Druckschrift 
11 (1854)
Entstehung
Einzelbild herunterladen
 

Itk' 'ii ht

^5

^üs,,.:

--'!7>«

'^l?-^.

.. "'^stiirj

"?^n» r,

T

--Sltzcki^lich

, !y!Vtl

' ^ i! llj M

-- ^'^MNA-G

- .'z ttHKW-.-' ^^.-. ß iM « «-- ^ 7-7 r is Rp ß

^ -- - -^T A iiG^A.-.i--M!>ik»

... -Ä-^

. . !'M ^.. ^

. ^ . .MB

«-F"zB

7I-"

ßlk«

,'Äki^

Anlegung der Landwehren. Jener Bund entstand i. I. 1384auf Veranlassung der von einigen Edelleuten in der Nähe derStadt verübten Räubereien und Plünderungen. Es traten zudemselben sechzig der angesehensten und reichsten Bürger zusam-men, welche sich verpflichteten, einander mit gewaffneter HandBeistand zu leisten und zu diesem Zwecke stets eine AnzahlPferde und gerüsteter Knechte in Bereitschaft zu halten. DasFeldzeichen des Bundes, von welchem er den Namen erhielt,war eine Lilie in Mitten zweier aufgerichteter Löwen. DieGründung des Vogelschießens wird dieser Lilienvente zugeschrie-ben; denn es galt, sich beständig in der Führung der Waffenzu üben. Am Johannistage 1411 ward das erste Fest dieserArt abgehalten, damals noch mit Armbrüsten, allein schon Pfing-sten 1446 vertauschte man diese mit Röhren und Büchsen. Er-hielt die Stadt auf diese Weise eine stets schlagfertige, wohl-geübte, zu ihrer Vertheidigung bereite Mannschaft, so war dieAnlegung der Landwehren für sie von noch größerer Wichtigkeit.In dem Jahre 1393 ward mit Genehmigung der Herzoge derAnfang damit gemacht. Durch Gräben, welche in weiten: Bogendie Stadt umschlossen, wurden die Viehtriften in der nächstenUmgebung derselben gegen plötzlichen feindlichen Ueberfall gesichert.Diese Landwehrgräben, welche man später durch einzelne Wart-thürme noch mehr befestigte und in deren Umfange mehrere dernächsten Dörfer (Pfahldörfer), wie Oelper, Rüningen und Lehn-dorf lagen, zogen sich von Rüningen über Oelper nach Glis-marode und von da die Wabe auswärts nach Melverode; dochist die Befestigung nach Süden, gegen Wolfenbüttel zu, nie voll-endet worden, da die Herzoge denn doch noch Einsicht und Willengenug hatten, dieses zu verhindern. Sie waren in der Thatjetzt nur noch dem Namen nach die Herren der Stadt. BeiFriedrichs Tode (1400) hatten sie innerhalb der Mauern der-selben nur noch die Stifter St. Blasii und St. Cyniaci imBesitz: alles Uebrige, was sie früher in Braunschweig besessenhatten, war in den Händen des Rathes und der Bürgerschaft.Auch hatten die Braunschweiger andere nicht unbedeutende Güterder Herzoge nach und nach an sich gebracht. Rüningen und Vecheldebefanden sich im Pfandbesitze der Stadt. Zu diesen kam i. I. 1406noch das Gericht Asseburg, welches die Herzoge um 2000 Marklöthigen Goldes der Stadt verpfändeten. Sechs Jahre später brachteder Rath die städtische Münze auf beständige Zeiten käuflich ansich. Reich durch ihre Handelsverbindungen, welche nach allenWeltgegenden hin sich erstreckten, mächtig als Haupt der säch-sischen Städte, des dritten sogenannten Quartiers der Hanse,geschützt durch starke Befestigungen und ihre kriegerische Bürger-schaft, begann die Stadt jetzt offen und unverholen danach zustreben, sich der Landeshoheit der welsischen Fürsten gänzlich zuentziehen und die Reichsfreiheit zu erringen.

Hand in Hand mit diesem Streben derselben nach äußererFreiheit geht eine allmähliche Umgestaltung der inneren Verfas-sung. Während in früherer Zeit die Regierung einzig und

allein in der Hand des patrizischen Rathes geruht hatte, scheinenallmählich die Gilden, vielleicht mit in Folge des Aufstandesvon 1374, einen verfassungsmäßigen Antheil an dem Regimentsder Stadt errungen zu haben. Schon in der unter dem Titelde Ordinarius des Rades to Brunswigk" i. I. 1408 erlasse-nen Versassung und Geschäftsordnung des Rathes wird denGildemeistern eine Theilnahme an den Berathungen über diewichtigsten städtischen Angelegenheiten, wie Gesetzgebung, Besteue-rung u. s. w. zugestanden. Nach diesem Ordinarius sollte dergesammte Stadtrath bestehen aus 36 Bürgern der Altstadt, 24des Hagens, 18 der Neustadt, 15 der alten Wiek und 12 desSackes. Die Mitglieder des so zusammengesetzten Rathes wur-den auf 3 Jahre gewählt und der dritte Theil von ihnen, wel-cher jedesmal ein Jahr regierte, führte den Titel der regieren-den Herren, die zuerstgewählten den der Großbürgermeister,die klebrigen nannte man Zugeschworene. Die regierendenHerren der Altstadt hatten den Vorsitz im Rathe, dagegen wardauf dem Rathhause der Neustadt die Wahl desselben vorgenom-men. Für die äußeren Angelegenheiten der Stadt, welche oftdas tiefste Geheimniß erheischten, bestand noch ein besondererAusschuß aus dem Rathe, der Küchenrath*) genannt. Zudiesem wählten die 21 Bürgermeister aus den Zugeschworenen4 verschwiegene und in den Geschäften der Diplomatie gewandteMänner hinzu, so daß er im Ganzen aus 25 Personen bestand.Im Verlaufe des 15. Jahrhunderts gestaltete sich jedoch dieVerfassung immer demokratischer. Es war dieses ein allgemei-ner Zug der Zeit, der in der Entwickelung, welche die Städtegenommen hatten, tief begründet lag. Bei Gelegenheit einerneuen Steuer erzwäng die Gemeine zu Braunschweig, der einzigeTheil der Bevölkerung, welcher noch keinen Antheil am Stadt-regimente hatte, in dieser Hinsicht eine Gleichstellung mit denGeschlechtern und Gilden. Das geschah nach manchen vorher-gegangenen Unruhen im Jahre 1445 und die darüber ausgestellteUrkunde heißt der große Brief. In diesem ward einmal demMißbrauche ein Ende gemacht, wonach oft mehrere, ganz naheverwandte Bürger zu gleicher Zeit im Rathe saßen, dann aberder Gemeine ein verfassungsmäßiger Antheil an der Regierungund Verwaltung der Stadt zugesichert. Jede der 14 Bauer-schaften nämlich, in welche die Gemeine zerfiel, sollte in Zu-kunft 2 Hauptleute erwählen, welche gleich den Gildemeisternzu den wichtigeren Berathungen hinzugezogen werden und dadurchAntheil an dem großen Regimente erhalten sollten. Diese alle3 Jahre neugewählten Stadthauptleute, wie man sie in derFolge nannte, erhielten außerdem das Recht, wenn Rathsherrnabgingen, an deren Stelle andere aus der gemeinen Bürgerschaft

s) Der sonderbare Name kommt von dem Versammlungsorte her,der Münzschmiede oder Küche, welche an der Ecke des Kohl-marktes und der Schützenstraße gelegen war. Doch hatte außerder Altstadt jedes andere Weichbild seine Küche.

-