stadt. Was Winkel begon-nen, vollendete Johann Bngenhagen ans Pommern, der bekannteFreund Luthers, indem er mit Zuziehung der übrigen Geistlicheni. I. 1528 eine Kirchenordnung entwarf und das Schulwesender Stadt nach den Grundsätzen der Reformatoren völlig um-gestaltete.
Soweit war man in Braunschweig gekommen, als Heinrichder Jüngere ans Italien, wo er im Dienste des Kaisers dasfeste Lodi belagert hatte, nach Wolsenbüttel zurückkehrte. Zwarwar er damals noch nicht der fanatische Anhänger der katho-lischen Kirche, wie später; doch konnte ihm die in Braunschweiggeschehene Veränderung keineswegs gleichgiltig sein. Auch daßder Rath, sobald die Reformation durchgesetzt war, die Besetzungder geistlichen Stellen in der Stadt sich anmaßte, mußte denHerzog verletzen. Vielleicht suchte er nur nach einem Borwande,nm die Stadt mit einigem Scheine von Recht angreisen zu
Der crbarn Stadt Brunswig Christlicke Ordeninge, to Denftedem hilgen Evangelio, Christlicker Levde, Tucht, Frede undeEinigkeit. Ock darunder vele Christlicke Lere vor de Borger.Dorch Johann Bugenhagen, Pommern, bescreven. Wittenberg1528. —
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