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Hand- u. Adressbuch der Geschlechtsverbände u. Stiftungen
Entstehung
Seite
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Die Stiftungen und deren Entwickelung.

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auf die Art der Behandlung kommen müssten, welche dem bis zurletzten Consequenz willigen Opfermuthe des Adels von jeher durch dieStaatsraison und ihre Träger zu Theil geworden ist. Solche Erkennt-niss stimmt bitter und das alte, ewig wahre Sprichwort von demLohne dieser Welt, kann sich nie tiefer und schmerzender in unsereSeele graben, als wenn wir der schweren Zeiten gedenken, da unsereVäter mit ihrem letzten Hab und Gut, mit ihrem letzten TropfenBlut, den Burgwall mauern halfen, der ihr Land und ihr Volkschirmend umgab, als ringsum Feinde lagen und die Wogen der Ver-zweiflung bis an die Stufen der Throne stiegen. — Es soll so bleiben,s olange es noch einen deutschen Edelmann und deutsche Treue giebt,aber vergessen können wir nimmer, wie oft uns Liebe mit Hass undTreue mit Untreue vergolten wurde und noch vergolten wird!

Doch, dergleichen Beflectionen können mit all' ihrem Werthe fürdas sittliche Bewustsein, pro gloria et patria das Aeusserste geleistetzu haben, über die seit der Zeit der Mediatisirung und der Ablösungder Zehnten doppelt schwer in die Erscheinung getretene Ungunstder Verhältnisse des deutschen Adels nicht hinweghelfen. Die demAdel zugänglichen Lebensberufe ernähren ihren Mann nicht mehr, wiein früheren Zeiten, es gilt vielmehr, fortgesetzt Opfer zu bringen,Opfer, die schon längst in vielen Fällen das Maass der Mögligkeit undErträglichkeit weit überschritten haben.

Mit der Frage aber, aus welcher Quelle die Mittel fliessen, dieden Adel dazu befähigen, nach wie vor dem Dienste des Staates dasbeste Contingent seiner Söhne zuzuführen, kommen wir auf den Brenn-punkt des gesammten Standeslebens, auf die Frage des adeligenGrundbesitzes und wir können an dieser Frage nicht vorübergehen,wollen wir unserer Aufgabe, das Capitel „Familienstiftungen" einzu-leiten, nur einigermaassen gerecht werden. Der Grundbesitz ist imtraurigsten Niedergange begriffen. Wer möchte vor dieser Thatsachedie Augen verschliessen, wer aber möchte es gleichzeitig in Abredestellen, dass die sich überhastenden Errungenschaften des modernenVölkerlebens dieses Fundament aller staatlichen Fragen und Problemein den Zeitläuften unseres Jahrhunderts und sonderlich in der Gegen-wart verhängnissvoller Weise überwuchert haben? Zu spät vielleichtwird man dessen inne werden, wenn die capitalistische Hochfluth auchden letzten Damm zerrissen haben wird, den der feste, gläubige, alt-monarchische, auf dem Boden patriarchalischer Tradition erwachseneSinn der ländlichen Bevölkerung gegen die Versumpfung durch gross-städtische Ueberrieselungen errichtet. Immer tiefer und schmerzlicher,trotz aller Ministerreisen und aller zeitweise, überdies aber meist plato-nischen Liebeleien der höchsten staatlichen Verwaltungsorgane, — prägt