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11 (1854)
Entstehung
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dem Hagenmarkte erwartete das Schaffet Hansen von Himsteddeund Tilen von Damm. Der Letztere, ein schwerer beleibterMann, vermochte das Knie nicht zur Erde zu beugen: er wardauf einem Sessel, den man herbeiholte, enthauptet. Es wirderzählt, daß, als sich Niemand zum Amte des Henkers herbei-lassen wollte, ein Mann, der einst von dem greisen Bürger-meister aus der Taufe gehoben und reich beschenkt worden war,aus der Menge hervorgetreten sei und den tödtlichen Streichgeführt habe. Zwei Tage später wurden Tile Döring undAmbrosius Sonnenberg vor das Gericht der Altstadt gestelltund gleichfalls vernrtheilt. Als Sonnenbergs Haupt gefallenwar, trat Tile Döring vor und sprach mit weinenden Augenund bewegter Stimme zu der versammelten Menge:sie möchteneinträchtig sein und nun den: Blutvergießen ein Ende machen.Auch möchteu sie uicht versäumen, einen neuen Rath zu wählen,denn ohne diesen könne die Stadt nicht bestehen." Dann wandteer sich zu den Häuptern des Aufstandes und fragte:Wessensie ihn beschuldigten, daß er sterben sollte?" Niemand antwortete.Da bat er zum Volke gekehrt, welches herbeigelaufen war, umdie Hinrichtung zu sehen, daß, wenn Jemand unter ihnen wäre,den er beim Tanze, Spiel oder Ringelrennen beleidigt hätte,dieser ihm um Gottes Willen vergeben möchte: dann wolle ergern sterben. Wenige waren unter den Tausenden, die dasSchaffet umstanden, welche nicht durch solche Worte gerührtworden wären; aber die Aufrührer wurden ungeduldig undschrieen, man solle ihm den Kopf abschlagen. Als er dieseshörte, ermähnte Tile Döring den Henker, er möge thun, wasihm befohlen werde, kniete nieder und empfing den Todesstreich *).

Nach diesem Blntbade, an welchem übrigens die alte Wiekkeinen Theil nahm, da sie vielmehr ihren Rath vor der Ver-folgung der übrigen Weichbilder muthvoll rettete, erwählte manneue Bürgermeister aus den Stimmführern des Aufstandes undverjagte die Geschlechter**) ans der Stadt. Doch die Rachefür die Unthat ließ nicht lange auf sich warten. Zwar dieHerzoge waren gänzlich außer Stande, die Stadt zum Gehorsamund zur Mäßigung zurückzubringen: desto eifriger nahm sich dieHanse der Sache an. Sie gewährte nicht nur den vertriebenenPatriziern ihren Schutz, sondern stieß auch die aufrührerischeStadt aus ihrem Bunde. Anfangs lachten die trotzigen Braun-schweiger über diese Maßnahme, allein bald mußten sie die ver-

Die Hauptquelle für diese Ereignisse ist das auf der wolfen-büttler Bibliothek befindliche, in plattdeutscher Sprache geschrie-beneSchicht boick."

55) Der Ursprung der braunschweigischen Geschlechter, welche sich inGold- und Silberringe theilten und den städtischen Adel (diePatrizier) bildeten, ist nicht klar. Wahrscheinlich waren sie ausden freien Grundeigenthümern des flachen Landes hervorgegan-gen, welche sich während der vorhergegangenen unruhigen Zeitenin die Stadt gezogen hatten. Sie waren es, aus denen in derfrüheren Zeit der Rath der Stadt gewählt wurde; auch noch inspäterer Zeit bildeten sie stets einen Hauptbestandthcil desselben.

Verbliche Wirkung derselben empfinden: ohne Schutz im Aus-lande, verfiel ihr Handel: die Waaren der Stadt wurden aufden Heerstraßen angehalten, fortgenommen, die Bürger, sobaldsie sich aus den Thoren hervorwagten, niedergeworfen. NachVerlauf von 5 Iahren sah sich die Stadt mit gänzlicher Ver-armung bedroht. Da endlich demüthigte sie sich und erlangtedurch Vermittlung des jungen Herzogs Friedrich die Wieder-aufnahme in den mächtigen Städtebund, doch nur unter hartenBedingungen. Von Neuem mußte sie sich in die Hanse ein-kaufen, die alten Rathsherren, welche noch am Leben waren,wiedereinsetzen, die Vertriebenen zurückrufen, ihnen die geraubtenGüter erstatten und zur Söhne des Frevels dem heiligen Autoreine Kapelle*) erbauen, auch Pilger nach Rom zu schicken ver-sprechen, um dort zu Gott um Vergebung der Sünden für dieErschlagenen zu beten. Außerdem verlangte die Hanse, bevorder Vertrag in Kraft trete, eine feierliche demüthige Abbitte derStadt wegen des Geschehenen.Wullen und barfuß," mit ent-blößtem Haupte und brennende Wachskerzen in den Händen,erschienen ebensoviele braunschweigische Männer, wie Rathsherrenin dem Aufstande ums Leben gekommen waren, auf dem Stadt-hanse zu Lübeck und schwuren fußfällig im Namen der Stadt,jene Bedingungen treulich halten zu wollen. Da erst erfolgte1379 die Wiederaufnahme in den Bund.

Den Dienst, welchen Herzog Friedrich bei dieser Gelegen-heit der Stadt geleistet hatte, vergalt ihm dieselbe nach Kräften.Nicht nur daß sie ihm half, Otto den Quaden aus Wolfen-büttel und dem braunschweigischen Lande zu vertreiben, sondernmit ihrem Beistande ward auch der lüneburgische Erbfolgekriegzu einem glücklichen Ende gebracht. Es bedürfte nur einerernstlichen Vorstellung des jungen Herzogs, um die Bürger zueinemmännlichen Beistande" seines Bruders Heinrich gegendie Lüneburger und die Herzoge von Sachsen zu bewegen, welchediesem sein väterliches Erbe zu entreißen drohten. Die braun-schweigischen Armbrustschützen waren es, welche an dem Tagevon Winsen (1388) den Sieg der herzoglichen Brüder über ihreGegner entschieden; Hermann von Vechelde, Bürgermeister vonBrannschweig, der dieselben führte und sich rühmlichst in derSchlacht ausgezeichnet hatte, erhielt auf dem Schlachtfelds denRitterschlag. Dafür hatte auch Herzog Friedrich, nachdem erdie Huldigung der Stadt eingenommen, ihre alten Vorrechte undFreiheiten nicht nur bestätigt, sondern neue hinzugefügt: dahingehörte die im Jahre 1386 dem Rathe ertheilte Befugniß, aufWein und Bier eine Accise zu setzen. Später (1392) wurdeSchloß und Dorf Vechelde an die Stadt für 900 Mark löthigenSilbers verpfändet, 1399 ihr die Mühlenzinse und Gülten vonallen städtischen Mühlen seitens der Herzoge wiederkäuflich überlassen.

Wichtiger war für die Wehrhastigkeit derselben nach Innenund Außen die Stiftung des Bundes der Lilienvente und die

5) Sie ward neben dem Altstadt-Rathhause erbauet.

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