Brauns ch wer g.
^)ie Gegend, wo jetzt die Hauptstadt des HerzogthumsBraunschweig ihre zahlreichen Thürme erhebt, scheint schon inziemlich früher Zeit angebant gewesen zu sein. Zwar sind dieErzählungen späterer Chronisten, nach denen Karl der Großehier einen befestigten Ort „de olde Wpk" vorgefunden, denselbenerstürmt und in seiner Nähe eine Kapelle zu Ehren des heiligenJalob erbaut haben soll, keinesweges zuverlässig, und ebensowenigGlauben verdienen die Angaben, daß Herzog Brun, der Ludol-singer, und sein angeblicher Bruder Dankward, der Eine dieStadt, der Andere die Burg, nach ihm Dankwarderode genannt,gegründet habe: doch läßt sich vermuthen, daß, noch ehe wirzuverläßige geschichtliche Nachrichten von dem Vorhandenseineines Ortes Brunswiek erhalten, diese in strategischer wie inmerkantilischer Hinsicht nicht unwichtige Gegend an der Ocker,auf der Grenze des Darlingaues und des Gaues Astfala, magbewohnt und befestigt gewesen sein. Einer Villa Brnnesgnikaber geschieht zuerst Erwähnung in der Stiftnngsurknnde derMagmkirche vom Jahre )031^). Diese Stiftung geschah ausden: Landgute und den Mitteln eines kinderlosen Edelmanns mitNamen Hatteguard, und die Schenkung desselben ward vermehrtunp erweitert durch den Bruuonen Ludolf, dessen GroßvaterBruno von Kaiser Otto I. mit der umliegenden Gegend, beson-ders mit den nahen Orten Hoheuwort'^) und Melverode be-schenkt worden war, welche die Furth über die Ocker beherrschten.Unter Ludolf und seinen Nachkommen, den beiden Ekberten,erweiterten sich allmählich die Ansiedlungen in der Nähe. ImJahre 1036 ward die Ulrichskirche von dem Bischöfe vonHildesheim eingeweiht und Ekbert I. gründete in seinem Todes-jahre (1068) das Stift Sti Chriaci st). Sein Sohn war jenerEkbert II., welcher in den Kämpfen der Sachsen gegen Hein-rich IV. eine hervorragende Rolle spielte. Er ward im Jahre1090 ermordet, einer Sage zu Folge in der Mühle zu Eisen-büttel. Alsbald bemächtigte sich sein kaiserlicher Gegner seinerBesitzungen und legte eine Besatzung in die Burg Dankwarde-
Das Original dieser Urkunde befindet sich im Landesarchiv zuWolfenbüttel.
Auch Hogewort. Diese Ansiedlung lag Melverode gegenüberauf dem linken Ufer der Ocker, vor dem ehemaligen Michaelis-thore, in der Gegend, wo jetzt die Eisenbüttler Mühle liegt.555) Lag auf dem jetzigen Kohlmarkte.
1) Vor dem heutigen Wilhelmi-Thore gelegen.
rode; allein die Bewohner der umliegenden Gegend warfen Feuerin die Burg, vertrieben die Fremden und führten die SchwesterEkberts, Gertrude, welche sich nach Scheverlingenburg *) ge-flüchtet hatte, in ihr rechtmäßiges Besitzthum zurück. DieseGertrud stiftete auf dem höchsten Punkte der Stadt dem heiligenAutor zu Ehren ein Kloster. Die Sage erzählt, sie hätte dasGelübde gethan, dem Heiligen an der Stelle eine Stiftung zuerbauen, wo die Zngthiere, die den aus Trier geholten Leichnamdesselben zogen, zuerst stillstehen würden. So entstand das Klo-ster, welches, zugleich dem h. Aegidius geweiht, von diesem denNamen erhielt: es wurde i. I. 1115 eingeweiht und mit Be-nediktinern besetzt. In der Urkunde^), durch welche Lothar vonSupplinburg diese Schenkung seiner Schwiegermutter bestätigt,wird der Ort, in welchem das Kloster lag, Brunswich genannt.Dieser Name, welcher, wie oben erwähnt wurde, ursprünglichnur einem Meierhofe anhaftete, mußte sich damals also schonüber die Nachbarschaft ausgedehnt haben; doch führte die Burgnoch immer ihren alten Namen Dankwarderode und ihr wirdin jener Urkunde die Vogtei und das weltliche Gericht über dasKloster vorbehalten.
Als der eigentliche Gründer der Stadt Braunschweig mußHeinrich der Löwe augesehen werden. Er umzog, wahrscheinlichnoch vor seiner Pilgerfahrt nach dem gelobten Lande, den damals nochganz offenen Ort mit Wall und Graben, in deren Umfang jedochdie alte Wiek nicht mit eingeschlossen war, gründete die Katha-rinenkirche und erbauete auf dem Platze, wo schon Ludolf denh. Petrus und Paulus eine Kirche gestiftet hatte, den Dom, inwelchem er die aus Palästina heimgebrachten Reliquien nieder-legte. Seit seiner Zeit erscheint der Name Braunschweig alsGesammtname für die in dieser Gegend gelegenen Ansiedlungenin allen Urkunden. Unter seinem Sohne Otto hatte der Ortseine erste ernsthafte Belagerung zu bestehen. König Philippvon Schwaben unternahm i. I. 1199 von Magdeburg hereinen Angriff auf das Herz der welsischen Lande: mit einemgroßen Heere erschien er nach Einnahme der Stadt Helmstedtund Einäscherung des Hauses Warberg vor Braunschweig undbegann die Stadt zu bestürmen. Schon hatte er sich der unbe-
5) Das heutige Walle, unweit des Einflusses der Schunter in dieOcker.
55) Die Aechtheit dieser Urkunde wird freilich mit gutem Grundeangezweifelt, da sie in deutscher Sprache verfaßt ist. S. unten.