festigten alten Wiek bemächtigt und drang von da über die Brücke,welche diese mit der Altstadt verband: allein hier wurde er vonden Braunschweigern, an deren Spitze Ottos Bruder, der Pfalz-graf Heinrich, kämpfte, nach hartem Verluste zurückgeschlagen.Durch diesen verunglückten Sturm entmuthigt hob er die Be-lagerung ans und führte sein Heer von der Stadt zurück. Derfromme Glaube der Zeit schrieb die Rettung derselben dem h.Autor zu, welchen man mitten unter den Braunschweigern imGewühle des Kampfes wollte fechten gesehen haben. DieseBelagerung ist in doppelter Hinsicht für das rasche Aufblühender Stadt von Bedeutung geworden: einmal ward in Folge der-selben die alte Wiek gleichfalls befestigt und mit zur Stadtgezogen, so daß diese nunmehr, abgesehen von der Burg, aus4 Theilen bestand: der Altstadt, Neustadt, dem Hagen und deralten Wiek, welche jedoch noch immer durch Gräben und Zug-brücken von einander geschieden blieben; dann aber ertheilteKaiser Otto den Bürgern zur Belohnung für die ihm und seinemHause bewiesene Treue die Zollfreiheit durch das ganze Reich.Auch entstand in dieser Zeit allmählich der fünfte Theil derStadt, der Sack, indem sich die Umgegend der Burg mehr undmehr mit Andauern füllte. Kaiser Otto gedachte überdies dertreuen Stadt in seinem Testamente: er schenkte seine Güter zuScheverlingenburg dem Dome (St. Blasius) und ernannte dieBürger zu Mitvollstreckern seines letzten Willens.
In Folge der unruhigen und gefährlichen Zeiten erweitertesich Braunschweig zusehends, indem aus der Nähe und Fernezahlreiche Bewohner des offenen Landes in seinen MauernSchutz suchten und sich innerhalb derselben niederließen. Inunerschütterlicher Treue blieb die Stadt während der Fehdenzwischen der hohenstausischen und wölfischen Partei dem Fürsten-geschlechte zugethan, welchem sie, wenn nicht ihre Entstehung,so doch ihre Erweiterung verdankte. Dieses zeigte sich besonders,als Kaiser Friedrich II. zur Zeit der Gefangenschaft, in welcheHerzog Otto das Kind gerathen war, die Stadt besetzte und sieunter dem Vorwande, daß ihm die Töchter des PfalzgrafenHeinrich ihre Ansprüche an dieselbe verkauft hätten, als seinEigenthum betrachten wollte. Dem aus der Gefangenschaftheimkehrenden Otto öffneten die Bürger das Fallersleberthorund halfen ihm die kaiserlichen Dienstmannen aus der Burgvertreiben. Dafür erhielten sie von dem Herzoge neue Frei-heiten und Privilegien, wenn auch nicht, wie man behauptethat, das Stadtrecht*). Außerordentlich rasch begann jetzt dieMacht und der Wohlstand der Stadt zu wachsen, besonders durchden sich mehr und mehr ausdehnenden Handel derselben. InDänemark, wohin schon seit dem Anfange des 13. Jahrhunderts
Wenigstens ist die darüber noch vorhandene Urkunde höchstwahrscheinlich unächt, da die ältesten in deutscher Sprache ver-faßten Diplome nicht über die Zeit Rudolfs von Habsburghinaufreichen. S. Schönemann, Diplomatik I., §, 5t.
braunschweigische Kaufleute die Waaren ihrer Heimath zu bringenangefangen hatten, befreite König Woldemar II. die Braun-schweiger wegen der seinem Neffen, dem Herzoge Otto, bewiese-nen Anhänglichkeit nicht nur von der Entrichtung der Zölle inallen seinen Staaten, sondern auch von dem Strandrechte (1228).Einen ähnlichen Freihandels- und Schutzbrief stellte ihnen zweiJahre später König Heinrich III. von England für die seinemScepter unterworfenen Landschaften aus. Durch solche Privi-legien gehoben ward Braunschweig bald eine der bedeutendstenHandelsstädte Norddentschlands. Um ihren Handel zu schützengegen die Raublust und die Gesetzlosigkeit, welche damals imReiche herrschten, trat die Stadt i. I. 1247 dem Bündnisse bei,welches sechs Jahre vorher zwischen Lübeck und Hainburg zurSicherung ihrer beiderseitigen Waarenzüge war abgeschlossenworden. Das Bündniß dieser drei Städte erweiterte sich bekannt-lich in der Folge zu dem großartigsten Bunde, der je deutscheStädte vereinigt hat, zu der Hansa.
In diesem engen Anschluß an die beiden mächtigsten Städtedes deutschen Nordens lag für Braunschweig nicht nur die Ver-suchung zu einein selbständigeren Auftreten den Landesherrengegenüber, sondern auch die Möglichkeit, diesem Streben nachgrößerer Selbständigkeit Erfolg zu verschaffen. Zwar so langeHerzog Otto lebte und auch noch unter seinen Söhnen, Albrechtund Johann, traten solche Pläne noch nicht entschieden hervor,vielmehr bestand zwischen den Herzogen und der Stadt das altegute Vernehmen ungestört fort: allein die Regierung der SöhneOttos des Kindes muß doch als die Epoche bezeichnet werden,in welcher die Stadt unmerklich anfing, ihren eigenen Weg zugehen und ihre Macht aus Kosten der Herzogsgewalt auszudeh-nen. In zwiefacher Beziehung ist die Regierung Herzog Al-brechts des Lallgen in dieser Hinsicht beachtenswert!). Mit derTheilung des Herzogthums, welche er und sein Bruder Johanni. I. 1267 vornahmen, begann in den wölfischen Landen derVerfall der fürstlichen Macht, welcher bald durch fortgesetzteZersplitterung dermaßen fortschritt, daß nicht nur Braunschweig,sondern auch andere Städte des Landes ein ursprünglich fürst-liches Recht nach dem anderen den Herzogen abzudrängen imStande waren. Was dabei den Braunschweigern vorzugsweisezu Statten kam, war der Umstand, daß die Stadt in allenfolgenden Theilungen stets Gemeingut des Gesammthauses bliebund so in die günstigste Stellung den einzelnen Linien gegenüberkommen mußte. Dann aber ist Albrechts Regierung für dasAufblühen der Stadt dadurch von großer Bedeutung geworden,daß sich während derselben (i. I. 1269) die 3 Weichbilder derAltstadt, der Neustadt und des Hagen vereinigten, so daß vonnun an alle Sachen, welche die ganze Stadt betrafen, von einemaus den gesammten Bürgermeistern jener Stadttheile gebildetenCollegium berathschlagt wurden. Dadurch kam in die Regierungund Verwaltung der Stadt eine größere Einheit und Ueberein-stimmung, während zwischen den einzelnen Mitgliedern des fürst-